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Das Leitbild als Kommunikationskonzept oder Kooperationsinstrument?

Entwicklung und Funktionen städtebaulicher Leitbilder am Beispiel des Leitbildes „Metropole Hamburg – Wachsende Stadt“

Title: Das Leitbild als Kommunikationskonzept oder Kooperationsinstrument?

Research Paper (undergraduate) , 2005 , 34 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Sozialökonom (M.A.) Jörg Passlack (Author)

Sociology - Habitation and Urban Sociology
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Die Verwendung von Leitbildern zur Bestimmung gestalterischer Planungswirklichkeiten und gewünschter Verhaltensregulierung hat in der Vergangenheit inflationären Charakter angenommen. Kaum eine Organisationsform scheut sich heute, sich selbst oder ihren Vorhaben ein schriftlich determiniertes Ziel voranzustellen, dessen Indikatoren zur Verwirklichung einer Art normativen Regelungen entsprechen. Wir kennen Leitbilder aus unterschiedlichen Disziplinen oder Politikfeldern, sei es, um das Verhalten ihrer Akteure zu dirigieren, die Generierung eines bestimmten Outputs zu koordinieren oder einfach um einer Öffentlichkeit die Tugend der eigenen Selbstdisziplinierung zu vermitteln. Leitbilder existieren als Unternehmensleitbilder, Produkte erhalten Leitbilder, Institute benennen ihre Forschungsziele in Leitbildern und auch in der politischen Entscheidungsfindung erlangen zielorientierte Leitbilder ein immer stärkeres Gewicht. Dabei degeneriert die häufige Verwendung des Begriffs Leitbild zu einem universellen Codewort, dessen Verwendung allein der jeweiligen Organisationsform eine gewisse Modernität zu verleihen scheint.
Doch nicht die scheinbar ausufernde Verwendung macht das Leitbild so interessant, sondern sein Potential eines Verhalten steuernden Instrumentes. Durch die breite Streuung der verschiedenen Motive, denen Leitbilder zugrunde liegen, erhalten sie je nach Absicht durchaus andere Funktionen und Wirkungsweisen. Tatsächlich gibt es keine einheitliche und umfassende Definition eines Leitbildes, das universell verwendbar wäre. Damit existieren auch keine allgemeingültigen Indikatoren bezüglich eines erfolgreichen Einsatzes von Leitbildern. Vielmehr sind die genauen Umstände zu berücksichtigen, in welchem Feld und vor allem welche Intentionen Leitbildern immanent sind.
Diese Arbeit beschreibt, wie sich der Leitbildbegriff für die Stadtplanung gestaltet und aus welchen wissenschaftlichen Disziplinen er entliehen wurde. Darüber hinaus wird dargestellt, welche Elemente Leitbilder beinhalten und welche wichtigen Funktionen sie erfüllen. Der letzte Teil dieser Arbeit soll das Leitbild der Stadt Hamburg „Metropole Hamburg – Wachsende Stadt“ fokussieren. Es wird dargelegt, wie sich dieses Leitbild gängigen Kriterien städtebaulicher Leitbilder entzieht und eher als stadtentwicklerisches Kommunikationskonzept denn als Leitbild zu verstehen ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Leitbildüberlegungen

