Räumliche Erfahrungen in der virtuellen Welt

Wohnen wir im 'Global Village'?


Hausarbeit, 2010

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Raumbegriff

3. Konzepte der virtuellen Globalisierung.

4. Virtuelle Räume und Übernahmen aus der realen Welt

5. Virtuelle Räume unter der Beeinflussung des realen Standortes

6. Ausblick in den virtalisierten Raum des „Global Village“ und Fazit

Literaturverzeichnis.

1. Einleitung

Das Internet und die damit verbundene Globalisierung ist eines der am meisten diskutierten Themen unserer Zeit. Informationen können unabhängig von geografischen, politischen und kulturellen Grenzen ausgetauscht werden; der Kommunikation scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Sofern der Mensch einen Anschluss an das Netz besitzt, ist die Interaktion mit allen ebenfalls angeschlossenen Menschen möglich, unabhängig von der geografischen Entfernung. Die Grenze zwischen virtuell und real verschwimmt, und es findet eine Loslösung vom realen Raumgefühl statt. Im Netz betreten wir einen neuen, virtuellen Raum.

Die Rolle dieser Grenze zwischen den Räumlichkeiten soll in der vorliegenden Arbeit behandelt werden. Was ist das für ein Raum, den wir virtuell betreten? Gibt es dabei überhaupt noch einen Selbstbezug zum tatsächlichen Raum, in dem wir uns befinden? Kann es schlussendlich sogar möglich sein, das soziale Leben komplett im virtuellen Raum zu führen?

Interessant ist die geografische Konnotation, die das Internet in der Begrifflichkeit aufweist: Es ist die Rede von „Telepolis“ und einem „Cyberspace“, eines der bekanntesten Metaphern der Globalisierung ist das sog. „Global Village“. Begriffe, welche die virtuelle Welt umschreiben, sich jedoch konkreten Raumbegriffen aus der direkten Umwelt bedienen. Der reale Raum scheint somit in einer Wechselbeziehung zum virtuellen zu stehen. Medienapokalyptiker führen aus, dass die Realität sich so extrem in der virtuellen Welt auflösen wird, dass es zu einer Virtualisierung der realen Welt kommen wird. Auf der anderen Seite stehen Gegner, die vielmehr eine Kolonialisierung des Virtuellen durch das Reale vermuten.

Die Relation dieser Räumlichkeiten soll in folgenden Schritten analysiert werden: Zunächst soll eine Begrifflichkeit etabliert werden, die die beiden Räume (real und virtuell) beschreibt. Im zweiten Punkt sollen diese in einen Kontext gesetzt werden und bestehende räumliche Metaphern wie das „Global Village“ und die „Hyperstadt“ definiert werden. Hierbei geht es primär um Übernahmen der realen Welt durch die virtuellen Räume. Diese strukturellen Ähnlichkeiten sollen im vierten Punkt an Beispielen aus dem Netz aufgezeigt werden.

Bis hierhin wurden die Übernahmen der virtuellen Realität von konkreten Raumkonzepten nur einseitig beschrieben. Im fünften Punkt soll deswegen die Wichtigkeit des tatsächlichen Standorts des Nutzers in einem Exkurs in die Analyse einbezogen werden. Zum Abschluss steht zur Diskussion, inwieweit die formulierten absoluten Raumkonzepte auf die Realität übertragbar sind. Hierbei wird ein Ausblick gewagt, ob sich die Gesellschaft in Zukunft mehrheitlich zu einer komplett virtuellen Gesellschaft formatieren wird oder der Realraum an Bedeutung zurückgewinnen wird.

2. Der Raumbegriff

Um eine Begrifflichkeit für das Phänomen der neuen Raumbildung zu erarbeiten, muss zunächst der Raum an sich betrachtet werden. Der reale Raum zeichnet sich durch eine lokale Struktur und eine Stabilität aus. Durch diese ist eine dauerhafte Einteilung in „oben, unten, rechts und links“ möglich.[1] Der Nutzer dieser realen Räume kann seinen Standort mit all seinen Sinnen erfassen: er kann Geräusche vernehmen, visuelle Eindrücke wahrnehmen, die Struktur des Raumes ertasten und ggf. atmosphärische Veränderungen schmecken und riechen. Auch kann er mit dem Raum in Interaktion treten, indem er ihn aktiv verändert und somit auch rückwirkend eine neue Raumerfahrung für sich selbst erwirken. Schließlich kann der Nutzer, sofern ihm eine Mobilität möglich ist, in der realen Welt von Ort zu Ort reisen und neue Räume entdecken. Die Nähe spielt dabei eine wichtige Rolle: Lokal nahe Orte sind leichter zu erreichen, und es ist einfacher, sich in ihnen zurechtzufinden (Gesellschaftlich: Gleiche Sprache, ähnliche Kulturerfahrung). Hierbei kann sich auch eine Begrenzung in den Weg stellen: Manche Orte sind durch Berechtigte zutrittsgeschützt (z.B. Regierungsgebäude, Ländergrenzen). Insgesamt ist der reale weltliche Raum auf den geografischen Globus begrenzt. Visionäre dehnen die Erreichbarkeit des Raumes in das Weltall aus. Dieses ist jedoch nur wenigen zugänglich und erfährt auch dort eine Begrenzung durch unzureichende technische Mittel einer kompletten Nutzung des Universums.

