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Das Redentiner Osterspiel - ein Exorzismus?

Title: Das Redentiner Osterspiel - ein Exorzismus?

Term Paper (Advanced seminar) , 1999 , 44 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: M.A. Nadine Elisabeth Müller (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Exi, immunde spiritus, et da locum spiritui sancto!
(Fahre aus, Du unreiner Geist, und gib Raum dem heiligen Geist ! )1
Dies ist die älteste überlieferte kirchliche Exorzismusformel aus dem 7./8.Jahrhundert n. Chr., der vor dem Taufakt in der Regel dreimal gesprochen wurde.
Besessenheit und Exorzismus waren noch bis in das 19. Jahrhundert hinein Bestandteil der abendländisch-christlichen Alltagskultur. Besessenheit gilt heute als eine aus einem religiös-mythologischen Weltbild entstandene Interpretation von bestimmten psychischen Krankheitsbildern; Exorzismen als überholter christlicher Ritus. Aber wie war das Verhältnis zum Exorzismus im Mittelalter? Finden wir gar im Redentiner Osterspiel einen Exorzismus?

Im ersten Teil dieser Arbeit stehen grundlegende, religionswissenschaftliche Definitionen im Vordergrund, damit eine einheitliche Sprache in der Diskussion vorherrscht. Außerdem soll geklärt werden, wie der Glaube an Besessenheit in der christlich-abendländischen Kultur entstand und wie sich Besessenheit und Exorzismus im mittelalterlichen Alltag darstellten. Außerdem sollen der Verlauf einer Besessenheit und eines Exorzismus dargestellt, sowie die wissenschaftlichen Erklärungen aus heutiger Zeit für das Phänomen Besessenheit aufgezeigt werden.
Im zweiten Teil möchte ich einen kurzen Überblick über die mittelalterlichen Osterspiele geben und auf die Bedeutung bzw. den Bedeutungswandel bezüglich der Zuschauer2 eingehen. Denn anders als Theater heute war das mittelalterliche Drama eine "dramatisch-szenische Darstellung geistlicher Stoffe, welche Belehrung bezweckt" 3.
Im dritten Teil wird dieses Wissen auf ausgewählte Szenen des Redentiner Osterspiels angewendet und es soll überprüft werden, ob dort ein Exorzismus (oder mehrere Exorzismen) vollführt werden und wie die Forschung diese wichtige Thematik behandelt hat.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

Teil I Exorzismus – Besessenheit – Rituale Romanum

2. Definitionen

2.1. Exorzismus (religionswissenschaftlich)

2.2. Dämon

2.3. Teufel

2.4. Luzifer

3. Grundlagen

3.1. Stellung der Kirche im Mittelalter

3.2. Exorzismen im Alten und Neuen Testament

3.3. Exorzismen im Mittelalter

4. Der Exorzismus nach dem „Rituale Romanum“

4.1. Vorbemerkung

4.2. Vorgang der Besessenheit

4.3. Verlauf der Exorzismus

5. Wissenschaftliche Erklärungen des Besessenheit

Teil II Das mittelalterliche Drama – Passions- und Osterspiele

6.1. Definition

6.2. Die Quellen

6.3. Bildungssprache Latein vs. Volkssprache Deutsch

6.4. Die Veränderung des Spieles: aus der Kirche auf den Marktplatz

6.5. Das geistige Spiel – mehr als Unterhaltung

6.6. Der mittelalterliche Zuschauer

6.7. Passions- bzw. Osterspiele

Teil III Das Teufelsspiel im Redentiner Osterspiel – ein Exorzismus ?

