Vergleich vom psychodynamischen und kognitiv-verhaltenstherapeutischen Ansatz

Unter besonderer Berücksichtigung des zugrunde liegenden Menschenbildes, der Vorstellung von Lernen und Veränderung, der Entstehung von Problemen und der Interventionen


Hausarbeit, 2009
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der psychodynamische Ansatz

2. Der kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansatz

3. Vergleich des psychodynamischen und kognitiv-verhaltenstherapeutischen An- satzes

4. Stellungnahme

5. Literaturverzeichnis

Einleitung

In dieser Arbeit geht es um den Vergleich des psychodynamischen und kognitiv- verhaltenstherapeutischen Ansatzes. Dabei stehen folgende Fragestellungen im Vorder- grund:

Welches Menschenbild liegt dem Konzept zu Grunde? Das bedeutet, es soll untersucht werden, welche Sicht über den Menschen in dem Konzept vorherrscht. Das Menschenbild meint das Modell der Persönlichkeit. Es soll nun beleuchtet werden, wie das Modell der Persönlichkeit in dem Konzept gesehen wird, beispielsweise ob der Mensch als individuelles oder konformes Wesen betrachtet wird.

Welche Vorstellung von Lernen und Veränderung beinhaltet das Konzept? Lernen und Veränderung bringt einen Entwicklungsprozess mit sich. Es soll geklärt werden, wie dieser Entwicklungsprozess verläuft, ob er von innen oder außen gelenkt wird und inwiefern Lernen und Veränderung bei der Beratung statt findet.

Wie wird die Entstehung von Problemen erklärt? Dabei gilt es den Fokus auf die Ursa- chen der Probleme zu lenken. Diese Ursachen können in der Vergangenheit, aber auch in der Gegenwart liegen und durch innere oder äußere Umstände beeinflusst werden. Welche Interventionen werden eingesetzt? Es soll dargelegt werden, wie der Berater bei dem Konzept handelt. Die Methoden des Beraters hinsichtlich des Umgangs mit dem Klienten werden aufgeklärt.

Diese Fragen bilden die Schwerpunkte der Arbeit. Es handelt sich gerade um diese vier Fragen, weil die Beantwortung der Fragen einen Grundriss und einen guten Überblick über das Konzept bietet. Die Fragen dienen als Leitfaden für die Arbeit und sollen be- antwortet werden.

Die Arbeit beruht auf folgender Struktur. Der psychodynamische Ansatz wird zuerst vorgestellt, anschließend der kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansatz. Der Grund für diese Reihenfolge liegt darin, dass der erste Ansatz wegen seines Einflusses in der Welt als erste Kraft bezeichnet wird und der kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansatz als die zweite Kraft. Es folgt ein Vergleich dieser zwei Ansätze, wo die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Ansätze beleuchtet werden. Die Arbeit schließt mit einer Stellung- nahme ab.

1. Der psychodynamische Ansatz

Der psychodynamische Ansatz ist von der Psychoanalyse von Freud geprägt (vgl. McLeod 2004: 61). Sigmund Freud (1856-1939) hat mit seiner psychoanalytischen Per- sönlichkeitstheorie sehr großen Einfluss auf das 20. Jahrhundert genommen (vgl. ebd.: 61), vorwiegend in den Bereichen der Literatur, Filme und Musik. Auf Grund des gro- ßen Einflusses wird die Psychoanalyse auch als erste Kraft bezeichnet. Zuerst werde ich auf die psychoanalytische Theorie von Freud eingehen, denn sie bildet den Grundstein für den psychodynamischen Ansatz und aus ihr kann auch das vorlie- gende Menschenbild herausgearbeitet werden. Freud hat sich mit der menschlichen Psyche auseinandergesetzt und dabei Hypothesen über deren Funktionsweise und Ent- wicklung aufgestellt (vgl. Steenbuck 2009, Seminarpräsentation).

Die erste fundamentale Hypothese ist das Prinzip der Determiniertheit (vgl. ebd.). Determiniertheit bedeutet, dass alles vorherbestimmt ist. Dies meint, dass keine Verhaltensweise zufällig ist und dass alles einen Grund haben muss. Diese Ursache liegt aber nicht im Schicksal, sondern entsteht durch innere Zwänge, die unbewusst geschehen. Darauf werde ich im Weiteren genauer eingehen.