Zu diesen Räumen der konkreten Umwelt kommt nun durch das Massenmedium Internet ein immaterieller Ort der Informationen hinzu. Das Paradoxe an dieser neuen Räumlichkeit ist seine Ortsungebundenheit. Der Ort der Informationen erschließt sich durch viele virtuelle Räume, die durch Internetseiten betreten werden können, scheinbar unabhängig vom tatsächlichen Standort. Diese bieten im Vergleich zu realen Räumen nicht die Starrheit von Mauern oder Decken; ihre Grenzen sind individuell verschiebbar und gestaltbar. Der geschlossene Raum des Alltags wird zu einer offenen neuen Welt, die unendlich scheint. Diese Welt kann demnach nicht mehr mit einem substantialistischen Raumverständnis beschrieben werden, sondern muss zu einem relationalen Raumverständnis erweitert werden.[2] Die neuen, virtuellen Räumlichkeiten befinden sich in ständiger Veränderung, Entwicklung und Erweiterung. Sie müssen nicht mehr nur als objektiver „Behälter“, sondern vielmehr als ein bewegter und diskontinuierlich veränderbarer Raum verstanden werden.

Hierbei ergeben sich vollkommen neue Nutzungsmöglichkeiten. Die Bewegung im Raum ist dabei von der Mobilität bzw. der Interaktionskompetenz des jeweiligen Nutzers abhängig. Außerdem ist auch sie durch bestimmte Grenzen wie Zugangsberechtigungen (z.B. Intranets) und momentanen technischen Grenzen der Darstellung eingeschränkt. Mit dem Begriff „Cyberspace“ kann auch hier eine Konnotation mit dem Weltall gemacht werden. Daten, welche die virtuellen Räume repräsentieren, werden auf immer kleineren Medien gespeichert und finden kabellose, sekundenschnelle Verbreitungen. Die Grenzen der Möglichkeiten werden im Internet immer mehr erweitert, den Räumen ist auf langfristige Sicht kein Limit gesetzt.

Sämtliche Erlebnisse und Beobachtungen im Netz sind dabei immer abhängig von der Reaktion. Der virtuelle Raum besitzt keine physische Existenz und erlangt nur durch Betreten des Users einen für ihn realen Status. In der Interaktion mit der Maschine wird der Raum erst generiert. Sensorische Aufnahme des virtuellen Raumes erfolgt bisher lediglich durch den Seh- und Hörsinn.

Die beiden beschriebenen Räume der realen und der virtuellen Welt sind Theoretikern nach voneinander abhängig und verändern sich gegenseitig. Die virtuelle Welt beruht auf den bekannten Gesetzen der tatsächlichen Realität. Diese wird mit Zusatzoptionen ausgestattet, die zusätzliche Handlungs- und damit auch Wahrnehmungsräume bereitstellen. Durch Vernetzungsangebote werden neue Treffpunkte, Orte der Selbstpräsentation und der Kommunikation geschaffen.[3]

Der tatsächliche Raum mit seiner plastischen Technizität wie Rechner und Kabel, in dem sich die Person während der Internetnutzung befindet, wird vom Nutzer zugunsten des virtuellen Raumes ausgeblendet. Ereignisse wie direkte Ansprache in der richtigen Welt, lebenswichtige Informationen wie Feueralarm oder auch Fehler in der Konsumierbarkeit durch die Technik oder Stromausfälle können den Nutzer jedoch sofort aus der virtuellen Welt wieder in den realen Raum zurückholen. Auch andersherum findet eine Wirkung statt: Die Umsetzung von Informationen aus dem virtuellen Raum kann auch den realen Raum auf verschiedensten Ebenen verändern.

[...]


[1] Vgl. Schroer, Markus: Raumgrenzen in Bewegung, S. 222.

[2] Vgl. Schroer, Markus: Raumgrenzen in Bewegung, S. 222.

[3] Vgl. Ahrens, Daniela: Die Ausbildung hybrider Raumstrukturen, S. 179.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Räumliche Erfahrungen in der virtuellen Welt
Untertitel
Wohnen wir im 'Global Village'?
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Veranstaltung
SE Wahrnehmungen und Wirklichkeiten
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V153942
ISBN (eBook)
9783640661619
ISBN (Buch)
9783640661459
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit handelt von neuen Raumkonzepten, die durch das Internet entanden sind. Hierbei wird mit vielen plastischen Beispielen gearbeitet.
Schlagworte
Räume, Marshall McLuhan, Wahrnehmungen, Realitäten
Arbeit zitieren
Luise Knah (Autor), 2010, Räumliche Erfahrungen in der virtuellen Welt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153942

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