Aufsätze zur Archäologie Band 1 ist eine lose Sammlung meiner Seminararbeiten und eigenen Beiträge zu den Vorlesungen klassischer Archäologie und Ägyptologie an der Universität Freiburg (Schweiz) der Semester 2009/10.
Wie der Titel verspricht, soll die Reihe weiter gehen, der nächste Band also zu den Se-mestern 2010/11 erscheinen, u.s.f..
Die Arbeiten haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, noch besteht die Absicht einer logischen Abfolge der Texte. Auf eine Bebilderung wurde weitgehend verzichtet. Die-ser Textband dient lediglich dem Erhalt und der Archivierung persönlicher Arbeiten. Wenn sich dennoch interessierte Leser finden, ist der Zweck mehr als erfüllt.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Anthropophormismus
Das Spiel des Satyrs bei Dionysos
Mysterienvilla cubiclum 5
Nilmosaik von Palestrina
Fibeln in der Schweiz –Aufkommen und Entwicklung bis in die Eisenzeit
Römische Fibeln der Schweiz
Römische Bronzen
Die Thermen Helvetiens am Beispiel von Aventicum und Aquae Helveticae
Bestattungssitten, Grabbeigaben und Grabriten in der Schweiz; mit einem Exkurs zu „Begleitung in den Tod“
Ägyptische Sargtexte
Soziale Aspekte des Handwerks in den römischen Provinzen
Glas in römischer Zeit
Paläopathologie
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der vielschichtigen Untersuchung verschiedener archäologischer Fundgruppen und Phänomene, um ein tieferes Verständnis für die kulturellen, sozialen und rituellen Zusammenhänge der Antike zu entwickeln. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie materielle Hinterlassenschaften – von der Bildsprache über Schmuck bis hin zur Bestattungspraxis – als Monumente einer vergangenen Kultur interpretiert und in einen historischen Kontext eingeordnet werden können.
- Bildbetrachtung antiker Objekte und Ikonographie
- Anthropomorphismus und Tiersymbolik in der Kunst
- Entwicklung und Typologie von Fibeln und Bronzen
- Architektur und Funktion römischer Thermen
- Bestattungskultur und Jenseitsvorstellungen im Wandel der Zeit
Auszug aus dem Buch
Über die Kunst der Bildbetrachtung antiker Objekte
Zur Beschreibung von Bildern aus der Antike, ist der Begriff Ikonographie zu eng gegriffen. Damit Bilder aus jener Zeit verstanden werden können, müsste man eher von einer Anthropologie der Bilder sprechen.
Bilder in der Antike sind keine fotografischen Dokumente, sondern mentale, figurative Abbilder einer Kultur.
Levy Strauss hat versucht die Mythologie mit strukturierter Forschung zu erfassen (Mytho-logique). Eine analoge Systematik in die Betrachtungsweise antiker Bilder einzuführen würde wenig Sinn machen. Denn Bilder der Antike haben nicht als solches, als reines Bild, einen Wert. Der Sinn eines Bildes, die Bildsprache, kann erst in gesamtheitlicher Sichtweise erfasst werden. Dazu sind die kulturellen, historischen Zusammenhänge, der Nutzen, die Form, Grösse, Art des dekorierten Objektes, oft auch der Fundzusammenhang, zur Bildsemiotik beizuziehen. Jedes Bild hat seine eigene Phänomenologie, seinen eigenen Code, und lässt sich daher kaum zufriedenstellend typologisieren.
Bilder sind Metaphern. Ihre Sprache ist figurativ. Es reicht nicht, Bilder einfach nur anzusehen und zu beschreiben, Figuren und Dekorationen mit historischen oder mythologischen Themen in Zusammenhang zu bringen.
Ein antikes Bild will mit dem Betrachter in einen Dialog treten; manche Bilder unterstreichen diese Dialogbereitschaft geradezu. Bilder können positive oder negative Aussagen haben, interrogative Bilder gibt es jedoch keine. Bilder liefern nur Antworten. Die Fragestellung muss also vom Betrachter ausgehen.
Bilder können den Blick steuern, in den Bildern steckt bekanntlich auch eine gewisse Macht.
Wir haben heute einen wesentlich einfacheren Zugang zur antiken Bildsprache als dies noch vor ca. 80 Jahren der Fall war. Die bildende Kunst der Neuzeit, die Abstraktion, hat sich der antiken Symbolsprache bedient und damit auch das Verständnis einer eher metaphysischen Bildbetrachtung gefördert.
Antike Bilder provozieren Wertsysteme, Codes, Erfahrungen, Ängste, Wünsche, positive und negative Gedanken. Sie reproduzieren jene Referenzen, die in damaliger Zeit in den Köpfen steckten.
