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Grenzüberschreitungen in Ludwig Tiecks ‚Der blonde Eckbert‘

Title: Grenzüberschreitungen in Ludwig Tiecks ‚Der blonde Eckbert‘

Term Paper , 2010 , 25 Pages , Grade: 2,7

Autor:in: Paula Svoboda (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Im Gegensatz zum Novalisschen „die ganze Welt muss poetisiert werden“, richtet Tieck sein Augenmerk auf „die Grenzübergänge des Wirklichen und die Aufhe-bung der Maßstäbe des Bewußtseins“ . Durch diese Übergänge soll das Wunder-bare das Wirkliche aufschließen und deuten können.
Durch meine Analyse möchte ich versuchen, die Grenzüberschreitungen aufzude-cken. Zunächst wird die Sprengung des Rahmens des Volksmärchens durch Tieck thematisiert. Ich werde zeigen, inwiefern Tieck das klassische Märchen verwen-det, um es auf eine neue, reflektierte Art und Weise zu gestalten. Daraufhin setze ich mich mit der Erzählinstanz auseinander, denn auch hier überschreitet Tieck die Grenze des Üblichen. Dies setzt sich in der Diegese fort, weswegen hier meine Untersuchungen anknüpfen. Das Problem der Räume beschreibe ich im Abschnitt IV, denn die Grenzüberschreitungen im „Blonden Eckbert“ werden unter dieser Perspektive besonders deutlich. Zum Schluss beschäftige ich mich mit der Zeit-lichkeit, um auch hier die Sprengung des üblichen Rahmens nachzuvollziehen.

Zunächst seien jedoch einige Worte zu der Literarizität des „Blonden Eckberts“ gesagt, da vor jeder literaturwissenschaftlichen Analyse eine Bestimmung erfolgen muss, ob es sich bei dem zu analysierenden Text überhaupt um einen literarischen handelt. Das erste Kriterium, die Fixierung, ist eindeutig vorhanden und bedarf keinerlei Ausführungen. Die zweite Bedingung der Existenz eines literarischen Textes ist die der Fiktionalität. Diese besagt, dass ein Werk von einer eigenen Welt ausgeht, eine eigene Fiktion verschafft und deshalb nicht an den Kriterien des Alltags gemessen werden kann. Ein gutes Beispiel bildet in unserem Falle der Beginn des Textes, der sich konventionell an dem Muster des Märchens hält: „In einer Gegend des Harzes wohnte ein Ritter, den man gewöhnlich nur den blonden Eckbert nannte.“, (S. 3). Das wichtigste Merkmal bildet das der Poetizität, des außergewöhnlichen Sprachgebrauchs. Dies sieht man am deutlichsten an dem Lied des Vogels, das den Rahmen des Gewöhnlichen sichtbar sprengt. Des Weiteren hebt sich der Text vom Alltäglichen ab, indem es „das Wort nicht wie im alltäglichen Sprechen und Schreiben wahllos und in geschwätziger Füller ge-braucht wird, sondern dass alles Unnötige und Materielle (…) vermieden wird, dass das Wort in seiner ursprünglichen Reinheit (…) zur Geltung kommt“ . „Der blonde Eckbert“ ist folglich ein literarischer Text, dessen Untersuchung nun an-steht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Mehr als ein Märchen

II. Erzählinstanz

III. Diegese

IV. Raum

V. Zeit

Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Grenzüberschreitungen in Ludwig Tiecks Erzählung „Der blonde Eckbert“ unter besonderer Berücksichtigung narratologischer und raumtheoretischer Aspekte. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Tieck die Gattungsgrenzen des klassischen Märchens durch eine reflektierte Gestaltung sprengt und durch die Vermischung von realen und wunderbaren Elementen eine spezifische tragische Wirkung erzeugt.

  • Analyse der Transformation des Volksmärchens zum Kunstmärchen bei Tieck.
  • Untersuchung der unzuverlässigen Erzählinstanz als Mittel der Grenzüberschreitung.
  • Strukturelle Analyse der verschiedenen Erzählebenen (Diegese).
  • Raum- und zeitsemantische Analyse zur Darstellung von Identitätskrisen und Grenzverlusten.
  • Interpretation der „Dämonisierung der Natur“ und ihrer Rückwirkung auf die Helden.

Auszug aus dem Buch

III. Diegese

In diesem Abschnitt möchte ich die verschiedenen Erzählebenen beschreiben, wobei ich mich auf ihre Übergänge konzentriere, um so die Grenzüberschreitungen in ihrer Gestaltung deutlich zu machen.

Ebene 1: Die Rahmenerzählung

Die Rahmenerzählung führt zunächst in das Geschehen ein, indem es den Leser mit den Hauptfiguren der Erzählung bekannt macht, mit ihrem Aussehen und ihren Eigenschaften. Auf diese Beschreibung folgt die Angabe des Grundes für die nachfolgende Ebene 2, die Erzählung Berthas, die sich dieser Ebene fließend anschließt.