2.1. Herkunft und Verwendung des Leitbildbegriffs

2.1.1. Etymologische Herkunft

2.1.2. Verwendung des Leitbildbegriffes in der Wissenschaft

2.2. Peripherie und Inhalte von Leitbildern

2.2.1. Komplementäre Begriffe

2.2.2. Leerformeln in Leitbildern

2.3. Das Leitbild in der Stadtentwicklung

3. Entwicklung und Funktion von Leitbildern in der Raumplanung

3.1. Leitbildlebenszyklus

3.1.1. Vom Problem zur tragfähigen Idee

3.1.2. Von der Ausarbeitung der Idee zum Leitbild

3.1.3. Stabilität und Modifikation – Das „lernende“ Leitbild

3.1.4. Ablösung (Genese)

3.2. Funktionen von Leitbildern

3.2.1. Produktion von (neuem) Wissen

3.2.2. Die Leitfunktionen: kollektive Projektion, synchrone Voradaption und funktionales Äquivalent

3.2.2. Die Bildfunktionen: kollektiver Aktivator, individueller Mobilisator und interpersoneller Stabilisator

4. Leitbild „Metropole Hamburg – Wachsende Stadt“

4.1. Vorbemerkungen

4.2. Grundlagen des Leitbildes „Metropole Hamburg - Wachsende Stadt“

4.3. Analyse des Leitbildes

4.3.1. Neuartiges Problem oder politischer Wille?

4.3.2. Beteiligung der Öffentlichkeit – Konsens oder Verordnung

4.3.3. Städtebauliches Leitbild oder wirtschaftspolitische Ideologie?

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und praktischen Funktionen städtebaulicher Leitbilder, um zu analysieren, ob diese als genuine Planungsinstrumente oder lediglich als politische Marketingkonzepte fungieren. Anhand der Fallstudie „Metropole Hamburg – Wachsende Stadt“ wird die Forschungsfrage verfolgt, inwiefern ein Leitbild die Kriterien für gesellschaftliche Konsensbildung und innovative Stadtentwicklung erfüllt oder ob es sich de facto um ein ökonomisch orientiertes Handlungskonzept handelt.

  • Etymologische und wissenschaftliche Herleitung des Leitbildbegriffs
  • Phasen des Lebenszyklus städtebaulicher Leitbilder
  • Funktionsweisen von Leitbildern bei der Wissensgenerierung und Koordination
  • Kritische Analyse des Hamburger Leitbild-Prozesses
  • Differenzierung zwischen Leitbild, Utopie, Ideologie und Konzeption

Auszug aus dem Buch

3.1.2. Von der Ausarbeitung der Idee zum Leitbild

In der zweiten Stufe werden die Ideen mit Leitbildpotential konkretisiert, ausgearbeitet, weiterentwickelt und getestet. Die Ideen dienen im Arbeitsprozess als Orientierung, anhand derer ein anerkanntes Leitbild nach und nach ausgearbeitet wird. Je mehr konkrete Ausarbeitungen (A) aus einer Idee gewonnen werden, desto größer ist die Absorption fachlicher Unsicherheit. Die Leitbildidee ist nun bei den primär handelnden Akteuren anerkannt und wird „als Verheißung von Erfolg“ zu einem Leitbild formuliert und konkretisiert.

Die Konsensbildung in dieser Phase verstärkt sich im Falle des Erfolgs auf zwei Arten. Zum einen wird sie selbstreferentiell vorangetrieben. Wenn das ‚Artefakt’ Leitbild durch die inhaltliche Ausgestaltung an Profil gewinnt, stabilisiert sich dadurch die Leitbildidee. Zum anderen wird die Konsensbildung zwischen Experten und anderen relevanten Bereichen der Gesellschaft durch übergreifendes Interesse und Rückkopplungen zum Leitbildprozess hergestellt. Dieser Vorgang ist durch den Selektionsprozess S3 gekennzeichnet. Ist kein Konsens herstellbar, müssen geäußertes Unverständnis aus breiten Kreisen der Gesellschaft zur Verwerfung einer Idee und erhobene Kritik zur Modifikation bzw. zum Umdenken in der Umsetzung führen. Der Konsens über ein Leitbild zeichnet sich dadurch ab, dass sich im Falle der Anerkennung einer Idee mit Leitbildpotential, immer mehr Akteure damit befassen und Ausarbeitungen zu seiner Erstellungen beisteuern.

Aus dieser Perspektive lässt sich eine wichtige Orientierungsfunktion von Leitbildern auf der Suche nach Lösungen und neuen Antworten erkennen. Insbesondere in Fragen der Innovationsförderung in politischen bzw. planerischen Fragestellungen ist diese Funktion als wesentlich zu erachten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die inflationäre Nutzung des Leitbildbegriffs in verschiedenen Disziplinen und formuliert die Absicht, das Potenzial des Instruments speziell für die Stadtentwicklung zu untersuchen.

2. Allgemeine Leitbildüberlegungen: Dieses Kapitel widmet sich der etymologischen Herleitung sowie der wissenschaftlichen Einordnung des Begriffs, inklusive der Abgrenzung zu verwandten Konzepten wie Utopie und Ideologie.

3. Entwicklung und Funktion von Leitbildern in der Raumplanung: Hier werden der Lebenszyklus eines Leitbildes sowie die zentralen Funktionen – von der Wissensproduktion bis zur kollektiven Projektion – detailliert analysiert.

