Die Zählung der Bevölkerung in den Provinzen - Die Erfassung des Imperium Romanum


Hausarbeit, 2010

12 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Übersicht über die vorliegende Arbeit
1.2 Literaturbericht

2 Begriffsklärungen
2.1 Provinzialcensus
2.2 Provinzen

3 Volkszählung in den Provinzen
3.1 Aufstände in den Provinzen
3.2 Die Erfassung des Imperium Romanum
3.3 Grundlage für „tributum soli“ und „tributum capitis“

4 Exkurs: Die Rolle des Militärs

5 Schluss

6 Bibliographie
6.1 Literaturverzeichnis
6.2 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

27 v. Chr. trat Augustus als erster römischer Kaiser seine Herrschaft an.[1] Unter ihm wurden zum ersten Mal in der römischen Geschichte alle Provinzen des Imperiums mit Hilfe des Census steuerlich erfasst.[2] Diese Besonderheit soll in der folgenden Arbeit genauer beleuchtet werden.

1.1 Übersicht über die vorliegende Arbeit

Nachdem die Begriffe ‚Provinzialcensus’ und ‚Provinzen’ unter Punkt 2 Begriffsklärungen erläutert wurden, befasst sich die vorliegende Arbeit unter dem Gliederungspunkt 3 mit der Volkszählung in den Provinzen. Dabei wird auf die Aufstände in den betroffenen Gebieten ebenso eingegangen (vgl. 3.1 Aufstände in den Provinzen), wie darauf, was eigentlich genau gezählt wurde (vgl. 3.2 Die Erfassung des Imperium Romanum) und schließlich auf die beiden Steuern, die erhoben wurden (vgl. 3.3 Grundlage für „tributum soli“ und „tributum capitis“). Bevor Punkt 5 Schluss die wichtigsten Gedanken noch einmal kurz zusammenfasst, findet unter 4 ein kleiner Exkurs zur Rolle des Militärs statt, welches eine nicht unerhebliche Rolle in Sachen Provinzialcensus spielte.

1.2 Literaturbericht

Um sich einen ersten Überblick über die Zählung der Bevölkerung im Allgemeinen zu verschaffen, empfiehlt sich besonders Unruh s „…Dass alle Welt geschätzt würde.“. Dieses Werk ermöglicht einen ersten Zugang zur Thematik und ist dank seiner geringen Komplexität gut zu verstehen. Die meisten Aussagen, die Unruh hier in einfacher Weise wiedergibt, greifen Autoren wie Bringmann, Eck, Gardthausen oder Kienast auf und gehen genauer darauf ein. Dietmar Kienast liefert mit seinem „Augustus. Prinzeps und Monarch“ alle wichtigen Hintergrundkenntnisse zum Kaiser und geht im 6. Kapitel unter Punkt 1 „Die Wirtschaftspolitik des Augustus“ u. a. auf den Provinzialcensus ein. Mit dem Lukas-Evangelium beschäftigt sich der Aufsatz „Der römische Provinzialzensus und der Schätzungsbericht des Lukas-Evangeliums“ von Braunert ausführlich und verweist nebenher auch auf verschiedene Forschungsansichten. Jochen Bleicken widmet sich in seiner „Augustus“-Biographie der Verwaltungsseite des Census, die auch bei den zuerst genannten Autoren immer wieder zur Sprache kommt und wichtige Informationen zum Ablauf und zur Vorgehensweise liefert.

2 Begriffsklärungen

2.1 Provinzialcensus

Das Substantiv ‚ Census’ kommt von dem lateinischen Verb ‚ censere’, was soviel heißt wie „begutachten“, „schätzen“, „taxieren“ oder eben auch „als sein Vermögen angeben“.[3] In Rom war der Census „ursprünglich ein aufwändiger Prozess der Aufstellung von Bürgerlisten zur Vermögensschätzung, die zugleich der Musterung für das Heer diente […]“.[4]

Man vermutet, dass der römische Provinzialcensus von Augustus in Anlehnung an den Bürgercensus[5] und unter zu Hilfenahme der in den einzelnen Provinzen bereits vorgefundenen Institutionen neu geschaffen wurde.[6] Unabhängig vom römischen Census, erfolgte der Provinzialcensus „meist bei der Einrichtung einer neuen Provinz[7] sowie vor großen militärischen Unternehmungen[8] “ – auf alle Fälle in den einzelnen Provinzen zu verschiedenen Zeiten, in unregelmäßigen Abständen[9] und straßenweise.[10]

