Camping leistet als elementarer Bestandteil der Tourismuswirtschaft einen wesentlichen Beitrag zur Vielfalt des Beherbergungsangebotes und erhöht damit das Leistungsspektrum des Deutschlandtourismus. In der Fachliteratur wurde dem Campingtourismus bisher nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Das bestehende Aufmerksamkeitsdefizit ist als Anlass für die Erstellung dieser Diplomarbeit zu werten.
Die Arbeit verifiziert die Bedeutung des Campingtourismus in Deutschland. Im Rahmen einer Marktanalyse werden die Campingnachfrage- sowie -angebotsstrukturen untersucht, um Aufschluss über Wirkungszusammenhänge zwischen den beiden Marktkomponenten zu geben und einen Überblick über dieses Tourismussegment in Deutschland zu bieten. In diesem Zusammenhang stehen vor allem das Herausfiltern von nachfrage- und angebotsseitigen Veränderungen sowie das Ableiten von Trends und Tendenzen innerhalb der Campingbranche im Vordergrund.
Zusammenfassend ist eine Wandlung der individuellen Bedürfnisse der Camper unabhängig der einzelnen Campergruppen hin zu qualitative hochwertigen Produkten festzustellen. Reichte es noch vor 20 – 30 Jahren die natürliche Umgebung als Anreiz für den Camper, seinen Urlaub auf einem Campingplatz zu verbringen, anzugeben, ist nun die Symbiose aus hochwertigen Rahmenbedingungen wie z.B. Sanitär-, Freizeit- und Serviceangeboten mit den natürlichen Gegebenheiten als solcher anzusehen.
Bezüglich der historischen Entwicklung des Campingtourismus ist offensichtlich eine neue Ära angebrochen. Als Reaktion auf die gestiegenen Ansprüche der Gäste entfernt sich Camping immer mehr von einem standardisierten Massen- hin zu einem individualisierten Produkt. In diesem Zusammenhang muss der sich kontinuierlich vollziehende Strukturwandel der Unterkunftsarten und Campinginfrastruktur als Konsequenz der ausgeprägten Marktdynamik dieses heterogenen Tourismussegments verstanden werden. So haben sich bis heute schon viele Campingplätze zu modernen Ressorts mit Destinationscharakter entwickelt, wobei die Einbindung in die regionalen und lokalen Gegebenheiten immanent ist.
Camping als vielfältige und naturnahe Urlaubsform konnte in den letzten Jahren das Image deutlich verbessern und die Anpassungsfähigkeit auf ökonomische, gesellschaftliche und individuelle Veränderungen verifizieren. Daher ist davon auszugehen, dass dieses Tourismussegment noch lange Zeit Bestand haben wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Inhaltliche Einführung
1.2 Historische Entwicklung des Campingtourismus in Deutschland
1.3 Zielsetzung und Methodik
1.4 Aufbau der Arbeit
2 Theoretische Grundlagen zum Campingtourismus
2.1 Begriffsdiskussion Camping
2.2 Abgrenzung des Campingbegriffs
2.2.1 Dauercamping vs. touristisches Camping
2.2.2 Camping und Caravaning
2.3 Camping als Segment der Tourismuswirtschaft
2.3.1 Einordnung in den touristischen Straßenverkehr
2.3.2 Einordnung in das Beherbergungswesen
2.3.3 Eigenschaften und Besonderheiten des Campingtourismus
2.4 Einführung in den Campingtourismusmarkt
2.4.1 Das Marktmodell
2.4.2 Marktbeeinflussende Faktoren
3 Analyse der Nachfragestruktur
3.1 Quantitative Betrachtung der Campingnachfrage
3.1.1 Campingübernachtungen
3.1.2 Regionale Verteilung der Übernachtungen
3.1.3 Ausländische Campingnachfrage
3.1.4 Saisonale Verteilung der Campingnachfrage
3.2 Betrachtung soziodemographischer Merkmale
3.2.1 Alter
3.2.2 Reisegruppengröße
3.2.3 Bildung, Beruf und Einkommen
3.3 Verhaltenspsychologische Betrachtung
3.3.1 Motive
3.3.2 Image und Einstellungen
3.3.3 Verhaltensmerkmale der Camper
3.3.3.1 Umweltverhalten der Camper
3.3.3.2 Dauer- vs. Touristikcamper
3.3.3.3 Reisemobilisten vs. Caravaner
3.4 Anforderungen an das Campingplatzangebot
4 Analyse der Angebotsstruktur
4.1 Analyse des Campingplatzangebotes
4.1.1 Kapazitätsverteilung in Deutschland
4.1.2 Die Campingplatzinfrastruktur
4.1.2.1 Das touristische Produkt Campingplatz
4.1.2.2 Best-Practice-Beispiele