4. Leitbild „Metropole Hamburg – Wachsende Stadt“: Dieser Hauptteil prüft das Hamburger Leitbild kritisch auf seine Entstehungsgeschichte, Bürgerbeteiligung und städtebauliche Substanz.

5. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass das untersuchte Hamburger Leitbild primär als Marketinginstrument des Senats dient und die Kriterien eines städtebaulichen Leitbilds nicht erfüllt.

Schlüsselwörter

Leitbild, Stadtentwicklung, Raumplanung, Metropole Hamburg, Wachsende Stadt, Stadtplanung, Wissensgenerierung, Konsensbildung, Kooperationsinstrument, Standortwettbewerb, Stadtpolitik, Partizipation, Zielverdichtung, Planungstheorie, Diskursanalyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die theoretische Fundierung von städtebaulichen Leitbildern und setzt diese in Kontrast zur praktischen Umsetzung am Beispiel des Hamburger Leitbildes „Metropole Hamburg – Wachsende Stadt“.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten gehören der Lebenszyklus von Leitbildern, ihre psychologischen und soziologischen Wirkungsmechanismen bei der Koordination von Akteuren sowie die kritische Hinterfragung politischer Stadtentwicklungskonzepte.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Leitbildbegriff wissenschaftlich zu schärfen und anhand der Hamburger Fallstudie aufzuzeigen, ob der Begriff in der politischen Kommunikation zur Legitimierung rein ökonomischer Ziele instrumentalisiert wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretisch-deduktive Herleitung mittels Literaturanalyse, ergänzt durch eine kritische diskursanalytische Untersuchung des Hamburger Senatskonzepts.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung und den Verfall von Leitbildern in der Raumplanung sowie die spezifischen Mängel des Hamburger Konzepts hinsichtlich demokratischer Bürgerbeteiligung und inhaltlicher Zielschärfe.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Stadtentwicklung, Leitbildtheorie, Konsensbildung, Wachsende Stadt und politische Strategie geprägt.

Inwiefern unterscheidet sich das Hamburger Leitbild von einem idealen Leitbild?

Ein echtes Leitbild erfordert einen breiten gesellschaftlichen Konsens und dient der Lösung komplexer Probleme; das Hamburger Konzept hingegen wirkt verordnet, ist stark wirtschaftspolitisch motiviert und weist kaum innovative städtebauliche Ansätze auf.

Warum wird das Hamburger Leitbild im Fazit als „Marketingstrategie“ bezeichnet?

Der Autor argumentiert, dass das Dokument weniger der steuernden städtebaulichen Vision dient, sondern primär als Rechenschaftsbericht die Arbeit des Senats in einem positiven Licht darzustellen versucht.

Welche Rolle spielt die Bürgerbeteiligung in der Untersuchung?

Der Autor bemängelt die Abwesenheit eines echten Konsensprozesses, da wichtige integrative Institutionen wie der Zukunftsrat ignoriert wurden und Bürger lediglich in einer „scheindemokratischen Arena“ an der Umsetzung vorab festgelegter Ziele arbeiten sollten.

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Details

Title
Das Leitbild als Kommunikationskonzept oder Kooperationsinstrument?
Subtitle
Entwicklung und Funktionen städtebaulicher Leitbilder am Beispiel des Leitbildes „Metropole Hamburg – Wachsende Stadt“
College
University of Hamburg  (Departement für Wirtschaft und Politik)
Course
Lernwerkstatt des Masterstudiengang "ökonomische und soziologische Studien"
Grade
1,5
Author
Sozialökonom (M.A.) Jörg Passlack (Author)
Publication Year
2005
Pages
34
Catalog Number
V153997
ISBN (eBook)
9783640665396
ISBN (Book)
9783640665723
Language
German
Tags
Leitbild Kooperation Kommunikation Konzept Vision Utopie Ideologie Stadtentwicklung Raumplanung Organisation Veränderung Ziel Idee Konzeption Leerformeln Orientierung Konfliktüberwindung Konfliktvermeidung Interessen Innovation Problem Problematik Wachsende Stadt Wachsende Stadt Hamburg Betroffene Planung kollektiv Projektion Voradaption Äquivalent
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sozialökonom (M.A.) Jörg Passlack (Author), 2005, Das Leitbild als Kommunikationskonzept oder Kooperationsinstrument?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153997
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