1. Einleitung

2. Die Teufelsszenen

3. Aufbau des Osterspiels

3.1. Erster Hauptteil „Das Osterspiel“

3.1.1. Die Höllenfahrtszene(n)

3.1.2. Religionswissenschaftlicher Exkurs Religion - Magie

3.1.3. Ergebnis des Exkurses bezüglich Fischer-Lichte

3.1.4. Wird in der Höllenfahrtszene ein Exorzismus vollführt?

3.2. Zweiter Hauptteil „Das Teufelsspiel“

3.2.1. Teufelsspiel

3.2.2. Wird in diesem Teil des Stückes, im Teufelsspiel, ein Exorzismus vollführt?

3.3. Zusammenfassung und Ergebnisse

3.3.1. Forschungsüberblick und Kritik

3.3.1.1. Zusammenhang Exorzismus und Erlösung

3.3.2. Erlösung

3.3.2.1. Religionswissenschaftliche Definition von Erlösung

3.3.2.2. Forschungsüberblick Erlösung

3.3.3. Ergebnis

4. Ausblick

5. Bibliografie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Redentiner Osterspiel im Hinblick auf die zentrale Forschungsfrage, ob in diesem mittelalterlichen Drama exorzistische Riten dargestellt werden oder ob eine andere spirituelle Funktion im Vordergrund steht.

  • Religionswissenschaftliche Definition und Abgrenzung von Exorzismus, Besessenheit und Magie.
  • Die Stellung und Bedeutung der Kirche sowie des Glaubens an Dämonen im Mittelalter.
  • Analyse des „Rituale Romanum“ als Grundlage christlicher Exorzismus-Vorstellungen.
  • Untersuchung des mittelalterlichen Dramas und der spezifischen Struktur des Redentiner Osterspiels.
  • Kritische Auseinandersetzung mit Forschungspositionen (u.a. Fischer-Lichte) zur Exorzismus-Funktion.

Auszug aus dem Buch

3.1.4. Wird in der Höllenfahrtszene ein Exorzismus vollführt?

Entgegen der Vermutung von Fischer-Lichte, glaube ich nicht, dass in der Höllenfahrtszene ein Exorzismus vollführt wird. Meiner Ansicht nach fehlen hier die typischen (vorgeschriebenen) Elemente und die geweihten und heiligen Gegenstände, wie Reliquien, Weihwasser, Hostien etc. Auch das Element der Besessenheit, das unabdinglich zu einem Exorzismus gehört, fehlt.

Die Szene dient eher dem dramatischen Aufbau der Handlung, denn schon in Vers 585 sagt Jesus zu Luzifer „Du scholt hir negest mer malet wesen“ und weist daraufhin, dass die Handlung nun gerade erst ihren Lauf nimmt.

Außerdem dokumentiert diese Szene, dass Jesus Christus wird in der Höllenfahrtszene als absoluter Herrscher dargestellt wird. Dies zeigt sich in den Lob- und Preisreden der Patriarchen in der Vorhölle und seiner Engel, sowie in seinem eigenen Verhalten. In der bereits angesprochenen Textstelle um das „Tollite portas ...“ herum wird Christus als „konink der ere“ (Vers 514) bezeichnet. Die Teufel hingegen werden nur als Fürsten angesprochen: „vorste der dusternisse“ (Vers 513). Es wird deutlich, dass die Teufel in der Hierarchie unter Christus stehen. Jesus' Macht wird besonders deutlich, als er die Tore der Hölle zerbricht. Offensichtlich sind sich die Teufel ihrer Unterlegenheit Jesus gegenüber zunächst nicht bewusst. Durch die dreifache Frage, wer der „konink der ere“ überhaupt sei, wird deutlich, dass sie ihn nicht als „König“ anerkannt haben. Luzifer muss die Schmach ertragen, vor den Augen seiner Untergebenen gefesselt zu werden. Dem Angriff auf die Autorität des Höllenfürsten wird noch eins drauf gesetzt, als der Unterteufel Puk Luzifer beschimpft und ihn direkt fragt, wieso er sich diese Schmach hat gefallen lassen:

„Here meyster Lucifer, / Gy sint en rechter droghener! / Gy stan alzo en vordorven gok! Me mach ju by den voten henghen in den rok. / Gy mogen wol gan myt den beschoren schapen / Unde leren van nyes melk lapen. / Manschen ju is de sucht mede, / Dat gy nycht scheppen vrede? / Ik hebbe io dicke hort unde is ok recht, / Dat de elrene here bedwynget den eken knecht.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Exorzismen im Mittelalter ein und skizziert das Ziel der Untersuchung bezüglich des Redentiner Osterspiels.

