[...]In dieser Ausarbeitung wird der Fokus jedoch auf einen spezifischen Bereich der französischen Außenpolitik gelegt: Im Mittelpunkt steht die französische Position in der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik.
Um die heutige Position Frankreichs und Sarkozys Ambitionen in diesem Bereich zu verstehen, muss man bei einer Analyse einige Jahre zurückgehen, um einen geeigneten Ausgangspunkt zu haben. Hierbei rückt das Jahr 1990 in den Fokus, da hier ein weltpolitischer Umbruch stattfand, der Frankreich dazu zwang, seine gesamte Außen- und Sicherheitspolitik und damit auch seine Europapolitik zu überdenken[...]
-Wie sollte eine politische Neuorientierung im internationalen System aussehen?
-Von welchen Leitlinien und welchem Muster sollte die folgende Außenpolitik des Landes bestimmt sein?
[...]Als theoretische Grundlage dieser Arbeit wird der Neorealismus nach Kenneth Neal Waltz verwendet. Die Theorie dient als besonders geeignetes Analyseraster, da mit dem Zusammenbruch des Ostblocks eine Veränderung in der Struktur der internationalen Beziehungen stattfand, was im Sinne des Neorealismus auch eine Anpassung des außenpolitischen Verhaltens eines Staates nach sich ziehen sollte.
[...]Darauf folgend wird die Rolle Frankreichs beim Vertrag von Maastricht erläutert, der die Gründung einer „Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik“ (im Folgenden „GASP“) beinhaltete. Danach werden dann die Ergebnisse des Amsterdamer Vertrags vorgestellt, bevor der St. Malo-Gipfel erwähnt wird, welcher die Gründung einer „Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik“ (im Folgenden „ESVP“) nach sich zog[...]
Darauf folgend wird dann untersucht, inwieweit der weltpolitische Umbruch im internationalen System Frankreichs Sicherheits- und Verteidigungspolitik verändert oder auch erneuert hat. Dabei wird insbesondere darauf eingegangen, wie das außenpolitische Verhalten Frankreichs hierbei aus der Argumentation des Neorealismus heraus begründet werden kann. Hierbei wird die zentrale Frage der Arbeit beantwortet:
-Ist die Ideologie des Gaullismus nach wie vor prägend für die französische Außenpolitik oder kann man im Bereich der GASP und ESVP eine Aufgabe der gaullistischen Konzeption erkennen?
Nach dieser Darstellung werden dann noch mal die Ergebnisse im Fazit zusammengefasst vorgestellt. Dabei wird noch die Frage aufgeworfen, warum die Anwendung des Neorealismus in dieser Ausarbeitung problematisch sein könnte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlage: Der Neorealismus nach Kenneth N. Waltz
2.1 Begriffliche Klärung: System, Struktur und Einheit im Neorealismus
2.2 Drei Annahmen zu den Staaten
2.3 Drei Kriterien zur Bestimmung politischer Strukturen
2.4 Das Prinzip des „Balancing“ und „Bandwagoning” und die Rolle internationaler Organisationen
3 Frankreich und seine Rolle bei der GASP und ESVP - Entwicklung nach dem Ende des Ost-West-Konflikts
3.1 Vorbedingungen und Ausgangslage Frankreichs vor dem Maastrichter Vertrag
3.2 Die Gestaltung der GASP durch den Maastrichter Vertrag im Jahre 1992
3.3 Der „Monsieur PESC (Politique étrangère et de sécurité commune, GASP)“ und die weiteren Entwicklungen durch den Vertrag von Amsterdam im Jahre 1997
3.4 Der Gipfel von St. Malo 1998, Gründung der ESVP und der Nizzaer Vertrag
3.5 Ausblick auf die GASP und ESVP-Entwicklung unter Nicolas Sarkozy
3.6 Zwischenfazit
4 Frankreichs Politik in der GASP und ESVP aus der Sicht des Neorealismus: Aufgabe der gaullistischen Konzeption?
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht aus der Perspektive des Neorealismus, inwieweit Frankreich seine sicherheits- und verteidigungspolitische Strategie seit dem Ende des Ost-West-Konflikts im Jahr 1990 an die veränderten internationalen Strukturen angepasst hat und ob dabei eine Abkehr von der klassischen gaullistischen Konzeption nationaler Souveränität zu erkennen ist.
