In den vergangenen Jahrzehnten wurden Taiwans rasches
Wirtschaftswachstum und seine aufsehenserregende Entwicklung immer
wieder als Wirtschaftswunder gepriesen. Es erfolgte der Aufstieg der
„Republik China auf Taiwan“ vom Entwicklungsland zum modernen
Industriestaat. Dieser Wandel war geprägt von hohen und stabilen
Wachstumsraten, einem steigenden pro Kopf Einkommen, gleichmäßiger
Einkommensverteilung, niedriger Inflation und einer beeindruckenden
Kapitalakkumulation.
Taiwan ist als einer der vier „Tigerstaaten“ neben Südkorea, Hongkong und
Singapur bekannt geworden. Durch seine Wirtschaftsreformen, die heute
Modellcharakter für viele Staaten der „Dritten Welt“ besitzen, gelang es dem
Land, innerhalb eines halben Jahrhunderts einen Erfolg zu erreichen, für
den der „Westen“ über 100 Jahre benötigte.
Die vorliegende Arbeit beschreibt zunächst im zweiten Abschnitt die
konstitutionellen Rahmenbedingungen Taiwans, gefolgt von der Darlegung
der Entwicklungsstrategien über die einzelnen Epochen in Abschnitt 3.
Diese dienen als Erklärungsansatz für die wirtschaftliche Entwicklung und
bilden den Hauptteil der Arbeit. In Abschnitt 4 werden noch einmal die
Erfolge des 50-jährigen Entwicklungsprozesses herausgestellt.
Abschließend zeigt Abschnitt 5 in einem Ausblick die Bemühungen Taiwans,
den Anschluss an der Weltspitze zu halten.
Gliederung
1. Einleitung
2. Rahmenbedingungen
2.1. Landescharakteristika
2.2. Politische Entwicklung
3. Wirtschaftliche Entwicklung und Entwicklungsstrategien
3.1. Grundlagen der 40er Jahre
3.2. Importsubstitution der 50er Jahre
3.3. Exportorientierung der 60er Jahre
3.4. „Kapitalintensität statt Arbeitsintensität“ der 70er Jahre
3.5. Technologieorientierung der 80er Jahre
3.6. Asienkrise der 90er Jahre
4. Erfolge der wirtschaftlichen Entwicklung
5. Perspektiven für die Zukunft
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den wirtschaftlichen Aufstieg Taiwans vom Entwicklungsland zum modernen Industriestaat, indem sie die verschiedenen wirtschaftspolitischen Entwicklungsphasen untersucht, die diesen Prozess geprägt haben, und dabei insbesondere die Rolle der Außenhandelsstrategien sowie deren Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung beleuchtet.
- Konstitutionelle Rahmenbedingungen und politische Entwicklung Taiwans
- Wandel der Entwicklungsstrategien von der Importsubstitution zur Technologieorientierung
- Analyse der Krisenbewältigung, insbesondere der Asienkrise der 90er Jahre
- Untersuchung der ökonomischen und sozialen Entwicklungserfolge
- Zukunftsperspektiven im Kontext globaler wirtschaftlicher Herausforderungen
Auszug aus dem Buch
3.6. Asienkrise der 90er Jahre
Die 90er Jahre waren das Zeitalter der finanziellen Wirtschaftkrisen in den asiatischen Ländern. Diese Krisen hatten auf schmerzhafte Weise den Beginn einer neuen Ära demonstriert, in der die Finanzmärkte das Geschehen auf den Gütermärkten nachhaltig beeinflussen. Ausgangspunkt hierfür war das rasche Anwachsen des Handelsvolumens an den regionalen Aktien- und Devisenmärkten, die Einführung des elektronischen Handels übers Internet sowie die rapide Entwicklung auf dem Finanzdienstleistungssektor. Zusätzlich hatte die zunehmende Globalisierung auf den Finanzmärkten die Volkswirtschaften dieser Region so eng miteinander verbunden, dass bereits ein einziges Ereignis eine verheerende Kettenreaktion auslösen konnte.