Die zweite grundlegende Hypothese lautet nämlich, dass das Funktionieren der Psyche von den unbewussten Vorgängen geprägt ist (vgl. ebd.). Hierbei wird deutlich, dass das Unbewusste eine größere Rolle spielt als das Bewusste. Es gilt nun zu beschreiben, was dieses Unbewusste und Bewusste ist. Unter dem Unbewussten versteht man „Inhalte, die unserem Bewusstsein nicht zugänglich sind“ (vgl. ebd.). Das heißt, es handelt sich um Inhalte, von denen wir nichts wissen und die wir nicht kennen, weil wir sie nicht erreichen können. Sie sind verborgen und bleiben uns verschlossen. Dem gegenüber steht das Bewusste. Dies meint Inhalte, „derer wir uns im Moment bewusst sind“ (vgl. ebd.). Bewusst bedeutet, dass wir Wissen über den Inhalt haben, uns darüber im Klaren sind. Zusätzlich gibt es noch das Vorbewusste, dies steht zwischen dem Bewussten und dem Unbewussten, weil die Inhalte zwar unbewusst sind, aber ins Bewusstsein vordrin- gen können (vgl. ebd.). Das Unbewusste steuert die inneren Zwänge, die Triebe. Da es unbewusst geschieht, kann man es nicht beeinflussen und der Mensch handelt demnach unfrei durch seine unbewussten Triebe. Dies zeichnet das vorhandene Menschenbild ab. Der Mensch wird als jemand angesehen, der „von sexuellen und aggressiven Instinkten oder Trieben regiert [wird]“ (vgl. ebd.). Wichtig ist hierbei, dass Freud nicht nur den sexuellen Trieb, sondern auch einen Aggressionstrieb betrachtet (vgl. ebd.). Jeder Mensch wird von beiden Trieben beeinflusst und lässt sich „von seinem Streben nach Lust leiten“ (vgl. ebd.). Dieses Streben nach Lust ist eine Grundtendenz, die in dem Menschen vorliegt. Da er aber in einer Gesellschaft lebt, kann er nicht immer diesem Luststreben nachgehen, sondern muss es unterdrücken, um in der Gesellschaft teilneh- men zu können. Durch dieses Unterdrücken der Lust entsteht ein Schuldgefühl sich selbst gegenüber (vgl. ebd.). Ausgelöst werden diese Schuldgefühle durch das Über-Ich, da sich dort die moralischen Werte befinden (vgl. McLeod 2004: 66). Daraus ergibt sich, dass „der Mensch in ständigem Konflikt mit der Gesellschaft und Zivilisation [lebt]“ (vgl. Steenbuck 2009, Seminarpräsentation). Er befindet sich in dem Konflikt zwischen der Erfüllung der Triebe, von denen er gesteuert wird, und der Anpassung an die Gesellschaft, in der das Nachgehen von vielen Trieben nicht als legitim angesehen wird. Das bedeutet, dass der Mensch stets in Spannung und Unfreiheit lebt. Der Mensch möchte auf der einen Seite ein Individuum sein, dass nur seinen Impulsen nachgeht und auf der anderen Seite konform.

Der Mensch wird im Allgemeinen als ein Energiesystem angesehen, wobei es eine Be- grenzung der Energiemenge gibt (vgl. ebd.). Auffallend ist, dass der Mensch als ein „System“ angesehen wird. Das bedeutet, der Mensch wird als ein Gefüge angesehen, indem es einen Plan und eine Ordnung gibt. Diese Ordnung besteht aus den drei Instan- zen „Über-Ich“, „Es“ und „Ich“ (vgl. ebd.), von denen der Mensch geleitet wird. In dem Über-Ich befinden sich die Gebote und Normen, in dem Es die Bedürfnisse und Triebe und das Ich muss zwischen den beiden Instanzen Über-Ich und Es abwägen und versu- chen beiden Forderungen nachzugehen (vgl. ebd.). Dieser Vorgang geschieht allerdings unbewusst (vgl. McLeod 2004: 62). Durch den Systembegriff wird der Mensch als ein Schema angesehen, das durch seine Ordnung funktioniert. Dabei wird diese Ordnung von unbewussten Kräften kontrolliert (vgl. ebd.: 65). Es liegt aber nur eine begrenzte Menge an Energie vor. Somit kann der Mensch seine Energie, die er in eine Sache hin- ein steckt, nicht mehr in eine andere Sache investieren. Wenn der Mensch also seine Lust unterdrückt, dann kann er seine Energie dagegen für etwas Anderes gebrauchen. Den Menschen als Energiesystem zu betrachten ist sehr maschinell und stempelt ihn als ein Wesen ab, das „funktioniert“ und nicht eigenständig lebt.

