Der Freiheitsbegriff in John Stuart Mills “On Liberty”


Hausarbeit, 2010
11 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. John Stuart Mill: Biographie

3. “On Liberty” - “Über die Freiheit”
3.1. “ Einleitung ” - Das Freiheitsprinzip Mills
3.2. “Über die Freiheit der Gedanken und Diskussion ”
3.3. “Über Individualit ät als eins der Elemente der Wohlfahrt ”
3.4. “Über die Grenzen der Autorit ät der Gesellschaft über das Individuum ”

4. Der Freiheitsbegriff Mills: Reichweite, Grenzen und aktueller Bezug

5. Zusammenfassung und Schluss

6. Literaturnachweis

7. Eidesstattliche Erklärung

1. Einleitung

Die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft ist oft Gegenstand der öffentlichen Diskussion. In den letzten Jahren kam es immer wieder zu Eingriffen der Politik in eben diese, was mit dem Streben nach Sicherheit, Wohlstand und Volksgesundheit gerechtfertigt wird; doch auch die Gesellschaft selbst übt Druck auf das Verhalten des Einzelnen aus. Staatliche wie gesellschaftliche Handlungsvorschriften stehen immer wieder in der Fokus von Diskussionen. In dieser Hausarbeit soll ein etabliertes Werk zum Thema der individuellen Freiheit vor diesem Hintergrund analysiert werden: John Stuart Mills “On Liberty” (deutsch: “Über die Freiheit”), erschienen im Jahre 1859, behandelt diese Thematik im Sinne des frühen Liberalismus. Ich möchte nun zunächst auf die beachtenswerte Biographie des Autors eingehen und im Anschluss eine möglichst prägnante Zusammenfassung seines Werkes “On Liberty” darstellen. Schließlich soll Mills Freiheitsbegriff auf seine Reichweite und Grenzen in unserer heutigen Gesellschaft geprüft und ein aktueller Bezug des Werkes auf die Gegenwart hergestellt werden.

2. John Stuart Mill: Biographie

Die nun folgende Biographie von John Stuart Mill beschreibt den Lebenslauf eines äußerst begabten Mannes, der sich vielen, in ihrem Wesen teils sehr unterschiedlichen Wissenschaften widmete und beherrschte. Geboren wurde er am 20. Mai 1806 in London als Sohn von James Mill, selbst politischer Philosoph und enger Freund von Jeremy Bentham, dem Begründers des Utilitarismus. Im Verlauf seines Schaffens sollte John Stuart Mill schließlich zum “bedeutendsten Exponent des britischen Liberalismus in der Mitte des 19. Jhs.[sic!]1 ” werden. Das Jahrzehnt seiner Geburt zeichnete sich durch politische Wandlungen aus, wie die Eroberung Europas durch Napoleon Bonaparte und die damit zusammenhängende Auflösung des Heiligen Römischen Reichs. Er erlebte ebenso die Julirevolution in Frankreich, welche die liberale Bewegung in Europa weiter vorantrieb, aus nächster Nähe. Wie bereits angedeutet widmete sich John Stuart Mill bereits im Kindesalter mit Griechisch, Latein, Mathematik und Geschichte, in seiner Jugend schließlich mit Logik, Volkswirtschaft, Metaphysik und Ethik2. Seine berufliche Karriere begann 1823 als Büroangestellter. Diese Position verbesserte er kontinuierlich und arbeitete sich schließlich zu einer leitenden Position hoch. Allerdings erleidet Mill mehrere Nervenzusammenbrüche, der erste erfolgt im Jahr 1826 im Alter von 20 Jahren, die zweite Erkrankung im Jahr 1839 im Alter von 33 Jahren und eine dritte im Jahre 1854.

1831 widmet sich Mill (nach einer ersten journalistischen Phase in den Jahren 1824-1828) dem Schreiben und verfasste mehrere Essays; er war schließlich in den Jahren 1835-1840 Herausgeber und Eigentümer der “London Review” und “Westminster Review”. Im Alter von 45 Jahren heiratet Mill Harriet Taylor, die jedoch, sieben Jahre später, kurz vor der Vollendung seines Werkes “On Liberty” stirbt. Ihr widmet Mill dieses Werk. Mill verfasste in den darauf folgenden Jahren eine Vielzahl an Publikationen. Er war schließlich Teil des Parlaments und bis 1867 Vorsitzender des Jamaica Committee.3 Er stirbt schließlich im Alter von 67 Jahren am 3. Mai 1873 in Avignon.

3. “On Liberty” - “Über die Freiheit”

Mill veröffentlichte seinen Essay “On Liberty” im Jahr 1859, in welchem “die Freiheit nicht als ein erkenntnistheoretisches, sondern als ein sozialethisches, politisches Problem4 ” aufgefasst wird. Das Werk selbst ist recht kurz, es umfasst in der Ausgabe des Reclam-Verlags etwa 160 Seiten. Mill selbst beschreibt das Thema seines Essays als “Wesen und Grenzen der Macht, welche die Gesellschaft rechtm äß ig ü ber das Individuum aus ü bt.5 ” Die Einleitung legt dem Leser bereits das Prinzip des Essays dar, die darauf folgenden Kapitel führen seine Gedanken weiter aus. Im Folgenden möchte ich eine kurze Zusammenfassung des Werkes liefern.