Die Rahmenerzählung ist nullfokalisiert und extradiegetisch, der Erzähler ist heterodiegetisch. Dies ist notwendig, damit der Erzähler die Wahrnehmung der Figuren beurteilen und dem Leser zum besseren Verständnis des Geschehens verhelfen kann.

Ebene 2: Die Erzählung Berthas

Der deutliche Rahmen dieser Analepse erfolgt einerseits durch die Anführungszeichen, andererseits durch narratologische Mittel. Ein erstes Zeichen des Übergangs ist der Wechsel des Erzählers vom heterodiegetischen zum homodiegetischen. Das Erzählen ist an die Figur Berthas gebunden und somit intradiegetisch und intern fokalisiert. Dadurch wirkt die Erzählung authentisch und der Leser folgt der Perspektive Berthas.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung führt in Tiecks Kunstbegriff ein und definiert das übergeordnete Ziel der Untersuchung, die Grenzübergänge zwischen Wirklichkeit und Bewusstsein aufzuzeigen.

I. Mehr als ein Märchen: Dieses Kapitel vergleicht „Der blonde Eckbert“ mit den Merkmalen des traditionellen Volksmärchens und arbeitet die Abweichungen heraus, die das Werk als Kunstmärchen ausweisen.

II. Erzählinstanz: Es wird analysiert, wie Tieck durch ein unzuverlässiges Erzählen die Wahrnehmung der Figuren in Frage stellt und so die Grenze zwischen Realität und Irrealität verwischt.

III. Diegese: Der Abschnitt erläutert die verschiedenen Erzählebenen des Textes und zeigt auf, wie durch deren Vermischung Grenzüberschreitungen narrativ gestaltet werden.

IV. Raum: Hier erfolgt eine Analyse der Raumstruktur unter Einbeziehung von Raumsemantik, wobei der Fokus auf der Unüberschreitbarkeit der Grenzen zwischen den Teilwelten liegt.

V. Zeit: Dieses Kapitel untersucht die zeitliche Struktur der Erzählung und die Funktion von Analepsen und Prolepsen für den Handlungsverlauf und das Scheitern der Protagonisten.

Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass die Grenzüberschreitungen zur Auflösung der erzählten Welt und letztlich zum Tod der Protagonisten führen.

Schlüsselwörter

Ludwig Tieck, Der blonde Eckbert, Romantik, Kunstmärchen, Grenzüberschreitung, Erzählinstanz, Diegese, Raumsemantik, Liminalität, Unzuverlässiges Erzählen, Natur, Wahnsinn, Identitätskrise, Narratologie, Schuldgefühl.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das romantische Kunstmärchen „Der blonde Eckbert“ von Ludwig Tieck hinsichtlich seiner narrativen und strukturellen Besonderheiten, speziell im Hinblick auf Grenzüberschreitungen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den Schwerpunkten zählen die transformation des Volksmärchens, die Rolle der Erzählinstanz, die räumliche und zeitliche Struktur der Erzählung sowie die psychologische Verfasstheit der Helden.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die spezifische Art und Weise aufzudecken, wie Tieck die Grenzen zwischen realer und wunderbarer Welt durchbricht und welche tragischen Konsequenzen dies für die Protagonisten hat.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?

Die Arbeit bedient sich erzähltheoretischer Ansätze (Narratologie nach Genette und Lämmert) sowie raumsemantischer Analysen (Lotman, Nünning), um die Textstruktur zu ergründen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung von Erzählinstanz, diegetischen Ebenen, Raumkonzepten und Zeitstrukturen, die jeweils die Grenzüberschreitung thematisieren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Kunstmärchen, Grenzüberschreitung, Liminalität, Unzuverlässigkeit, Dämonisierung der Natur und Identitätsverlust charakterisiert.

Warum wird die Erzählung Berthas als Analepse analysiert?

Weil sie einen massiven Rückblick darstellt, der eine eigene, von der Rahmenerzählung abweichende Welt konstituiert und damit eine wesentliche Grenzüberschreitung markiert.

Welche Rolle spielt die „Alte“ im Kontext der Grenzüberschreitungen?

Die Alte fungiert als Verkörperung der Natur und als Instanz, die die Ordnung der erzählten Welt bewacht, indem sie als einzige Figur die Grenzen zwischen den Welten souverän überschreiten kann.

Warum führen die Grenzüberschreitungen zum Tod der Protagonisten?

Die Charaktere scheitern daran, die disparaten Welten (real vs. wunderbar) zu integrieren; ihr Versuch, die Ordnung der Welt durch Diebstahl oder Verrat zu stören, führt zur unausweichlichen Rache dieser Ordnung.

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Details

Title
Grenzüberschreitungen in Ludwig Tiecks ‚Der blonde Eckbert‘
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg
Course
Romantisches Erzählen
Grade
2,7
Author
Paula Svoboda (Author)
Publication Year
2010
Pages
25
Catalog Number
V154821
ISBN (eBook)
9783640669509
ISBN (Book)
9783640669462
Language
German
Tags
Grenzüberschreitungen Ludwig Tiecks Eckbert‘
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Paula Svoboda (Author), 2010, Grenzüberschreitungen in Ludwig Tiecks ‚Der blonde Eckbert‘, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154821
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