Ist ein Hypertext ein Text?

Die 7 Textkriterien nach Beaugrande und Dressler


Hausarbeit, 2010
13 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung

II. Hauptteil
II.1. Definition Text
II.2 Die 7 Kriterien der Textualität
II.2.a Kohäsion
II.2.b Kohärenz
II.2.c Intentionalität
II.2.d Akzeptabilität
II.2.e Informativität
II.2.f Situationalität
II.2.g Intertextualität
II.3 Hypertext
II.3.a Definition Hypertext
II.3.b Beispiel für einen Hypertext

III. Schluss
III.1. Fazit: Ist ein Hypertext ein Text?

IV. Anhang
IV.1. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Das Thema der Textualität ist ein Thema, dass viele Sprachwissenschaftler seit langer Zeit beschäftigt. Die Sprachwissenschaftler R. Beaugrande und W. Dressler haben sich ebenfalls damit beschäftigt und die folgenden sieben Kriterien der Textualität definiert, die eine Möglichkeit bieten einen Text als solchen zu definieren und zu erkennen. Diese Textkriterien beziehen sich aber auf gedruckte Texte, unter anderem aus dem Grund, da es zur Zeit des Erscheinens ihrer Kriterien das Internet noch nicht gab. Das Medium des Internets weißt viele Möglichkeiten von digitalen Texten auf, unter anderem Hypertexte. Im Folgenden werde ich mich damit beschäftigen, ob solche Hypertexte nach den Kriterien der Textualität von Beaugrande und Dressler Texte sind. Hierzu werde ich vorerst die 7 Kriterien vorstellen und diese dann anhand eines Beispieltextes anwenden, im abschließenden Fazit werde ich dann meine Ergebnisse erläutern.

II. Hauptteil

II.1. Definition Text

Ein Text ist […] nichts anderes als eine – potenziell komplexe und sorgfältig geplante – sprachliche Äußerung,[1]

Ein Text ist eine linguistische Einheit, die nicht ausschließlich durch grammatische Einheiten (wie die des Satzes) zu bestimmen ist. Verschiedene Sprachwissenschaftler haben Textualitätsmerkmale zur Bestimmung von Texten definiert.[2]

Bühler entwickelte zum Beispiel das Organon Modell, nach dem sprachliche Zeichen folgende drei Funktionen gleichzeitig erfüllen müssen. Diese Funktionen sind die Darstellung von Gegenständen, Sachverhalten und Ereignissen, die Funktion des Ausdruckt der innerlichen Befindlichkeit, also zum Beispiel der Meinung oder der Emotionen des Autors sowie die Funktion des Appells, nach der der Autor den Rezipienten zu einer bestimmten Reaktion veranlassen möchte.[3] Die Sprachwissenschaftler Beaugrande und Dressler haben ebenfalls Merkmale beziehungsweise Kriterien für Textualität entwickelt, die im Folgenden erläutert werden.[4]

II.2 Die 7 Kriterien der Textualität

II.2.a Kohäsion

Das erste Kriterium der Textualität ist die Kohäsion. Diese beschreibt die grammatische Abhängigkeit der Komponenten des Oberflächentextes. Oberflächentext meint, wie ein Text tatsächlich gesehen oder gehört wird.

Die syntaktischen Beziehungen dieser Oberflächenkomponenten sind die Hauptsignale zur Erkennung der Bedeutung und des Sprachgebrauchs, sie beziehen sich nur auf die äußere Gestalt eines Textes. Betrachtet man nur die Kohäsion eines Textes kann es zu Mehrdeutigkeiten kommen, die sich durch das Zusammenwirken mit den anderen Kriterien der Textualität vermeiden lassen, nur so ist die Wirksamkeit der Kommunikation gewährleistet.[5] Kohäsion ist also ein zentrales, aber nicht hinreichendes Merkmal, da ein kohäsiver Text nicht zwangsweise Sinn ergibt.[6]

Anhand von folgendem Beispiel, der Aufschrift eines Verkehrsschildes, wird diese Mehrdeutigkeit bei Betrachtung der syntaktischen Beziehungen deutlich:

Langsam

Spielende Kinder[7]

