„Unzählige Überlebende suchten bei Kriegsende und danach ihre Verwandten und Freunde oder eine neue Heimat, kehrten unter schwierigsten […] Bedingungen aus dem Krieg zurück.“ (Plato & Leh 1997, S. 11). Der Zweite Weltkrieg war eines der dramatischten und gravierendsten Ereignisse der Menschheitsgeschichte. Mit dem Glauben an eine überlegene deutsche Rasse und verschuldet durch die Folgen des Ersten Weltkrieges versuchte die NSDAP, dem Führer folgend, Feinde im Land aber auch europaweit zu vernichten. Getrieben wurden die Soldaten, die dafür verantwortlich waren, die perversen Ziele des politischen Regimes auszuführen, von einer menschenverachtenden Ideologie. Dabei wurde auch das Volk in das Vorgehen involviert. Durch perfide Propaganda wurden die Menschen manipuliert und folgten zu großen Teilen ihrem Leitbild. „Schließlich sollten die Entscheidungen über Krieg und Rassenpolitik, die beiden zentralen Dimensionen der nationalsozialistischen Politik, auf Hitlers weltanschaulichen Willen zurückgehen.“ (Bundeszentrale für politische Bildung 2009). Wenn ein Diktator das Volk soweit manipuliert, dass dieses nahezu willenlos folgt, stellt sich die Frage nach der Verantwortung des Einzelnen. Mit perfiden Gedankenspielen zur Rassenlehre und Umdeutungen von Naturgesetzen versprach Hitler dem damaligen deutschen Volk, welches vom Ausgang des Ersten Weltkrieges unter anderem finanziell gezeichnet war, eine höhere Lebensqualität, da sie zur überlegenen Rasse gehören würden. Die leicht verständlichen und darüber hinaus verheißungsvollen Botschaften boten der rechtsextremistischen Ideologie Vorschub; ihren Anhängern eine glorreiche Perspektive. Die Folgen nach dem Zweiten Weltkrieg waren für die ganze Welt verheerend. Weite Landstriche Europas waren zerstört. Darüber hinaus haben ca. 55 Millionen Menschen ihr Leben verloren, darunter knapp 6 Millionen deutsche Soldaten und Zivilisten. Zudem verloren mehr als 6 Millionen Juden, Sinti und Roma oder auch Homosexuelle durch den Holocaust ihr Leben, was auf den Fremdenhass im Dritten Reich und der dahinterstehenden Ideologie zurückzuführen ist (vgl. Pötzsch 2005). Nach Pötzsch (2005) war „Deutschland […] dreifach geschlagen: militärisch, politisch und moralisch.“ Speziell der moralische Aspekt war für deutsche Heimkehrer, die den Krieg und die Gefangenschaft überlebten, von entscheidender Bedeutung bei der Wahrnehmung ihrer spezifischen Situation.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 INTENTIONEN UND SPRACHLICHE GESTALTUNG VON NACHKRIEGSLITERATUR
2.1 INTENTIONEN DEUTSCHER SCHRIFTSTELLER NACH DEM ZWEITEN WELTKRIEG
2.2 SPRACHLICHE GESTALTUNG
3 RÜCKKEHR IN DAS NACHKRIEGSDEUTSCHLAND – DIE UNMÖGLICHKEIT DER VERANTWORTUNGSVOLLEN INTEGRATION IN DIE GESELLSCHAFT
3.1 FAMILIÄRE SITUATION NACH DEM KRIEG
3.2 PROBLEMATIK DER ARBEITSSUCHE NACH DER HEIMKEHR
3.3 UMGANG MIT DER SCHULDFRAGE
4 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die gesellschaftliche Situation deutscher Heimkehrer nach dem Zweiten Weltkrieg anhand von Wolfgang Borcherts Drama „Draußen vor der Tür“. Im Zentrum steht die Analyse, warum eine verantwortungsvolle Integration der Heimkehrer in die damalige Gesellschaft faktisch unmöglich war und wie literarische Mittel zur Thematisierung dieser Ausgrenzung und der verdrängten Schuldfrage eingesetzt wurden.
- Die Intentionen der jungen Generation deutscher Schriftsteller zur Vergangenheitsbewältigung.
- Die sprachliche Gestaltung als Mittel zur Darstellung der psychischen und physischen Versehrtheit.
- Familiäre Entfremdung und die Problematik der beruflichen Reintegration.
- Der Umgang mit der individuellen und kollektiven Schuldfrage in der Nachkriegsgesellschaft.
- Die Rolle der Ignoranz und Verdrängung bei der gescheiterten Integration.
Auszug aus dem Buch
3.3 Umgang mit der Schuldfrage
Bis zu diesem Zeitpunkt konnte belegt werden, dass die Intentionen der Nachkriegsliteratur, am Beispiel von Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“, explizit auf die gesellschaftlichen Sichtweisen zum Krieg gerichtet waren. Die sprachliche Gestaltung richtete sich dabei vorwiegend auf umgangssprachliche Ausdrucksformen, um möglichst authentisch zu wirken. Doch blieb der gesellschaftliche Umgang mit der Schuldfrage des Einzelnen noch weitestgehend unberücksichtigt. Da dieser Aspekt der Aufarbeitung ein überaus zentraler im Stationendrama um den Protagonisten Beckmann ist, bedarf es einer genaueren Betrachtung der entsprechenden Sequenzen.
