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Leistungsfördernde und leistungshemmende Angst

Titel: Leistungsfördernde und leistungshemmende Angst

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2003 , 13 Seiten

Autor:in: Sascha Topolinski (Autor:in)

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Stellen wir uns vor, wir hätten als Psychologen folgende Rollen bei einem recht delikaten Projekt zu verteilen: Im Tresorraum einer Bank muss eine Person mittels feinster Drehbewegungen und einem guten Gehör für das Klicken der Sicherungsmechanik die Zahlenkombination für den Tresor knacken, dazu muss man sich mehrere Minuten lang konzentrieren und nicht die Geduld verlieren, man darf sich nicht ablenken lassen und so lange an seine Kompetenz beim Tresorknacken glauben, bis man erfolgreich war. Zur Absicherung dieser Person muss aber eine zweite Person im Foyer vor dem Tresorraum stehen und mehrere Flure und Ausgangstüren sowie Alarmlampen und Überwachungsbildschirme im Auge behalten und bei der kleinsten Veränderung all dieser Indikatoren selbst Alarm schlagen und die Flucht einleiten.

Zur Besetzung dieser beiden Rollen stehen uns Ede und Fips zur Verfügung. Ede ist ein erfahrener Einbrecher, besonders ruhig und entspannt und lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Fips hat heute seinen ersten Einsatz als Bankräuber und macht sich vor Angst fast in die Hosen, er ist unruhig und seine Nerven liegen blank.

Wen würden wir als Panzerknacker und wen für die Schmiere einsetzen?

Rein intuitiv würde ein Großteil von uns Ede zum besonnenen Codeknacker und Fips zum nervenaufgeriebenen Schmieresteher machen. Der Grund liegt auf der Hand: Fips hat nicht die Ruhe dazu, den Safe zu knacken, er wäre dabei schlechter als Ede. Aber eine zweite Begründung ist genauso richtig: Edes Seelenruhe macht ihn zu einem schlechteren Alarmgeber, er wäre langsamer und weniger sensitiv als Fips.

Warum das Nervenbündel Fips den einen Job besser machen kann als den anderen, damit wollen wir uns in dieser Abhandlung beschäftigen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2.1. Das emotionspsychologische Konstrukt Angst in den großen Würfen des 20. Jahrhunderts

2.2. Zur Phänomenologie der Angst

3.1. Der mechanistisch-behavioristische Blick auf Angst und Leistung

3.2. Hulls Probleme und ein Exkurs in die Frage von Erregung und Verhalten

3.3. Der kognitive Blick auf Angst und Leistung

4. Schlussfolgerung

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht den komplexen Zusammenhang zwischen Angst und menschlicher Leistungsfähigkeit. Das zentrale Ziel ist es zu ergründen, warum Angst in bestimmten Situationen leistungsmindernd wirkt, während sie in anderen Kontexten eine leistungssteigernde Funktion einnehmen kann.

  • Historische und psychologische Konzepte der Angst
  • Behavioristische Erklärungsmodelle (Triebtheorie nach Hull)
  • Kognitive Ansätze und die Rolle von Aufmerksamkeitssteuerung
  • Verarbeitungseffizienz-Hypothese und Leistungseffektivität

Auszug aus dem Buch

3.1. Der mechanistisch-behavioristische Blick auf Angst und Leistung

Die Triebtheorie Hulls proklamiert mit der klassich gewordenen Formel R = f ( H * D ) die multiplikative Abhängigkeit einer Reaktion oder einer Verhaltensweise R von den beiden Faktoren Gewohnheitsstärke H und der Triebstärke D. H ist definiert als die Tendenz, auf einen bestimmten Stimulus mit einer bestimmten Reaktion zu antworten und wird im Tierexperiment i.d.R. operationalisiert mit den bislang gelaufenen bekräftigten S-R-Paarungen. Im Bereich menschlichen Lernens wird H eher intuitiv operationalisiert mit der Richtigkeit einer Reaktion proportional zu der Menge anderer möglicher Reaktionstendenzen. Die Triebstärke D rekrutiert sich aus der hypothetischen emotionalen Reaktion re, die hervorgerufen wird durch schädigende oder aversive Reize. Diese emotionale Reaktion kann gleichgesetzt werden mit dem klinischen Phänomen Angst und damit finden wir den Bezug der Hullschen Motivationsformel zu unserem Thema. Genauso adaptierten Spence und Taylor 1958 das Hullsche Lernparadigma zur Spence-Taylor Drive-Theorie der Angst. Der Drive D ist hierbei die Angst.