3.1. “ Einleitung ” - Das Freiheitsprinzip Mills

Der Titel des ersten Kapitels mag den Leser zunächst glauben lassen, es käme nur zu einer kurzen Vorstellung des Werkes und einer Begründung der weiteren Vorgehensweise. Dies ist jedoch nicht der Fall, vielmehr stellt Mill in diesem Abschnitt seines Buches bereits seine Hauptthesen an. Nach einem geschichtlichen Überblick über den historischen Verlauf der Auseinandersetzungen zwischen Freiheit und Autorität und damit der Entwicklung demokratischer Strukturen geht Mill auf den Begriff der “Tyrannei der Mehrheit6 ein. Der Begriff, geprägt von Alexis de Tocqueville, beschreibt eine Gefahr der Demokratie, die sich dadurch auszeichnet, dass eine Mehrheit eine kleinere Gruppierung durch den demokratischen Prozess unterdrücken kann. Der Wille der Mehrheit überdeckt somit die Interessen von Minderheiten. Die Besonderheit dieser Gefahr liegt nach Mill darin, dass sich die Tyrannei der Mehrheit in eine “soziale Tyrannei7 wandeln und somit in jeden Bereich des Privatlebens eines Individuums dringen kann.

Mill verfasst in diesem Zusammenhang einen Grundsatz, der den Druck der Gesellschaft auf das Individuum regulieren soll: Die Handlungsfreiheit des Einzelnen darf nur eingeschränkt werden, wenn dies zum Schutz der übrigen Mitglieder der Gesellschaft nötig ist. Nicht gerechtfertigt ist ein Eingriff, wenn die Konsequenzen des Handelns allein den Handelnden und dessen Wohl betreffen. Mill formuliert dazu sehr prägnant: “Über sich selbst, über seinen eigenen Körper und Geist ist der einzelne[sic!] souver ä ner Herrscher.8 Als einzige Einschränkung für diese Prämisse formuliert Mill die Voraussetzung, dass die handelnde Person über “ausgereifte Fähigkeiten9 verfügt, also in Hinsicht auf geistige Fähigkeit erwachsen ist. Dies bezieht sich sowohl auf Kinder als auch auf geistig benachteiligte Personen, sowie auch auf Gesellschaften, “wo man es mit Barbaren zu tun hat10. Letztere Situation legitimiert nach Mill sogar eine despotische Regierungsform, wenn deren Ziel die Kultivierung der Gesellschaft ist, an deren Ende wiederum die Etablierung der individuellen Freiheiten steht.

Des Weiteren definiert Mill einen bestimmten Bereich der individuellen Freiheit, in dem die Gesellschaft keine Mitsprache habe. Dieses “Gebiet der menschlichen Freiheit11 teilt Mill in drei Unterkategorien:

Erstens die Gewissensfreiheit, welche die “Freiheit des Denkens und Fühlens, unbedingte Unabh ä ngigkeit der Meinung und der Gesinnung (...)12 beinhaltet. Zweitens beansprucht er Freiheit in der individuellen Lebensplanung, -Gestaltung und -Führung sowie drittens die Vereinigungsfreiheit, egal in welcher Form und zu welchem Zweck, solange die Vereinigung nicht unter Zwang bzw. der Vorspiegelung falscher Tatsachen geschehe und niemandem schade. Nur mit all diesen Freiheiten ist ein Individuum nach Mill in einer Gesellschaft wirklich frei. Allerdings gibt es auch Situationen, in denen der Staat bzw. die gesellschaftlicher Druck auf das Individuum legitim ist, und zwar zur Erhaltung des Wohles aller. Damit bezieht sich Mill beispielsweise auf die Erhaltung des Staates im Sinne dessen Verteidigung gegen äußere Bedrohungen.

[...]


1 Fenske (1987: 341)

2 Schlenke (1988: 162) in Mill (1859 / 1988)

3 Schlenke (1988: 164) in Mill (1859 / 1988)

4 Wiese (1961: 344)

5 Mill (1859 / 1988: 5)

6 Ebd. S. 9

7 Ebd. S. 10

8 Mill (1859 / 1988: 17)

9 Ebd. S. 17

10 Ebd. S. 17

11 Ebd. S. 20

12 Ebd. S. 20

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Der Freiheitsbegriff in John Stuart Mills “On Liberty”
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
11
Katalognummer
V153930
ISBN (eBook)
9783640662289
ISBN (Buch)
9783640662517
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
John Stuart Mills, On Liberty, Freiheit
Arbeit zitieren
Andreas Weiß (Autor), 2010, Der Freiheitsbegriff in John Stuart Mills “On Liberty”, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153930

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