Der Text befasst sich kritisch mit der Argumentation, die Donald Davidson in "Rational Animals" gegen eine Rationalität von Tieren anführt. Anhand von neuen und aus der philosophischen Diskussion bereits bekannten Beispielen aus der Tierbeobachtung werden die drei Hauptthesen Davidsons besprochen: Der holistische Charakter der Überzeugungen, die Notwendigkeit der Sprache und der Begriffe für Überzeugungen, sowie die Triangulation als Notwendigkeit für das Finden objektiver Wahrheit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Davidsons Argumentation
2.1 Differenz zwischen Mensch und Tier
2.2 Überzeugungen und deren Netz
2.3 Sprache, Begriff und Wahrheitsfähigkeit
3. Kritik und Gegenüberlegungen
3.1 Anthropozentrismus
3.2 Zuschreibung von Überzeugung
3.3 Gegen das Komplexitätsargument
3.3.1 Notwendigkeit der Begrenzung
3.3.2 Möglichkeit kleinerer Netze
3.4 Wahrnehmung und Überzeugung
3.5 Überraschung und Hoffnung
3.6 Gegen das Begriffsargument
3.7 Über das Triangulationsargument
3.7.1 Einfache Triangulation
3.7.2 Intersubjektive Triangulation
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Position von Donald Davidson auseinander, der die Rationalität von nicht-menschlichen Lebewesen aufgrund des Fehlens von Sprache und komplexen Überzeugungsnetzen in Frage stellt. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, ob Davidson den Tieren den Status rationaler Wesen zu Recht abspricht oder ob eine erweiterte Interpretation von Rationalität und Triangulation auch bei Tieren Anzeichen geistiger Fähigkeiten zulässt.
- Behavioristische Erklärungsmodelle vs. mentale Zustände bei Tieren.
- Die Rolle propositionaler Einstellungen und Überzeugungsnetze.
- Kritik am Komplexitäts- und Begriffsargument Davidsons.
- Analyse der Triangulation als Bedingung für objektive Wahrheit.
- Fallbeispiele tierischen Verhaltens als Indikatoren für Rationalität.
Auszug aus dem Buch
3.2 Zuschreibung von Überzeugung
Folgen wir Davidson, so müssen wir sagen: Wenn ein Tier denken können soll, so bedarf es der Überzeugung beziehungsweise eines Netzes von Überzeugungen. Wir können aber scheinbar nicht erklären, welchen Gehalt eine solche Überzeugung haben könnte. Das macht es fragwürdig, davon auszugehen, dass Tiere so etwas haben. Betrachten wir noch einmal das Beispiel von Malcolms Hund, der eine Katze jagt:
Ein Hund verfolgt eine Katze quer durch die gesamte Nachbarschaft. Schließlich jagt er diese Katze auf eine Gruppe von Bäumen zu. Die Katze steuert genau zu einem dieser Bäume, doch sie schlägt im letzten Moment einen Haken und klettert an einem anderen hinauf, um sich zu verstecken. Der Hund aber registriert dieses letzte Ausweichmanöver nicht und rennt weiterhin zu dem zuerst angesteuerten Baum, an dem er dann hinauf bellt. Dass er damit den falschen Baum hinauf bellt, ist inzwischen sprichwörtlich geworden.
Die allgemeine Orientierung in dieser Verfolgungsjagd kann man sicherlich im Sinne eines einfach gehaltenen Behaviorismus ohne den Rückgriff auf Überzeugungen erklären. Dass Hund und Katze nicht gegen herumstehende Gegenstände stoßen, wenn sie schnell durch die Gärten der Nachbarschaft rennen, ist mit den Reflexen auf Wahrnehmung erklärbar. Auch wenn dieser Mechanismus gelegentlich nicht so ganz zu funktionieren scheint – die Katze bei ihrer Flucht beispielsweise an eine Gießkanne stößt, diese umwirft und sich vielleicht sogar selbst dabei verletzt – können wir dies beispielsweise mit einer Ungenauigkeit erklären, die der Geschwindigkeit der Verfolgungsjagd geschuldet ist. Der Reiz der im Weg stehenden Kanne wurde, so betrachtet, nicht schnell genug in eine Ausweichbewegung umgesetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das intuitive Verständnis von tierischer Intelligenz und stellt die behavioristische Sichtweise dem Essay „Rational Animals“ von Donald Davidson gegenüber, um die kritische Auseinandersetzung einzuleiten.
2. Davidsons Argumentation: Dieses Kapitel erläutert Davidsons Thesen zur notwendigen Differenz zwischen Mensch und Tier, die sich primär durch den Besitz propositionaler Einstellungen und die Beherrschung von Sprache begründet.
3. Kritik und Gegenüberlegungen: Der Hauptteil hinterfragt kritisch Davidsons Argumente, darunter das Komplexitätsargument, das Begriffsargument und die Notwendigkeit der Triangulation, indem er tierische Beispiele und Gegenargumente einbezieht.
4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass die Zuschreibung einzelner Überzeugungen an Tiere sinnvoll ist und Davidsons Triangulationsargument auch durch nonverbale, soziale Verhaltensweisen bei Tieren in Frage gestellt werden kann.
Schlüsselwörter
Rationalität, Donald Davidson, propositionale Einstellungen, Überzeugungen, Triangulation, Behaviorismus, Geist der Tiere, Sprachphilosophie, kognitive Fähigkeiten, Anthropozentrismus, Wahrnehmung, Konditionierung, intentionale Systeme, Begriffsschema, Wissensrepräsentation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophische Frage, ob und inwieweit Tieren Rationalität und eine geistige Welt zugeschrieben werden können, wobei Donald Davidsons skeptische Position als Ausgangspunkt dient.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Natur des Denkens, die Verbindung zwischen Sprache und Überzeugung sowie die Analyse von tierischem Verhalten durch philosophische Kategorien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Annahme Davidsons zu prüfen, dass nur sprachbegabte Wesen rationale Überzeugungen besitzen können, und zu untersuchen, ob Tiere dies durch alternative Formen der Triangulation widerlegen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Argumentationsanalyse, die Davidsons Thesen auf ihre Konsistenz prüft und mit empirischen Beobachtungen aus der Tierverhaltensforschung vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der systematischen Widerlegung von Davidsons Argumenten, insbesondere dem Komplexitäts- und Triangulationsargument, gestützt auf Beispiele wie jagende Hunde, Löwen und Meerkatzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Rationalität, propositionale Einstellungen, Triangulation, Überzeugungsnetz, Anthropozentrismus und Kognition.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Wahrnehmung und Überzeugung?
Der Autor argumentiert, dass Wahrnehmungen, sobald sie in Relation zueinander gesetzt werden, bereits als Überzeugungen fungieren, da sie die Kategorie der Wahrheit und Falschheit berühren.
Welche Bedeutung kommt dem Beispiel der jagenden Löwen zu?
Das Beispiel der kooperativen Jagd bei Löwen dient als Beleg für intersubjektive Triangulation, da die Tiere ein arbeitsteiliges Verständnis benötigen, das über bloße Reiz-Reaktions-Schemata hinausgeht.
- Citation du texte
- Stefan Enke (Auteur), 2010, Rationalität verschiedener Lebewesen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153913