Poetologische Elemente in Schillers "Die Künstler"


Hausarbeit, 2009

6 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Schillers Gedicht Die Künstler, zwischen Oktober 1788 und Februar 1789 entstanden, stellt eine sowohl kulturhistorische als auch philosophische Abhandlung der Aufgaben der Künstler, in Rücksichtnahme ihrer Zeit, dar, und ist somit häufig direkt poetologisch. In ihm verarbeitet Schiller sein eigenes ästhetisches Prinzip des Erkenntnisgewinns: Die poetische Bildung gehe der Theoriebildung voraus, zuerst gebe es die Dichtung, der dann die Philosophen nachsteigen sollen. So behandelt Schiller selbst 1795 in Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen philosophisch das, was er in Die Künstler Jahre vorher bereits poetisch verdichtet hatte[1]. Auch entfernen sich Schillers Gedanken hier langsam vom Sturm und Drang, klassische Elemente treten vermehrt auf:

Mit ihm überschreitet Schiller feierlich die Schwelle der Klassik. Š...‹ Für sein Denken bedeuten Die Künstler einen entscheidenden Wendepunkt. Es scheint Š...‹, dass diese Wendung Š...‹ nicht Schiller allein betrifft. Sie hilft vielmehr die deutsche Klassik in ihrer Gesamtheit zu begreifen.[2]

Inwiefern das Gedicht klassische und poetologische Elemente aufweist, soll im Folgenden, insbesondere anhand der letzten 38 Zeilen, der letzen drei Strophen, erläutert werden.

Grundsätzlich können Die Künstler in vier Sinnabschnitte unterteilt werden: Die Einleitung, der kulturhistorische Teil, der philosophische Teil und der Schlussteil.

Die ersten 33 Zeilen dienen als Ansprache an den Menschen des Jahrhunderts der Aufklärung, der als „reifster Sohn aller Zeit“[3] die personifizierte Bilanz der bisherigen Menschheitsentwicklung deutlich macht. Zwar schildert Schiller in die Zukunft blickende, im Bewusstsein weit ausgeprägte Menschen (Zeile 4, „mit aufgeschloßnem Sinn, mit Geistesfülle“), die „frei durch Vernunft“[4] seien, jedoch bleibt trotzdem ein Zustand der Unvollkommenheit. Während des Aufstiegs des Menschen (Z. 1 - 12) wurde dieser „immer seltener der Schönheit als der Quelle seines forschenden Geistes gewahr.“[5] Um diesen Zustand zu beenden und zur wahren Vollkommenheit zu gelangen, ist ein Prozess der Lösung des Schönen aus dem allgegenwärtigen Pragmatismus, nötig.[6] Nur so kann das Wahre, die echte Schönheit, erhalten und damit verbunden, ganz im Sinne der Klassik, eine Harmonie hergestellt werden. Aus diesem Grund mahnt Schiller den Menschen in den Zeilen 13 bis 33 sich der Kunst zu entsinnen und sie als Kulturstifterin anzuerkennen. Nur so sei man in der Lage, sich der Vervollkommnung anzunähern. Voraussetzung hierfür sei die Anwesenheit des Schönen in jedem Individuum, als Ursprung allen Menschentums (Z. 33). Auch soll sich der Mensch erinnern, dass er das Menschentum der Kunst verdanke, da sie sich seiner annahm, als er einst voraussetzungslos und verlassen „an des Lebens ödem Strand“ Anfechtungen einer feindseligen Wirklichkeit gegenüber stand (Z. 14ff).

In der sechsten Strophe, wird das Thema Kunst und Mensch ähnlich wieder aufgenommen. Anhand von antiken und christlichen Schöpfungsmythen wird die Sterblichkeit des Menschen verdeutlicht. Ebenso, inwiefern sich die Kunst dem gottverlassenen Menschen zuwenden würde, wie in der zweiten Strophe bereits angedeutet. Durch die Beschreibung von Platons Höhlengleichnis und dem Sündenfall wird so Hoffnung vermittelt wieder „zum Lichte“[7], durch Kunst, zurückkehren zu können.[8] Wenn der Mensch sich also einsam fühlt, kann er in der Kunst einen Freund, einen Verbündeten und einen Antrieb finden, ähnlich wie es Goethe im Vorwort zu Die Leiden des jungen Werther beschrieb.

[...]


[1] Hans Jürgen Malles : Fortschrittsglaube und Ästhetik. Reclam, 1996. S. 100

[2] Claude David: Schillers Gedicht „Die Künstler“. Ein Kreuzweg der deutschen Literatur (1955), Vandenhoeck & Ruprecht, 1983. S. 45.

[3] Friedrich Schiller: Die Künstler. Z. 6.

[4] Ebd., Z. 7.

[5] Malles , S. 101

[6] Ebd.

[7] Schiller, Z. 68.

[8] Malles, S. 102.

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Poetologische Elemente in Schillers "Die Künstler"
Hochschule
Universität Paderborn  (Literaturwissenschaften)
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
6
Katalognummer
V154620
ISBN (eBook)
9783640674954
Dateigröße
388 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Poetologische, Elemente, Schillers, Künstler
Arbeit zitieren
Elisabeth Werdermann (Autor), 2009, Poetologische Elemente in Schillers "Die Künstler" , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154620

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