Das vorherrschende Menschenbild ist davon geprägt, dass der Mensch als irrational angesehen wird (vgl. ebd.: 66). Er hat eine unbewusste Wahrnehmung, dadurch keine Einsicht in seine Probleme, und keine Kontrolle über seine Gefühle (vgl. ebd.: 66). Ge- fühle stehen bei dem psychodynamischen Ansatz im Vordergrund. Der Mensch handelt auf Grund seiner Gefühle, die unbewusst ausgelöst werden und über die er keine Macht hat. Freud sieht „die menschliche Persönlichkeit letztlich als durch die biologisch trieb gesteuerten Stadien der psycho-sexuellen Entwicklung determiniert [an]“ (vgl. ebd.: 72). Das bedeutet, der Mensch durchläuft eine Entwicklung, die biologische Ursprünge hat und durch Triebe gesteuert wird. Dass der Mensch als „gesteuert“ angesehen wird unterstreicht erneut die mechanische Ansicht über ihn. Er wird von seinen Gefühlen und nicht durch sein Denken geleitet, dabei lässt sich in Frage stellen, inwiefern der Mensch nicht auch über seine Kognitionen Entscheidungen trifft.

Im Folgenden wird nun auf die Vorstellung von Lernen und Veränderung, die das Konzept beinhaltet, eingegangen.

Das Lernen beginnt schon direkt nach der Geburt als Baby in der ersten Phase seines Lebens (vgl. ebd.: 63). Wenn es eine Veränderung gibt, die Mutter beispielsweise ihr Kind schon vor dem Schreien füttert, so lernt das Baby auf einer tiefen emotionalen Ebene, dass es auch ohne, dass es etwas tun muss, versorgt wird (vgl. ebd.: 63). Ebenso lernt das Kind, „dass gut und schlecht nebeneinander in derselben Person vor- kommen können“ (vgl. ebd.: 71). Dies zeigt auf, dass der Mensch schon als Baby in der Lage ist Veränderungen in der Außenwelt wahrzunehmen, daraus Schlüsse zu ziehen und zu Lernen. Lernen bedeutet dann, dass das Baby seinen Erfahrungshorizont erwei- tert und sich bei einer gleichen oder ähnlichen Situation neu angepasst verhält. Dabei spielen die Objektbeziehungen eine Rolle, besonders die Beziehung zur Mutter ist von großer Bedeutung (vgl. ebd.: 71).

Wenn der Mensch erwachsen ist, so ist er ebenfalls in der Lage von seinen Erfahrungen zu lernen. In der Therapie soll der Klient lernen „bis zu den Episoden aus der Kindheit zurückzugehen, die die Entwicklung zur Reife blockiert haben, und neue Wege […] entdecken, diese zu überwinden“ (ebd.: 77). Dabei geht es folglich um das Lernen die Vergangenheit zu verarbeiten und es in der Zukunft zu verbessern. Lernen ist somit ein Prozess, der sich nicht nur auf die Vergangenheit bezieht, sondern auch auf die Zukunft (vgl. ebd.:86), und der immer eine Veränderung mit sich bringt. Der Mensch soll aus seinen Erlebnissen Einsicht gewinnen.

Nun wird auf die Entstehung der Probleme eingegangen. Probleme können durch ver- schiedene Möglichkeiten entstehen. Wenn in einer Person ein Konflikt besteht, so kann dadurch ein Problem entstehen (vgl. Steenbuck 2009, Seminarpräsentation). Der Kon- flikt beinhaltet „zwei gegensätzliche Forderungen oder Strebungen im Inneren des Indi- viduums“ (ebd.). Bei diesen zwei gegensätzlichen Forderungen handelt es sich um die Forderungen der moralischen Instanz, dem Über-Ich, und dem Lustprinzip, dem Es.

[...]

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Details

Titel
Vergleich vom psychodynamischen und kognitiv-verhaltenstherapeutischen Ansatz
Untertitel
Unter besonderer Berücksichtigung des zugrunde liegenden Menschenbildes, der Vorstellung von Lernen und Veränderung, der Entstehung von Problemen und der Interventionen
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Veranstaltung
Beratungskonzepte in Theorie und Praxis
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V154756
ISBN (eBook)
9783640674428
ISBN (Buch)
9783640674633
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleich, Ansatz, Berücksichtigung, Menschenbildes, Vorstellung, Lernen, Veränderung, Entstehung, Problemen, Interventionen
Arbeit zitieren
Mirjam Förster (Autor), 2009, Vergleich vom psychodynamischen und kognitiv-verhaltenstherapeutischen Ansatz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154756

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