Spätestens seit der Veröffentlichung des alarmierenden vierten
Weltklimaberichts des IPCC (Intergovernmental Panel for Climate Change) hat das Thema Klimawandel Hochkonjunktur. Laut dem noch unveröffentlichten dritten Teil des Berichts hat die Menschheit nur noch circa 15 Jahre Zeit, um eine unumkehrbare Klimakatastrophe zu verhindern. Das heißt, dass der Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 substanziell abnehmen muss. Die EU hat auf ihrem Frühjahrsgipfel vom 8. und 9. März 2007 einen ersten Schritt in diese Richtung getan. Im Mittelpunkt des Treffens der Staats‐ und
Regierungschefs stand die Festlegung verbindlicher Ziele zur Reduktion der Treibhausgase bis 2020, was unter der energischen Führung von Bundeskanzlerin Merkel auch gelang. Inwieweit der EU‐Gipfel als klimapolitischer Erfolg gewertet werden kann, wird in dieser Arbeit genauer untersucht. Fakt ist, dass es trotz dieser erfreulichen Entwicklung keinen Grund zum Aufatmen gibt. Die weltweite klimapolitische Lage bleibt weiterhin angespannt. Die EU wird aller Voraussicht nach das im Kyoto-Protokoll festgeschriebene Reduktionsziel von 8 Prozent nicht erreichen. Auch ist noch nicht klar, wie es nach 2012, dem Ende der ersten Kyoto-Phase, weitergeht. Die Verhandlungen für einen Post-Kyoto-Prozess sollen noch in diesem Jahr beginnen. Doch wie sollte das internationale Folge-Regime ausgestaltet sein? Wie können die USA und wichtige Schwellen‐ und Entwicklungsländer wie China, Indien und Brasilien in einen Post-Kyoto-Prozess einbezogen werden? Deutschlands Rolle in diesem Verhandlungsprozess ist von großer Bedeutung, da die Bundesregierung in diesem Halbjahr sowohl die EU‐ als auch die G8‐
Präsidentschaft innehat und somit die internationale politische Agenda entscheidend beeinflusst. Diese Arbeit befasst sich daher mit Deutschlands Rolle in der internationalen Klimapolitik. Welchen Beitrag können Deutschland und die EU leisten, um ein effizientes Kyoto-Folge-Regime und somit verbindliche Reduktionsziele zu gewährleisten? Wie ist die Rolle Deutschlands und der EU in der internationalen Klimapolitik überhaupt zu bewerten? Ist Deutschland in der Lage seine derzeitige Vorreiterposition im
Bereich umweltfreundlicher Technologien politisch so auszubauen, dass das Land sich zum Global Player und somit zum entscheidenden Zugpferd in der internationalen Klimapolitik entwickeln kann?
Diese Fragen sollen im Verlauf der Arbeit geklärt werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Zur Problematik des Klimawandels
Klimaschutz aus ökonomischer Perspektive
Der EU-Klimabeschluss als Erfolg der Bundesregierung
Die EU in der internationalen Klimapolitik – Vom Vorbild zum Zugpferd
Wie weiter nach 2012?
Nicht ohne die USA
Fazit: Deutschland und die EU als Mittler in der internationalen Klimapolitik
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle Deutschlands in der internationalen Klimapolitik vor dem Hintergrund der EU- und G8-Präsidentschaft. Das zentrale Ziel ist es zu analysieren, ob Deutschland in der Lage ist, seine Vorreiterrolle im Bereich umweltfreundlicher Technologien politisch so auszubauen, dass es sich zu einem "Global Player" und einem entscheidenden Zugpferd in der globalen Klimapolitik entwickelt.
- Analyse der klimapolitischen Rolle Deutschlands und der EU
- Ökonomische Betrachtung des Klimaschutzes und von Marktversagen
- Bewertung des EU-Klimabeschlusses im Kontext der Bundesregierung
- Diskussion von Lösungsansätzen für ein Post-Kyoto-Regime
- Einbindung der USA sowie der Schwellen- und Entwicklungsländer
Auszug aus dem Buch
Zur Problematik des Klimawandels
Der Klimawandel ist, wie kein anderes Umweltproblem, ein Problem mit enormen globalen Auswirkungen. Seit den achtziger Jahren ist der Klimawandel als eines der größten Menschheitsprobleme bekannt. Doch warum geschieht bisher so wenig, um dem entgegenzuwirken?
Das Hauptproblem besteht darin, dass das Klima bzw. die Luft ein so genanntes ‚öffentliches Gut' ist. Solche Güter können „ohne ein den Knappheitsverhältnissen entsprechendes Entgelt genutzt werden“ (Fritsch/Wein/Ewers 2003: 103 f.), da das Ausschlussprinzip hier nicht greift. Die Nutzung der Luft, in diesem Fall die Verschmutzung durch Industrie, Autoabgase etc., ist also kostenlos. Dieser Vorgang ist als eine schwere Form von Marktversagen zu bewerten.