Zusammenfassung der Kapitel
Anthropophormismus: Analyse der Vermenschlichung von Göttern und Tieren als Mittel zur Überwindung des Unbekannten.
Das Spiel des Satyrs bei Dionysos: Betrachtung der mythologischen Ursprünge und der ikonographischen Darstellung von Dionysos und seinem Gefolge auf Vasen.
Mysterienvilla cubiclum 5: Untersuchung der Wandmalereien der Mysterienvilla und die Deutung ihrer narrativen Syntax.
Nilmosaik von Palestrina: Dokumentation und historische Analyse eines der bedeutendsten antiken Mosaike.
Fibeln in der Schweiz –Aufkommen und Entwicklung bis in die Eisenzeit: Chronologische Aufarbeitung der Fibelentwicklung als Statussymbol und Modeprodukt.
Römische Fibeln der Schweiz: Fortführung der Analyse römischer Fibeltypen und deren Bedeutung in der römischen Gesellschaft.
Römische Bronzen: Untersuchung zur Materialbeschaffenheit und Herstellungstechnik von römischen Bronzeartefakten.
Die Thermen Helvetiens am Beispiel von Aventicum und Aquae Helveticae: Analyse der Thermenarchitektur und deren soziopolitischer Bedeutung im Alltag.
Bestattungssitten, Grabbeigaben und Grabriten in der Schweiz; mit einem Exkurs zu „Begleitung in den Tod“: Umfassende Untersuchung der Bestattungskulturen von der Urzeit bis ins Frühmittelalter.
Ägyptische Sargtexte: Analyse der spirituellen Bedeutung und Textstruktur altägyptischer Sarginschriften.
Soziale Aspekte des Handwerks in den römischen Provinzen: Betrachtung der Handwerksorganisation und der Rolle des Handwerkers im römischen Reich.
Glas in römischer Zeit: Darstellung der Entwicklung der Glaskunst und ihrer Anwendung als alltägliches Gebrauchs- und Luxusgut.
Paläopathologie: Zusammenfassung der Untersuchungsmethoden und Erkenntnisse über Krankheiten in der Vor- und Frühgeschichte.
Schlüsselwörter
Archäologie, Antike, Ikonographie, Anthropomorphismus, Dionysos, Vasenmalerei, Thermen, Bestattungskultur, Grabbeigaben, Ägyptische Sargtexte, Handwerk, Römische Provinzen, Glasherstellung, Paläopathologie, Fibeltypen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Werk primär?
Es handelt sich um eine Sammlung von Seminararbeiten und Beiträgen zu verschiedenen Themen der klassischen Archäologie und Ägyptologie, die primär in den Jahren 2009 und 2010 entstanden sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit behandelt vielfältige Aspekte der antiken Kultur, darunter Ikonographie, Kunstgeschichte, antike Handwerkstechniken, Bestattungssitten sowie die Untersuchung von Krankheitsbildern an archäologischen Funden (Paläopathologie).
Was ist das Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel liegt in der Archivierung und Zusammenführung persönlicher Forschungsarbeiten, um diese für ein interessiertes Fachpublikum zugänglich zu machen und zum tieferen Verständnis antiker Strukturen beizutragen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Publikation stützt sich primär auf die Analyse archäologischer Fundkomplexe, bildliche Auswertungen, den Vergleich mit vorhandener Fachliteratur sowie gelegentlich auf naturwissenschaftliche Daten wie Materialanalysen.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil gliedert sich in spezifische Fallstudien, etwa zu römischen Thermen in der Schweiz, zur Ikonographie dionysischer Szenen auf griechischer Keramik, zu altägyptischen Bestattungstexten und zur Typologie antiker Fibeln.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Begriffe umfassen das gesamte Spektrum der klassischen Archäologie, mit Fokus auf die römische Welt, Ägyptologie, antike Handwerksproduktion und die Untersuchung der Bestattungskultur.
Wie interpretierte der Autor das Nilmosaik von Palestrina?
Der Autor diskutiert verschiedene Thesen, darunter kartographische Abbildungen, historische Prozessionsdarstellungen und religiöse Interpretationen, betont jedoch die Schwierigkeit, bei der mangelhaften Fundgeschichte zu einer eindeutigen Deutung zu gelangen.
Was besagt die Hypothese zum Mosaik in der Mysterienvilla?
Die Arbeit diskutiert die Interpretation des Frieses im cubiculum 5 als Initiationsritus, hinterfragt jedoch kritisch, ob dies als dauerhaftes Wandkino für eine römische Auftraggeberin wahrscheinlich ist oder ob jährliche Frauenfeste das treffendere Motiv darstellen.
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- Dominique Oppler (Author), 2010, Aufsätze zur Archäologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154770