Konkrete Ursache für das Ausbrechen des Finanzkrise in Ostasien war die jahrelange, systematische Verschuldung vieler Unternehmen. Dies führte dazu, dass die realwirtschaftlichen Zuwächse der monetären Entwicklung hinterherliefen und folglich die Währungen der betroffenen Länder überbewertet waren. Die Finanzsysteme wurden zu Opfern internationaler Spekulationen und wurden regelrecht von ausländischem Geld überschwemmt. Der schlecht regulierte Bankensektor war nun nicht mehr in der Lage ausreichend geeignete Investitionsmöglichkeiten zu finden und es kam zu einem unkontrollierten Wachstum des Aktienmarktes. Auch viele Regierungen ignorierten damals ihre ordnungspolitischen Aufgaben und taten sich stattdessen als Förderer spekulativer Projekte hervor.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert den Aufstieg Taiwans zum modernen Industriestaat und gibt einen Überblick über den Aufbau der Arbeit.
2. Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel beschreibt die geografischen Gegebenheiten und die politische Geschichte Taiwans seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
3. Wirtschaftliche Entwicklung und Entwicklungsstrategien: Der Hauptteil analysiert chronologisch die verschiedenen Phasen der wirtschaftlichen Entwicklung und die jeweils angewandten Strategien von den 40er bis zu den 90er Jahren.
4. Erfolge der wirtschaftlichen Entwicklung: Hier werden die Resultate des Entwicklungsprozesses, insbesondere in Bezug auf Wachstum, Arbeitsmarkt und Einkommensverteilung, bewertet.
5. Perspektiven für die Zukunft: Dieses abschließende Kapitel beleuchtet die aktuellen Herausforderungen und zukünftigen Strategien Taiwans, insbesondere im Kontext der finanziellen Globalisierung.
Schlüsselwörter
Taiwan, Wirtschaftswunder, Außenhandelsstrategien, Importsubstitution, Exportorientierung, Industrieentwicklung, Asienkrise, Kapitalintensität, Technologieorientierung, Strukturwandel, Volkswirtschaft, Devisenreserven, Wirtschaftswachstum, Entwicklungspolitik, Reformen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation Taiwans von einem Entwicklungsland zu einem modernen Industriestaat im Zeitraum nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Beginn der 2000er Jahre.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die politischen Rahmenbedingungen, die spezifischen wirtschaftlichen Entwicklungsphasen – von der Importsubstitution bis zur technologischen Ausrichtung – sowie die Analyse der Erfolge und Krisenbewältigung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den wirtschaftlichen Erfolg Taiwans zu erklären und aufzuzeigen, durch welche Strategien in den einzelnen Epochen dieser Wandel erreicht wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Aufarbeitung der wirtschaftlichen Entwicklung Taiwans unter Verwendung existierender Literatur, Wirtschaftsdaten und Länderanalysen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Epochen (40er bis 90er Jahre), in denen jeweils die spezifischen wirtschaftspolitischen Maßnahmen, wie z.B. Landreformen, Exportförderung und Investitionsprogramme, detailliert beschrieben werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Wirtschaftswunder, Strukturwandel, Exportorientierung, Kapitalakkumulation und Krisenmanagement.
Warum konnte Taiwan die Asienkrise der 90er Jahre im Vergleich zu Nachbarländern besser überstehen?
Taiwan profitierte von einer niedrigen Auslandsverschuldung, einem geringen Anteil notleidender Kredite und vor allem von enorm hohen Devisenreserven, die es der Regierung ermöglichten, aktiv in das Marktgeschehen einzugreifen.
Welche Rolle spielten die "Ten National Construction Projects" für die Entwicklung Taiwans?
Diese Großprojekte waren entscheidend, um Ende der 70er Jahre infrastrukturelle Engpässe zu überwinden, die Schwerindustrie zu fördern und das Land als moderne Industrienation weiterzuentwickeln.
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- Stephan Pierer (Author), 2003, Außenhandelsstrategien und wirtschaftliche Entwicklung - das Beispiel Taiwan, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15393