4.1.2.3 Kritische Würdigung
4.2 Qualitätsauszeichnungen im Campingtourismus
4.2.1 BVCD-DTV-Klassifizierung
4.2.2 ADAC-Klassifizierung und Auszeichnungen
4.2.3 Bundeswettbewerb „Vorbildliche Campingplätze in Deutschland“
4.2.4 ECOCAMPING
4.3 Analyse der Campingfahrzeugindustrie
4.3.1 Campingfahrzeuge und -ausrüstung
4.3.2 Produkte der Campingfahrzeugindustrie
4.3.2.1 Wohnwagentypologisierung
4.3.2.2 Reisemobiltypologisierung
4.3.2.3 Kritische Würdigung
5 Vermarktung des Campingtourismus in Deutschland
5.1 Anwendung der Marketing-Instrumente im Campingtourismus
5.1.1 Preispolitik
5.1.2 Vertriebspolitik
5.1.3 Kommunikationspolitik
5.2 Handlungsempfehlungen
6 Schlussbetrachtung
6.1 Trends und Tendenzen
6.2 SWOT-Analyse
6.3 Fazit
Zielsetzung und Themen
Diese Diplomarbeit zielt darauf ab, die ökonomische Bedeutung und die Marktstrukturen des Campingtourismus in Deutschland zu analysieren sowie kritisch zu evaluieren. Im Zentrum steht die Untersuchung der Angebots- und Nachfragestrukturen, um Wirkungszusammenhänge aufzudecken, aktuelle Trends und Tendenzen abzuleiten und Handlungsempfehlungen für die Branche zu formulieren.
- Analyse der Nachfragestruktur und sozioökonomischer Camper-Merkmale.
- Untersuchung der Angebotsstruktur inklusive Campingplatzinfrastruktur und Campingfahrzeugindustrie.
- Bewertung von Qualitätsauszeichnungen und deren Einfluss auf das Image.
- Anwendung von Marketing-Instrumenten im Campingtourismus.
- Identifikation von Markttrends und Durchführung einer SWOT-Analyse zur Zukunftssicherung.
Auszug aus dem Buch
1.2 Historische Entwicklung des Campingtourismus in Deutschland
Der Tourismussektor Camping entwickelte sich ähnlich anderer Reiseformen in Abhängigkeit von verschiedenen wirtschaftlichen, sozialen und technischen Gegebenheiten und unterliegt daher einem Wandel. Die Darstellung erfolgt anhand eines Zeitstrahls (vgl. Abb. 1), der die geschichtlichen Etappen des Campingtourismus in Deutschland anschaulich skizziert. Wichtige Daten und Zusammenhänge sind in einer Tabelle zusammengefasst (vgl. Anhang 1).
In Deutschland nimmt das Camping im Vergleich zu anderen Tourismusformen schon lange einen Platz ein und etablierte sich stetig ab 1920. Die Kanufahrer und Wanderer waren wichtige Impulsgeber für die Entstehung erster Zeltplätze vor allem an Flussläufen. Die Entwicklung der ersten Wohnwagen in Deutschland geht auf die 1930er Jahre zurück, wobei Hans Berger und Arist Dethleffs als Campingpioniere fungieren. Der Wohnwagenbau begann. Jedoch konnten sich anfangs nur Wohlhabende diese Art von Luxus leisten. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde das gerade aufblühende Campingwesen allerdings unterbrochen.
Unmittelbar nach dem 2.Weltkrieg kam die Produktion der Wohnwagen aufgrund der Zerstörung im Land zunächst zum Erliegen. Allerdings erfuhr das Zelten wieder einen Aufschwung, da es für den Großteil der Bevölkerung die einzige Möglichkeit von Tourismus bildete. Die Währungsreform 1948 kurbelte schließlich die Wohnwagenproduktion wieder an und die Massenproduktion des VW Käfers, der als Zugfahrzeug in Frage kam, ermöglichte auch dem kleinen Bürger, in den Genuss eines Wohnwagens zu kommen. Die Entwicklung des Campingtourismus stand auch in der Folgezeit in engem Zusammenhang mit der Entwicklung im Verkehrsbereich. Im Jahr 1948 wurde außerdem der DEUTSCHE CAMPING-CLUB E.V. (DCC) gegründet, der sich für die Campingbewegung und die Förderung des Autotourismus einsetzte. So beteiligten sich bereits ab 1952 breite Bevölkerungsschichten am Camping in der Bundesrepublik.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Campingtourismus als Urlaubssegment ein und erläutert die Zielsetzung sowie die methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2 Theoretische Grundlagen zum Campingtourismus: In diesem Kapitel werden die zentralen Begriffe rund um Camping, Caravaning und das touristische Beherbergungswesen definiert und abgegrenzt.