- Anwendung der neorealistischen Theorie nach Kenneth N. Waltz auf Frankreichs Außenpolitik.
- Analyse der französischen Rolle bei der Entwicklung von GASP und ESVP seit Maastricht.
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen nationaler Souveränität und europäischer Integration.
- Bewertung des Einflusses politischer Umbrüche wie des Balkankonflikts oder der EU-Osterweiterung.
- Einschätzung der außenpolitischen Leitlinien unter Präsident Nicolas Sarkozy.
Auszug aus dem Buch
3.1 Vorbedingungen und Ausgangslage Frankreichs vor dem Maastrichter Vertrag
Seit der Gründung der V. Republik im Jahre 1959 hat Frankreich bis zum weltpolitischen Umbruch im Jahre 1990 immer wieder versucht seinem Großmachtanspruch international Geltung zu verschaffen (vgl. Kimmel / Uterwedde 2005: 402). Dieses Verhalten ist auf die politische Ideologie des ersten Präsidenten der V. Republik, General Charles de Gaulle zurückzuführen und prägt auch heute noch entscheidend die Außen- und Sicherheitspolitik Frankreichs (vgl. Gordon 1993: 4). Frankreichs Politik ist seit dem Ausruf der V. Republik von einem Streben nach Souveränität, Eigenständigkeit und Unabhängigkeit geprägt, was sich schon durch Aktionen wie dem Ausbau eigener Atomstreitkräfte oder dem Austritt aus der Militärstruktur der NATO äußerte (vgl. Gordon 1993: 4-5 / vgl. Kimmel / Uterwedde 2005: 402). Jedoch leidet die Ideologie des „Gaullismus“ über die gesamte Zeit hinweg schon immer an einer großen Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit (vgl. Kimmel / Uterwedde 2005: 402). Frankreich musste schon früh erkennen, dass sich das bipolare internationale Staatensystem mit den USA und der Sowjetunion in führender Stellung gefestigt hatte, genauso wie der Bedeutungsverlust des eigenen Landes (vgl. Christadler / Uterwedde 1999: 470). Dies führte auch zu einem Verlust der Entscheidungsfreiheit in sicherheits- und verteidigungspolitischen Aspekten (vgl. Kimmel / Uterwedde 2005: 402).
Um diese eingeschränkte Entscheidungsfreiheit zu kompensieren, versuchte Frankreich über die europäische Integration seinen Einfluss zu erhöhen, um hier eine Vormachtstellung auszuüben. Wenn es schon nicht gelang, den Großmachtanspruch in der Welt gültig zu machen, so war hier die Vision einer „Europe Puissance“ mit herausragendem französischen Gewicht die Idee. Europa sollte im Sinne Frankreichs zu einer konstruktiven Multipolarisierung des internationalen Systems beitragen (Kimmel / Uterwedde 2005: 412 / vgl. Christadler / Uterwedde 1999: 471). Doch auch dies gestaltete sich schwieriger als vorerst angenommen. Frankreich befindet sich bis heute oft im Widerspruch zwischen der gaullistischen Ideologie und der nationalen Unabhängigkeit einerseits und der Abgabe von Souveränität an Europa andererseits. Bei den Aushandlungsprozessen hat Frankreich deshalb „häufig die Rolle eines Initiators und Ideengebers“ wahrgenommen, wirkte aber gleichzeitig auch immer wieder als „Bremse“ (Kimmel / Uterwedde 2005: 384).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Relevanz der französischen Außenpolitik unter Nicolas Sarkozy dar und führt die zentrale Fragestellung zur Rolle Frankreichs in der GASP und ESVP seit 1990 ein.