Da der Schriftverkehr damals noch nicht sehr verbreitet war, bestand ein Zwang zur persönlichen Meldung bei der jeweils zuständigen Behörde.[11] Obwohl die Statthalter schon früher Listen über Grundbesitz und andere Vermögenswerte besessen hatten[12], sollte der Provinzialcensus nun die Besteuerung der Bürger in den Provinzen erleichtern; diesem waren aber die cives Romani[13] nicht unterworfen.[14] Der Provinzialcensus erfasste in den einzelnen Provinzen die Untertanen.[15] Augustus knüpfte mit dieser Art von Census an eine Maßnahme Caesars an, der zuvor schon in der Provinz Asia die Besteuerung der Bevölkerung weitgehend selbst in die Hand genommen hatte.[16] Unter Augustus handelte es sich aber nun um eine neue und direkte Steuererhebung,[17] die auch der Erfassung der Wirtschaftskraft diente.[18] Die Pacht der Steuern wurde jetzt nicht vom Zensor in Rom, sondern vor Ort von staatlichen Behörden vergeben und überwacht.[19] Die Tatsache, dass mit dem Census in Syrien und Judäa die Neueinrichtung einer Provinz einherging, unterscheidet den Census des Quirinius (in Syrien und Judäa)[20] vom census populi aus republikanischer Zeit.[21] Eine neue Provinz bedeutete auch zugleich „neue“ direkte Steuern aus dem Vermögen der Provinzbewohner für die Römer; um nun Klarheit über den aktuellen Vermögensstand der neuen Mitglieder im Reich zu erhalten, wurden sie dem census provincialis unterworfen.[22] Die Steuern wurden direkt in die römische Staatskasse, den fiscus, eingezahlt.[23]

[...]


[1] Vgl. Unruh 2001, 8.

[2] Vgl. Unruh 2001, 16.

[3] Vgl. Unruh 2001, 23.

[4] Unruh 2001, 23.

[5] Dennoch war der Provinzialcensus unabhängig vom Bürgercensus: Vgl. Braunert 1957, 200. Der Bürgercensus umfasste also die Bürger Roms und die römischen Bürger in den Provinzen, wohingegen der Provinzialcensus die Bürger in den Provinzen, die nicht zu den römischen Bürgern gehörten, umfasste: Vgl. Kienast 1999, 403.

[6] Vgl. Braunert 1957, 197.

[7] Vgl. Braunert 1957, 199/200. Dieser Census unterstand dem jeweiligen Statthalter: Vgl. Braunert 1957, 212.

[8] Auf die Rolle des Militärs soll später unter 4 Exkurs: Die Rolle des Militärs noch weiter eingegangen werden.

[9] Vgl. Kienast 1999, 403.

[10] Vgl. Suet. 40,2.

[11] Vgl. Braunert 1957, 198.

[12] Vgl. Bleicken 1998, 415.

[13] cives Romani = die in den Provinzen ansässigen römischen Bürger: Vgl. Kienast 1999, 403. Diese wurden vom „Reichsbürgercensus“ erfasst: Vgl. Unruh 2001, 28.

[14] Vgl. Kienast 1999, 403.

[15] Vgl. Bringmann/Schäfer 2002, 109.

[16] Vgl. Kienast 1999, 403/404.

[17] Vgl. Kienast 1999, 404.

[18] Vgl. Giebel 1975, 47.

[19] Vgl. Bleicken 1998, 415/416. Meist waren Prokuratoren, also Angestellte für die Vermögens- bzw. Staatsverwaltung, dafür zuständig.

[20] Vgl. dazu auch 3.2 Das Beispiel Judäa im Lukas-Evangelium in dieser Arbeit.

[21] Vgl. Unruh 2001, 28.

[22] Vgl. Unruh 2001, 28.

[23] Vgl. Unruh 2001, 29. Giebel 1975, 47/48 schreibt, dass die Steuern dem Schatzamt (aerarium Saturni) und dem aerarium militare, der von Augustus neu gegründeten Militärkasse, zuflossen.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Zählung der Bevölkerung in den Provinzen - Die Erfassung des Imperium Romanum
Hochschule
Universität Passau  (Lehrstuhl für Alte Geschichte)
Veranstaltung
Einführung in die Alte Geschichte (Augustus)
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
12
Katalognummer
V154203
ISBN (eBook)
9783640665433
ISBN (Buch)
9783640665785
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Augustus, Volkszählung, Imperium Romanum, Provinzen, Zensus, Census
Arbeit zitieren
Nicola Huber (Autor), 2010, Die Zählung der Bevölkerung in den Provinzen - Die Erfassung des Imperium Romanum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154203

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