Der EU-Emissionshandel ist ein geeignetes marktwirtschaftliches Steuerungsinstrument, um diesem Marktversagen entgegenzuwirken. Doch so lange solche Steuerungsinstrumente lediglich regional und nicht global angewendet werden, wird es immer so genannte Trittbrettfahrer geben, welche von den Verbesserungen profitieren, ohne dafür zu bezahlen. Der sich hieraus ergebende Konflikt ist eines der Hauptargumente der Wirtschaft gegen zu strikte Umweltauflagen, da Wettbewerbsnachteile für solche Industrien entstehen können, die hohen Umweltstandards unterliegen. Die Folge ist, dass weniger in klimafreundliche Technologien und erneuerbare Energien investiert wird, als erforderlich (Gurría 2006: 49). Daher sollte Klimapolitik möglichst global gestaltet sein. Die zentrale Aufgabe internationaler Klimapolitik muss darin bestehen, die Kosten, die durch die Emission von Treibhausgasen entstehen, den jeweiligen Produzenten bzw. Verbrauchern zuzurechnen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Dringlichkeit der Klimathematik nach dem vierten Weltklimabericht und definiert die Forschungsfrage bezüglich Deutschlands internationaler Rolle.
Zur Problematik des Klimawandels: Dieses Kapitel analysiert den Klimawandel als Marktversagen und die Notwendigkeit globaler Instrumente wie den Emissionshandel.
Klimaschutz aus ökonomischer Perspektive: Hier wird dargelegt, dass Investitionen in Klimaschutz ökonomisch sinnvoll sind, um langfristige Kosten durch Klimafolgen zu minimieren.
Der EU-Klimabeschluss als Erfolg der Bundesregierung: Das Kapitel bewertet die Rolle der Bundesregierung bei der Einigung der EU auf verbindliche Klimaschutzziele bis 2020.
Die EU in der internationalen Klimapolitik – Vom Vorbild zum Zugpferd: Diese Sektion untersucht die Führungsposition der EU und die Notwendigkeit, international als Motor für Klimaschutz voranzugehen.
Wie weiter nach 2012?: Hier werden Alternativen zum Kyoto-Protokoll sowie Lösungsstrategien für die Zeit nach der ersten Verpflichtungsperiode diskutiert.
Nicht ohne die USA: Das Kapitel thematisiert die entscheidende Bedeutung der USA für den Klimaschutz und die diplomatischen Herausforderungen, sie in ein multilaterales Regime einzubinden.
Fazit: Deutschland und die EU als Mittler in der internationalen Klimapolitik: Das Fazit fasst die strategische Position Deutschlands zusammen und betont das Potenzial für eine vermittelnde Rolle in der globalen Klimadiplomatie.
Schlüsselwörter
Klimapolitik, Deutschland, EU-Präsidentschaft, Kyoto-Protokoll, Post-Kyoto-Prozess, Treibhausgasemissionen, Klimaschutz, Emissionshandel, G8-Gipfel, Marktversagen, Internationale Organisationen, Nachhaltigkeit, Energiewende, Entwicklungsländer, Global Player
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die klimapolitische Rolle Deutschlands im Rahmen seiner EU- und G8-Präsidentschaft und untersucht, wie das Land als internationaler Akteur Einfluss auf globale Klimaschutzbemühungen nehmen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der ökonomischen Bewertung des Klimaschutzes, der Effektivität des EU-Emissionshandels sowie den strategischen Herausforderungen, bedeutende Emittenten wie die USA und Schwellenländer in ein verbindliches Post-Kyoto-Regime einzubinden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, inwieweit Deutschland seine Vorreiterrolle bei umweltfreundlichen Technologien nutzen kann, um zum entscheidenden „Global Player“ und „Zugpferd“ in der internationalen Klimapolitik zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Die Autorin oder der Autor nutzt eine politikwissenschaftliche Analyse der internationalen Klimapolitik, gestützt auf aktuelle Studien (z.B. Stern-Report, DIW) und politische Dokumente wie das EU-Präsidentschaftsprogramm.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden allgemeine Klimaproblematiken, der ökonomische Nutzen von Klimaschutz, die Rolle der EU bei Gipfelbeschlüssen sowie die komplexen Verhandlungsprozesse mit den USA und anderen wichtigen Schwellenländern detailliert beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Klimapolitik, EU-Präsidentschaft, Kyoto-Protokoll, Post-Kyoto-Prozess, Treibhausgasreduktion, internationale Verhandlungsprozesse und ökonomischer Klimaschutz sind die prägenden Begriffe.
Warum wird der EU-Frühjahrsgipfel 2007 als Fallbeispiel angeführt?
Er dient als zentrales Beispiel, um das diplomatisches Geschick der Bundesregierung bei der Verpflichtung der EU-Mitgliedstaaten auf konkrete Klimaziele zu veranschaulichen und den Erfolg der deutschen Ratspräsidentschaft zu bewerten.
Welche Rolle spielt die Burt-Hagel-Resolution für die Argumentation?
Die Resolution wird als entscheidender Hintergrund für den Ausstieg der USA aus dem Kyoto-Prozess zitiert, um zu erklären, warum eine Einbindung der Schwellenländer für die US-amerikanische Klimapolitik eine so zentrale Rolle spielt.
- Citar trabajo
- Jana Schwenzien (geb. Göbel) (Autor), 2007, Deutschlands Rolle in der internationalen Klimapolitik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154847