2 Theoretische Grundlage: Der Neorealismus nach Kenneth N. Waltz: Hier wird der Neorealismus als Analyseraster erläutert, wobei insbesondere die Struktur des internationalen Systems, die Rolle der Staaten als uniforme Akteure und das Prinzip des „Balancing“ hervorgehoben werden.
3 Frankreich und seine Rolle bei der GASP und ESVP - Entwicklung nach dem Ende des Ost-West-Konflikts: Dieses Kapitel zeichnet die französische Europapolitik von 1990 bis zur Ära Sarkozy nach und verdeutlicht das Ringen zwischen Integration und nationaler Souveränität anhand verschiedener Vertragswerke.
4 Frankreichs Politik in der GASP und ESVP aus der Sicht des Neorealismus: Aufgabe der gaullistischen Konzeption?: Unter Anwendung der neorealistischen Theorie wird geprüft, warum Frankreich trotz der Ideologie nationaler Unabhängigkeit die europäische Integration weiter vorangetrieben hat.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und betont, dass der Gaullismus als außenpolitische Leitlinie weiterhin prägend bleibt, auch wenn Frankreich sicherheitspolitische Kapazitätsdefizite durch europäische Integration zu kompensieren versucht.
Schlüsselwörter
Frankreich, Neorealismus, GASP, ESVP, Gaullismus, Nicolas Sarkozy, Europäische Integration, Internationale Beziehungen, Machtressourcen, Sicherheitspolitik, Souveränität, Maastrichter Vertrag, Außenpolitik, Multipolarität, Sicherheitsdilemma.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die französische Sicherheits- und Verteidigungspolitik seit 1990 und untersucht, wie Frankreich auf die Veränderungen der internationalen Ordnung reagiert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung der GASP und ESVP, die Vereinbarkeit von europäischer Integration mit nationaler Souveränität sowie der Wandel der französischen Außenpolitik unter verschiedenen Präsidenten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aus der Perspektive des Neorealismus zu klären, ob Frankreich seine traditionelle gaullistische Konzeption der Unabhängigkeit zugunsten einer europäischen Verteidigung aufgegeben hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Als wissenschaftliche Methode dient die Anwendung des neorealistischen Analyserasters nach Kenneth N. Waltz, um das außenpolitische Handeln Frankreichs als Reaktion auf strukturelle Veränderungen im internationalen System zu erklären.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des Neorealismus, die historische Entwicklung der französischen Politik von Maastricht bis Sarkozy und die anschließende neorealistische Interpretation dieser Prozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Neorealismus, Gaullismus, GASP, ESVP, Souveränität und europäische Integration geprägt.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Gaullismus unter Präsident Sarkozy?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Gaullismus trotz aller Integrationsschritte weiterhin eine zentrale, wenn auch widersprüchliche Leitlinie der französischen Außenpolitik bleibt.
Warum wird der Neorealismus als Analyseraster für diese Fragestellung gewählt?
Der Neorealismus wird gewählt, da er nach dem Zusammenbruch des bipolaren Systems ein schlüssiges Muster bietet, um anzupassendes Staatenverhalten basierend auf Machtressourcen und strukturellen Zwängen zu erklären.
Gibt es eine kritische Auseinandersetzung mit der verwendeten Theorie?
Ja, der Autor stellt im Fazit die Frage, ob der Neorealismus aufgrund neuer Bedrohungsszenarien wie Terrorismus im 21. Jahrhundert noch das geeignetste Analyseraster für die europäische Integration darstellt.
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- Florian Meier (Autor), 2008, Frankreich und die GASP und ESVP seit dem Maastrichter Vertrag aus der Sicht des Neorealismus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154445