Die deutschen Soldaten sind mit dem festen Entschluss in den Krieg gezogen, die Ziele des Führers zu erreichen. Der Glaube, den Krieg für das Volk zu gewinnen, ließ bei den Soldaten ein hohes Maß an Standhaftigkeit entstehen, welches sich auch zum Ende des Krieges nicht verringerte. Dabei mussten die Soldaten an den Fronten schwerste Bedingungen ertragen (vgl. Trinks 2002, S. 50 f.). Speziell die Situation an der östlichen Front, an der sich Beckmann befand, kann demnach als extrem beschrieben werden. Dennoch gab es keine Auflösungserscheinungen, was für die Treue der Soldaten zu ihrem Führer und ihrer Heimatverbundenheit spricht (vgl. Trinks 2002, S. 51). Nachdem der Krieg verloren war, die Kriegsgefangenschaft überstanden und der Heimweg angetreten werden konnte, durchlebten viele Soldaten zunächst ein positives Gefühl der Rückkehr. Mit der Einstellung, sie würden freundlich von der Bevölkerung empfangen werden, kehrten sie in ihre Heimat zurück. Doch die Realität stellte sich anders dar. Statt einer gesellschaftlichen Perspektive erhielten die Heimkehrer Ablehnung und Ignoranz ihrer Mitmenschen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet den historischen Kontext des Zweiten Weltkriegs und die dramatische Lage der deutschen Heimkehrer, die bei ihrer Rückkehr auf eine verständnislose und verdrängende Gesellschaft trafen.
2 INTENTIONEN UND SPRACHLICHE GESTALTUNG VON NACHKRIEGSLITERATUR: Dieses Kapitel analysiert das literarische Engagement der jungen Schriftstellergeneration und zeigt auf, wie Borchert durch bewusste Sprachwahl – etwa Umgangssprache und elliptische Strukturen – das Leid und die Entfremdung der Heimkehrer greifbar macht.
3 RÜCKKEHR IN DAS NACHKRIEGSDEUTSCHLAND – DIE UNMÖGLICHKEIT DER VERANTWORTUNGSVOLLEN INTEGRATION IN DIE GESELLSCHAFT: Das Kapitel untersucht die zentralen Hindernisse für Beckmann: den Verlust der familiären Bindungen, die Chancenlosigkeit am Arbeitsmarkt und den systematischen Umgang der Gesellschaft mit der Schuldfrage, der den Heimkehrer ausschließt.
4 FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass Borcherts Werk ein Schonungsloses Dokument der gesellschaftlichen Ignoranz gegenüber Heimkehrern darstellt und mahnt zur fortwährenden Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit.
Schlüsselwörter
Wolfgang Borchert, Draußen vor der Tür, Heimkehrer, Nachkriegsliteratur, Vergangenheitsbewältigung, Schuldfrage, Integration, Gesellschaft, Zweiter Weltkrieg, Kriegsgefangenschaft, Stunde Null, Verdrängung, Schuld, Deutschland, Beckmann.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die gesellschaftliche Situation deutscher Heimkehrer nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem Aspekt ihrer gescheiterten Integration, analysiert anhand von Wolfgang Borcherts Drama „Draußen vor der Tür“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die soziale Ausgrenzung der Heimkehrer, die familiäre Entfremdung, die Schwierigkeit der beruflichen Wiedereingliederung sowie die moralische Verdrängung der Kriegsvergangenheit durch die Zivilgesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu belegen, warum Heimkehrer wie die Romanfigur Beckmann trotz ihres Rückkehrwunsches keinen Platz in der neuen Gesellschaft fanden, da sie von ihren Mitmenschen mit Ignoranz und Ablehnung konfrontiert wurden.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden literaturwissenschaftlichen Analyse der sprachlichen Gestaltung des Werkes und verknüpft diese mit historischen Kontextualisierungen zur Situation deutscher Heimkehrer zwischen 1945 und 1949.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Intentionen der Nachkriegsliteratur, die Analyse der sprachlichen Mittel (z.B. Umgangssprache, Ellipsen) und die detaillierte Betrachtung der Hindernisse bei der Reintegration in Familie und Arbeitswelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Heimkehrer, Nachkriegsliteratur, Schuldfrage, Integration, Verdrängung und die Analyse von Borcherts Stationendrama.
Warum spielt die Gasmaskenbrille eine so wichtige Rolle für das Verständnis von Beckmann?
Die Brille symbolisiert die Unfähigkeit des Protagonisten, die Realität nach dem Krieg objektiv wahrzunehmen; sie bindet ihn an die traumatische Vergangenheit, die von der Gesellschaft lieber vergessen werden möchte.
Warum lehnt der Direktor des Kabaretts den Heimkehrer Beckmann ab?
Der Direktor repräsentiert die Gesellschaft, die zwar oberflächlich gesellschaftliches Engagement fordert, sich aber jeder konkreten Auseinandersetzung mit der eigenen Verantwortung am Krieg und den individuellen Leiden der Heimkehrer entzieht.
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- B.A. Marco Schindler (Author), 2009, "Ein Mann kommt nach Deutschland", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153759