Trieb ist bei Hull nicht internal (wie ein Instinkt), sondern wird durch Deprivation oder massive Stimulation extern ausgelöst.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Das Kapitel führt anhand eines anschaulichen Beispiels in die Problematik ein, wie unterschiedliche Ausprägungen von Angst und Nervosität die menschliche Leistungsfähigkeit bei verschiedenen Aufgaben beeinflussen können.

2.1. Das emotionspsychologische Konstrukt Angst in den großen Würfen des 20. Jahrhunderts: Es wird ein Überblick über die verschiedenen theoretischen Sichtweisen auf Angst gegeben, von philosophischen Ansätzen über die Psychoanalyse bis hin zu modernen faktorenanalytischen Modellen.

2.2. Zur Phänomenologie der Angst: Dieses Kapitel beleuchtet das subjektive Erleben von Angst und kategorisiert die verschiedenen Formen, in denen Angst im Alltag und im Leistungsbereich auftritt.

3.1. Der mechanistisch-behavioristische Blick auf Angst und Leistung: Hier wird Hulls Triebtheorie erläutert, die Angst als energetisierenden Faktor (Drive) begreift, der je nach Aufgabenschwierigkeit die Leistung entweder fördern oder hemmen kann.

3.2. Hulls Probleme und ein Exkurs in die Frage von Erregung und Verhalten: Die Grenzen der behavioristischen Theorie werden diskutiert und alternative Ansätze wie das Yerkes-Dodson-Gesetz sowie die Unterscheidung von telic und paratelic states vorgestellt.

3.3. Der kognitive Blick auf Angst und Leistung: Der Fokus liegt auf der Rolle von Kognitionen, Sorgen und der Verarbeitungseffizienz-Hypothese, die erklären, wie Angst die Aufmerksamkeitsprozesse und damit die tatsächliche Leistung beeinträchtigt.

4. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst zusammen, dass Angst in geringem Maße aktivierend wirken kann, bei komplexen Anforderungen jedoch durch den Fokus auf irrelevante Kognitionen zum Leistungsversagen führt.

Schlüsselwörter

Angst, Leistungspsychologie, Triebtheorie, Verhaltensanalyse, Arbeitsgedächtnis, Stress, Appraisal-Prozesse, Verarbeitungseffizienz-Hypothese, Aufmerksamkeitssteuerung, Lernleistung, Emotionalität, kognitive Interferenz, Stress, Performance.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die duale Rolle von Angst im Kontext menschlicher Leistungsfähigkeit, wobei untersucht wird, unter welchen Bedingungen Angst förderlich oder hemmend auf die Lern- und Arbeitsleistung wirkt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit behandelt die historische Entwicklung der Angsttheorien, behavioristische Triebmodelle, kognitive Ansätze zur Aufmerksamkeitssteuerung und die Auswirkungen von Stress auf die Arbeitseffizienz.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den wissenschaftlichen Erklärungsrahmen für das Phänomen zu finden, warum hoch ängstliche Individuen bei einigen Aufgaben scheitern, bei anderen hingegen hohe Leistungen erbringen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Aufarbeitung und literaturbasierte Analyse, die verschiedene psychologische Forschungsansätze und empirische Studien miteinander vergleicht und integriert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in den behavioristischen Ansatz (Triebtheorie von Hull), eine kritische Auseinandersetzung mit Erregungsniveaus sowie den kognitiven Blick, der insbesondere Aufmerksamkeitsprozesse und Sorgen thematisiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Angst, Leistungspsychologie, Triebtheorie, Verarbeitungseffizienz-Hypothese und Aufmerksamkeitssteuerung.

Warum schneiden hoch ängstliche Personen bei Nebenaufgaben schlechter ab?

Laut der Forschung (z.B. Dusek, 1980) verengt Angst den Fokus, führt aber gleichzeitig zu einer Ablenkung durch aufgabenirrelevante Kognitionen, was die Kapazität für zusätzliche oder komplexe Anforderungen erschöpft.

Was versteht man unter dem "umgekehrten U" im Zusammenhang mit Angst?

Dies bezieht sich auf die Erkenntnis, dass eine optimale Leistung ein mittleres Erregungsniveau erfordert; sowohl zu geringe als auch zu starke Angst mindern die Leistungsqualität.

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Details

Titel
Leistungsfördernde und leistungshemmende Angst
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Lehrstuhl I Psychologie Würzburg)
Veranstaltung
Oberseminar Verhaltensanalyse & -regulation
Autor
Sascha Topolinski (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V15473
ISBN (eBook)
9783638205764
ISBN (Buch)
9783638746984
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leistungsfördernde Angst Oberseminar Verhaltensanalyse
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sascha Topolinski (Autor:in), 2003, Leistungsfördernde und leistungshemmende Angst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15473
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Leseprobe aus  13  Seiten
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