Dieser Satz bietet verschiedene Abhängigkeiten und gibt somit auch mehrere Bedeutungsmöglichkeiten. Eine Möglichkeit ist, dass das Schild vor langsam spielenden Kindern warnen möchte, die drei Wörter des Satzes also in Abhängigkeit zu einander stehen. Die wahrscheinlichere Möglichkeit ist aber, dass das Adjektiv „spielende“ in Abhängigkeit zu dem Subjekt „Kinder“ steht. Die Warnung „Langsam“ steht somit nicht in direkter Abhängigkeit zum Rest des Satzes. Damit ist die wahrscheinlichere Bedeutung des Schildes auch, dass es Autofahrer auffordern will, langsamer zu fahren, da sich in der Nähe der Straße spielende Kinder befinden. Diese Möglichkeit lässt sich aber nur sicher als die richtige erkennen, wenn man die anderen sechs Kriterien der Textualität betrachtet.[8]

II.2.b Kohärenz

Das zweite Kriterium der Textualität, die Kohärenz, beschreibt den inhaltlichen Zusammenhang auf logischer Ebene, statt wie die Kohäsion auf sprachlicher Ebene. Die Komponenten der Textwelt stehen in gegenseitiger Relevanz zueinander, sie bilden eine bestimmte Konstellation von Begriffen und Beziehungen. Der kausale Zusammenhang des Textes steht also in Relation zu einander, eine solche Relation ist die Kausalität. Hierbei beeinflusst eine Situation oder ein Ereignis ein anderes, später Eintretendes.

Ein Beispiel für diese Kausalität ist folgender Satz:

Hans fiel hin und brach sein Kinn.[9]

Hierbei ist das Hinfallen von Hans das erste Ereignis, welches die Ursache für das Brechen seines Kinns darstellt. Das erste Ereignis ist also eine notwendige Bedingung für das zweite Ereignis.

Eine weitere Relation wird Ermöglichung genannt, sie ist ein weniger starker Typ von Kausalität. Ein Beispiel hierfür bietet folgender Ausschnitt eines Liedes von Joseph von Eichendorff:

Es schienen so golden die Sterne,

Am Fenster ich einsam stand

Und hörte aus weiter Ferne

Ein Posthorn im stillen Land[10]

Hierbei macht das Stehen am Fenster das Hören des Posthorns zwar möglich, ist aber keine notwendige Bedingung.

Deutlich wird aber an diesen Beispielen, dass bei dem Kriterium der Kohärenz die einzelnen Teile eines Textes in einem inhaltlichen Zusammenhang stehen, es besteht also ein kausaler Zusammenhang. Die Kohärenz beruht auf kognitiven Reizen die beim Textverwender ausgelöst werden. Dieser ermöglicht eine Interaktion seines Textwissens mit seinem Weltwissen und gibt dem Text somit einen Sinn. Die Relation der Kommunikation ist also erst durch den Textverwender möglich.

[...]


[1] Stede , Manfred: Korpusgestützte Textanalyse. Grundzüge der Ebenenorientierten Textlingusitik. S.31

[2] Hausendorf, Heiko; Kesselheim, Wolfgang: Textlinguistik fürs Examen.

[3] Stede , Manfred: Korpusgestützte Textanalyse. Grundzüge der Ebenenorientierten Textlingusitik.

[4] Hausendorf, Heiko; Kesselheim, Wolfgang: Textlinguistik fürs Examen.

[5] Beaugrande, R. Dressler, W.: Einführung in die Textlinguistik.

[6] Stede, Manfred: Korpusgestützte Textanalyse. Grundzüge der Ebenenorientierten Textlinguistik.

[7] Beaugrande, R. Dressler, W.: Einführung in die Textlinguistik. S. 4

[8] Beaugrande, R. Dressler, W.: Einführung in die Textlinguistik

[9] Beaugrande, R. Dressler, W.: Einführung in die Textlinguistik. S. 6

[10] Beaugrande, R. Dressler, W.: Einführung in die Textlinguistik. S.6

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Ist ein Hypertext ein Text?
Untertitel
Die 7 Textkriterien nach Beaugrande und Dressler
Hochschule
Universität Paderborn  (Institut für Sprachwissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar: Websprache.net
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V153978
ISBN (eBook)
9783640662159
ISBN (Buch)
9783640662074
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beaugrande, Dressler
Arbeit zitieren
Maike Weinberg (Autor), 2010, Ist ein Hypertext ein Text?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153978

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