Entwicklung der Schreibkompetenz durch Leistungsmessung

Kreatives Schreiben im Fokus der Diskussion


Seminararbeit, 2008

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entwicklung der Schreibkompetenz
2.1 Schreiben als geistige Herausforderung
2.2 Entwicklungsverlauf der Schreibkompetenz
2.3 Entwicklungsmodelle der Schreibkompetenz

3 Kreatives Schreiben
3.1 Der Begriff der Kreativität
3.2 Kreatives Schreiben vs. traditioneller Aufsatzunterricht

4 Entwicklung der Schreibkompetenz durch Leistungsmessung

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Dass ein Großteil der Schüler[1] heutzutage nur schwer zu motivieren ist, im freiwilligen Maße zu lesen oder gar zu schreiben, wird im heutigen medialen Zeitalter keine große Überraschung darstellen. Die Gründe für das Desinteresse zur Schriftlichkeit auf Seiten der Schüler sind jedoch vielfältiger. Zum einen ist durchaus ersichtlich, dass sich die jungen Menschen primär mit den neuen Medien auseinandersetzen. Seine Freizeit verbringt der Schüler a priori heute vor dem Fernseher oder vor dem Computer, nicht vor dem Schreibblock – mit einem Füller oder ähnlichem `bewaffnet´. Briefe werden weitestgehend auf Nachdruck und Dringlichkeit verfasst, wie dies etwa bei Bewerbungen oder Kündigungsschreiben der Fall ist. Mitteilungen zu Bekannten oder Verwandten dagegen werden kurz verfasst, via Email oder SMS. Zu komfortabel erscheint der Zeitvorteil.

Auf der anderen Seite muss sich aber auch der Deutschunterricht den Vorwurf gefallen lassen, die Schüler nicht ausreichend zum Lesen und Schreiben zu animieren. Die Lehrkräfte stehen vor dem Problem, den Schülern einerseits die Freude am Schreiben zu vermitteln und somit Schreibprozesse positiv zu unterstützen, andererseits den Unterrichtsstoff planmäßig zu bearbeiten und voranzutreiben. Bei Aufsatzarbeiten, wie beispielsweise einer Erörterung oder einer Charakterisierung, werden formale Standards zum Zentrum der Leistungsbetrachtung, die Individualität und Entfaltungsmöglichkeiten im Bezug auf die Aufgabenstellung des einzelnen Schülers dagegen bleibt häufig unberücksichtigt. Dadurch kann es häufig passieren, dass der Schreibprozess von den Schülern als anstrengend und teilweise auch als unfair angesehen wird, wodurch das schulische Schreiben frustriert und nicht fördert (vgl. Becker-Mrotzek 2005). Zudem sind die Leistungsmessungen und schließlich auch deren Bewertung des Schülers innerhalb des Literaturunterrichts im Fokus der Betrachtung. Hierbei liegen die Probleme darin, einen Schüler seinen Leistungen entsprechend zu bewerten (vgl. Schimunek 1995). Doch worin besteht die Leistung eines Schülers?

Diese Ausarbeitung wird sich damit befassen, was unter dem Begriff der Schreibkompetenz zu verstehen ist und welche Entwicklungsstufen innerhalb der Persönlichkeitsentwicklung seitens des Schülers vollzogen werden. Es wird versucht werden zu verdeutlichen, was unter kreativem Schreiben zu verstehen ist und wie sich dies von etablierten Aufsatztechniken mit festen Bewertungsstandards unterscheidet. Darüber hinaus wird es unumgänglich sein, zu erläutern, welche diagnostischen Fähigkeiten die Lehrkraft aufweisen sollte, um die Schreibentwicklung des Einzelnen im Rahmen der Leistungsbeurteilung zu befördern. Dabei soll aufgezeigt werden, welche gravierenden Unterschiede zwischen der Leistungsmessung und der expliziten Leistungsbeurteilung vorliegen und wie diese zu einem Ganzen zusammenzuführen sind. Abgeschlossen wird diese Ausarbeitung mit einem Fazit.

2 Entwicklung der Schreibkompetenz

2.1 Schreiben als geistige Herausforderung

„Die Einübung in die Schriftlichkeit ist ein schwieriger und langwieriger Prozess.“ (Beisbart & Marenbach 2006, S. 59). Aus diesem einführenden Zitat lassen sich bereits prägnante Schlussfolgerungen ziehen. Auf der einen Seite ist der Aspekt der Schwierigkeit zu nennen. Wie im weiteren Verlauf dieser Ausarbeitung ersichtlich wird, ist speziell der Aspekt des kreativen Schreibens nicht einfach realisierbar. Zum jetzigen Zeitpunkt soll der Aspekt der Langwierigkeit in den Fokus gerückt werden, umfasst dieser verschiedene Entwicklungsstufen und damit einhergehende Kompetenzen auf Seiten der Schüler. Daraus ergibt sich, dass innerhalb einer Diskussion über Entwicklungsstufen der Schreibkompetenz auch spezifische Bildungsstandards aufzuführen sind, damit die Transparenz und somit eine Vergleichbarkeit der Leistungen der Schüler gegeben ist.

