Kaum eine ethische Richtlinie wird von der Kirche so konsequent über Jahrhunderte hinweg proklamiert, wie ihre Ansichten bezüglich der Abtreibung. Es verwundert darum in keineswegs, dass sich die allgemeine Unvereinbarkeit eines Schwangerschaftsabbruches mit dem Katholizismus in der Gesellschaft so stark manifestiert hat.
Während eine Abtreibung in früheren Zeiten auch gesetzlich verboten war, stellt das weltliche Recht diese Maßnahme heute unter bestimmten Bedingungen straffrei.
Hat der Mensch demnach etwas wie ein Recht auf Abtreibung? Aus welchen Grundüberlegungen erwächst die Divergenz weltlichen Rechts mit den Ansichten der Kirche? Oder ist unter Umständen sogar eine Vereinbarkeit beider Vorstellungen miteinander möglich?
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DER BEGRIFF DER ABTREIBUNG
3. DIE RECHTSLAGE ZUM SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH
3.1 DAS WELTLICHE RECHT
3.1.1 Die Abtreibung im deutschen Strafrecht
3.1.2 Chancen, Gründe und Probleme des weltlichen Gesetzes
3.2 DIE POSITION UND RECHTSLAGE DER KIRCHE
3.2.1 Die Abtreibung nach dem Kirchenrecht
3.2.2 Chancen, Gründe und Probleme der kirchlichen Position
4. DIE VEREINBARKEIT VON WELTLICHEM UND KIRCHLICHEM RECHT
5. SCHLUSSWORT – DER MENSCH ZWISCHEN DEN PARAGRAPHEN
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den ethischen und rechtlichen Spannungsfeld der Abtreibung aus der Perspektive eines katholischen Christen unter Berücksichtigung des deutschen Strafrechts. Ziel ist es, die Divergenz zwischen der staatlichen Gesetzgebung und der kirchlichen Position aufzuzeigen und zu diskutieren, wie ein Mensch diese Diskrepanz in der Gewissensentscheidung bewältigt.
- Rechtliche Grundlagen des § 218 StGB und das Fristenmodell.
- Ethische und rechtliche Positionen der katholischen Kirche zur Abtreibung.
- Diskussion über die Vereinbarkeit von weltlichem Recht und Kirchenrecht.
- Problematiken der moralischen Legitimierung von Schwangerschaftsabbrüchen.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Chancen, Gründe und Probleme des weltlichen Gesetzes
Noch heute stellt sich die Frage, ob überhaupt eine ideale legislative Regelung des Schwangerschaftsabbruches gefunden werden kann. So erklärte der Sozialwissenschaftler Manfred Spieker beispielsweise, dass man die Aufhebung des generellen Tötungsverbots, um das es schließlich gehe, keinesfalls regeln könne ohne dabei den demokratischen Gesetzgeber selbst in Frage zu stellen. Einerseits wird versucht, eine medizinisch indizierte Abtreibung zu legitimieren und das Selbstbestimmungsrecht der Frau nicht zu untergraben, andererseits bemüht man sich um den Schutz des ungeborenen menschlichen Wesens. Es scheint nahezu unmöglich eine Lösung zu finden, die allen Indikatoren des Gesetzes entspricht. Die Geschichte hat gezeigt, dass ein generelles Abtreibungsverbot die Zahl der tatsächlich vorgenommenen Schwangerschaftsabbrüche keinesfalls senkt, sondern sie lediglich in die Heimlichkeit treibt, wo Eingriffe mit hohem Risiko unsachgemäß durchgeführt werden.
Ähnliches gilt für das Indikationskonzept, bei dem die Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung in die Verantwortung Dritter gelegt wird. Diese sollen ihr Urteil mittels eines festgelegten Indikationskataloges fällen, der jedoch in keinster Weise an alle Eventualitäten des Lebens angepasst sein kann. Die Entscheidungsfreiheit der Schwangeren wird dabei gänzlich missachtet und es besteht die Gefahr, dass viele Frauen aus Angst vor Diskriminierung oder aus dem Wissen heraus, dass ihrem Willen nicht entsprochen werden würde, das eigentlich als Hilfe gedachte Beratungsangebot gar nicht erst wahr nähmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die ethische Thematik der Abtreibung ein und stellt die Grundkonflikte zwischen staatlichem Recht und kirchlicher Position dar.
2. DER BEGRIFF DER ABTREIBUNG: Dieses Kapitel definiert den medizinischen und ethischen Begriff der Abtreibung sowie den Status des Fötus als menschliches Wesen.
3. DIE RECHTSLAGE ZUM SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH: Es erfolgt eine detaillierte Analyse der strafrechtlichen Regelungen im deutschen Recht sowie der kirchenrechtlichen Bestimmungen inklusive deren jeweiliger Probleme.
4. DIE VEREINBARKEIT VON WELTLICHEM UND KIRCHLICHEM RECHT: Die Untersuchung befasst sich mit der Frage, ob und wie diese beiden konträren Rechtssysteme miteinander in Einklang gebracht werden können.
5. SCHLUSSWORT – DER MENSCH ZWISCHEN DEN PARAGRAPHEN: Das Fazit reflektiert die Gewissensentscheidung der Schwangeren und betont die moralische Unverwerflichkeit der Abtreibung trotz rechtlicher Straffreiheit.
Schlüsselwörter
Abtreibung, Schwangerschaftsabbruch, Kirchenrecht, Strafrecht, § 218 StGB, Lebensrecht, Fötus, Ethik, Exkommunikation, Beratungsgespräch, Selbstbestimmungsrecht, Gewissensentscheidung, Indikationsmodell, Fristenmodell, Moral.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den ethischen Konflikt, in dem sich ein katholischer Christ befindet, wenn er die Diskrepanz zwischen staatlichem Gesetz und kirchlichem Verbot bei einer Abtreibung bewerten muss.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die rechtliche Lage in Deutschland, das Kirchenrecht der katholischen Kirche sowie die ethische Auseinandersetzung mit dem Schutz des menschlichen Lebens.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Gründe für die Divergenz zwischen staatlichen Gesetzen und kirchlicher Lehre aufzuzeigen und die Frage zu klären, ob eine moralische Legitimierung eines Schwangerschaftsabbruchs möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse ethischer, kirchenrechtlicher und strafrechtlicher Texte sowie der Diskussion theologischer und rechtspolitischer Positionen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das deutsche Strafrecht, das kirchenrechtliche Verbot der Exkommunikation sowie die Chancen und Probleme beider Regelungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Abtreibung, Lebensrecht, Kirchenrecht, staatliches Recht und die moralische Gewissensentscheidung der betroffenen Frau.
Wie bewertet die Autorin die Angst vor der Exkommunikation?
Die Autorin bezweifelt, dass die bloße Angst vor einer Exkommunikation eine Frau effektiv von einem Abbruch abhalten würde, da die Tat oft geheim bleibt und die Strafe in der Praxis schwer kontrollierbar ist.
Warum ist laut der Arbeit eine Vereinbarkeit von weltlichem und kirchlichem Recht schwierig?
Die Vereinbarkeit scheitert an der unterschiedlichen Zielsetzung: Der Staat sucht demokratische Konsenslösungen, während die Kirche auf einem hierarchisch begründeten, absoluten Lebensschutz beharrt.
- Quote paper
- Carolin Briegel (Author), 2008, Abtreibung als Katholik?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154408