2. Definitionen: Hier werden die religionswissenschaftlichen Grundbegriffe wie Exorzismus, Dämon, Teufel und Luzifer erläutert, um eine einheitliche Terminologie für die Arbeit zu schaffen.

3. Grundlagen: Dieses Kapitel beleuchtet die gesellschaftliche und kirchliche Bedeutung des Besessenheitsglaubens im Mittelalter sowie die biblischen Ursprünge des Exorzismus.

4. Der Exorzismus nach dem „Rituale Romanum“: Der Abschnitt beschreibt die offizielle kirchliche Lehre und die typischen Abläufe einer Besessenheit und ihrer Austreibung gemäß dem liturgischen Handbuch.

5. Wissenschaftliche Erklärungen des Besessenheit: Hier werden moderne psychologische Erklärungsansätze für die damaligen Phänomene der Besessenheit, wie z.B. das Tourette-Syndrom, analysiert.

6. Passions- und Osterspiele: Dieser Teil ordnet das mittelalterliche Drama kulturell ein und beschreibt den Wandel der Aufführungsorte und die Funktion der geistlichen Spiele.

7. Das Teufelsspiel im Redentiner Osterspiel – ein Exorzismus ?: Der Hauptteil der Arbeit untersucht spezifische Szenen des Redentiner Osterspiels, um die Hypothese eines Exorzismus kritisch zu prüfen.

8. Ausblick: Der Autor reflektiert über die Grenzen der literaturwissenschaftlichen Untersuchung und resümiert die Bedeutung des Erlösungskonzepts.

9. Bibliografie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie Internetquellen.

Schlüsselwörter

Redentiner Osterspiel, Exorzismus, Mittelalter, Besessenheit, Teufelsspiel, Erlösung, Christentum, Rituale Romanum, Höllenfahrt, Dämonenglaube, Religionswissenschaft, Theatergeschichte, Mittelalterliches Drama, Kultus, Spiritualität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob das Redentiner Osterspiel, ein mittelalterliches geistliches Drama, exorzistische Züge trägt oder ob es primär der Erlösung und Unterweisung des Publikums dient.

Welche Themenfelder sind zentral?

Im Zentrum stehen die religionswissenschaftliche Einordnung von Exorzismus und Besessenheit, die Aufführungspraxis mittelalterlicher Osterspiele und die Interpretation der Teufelsszenen im genannten Spiel.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die kritische Überprüfung der These, ob die Höllenfahrts- und Teufelsszenen als Exorzismus im religionswissenschaftlichen Sinne zu deuten sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine literatur- und religionswissenschaftliche Analyse, indem sie historische Definitionen, kirchliche Handbücher wie das „Rituale Romanum“ und die Forschungsliteratur miteinander vergleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Höllenfahrts- und Teufelsszenen des Redentiner Osterspiels und setzt diese in Bezug zu den Erlöserrollen Jesu und der Bedeutung des mittelalterlichen Glaubenslebens.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind vor allem Exorzismus, Redentiner Osterspiel, Mittelalter, Besessenheit, Teufelsszenen, Erlösung und Dramengeschichte.

Warum kommt die Autorin zu dem Ergebnis, dass kein Exorzismus vorliegt?

Da die wesentlichen Elemente wie geweihte Gegenstände, ein formaler Exorzismusritus und ein tatsächlich besessenes Opfer im Stück fehlen, lässt sich die These eines Exorzismus nicht halten.

Welche Rolle spielt die Erlösung im Stück?

Die Erlösung ist das zentrale Element für den mittelalterlichen Zuschauer; das Spiel soll das Vertrauen in die Überlegenheit Gottes stärken und den Gläubigen Kraft im Kampf gegen den Teufel geben.

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Details

Title
Das Redentiner Osterspiel - ein Exorzismus?
College
LMU Munich  (Deutsche Philologie)
Course
Osterspiele
Grade
sehr gut
Author
M.A. Nadine Elisabeth Müller (Author)
Publication Year
1999
Pages
44
Catalog Number
V15391
ISBN (eBook)
9783638205115
Language
German
Tags
Redentiner Osterspiel Exorzismus Osterspiele
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Nadine Elisabeth Müller (Author), 1999, Das Redentiner Osterspiel - ein Exorzismus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15391
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