Obwohl die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung eine der häufigsten psychiatrischen Störungen des Kindes- und Jugendalters ist, gibt es nur wenige einigermaßen valide Verfahren zur Diagnose der Störung. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass der Forschungsstand zum Störungsbild der ADHS uneinheitlich ist und es bis heute nicht gelungen ist, ein für die Störung spezifisches neuropsychologisches Profil auszumachen. Die ADHS kann individuell sehr unterschiedliche Verläufe annehmen und tritt komorbid mit
einer Vielzahl unterschiedlicher weiterer Störungen auf. Eine Störung einwandfrei zu diagnostizieren, welche so facettenreich ist, kann erst gelingen, wenn bekannt ist, welche grundlegenden Defizite Kinder mit und ohne ADHS unterscheiden.
In dieser Arbeit soll zunächst die ADHS beschrieben werden, bevor ein Überblick über die Verfahren mit ihren Vor- und Nachteilen gegeben werden wird, welche momentan bei der
ADHS-Diagnostik Verwendung finden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
2.1 Beschreibung der Störung
2.2 Epidemiologie
2.3 Ätiologie
2.4 Therapie
3. Diagnostik der ADHS
3.1 Fragebögen
3.2 Direkte Verhaltensbeobachtung
3.3 Neuropsychologische Testverfahren
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle diagnostische Praxis bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern. Ziel ist es, die gängigen Diagnoseverfahren (Fragebögen, Verhaltensbeobachtung, neuropsychologische Tests) hinsichtlich ihrer Validität und ihres praktischen Nutzens kritisch zu vergleichen und aufzuzeigen, warum eine multimodale Diagnostik für eine zuverlässige Beurteilung unerlässlich ist.
- Grundlagen und Symptomatik der ADHS
- Epidemiologie und Verlauf der Störung
- Kritische Analyse von Fragebögen in der Diagnostik
- Einsatz und Grenzen der direkten Verhaltensbeobachtung
- Bedeutung und Validität neuropsychologischer Testverfahren
Auszug aus dem Buch
3.3 Neuropsychologische Testverfahren
Da bei der ADHS oft neuropsychologische Auffälligkeiten vorliegen, welche, wie bereits erwähnt, in Form von Defiziten der exekutiven Kontrollfunktionen bestehen, kann es sinnvoll sein, neuropsychologische Testverfahren, welche die Bereiche Aufmerksamkeit und Inhibitionskontrolle erfassen, bei der Diagnostik der ADHS einzusetzen.
Allgemein kann man in diesem Bereich zwischen Papier-und-Bleistift-Tests und computergestützten Testbatterien unterscheiden. Als Beispiele für Papier-und-Bleistift-Tests zur Aufmerksamkeitsdiagnostik sind der Belastungstest d2 (Brickenkamp, 1994), das Frankfurter Aufmerksamkeits-Inventar FAIR (Moosbrugger & Oehlschlägel, 1996) und der Differentielle Leistungstest für Kinder im Grundschulalter (DL-KG; Kleber et al., 1999) zu nennen. Allen Tests dieser Kategorie ist gemein, dass sie monotone, kognitiv anspruchslose Aufgaben enthalten, die oft darin bestehen, möglichst schnell bestimmte Zeichen zwischen anderen Zeichen zu suchen und sie fehlerfrei durchzustreichen. Computergestützte Testbatterien zur Erfassung von Aufmerksamkeit und Inhibitionskontrolle sind z.B. der Continous Performance Test CPT (Knye et al., 2003), der Frankfurter Adaptive Konzentrationsleistungs-Test FAKT (Moosbrugger & Heyden, 1998), die Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung TAP (Zimmermann & Fimm, 1993) und die Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung für Kinder KITAP (Zimmermann et al., 2002). Im Gegensatz zu den Papier-und-Bleistift Verfahren ist es bei den computergestützten Diagnostiksystemen möglich, auch akustische Signale zu verwenden und somit den untersuchbaren Bereich zu erweitern. Bei den meisten Aufgaben in neuropsychologischen Testbatterien zur Aufmerksamkeitsdiagnostik, z.B. in der TAP und der KITAP, handelt es sich um einfache Reaktionsaufgaben, bei welchen der Proband mit einem Tastendruck auf kognitiv anspruchslose Reize reagieren muss.
Zu beachten ist bei allen aufgeführten Tests, dass die Leistung bei der Aufgabenbearbeitung in vielen Fallen nicht nur von der Aufmerksamkeitsleistung abhängt, sondern auch von Sinnesleistungen (z.B. Sehvermögen), dem Arbeitstempo, den motorischen Fertigkeiten und zusätzlichen kognitiven Prozessen beeinflusst werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeiten bei der Diagnose von ADHS aufgrund des uneinheitlichen Forschungsstandes und der fehlenden spezifischen neuropsychologischen Profile.
2. Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung: Dieses Kapitel beschreibt die Symptomatik, Epidemiologie, Ätiologie und therapeutische Ansätze der ADHS und definiert die Klassifikationssysteme ICD-10 sowie DSM-IV.
3. Diagnostik der ADHS: Hier werden die gängigen Diagnosemethoden wie Fragebögen, direkte Verhaltensbeobachtung und neuropsychologische Testverfahren hinsichtlich ihrer Stärken und Schwächen analysiert.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit stellt fest, dass kein einzelnes Verfahren zur sicheren Diagnose ausreicht und fordert eine Kombination der Methoden sowie die Suche nach spezifischen biologischen Markern.
Schlüsselwörter
ADHS, Diagnostik, Kinder, Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität, Impulsivität, ICD-10, DSM-IV, neuropsychologische Tests, Verhaltensbeobachtung, Exekutive Funktionen, Validität, Komorbidität, Multimodale Diagnostik, Fragebögen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der diagnostischen Erfassung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern und vergleicht die Eignung verschiedener gängiger Diagnoseverfahren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung der Störung, die epidemiologische Einordnung, die Anwendung von Fragebögen, die direkte Beobachtung im klinischen Setting sowie die neuropsychologische Testung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die kritische Evaluation der aktuellen diagnostischen Praxis, um zu klären, welche Kombination von Verfahren die höchste diagnostische Genauigkeit bei der Identifikation von ADHS bietet.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die existierende diagnostische Instrumente, Studien und klinische Klassifikationssysteme (DSM-IV, ICD-10) analysiert und bewertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist in die Beschreibung der Störung, ihre Ätiologie, die therapeutischen Möglichkeiten und eine detaillierte Analyse diagnostischer Instrumente (Fragebögen, Beobachtung, Tests) unterteilt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
ADHS, Diagnostik, Verhaltensbeobachtung, neuropsychologische Testverfahren, Validität und multimodale Diagnostik sind die zentralen Begriffe.
Warum kritisieren die Autoren die ausschließliche Verwendung von Fragebögen?
Fragebögen sind stark subjektiv geprägt, unterliegen Verzerrungen durch Halo-Effekte und zeigen oft eine geringe Übereinstimmung zwischen den Einschätzungen von Eltern und Lehrern.
Welche Rolle spielen neuropsychologische Tests bei der Diagnose?
Sie dienen dazu, spezifische Defizite der exekutiven Kontrollfunktionen aufzudecken, eignen sich aufgrund der hohen Variabilität bei Kindern jedoch nicht als alleiniges Kriterium für die Diagnose.
- Citation du texte
- Stephan Polowinski (Auteur), 2010, Die Diagnostik der Aufmerksamkeitsdefizit- /Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154706