Nach Beisbart & Marenbach (vgl. 2006, S. 59 f.) existieren verschiedene Komponenten, welche einen Einfluss auf die kognitive Entwicklung der Schreibfähigkeit ausüben. So besteht in einer Komponente eine Notwendigkeit darin, seinen eigenen Schreibprozess bewusst steuern zu können. Darunter ist die planmäßige Handlung des Schreibens genau so zu verstehen wie dessen generelle Organisation. Der Schreibende agiert aus seinen bislang im schulischen Alltag gesammelten Erfahrungen sowie den privaten und gesellschaftlichen Einflüssen heraus. So wird ersichtlich, dass die eigene Wahrnehmung des Einzelnen kombiniert wird mit bekannten Aufsatzarten, welche in der Schule erlernt wurden. Die Kombination erfolgt durch die Ordnung der Gedanken, so dass von einem planmäßigen Ergebnis gesprochen werden kann (vgl. Beisbart & Marenbach 2006, S. 60). Die genannten Aspekte setzen einen zentralen Impuls seitens des Schreibenden voraus: Die Motivation zum Schreiben muss gegeben sein. Darüber hinaus besteht die zweite Komponente in dem eigenen Sprachbewusstsein des Schülers. Hierbei sollen die Schüler ihren eigenen Schreibstil entwickeln und verfestigen. Dabei ist zu bedenken, dass zum Erlernen des Schreibstils auf isolierte Schreibübungen verzichtet werden sollten, denn einzelne Übungen, beispielsweise zur Rechtschreibung, befördern nicht den kompletten Schreibprozess (vgl. Beisbart & Marenbach 206, S. 61). So sollte eine Übung zur Förderung der Schreibkompetenz aus drei Faktoren bestehen: Auswahl, Abweichung, Zeichen.

Die Auswahl bezieht sich auf individuelle sprachliche Eigenschaften des Schreibenden, wie beispielsweise den Wortschatz oder feste Satzmuster. Die grundlegenden Kriterien verschiedener Aufsatzarten werden demnach berücksichtigt. Anders stellt sich dies bei der Abweichung dar. Speziell beim Aspekt des kreativen Schreibens soll ein eigener Text entstehen, ohne unflexible Formalitäten im Bezug auf die Aufsatzart. Allgemeine Grundsätze zur Rechtschreibung und Grammatik bleiben aktiv. Als letzter Faktor werden die Zeichen genannt. Um einen eigenen Text zu verfassen, dient dem Schreibenden sein eigenes Vokabular. Somit ergibt sich ein individueller Text.

„Die Beziehung zwischen Denken und (schriftlicher) Sprache ist […] unzureichend erforscht.“ (Beisbart & Marenbach 2006, S.61). Die dritte Komponente bezieht sich auf verschiedene Ausprägungen wie dem Erfinden, dem Urteilen auf Geschehnisse und dem Erinnern des Schreibenden. Hierbei bleibt zu erwähnen, dass es nicht zutreffend ist, das Denken als Voraussetzung des Schreibens anzusehen. Vielmehr fördert die schriftliche Sprache die Klarheit des Denkens. Eine andere Komponente innerhalb der Diskussion um die Entwicklung der Schreibkompetenz spiegelt die Differenz zwischen Schriftlichkeit und Mündlichkeit wider. Die Mündlichkeit bezieht sich eher auf private Situationen und ist zudem wenig geplant und narrativ. Die Schriftlichkeit dagegen ist als eher öffentlich zu bezeichnen und zudem durchaus geplant und strukturiert. Die Konzentration wird hierbei auf die sprachlichen Elemente gelegt (vgl. Beisbart & Marenbach 2006, S. 52). Rechtschreibung und Grammatik kommen somit stärker zum Ausdruck als bei einer mündlichen Konversation. Nichtsdestotrotz haben die schriftlichen Fähigkeiten des Einzelnen Auswirkungen auf die Mündlichkeit. Die Möglichkeit, in spezifischen Situationen (private, berufliche, sportliche etc.) verbal unterschiedlich auftreten zu können, kann durch eigene Texte verbessert werden. Daher hat die Schule die Aufgabe, den einzelnen Schüler individuell zu befördern, damit seine schriftlichen und mündlichen Fähigkeiten ausgebildet werden (vgl. Meyer 2004, S. 86 f.). Wie sich die individuelle Förderung im Bezug zur Leistungsbeurteilung darstellt, wird im Abschnitt 4 aufgezeigt werden. Folgend wird es nun um Bildungsstandards innerhalb der Schreibkompetenz gehen.

Becker–Mrotzek (vgl. 2008) listet die spezifischen Bildungsstandards für das Unterrichtsfach Deutsch auf. Demnach existieren drei Grundbereiche innerhalb des Spracherwerbs und –gebrauchs: Sprechen und Zuhören, Schreiben, Lesen.

