Vermehrt hat der Faktor Identität in den vergangenen Jahren Aufmerksamkeit als Erklärungsfaktor von Einstellungen der EU-Bürger gegenüber der EU erfahren. In dieser Arbeit wird der Einfluss der nationalen und europäischen Idenfitikation auf die Zustimmung/Ablehnung der EU-Bürger in den 15 EU-Mitgliedsstaaten des Jahres 2003 zur Erweiterung im Jahr 2004 untersucht. In einer logistischen Regression kommen dabei zusätzlich drei in der Literatur vertretene Ansätze zum tragen: der utilitaristische Ansatz, der Institutionen-Ansatz und die Theorie der kognitiven Mobilisierung. Außerdem werden nationale und europäische Identifikation nicht voneinander isoliert betrachtet, sondern es werden daraus vier Kombinationen (Cluster) gebildet und in die Analyse aufgenommen. Nach den resultierenden Befunden ist davon auszugehen, dass die Identifikationen auf komplexe Weise zusammenspielen. So scheint eine nationale und zugleich europäische Identifikation sich stärker positiv (im Vergleich zu einer nur nationalen Identifikation) auf die Zustimmung zu einer EU-Erweiterung auszuwirken als eine rein europäische Identifikation. Einen noch stärkeren positiven Effekt hat der Typ "Individualist", der weder eine nationale noch eine europäische Identifikation aufweist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Determinanten individueller Unterstützung der Erweiterung der EU
2.1 Utilitaristisches Modell
2.2. Institutionenbezogenes Modell
2.3 Kognitive Mobilisierung
2.4 Identitätsbezogenes Modell
3. Daten und Operationalisierung
4. Analyse und empirische Befunde
4.1 Identifikationstypen
4.2. Determinanten der Zustimmung zu einer Erweiterung der EU
5. Diskussion
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welche Faktoren die Zustimmung der EU-Bürger zur EU-Erweiterung beeinflussen, wobei der Fokus insbesondere auf dem Einfluss nationaler und europäischer Identifikationen liegt. Ziel ist es, durch die Analyse von Identifikationstypen und weiteren Determinanten ein tieferes Verständnis für die Einstellungen zur europäischen Integration zu gewinnen.
- Analyse verschiedener theoretischer Erklärungsmodelle (utilitaristisch, institutionenbezogen, kognitive Mobilisierung, identitätsbezogen)
- Empirische Bestimmung von Identifikationstypen mittels Cluster-Analyse
- Untersuchung der Auswirkungen von Identifikationstypen auf die Befürwortung der EU-Erweiterung
- Statistische Analyse der Determinanten mittels logistischer Regression auf Basis des Eurobarometers 60.1
Auszug aus dem Buch
2.4 Identitätsbezogenes Modell
Im identitätsbezogenen Ansatz geraten gefühlte Zugehörigkeiten der Bürger in den Blick. Identität sei hier im Sinne von kollektiver Identität, d.h. „als spezifische, auf größere gesellschaftliche Gruppen bezogene Formen der sozialen Identität“ (Westle 2003, 455) gefasst, wobei sich soziale Identität wiederum sehen lässt als “self-definitions in terms of social category memberships” (Turner 1999, 10). Im Folgenden stehen Identifikationen als Teilaspekte von Identität bzw. Zugehörigkeitsgefühl zu einem Kollektiv im Vordergrund (Westle 2003, 455).
In der Literatur zur europäischen Integration in der öffentlichen Meinung wird neben dem Faktor nationale Identifikation (Sniderman 2004; de Vreese/Boomgaarden 2005; de Vries/van Kersbergen 2007) unter dem Begriff Identität auch das Ausmaß der europäischen Bindung der Bürger betrachtet (z.B. Carey 2002; Karp/Bowler 2008; Lubbers 2008; Schoen 2008). Doch greift ein Vorgehen womöglich zu kurz, wenn nationale und europäische Bindung als separate Determinanten verwendet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der europäischen Integration ein, definiert den Forschungsgegenstand der EU-Erweiterung und stellt die Relevanz der Identitätsforschung in diesem Kontext dar.
2. Determinanten individueller Unterstützung der Erweiterung der EU: Hier werden vier zentrale Erklärungsmodelle (utilitaristisch, institutionenbezogen, kognitive Mobilisierung, identitätsbezogen) diskutiert und Hypothesen zur Unterstützung der EU-Erweiterung abgeleitet.
3. Daten und Operationalisierung: Das Kapitel beschreibt den Datensatz (Eurobarometer 60.1), die Stichprobe sowie die methodische Umsetzung der abhängigen und unabhängigen Variablen.
4. Analyse und empirische Befunde: Dieser Teil präsentiert die empirische Identifizierung der Identifikationstypen sowie die Ergebnisse der logistischen Regressionsanalyse hinsichtlich der Determinanten der Zustimmung zur EU-Erweiterung.
5. Diskussion: Die Befunde der Analyse werden hier bewertet und in den Kontext der vorhandenen Literatur sowie der theoretischen Ansätze eingeordnet.
6. Schluss: Dieses Kapitel resümiert die Hauptergebnisse der Untersuchung und identifiziert weiteren Forschungsbedarf sowie methodische Implikationen.
Schlüsselwörter
Europäische Integration, EU-Erweiterung, Identität, nationale Identifikation, europäische Identifikation, Identifikationstypen, öffentliche Meinung, Eurobarometer, utilitaristisches Modell, kognitive Mobilisierung, Institutionen, soziale Identität, Einstellungen, Demokratie, Regressionsanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Faktoren, die die Unterstützung der Bürger der EU-15 Staaten für die EU-Erweiterung beeinflussen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Einfluss von Identitätskonzepten liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Studie betrachtet vier Erklärungsansätze: utilitaristische Faktoren, institutionenbezogene Faktoren, kognitive Mobilisierung und identitätsbezogene Modelle.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu prüfen, wie sich unterschiedliche Kombinationen von nationaler und europäischer Identifikation (Identifikationstypen) auf die individuelle Unterstützung einer EU-Erweiterung auswirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Neben einer Cluster-Analyse zur Identifikation der Identitätstypen kommt die logistische Regression als statistische Analysemethode zum Einsatz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Herleitung der Hypothesen, die Beschreibung der Datenbasis und Operationalisierung sowie die Präsentation und Diskussion der empirischen Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind EU-Erweiterung, Identifikationstypen, soziale Identität, europäische Integration und öffentliche Meinung.
Welchen Einfluss haben Identifikationstypen auf die Zustimmung zur EU-Erweiterung?
Die Analyse zeigt, dass Identifikationstypen einen komplexeren Einfluss haben als isolierte Identitätsvariablen; beispielsweise zeigen der "Holist" und der "Individualist" überraschend hohe Zustimmungswerte.
Wie bewertet die Arbeit den Einfluss des Faktors "Nettoempfängerland"?
Entgegen der theoretischen Erwartung weist die Variable des Nettoempfängerlandes keinen negativen, sondern einen positiven Effekt auf die Zustimmung zur EU-Erweiterung auf.
- Quote paper
- Pascal König (Author), 2009, Der Einfluss von Typen nationaler und europäischer Identifikationen auf die Befürwortung einer Erweiterung der Europäischen Union, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153763