3 Analyse der Nachfragestruktur: Dieser Abschnitt untersucht das Nachfrageverhalten quantitativ und qualitativ, inklusive soziodemographischer Aspekte sowie der verhaltenspsychologischen Hintergründe der Camper.
4 Analyse der Angebotsstruktur: Hier werden die Kapazitäten und die Infrastruktur der Campingplätze sowie der Markt für Campingfahrzeuge detailliert analysiert und bewertet.
5 Vermarktung des Campingtourismus in Deutschland: Dieses Kapitel widmet sich den Marketing-Instrumenten (Preis-, Vertriebs- und Kommunikationspolitik) und gibt konkrete Handlungsempfehlungen für Campingunternehmen.
6 Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Analyse aktueller Trends, einer SWOT-Betrachtung und einem Fazit zur Zukunftsfähigkeit des Campingtourismus ab.
Schlüsselwörter
Campingtourismus, Campingplatz, Caravaning, Nachfragestruktur, Angebotsstruktur, Touristikcamping, Dauercamping, Wohnmobil, Marketing-Mix, Tourismuswirtschaft, Campingfahrzeugindustrie, Qualitätssicherung, Marktanalyse, Trendforschung, Zielgruppen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ökonomische Bedeutung und die Marktstrukturen des Campingtourismus in Deutschland, um ein fundiertes Verständnis der aktuellen Dynamiken zwischen Angebot und Nachfrage zu vermitteln.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung, die theoretische Einordnung des Campingbegriffs, die Analyse der Nachfragestrukturen, die Infrastrukturbewertung sowie die Vermarktungsstrategien in der Branche.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es, die Bedeutung des Campingtourismus zu verdeutlichen, kritisch zu evaluieren und durch die Analyse von Nachfrage- und Angebotsfaktoren fundierte Trends sowie Handlungsempfehlungen für Campingbetriebe abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Kombination aus einer fundierten Sekundäranalyse amtlicher Beherbergungsstatistiken und Branchenstudien sowie einer Primärforschung in Form von Experteninterviews, die auf dem CARAVAN SALON DÜSSELDORF 2008 durchgeführt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Nachfrageanalyse (quantitativ, soziodemographisch, verhaltenspsychologisch) und eine Angebotsanalyse (Campingplatzkapazitäten, Infrastruktur, Fahrzeugindustrie), gefolgt von einer Untersuchung der Marketinginstrumente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Campingtourismus, Marktstrukturanalyse, Nachfrageverhalten, Campinginfrastruktur, Zielgruppenorientierung und Marketing-Mix beschreiben.
Welche Rolle spielt die Differenzierung zwischen Dauercamping und Touristikcamping?
Diese Differenzierung ist essenziell, da beide Segmente völlig unterschiedliche Reiseverhalten, Motivationen und Anforderungen an das Campingangebot aufweisen, was für eine zielgruppengerechte Marktbearbeitung unbedingt beachtet werden muss.
Warum ist das Image von Campingplätzen ein zentraler Aspekt?
Historische Imagedefizite ("Arme-Leute-Urlaub") prägen teilweise noch die Wahrnehmung, weshalb die Arbeit untersucht, wie Qualitätsauszeichnungen und moderne Infrastruktur dazu beitragen, den Campingtourismus als attraktives, zeitgemäßes Urlaubssegment zu positionieren.
Welche Rolle spielen Kooperationen innerhalb der Campingbranche?
Kooperationen, ob horizontal zwischen Campingplätzen oder vertikal mit Freizeiteinrichtungen und Verbänden, werden als entscheidendes Instrument identifiziert, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und die Auslastungsproblematik durch gemeinsame Vermarktung zu mildern.
- Citar trabajo
- Josephine Müller (Autor), 2009, Analyse der Marktstrukturen im Campingtourismus in Deutschland, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153958