Das Sprechen und Zuhören übernimmt eine wichtige Position im Bereich des Spracherwerbs. Hierbei geht es darum, mit anderen zu sprechen und somit in Kontakt zu treten. Auch das Präsentieren von Inhalten vor einer Gruppe ist genau so bedeutsam wie das eigene Hörverstehen zu entwickeln. Ähnlich relevant ist das Lesen für den Spracherwerb. Als Bildungsstandard wird hierbei auch der Umgang mit Medien gesehen sowie die Fähigkeit, sich Kenntnisse über Literatur zu verschaffen. Das Schreiben ist darüber hinaus von entscheidender Bedeutung. Hierbei sollen die Schüler über Schreibfertigkeiten verfügen. So sind die grammatikalischen Anforderungen an einen Text und die Rechtschreibung genau so relevant wie die individuelle Gestaltung des Schreibprozesses. Weiter sollen die verschiedenen traditionellen Aufsatzarten beherrscht und mit kreativen Ansätzen fortgesetzt werden. Die Entwicklung ist an die verschiedenen Jahrgangsstufen geknüpft (vgl. Becker-Mrotzek 2008). Nachdem die Standards aufgeführt wurden, soll folgend die Überprüfung dieser betrachtet werden.

Zur Überprüfung der Bildungsstandard existieren seit 2007 Vergleichsarbeiten in allen Jahrgangsstufen, in denen der Stand des Schülers begutachtet werden soll (vgl. Becker-Mrotzek 2008). Zum Zeitpunkt der Arbeit sollen die Schüler einen gewissen Leistungsstand aufweisen. Im Fazit wird zu diesem Aspekt die Frage aufgeworfen, wie sich die Standardisierung mit der Individualisierung vereinbaren lässt. Zunächst bleibt festzuhalten, dass die Arbeitsaufträge von Didaktikern erstellt werden und diese Aufgaben in drei Kompetenzskalen unterteilt sind. Der niedrigste Schwierigkeitsgrad umfasst die reine Wiedergabe eines Sachverhaltes. Anschließend sollen die Schüler in der Lage sein, spezifische Zusammenhänge zur Arbeit herzustellen und diese Zusammenhänge im abschließenden Prozess zu reflektieren und zu beurteilen. Zu den Arbeitsaufträgen bleibt zu erwähnen, dass diese so konzipiert werden sollen, dass sie einerseits komplex sind, andererseits nur wenige richtige Lösungen zulassen (vgl. Becker-Mrotzek 2008). Die gestellten Arbeitsaufträge sollen durch ein Text-Bild-Design unterlegt werden und einen altersgemäßen Bezug aufweisen. Soweit der Überblick über die kognitiven Eigenschaften und Bildungsstandards im Bezug zur Schreibkompetenz. Folgend soll die Entwicklung der Schreibkompetenz junger Menschen verdeutlicht werden.

2.2 Entwicklungsverlauf der Schreibkompetenz

Begonnen werden soll dieser Abschnitt mit der Fragestellung, ob es einen linearen Entwicklungsprozess bei der Entwicklung der Schreibkompetenz gibt und wie dieser gegebenenfalls aussieht? Wird die traditionelle Aufsatzdidaktik herangezogen, so lassen sich durchaus Aussagen treffen, welche die oben aufgeworfene Fragestellung verifizieren. „[…] von der mündlichen Reihung zur `Form Geschichte´ und weiteren Textmustern, von der Orientierung an der Zeitlinie zur begrifflichen Systematik.“ (Beisbart & Marenbach 2006, S. 63). Nach diesem Ansatz wären Schüler in der Lage, im Verlauf ihrer schulischen Ausbildung vertiefende Aspekte der Aufsatzdidaktik zu verinnerlichen und praktisch umzusetzen. Doch ist die Entwicklung der Schreibkompetenz tatsächlich so einfach zusammenzufügen? Plausibler erscheint ein anderer Lösungsansatz: Nach Beisbart & Marenbach (vgl. 2006, S. 63 f.) sind diverse Faktoren verantwortlich für die Schreibkompetenz. Diese Faktoren sind die Sprachentwicklung, das Schreibinteresse, die Schreibroutine sowie ein kognitiver Textkompetenzerwerb.

[...]


[1] Um den Lesefluss positiv zu prägen, wird auf eine geschlechterspezifische Unterscheidung von Schüler und Schülerin verzichtet und der maskuline Terminus verwendet.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Entwicklung der Schreibkompetenz durch Leistungsmessung
Untertitel
Kreatives Schreiben im Fokus der Diskussion
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Fakultät III)
Veranstaltung
Textproduktion
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V153766
ISBN (eBook)
9783640662821
ISBN (Buch)
9783640662975
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schreibkompetenz, Kreatives Schreiben, Schreibprozess, Freies Schreiben
Arbeit zitieren
B.A. Marco Schindler (Autor), 2008, Entwicklung der Schreibkompetenz durch Leistungsmessung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153766

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Entwicklung der Schreibkompetenz durch Leistungsmessung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden