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Wie kann es einem Schriftsteller in einer Diktatur gelingen, Kritik am Regime auszuüben, ohne dass sein Roman unter Zensur gerät?

Untersucht am Beispiel: „Die gelbe Tasche“ von Lygia Bojunga Nunes

Title: Wie kann es einem Schriftsteller in einer Diktatur gelingen, Kritik am Regime auszuüben, ohne dass sein Roman unter Zensur gerät?

Term Paper (Advanced seminar) , 2009 , 16 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Verena Büchel (Author)

German Studies - Miscellaneous
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„Die gelbe Tasche“ („A bolsa amarela“) von Lygia Bojunga Nunes erschien in Brasilien im Jahr 1976. Zu dieser Zeit herrschte dort die schon seit 1964 andauernde Militärdiktatur. Erst 1985 sollte diese beendet sein.
Unter der Militärdiktatur wurden viele Romane, die Kritik am Regime ausübten, zensiert, sodass Bojunga Nunes auf das Stilmittel der Metapher zurückgreifen musste, damit ihr Roman nicht ebenfalls unter Zensur geriet. Mit Hilfe von lebendigen Gegenständen, die typisch für die kinderliterarische Phantastik sind, konnte sie die Situation in Brasilien beschreiben.
Dadurch dass es sich um einen Roman für Kinder und Jugendliche handelt, wird dem Leser auf den ersten Blick die Kritik am Regime, die sich dahinter verbirgt, nicht deutlich. Erst wenn man weiß, dass die Autorin zur Zeit der Diktatur den Roman geschrieben und sie selbst sich für Demokratie und freie Meinungsäußerung eingesetzt hat, erkennt man ihre eigentliche Aussageabsicht.

Wie ist es einem Schriftsteller überhaupt möglich unter einer Diktatur zu arbeiten?
Wie gelingt es Bojunga Nunes die Militärdiktatur in Brasilien zu kritisieren, ohne dass sie dies zu offensichtlich tut?
Im Folgenden soll zunächst das Leben der Autorin und deren Werte dargestellt werden, anschließend erfolgt eine Untersuchung der Eingangssequenz des Romans und einiger Gegenstände, die sich in der gelben Tasche befinden. Wie eine Gesellschaft auch funktionieren kann, beschreibt Lygia Bojunga Nunes im Kapitel „Das Haus der Reparaturen“.
In einem abschließenden Fazit sollen die Werte, die Bojunga Nunes vertritt, mit den Inhalten des Romans verglichen werden und nochmals auf den Wunsch der Hauptfigur Rachel – Schriftstellerin zu werden – eingegangen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurze Biographie der Autorin

3. Die Eingangssequenz

3.1 Der Wunsch Schriftstellerin zu werden

3.2 Rachels Roman

4. Die gelbe Tasche

5. Dinge, die sich in der gelben Tasche befinden...

5.1 Der Hahn Afonso

5.2 Die Regenschirmfrau

5.3 Der Schreckliche

5.4 Das Bild vom Garten, den Rachel so gerne hat

6. Das Haus der Reparaturen

7. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie es der Schriftstellerin Lygia Bojunga Nunes in ihrem Roman "Die gelbe Tasche" gelingt, trotz der Zensur einer Militärdiktatur fundamentale Kritik am Regime zu üben und gesellschaftliche Werte wie Freiheit und Demokratie zu vermitteln.

  • Analyse metaphorischer Erzählweisen in der Kinderliteratur unter diktatorischen Bedingungen.
  • Untersuchung der Hauptfigur Rachel und ihres Wunsches, eine eigene Stimme als Schriftstellerin zu finden.
  • Interpretation zentraler Symbole wie der gelben Tasche und ihrer phantastischen Bewohner.
  • Gegenüberstellung des totalitären Systems und der Utopie des "Hauses der Reparaturen".
  • Beleuchtung der Rolle des Individuums gegenüber staatlicher Gleichschaltung und Unterdrückung.

Auszug aus dem Buch

3.1 Der Wunsch Schriftstellerin zu werden

Zum Üben schreibt Rachel Briefe an einen imaginären Jungen namens André. Ihm erzählt sie, dass in ihrer Familie niemand Zeit für sie habe, sie oft Ärger bekomme und sie des Öfteren als Lügnerin dargestellt werde: „(...) hat sie allen erzählt, ich wäre noch immer die größte Lügnerin der Welt. Dann war es wieder einmal soweit. Alle waren gegen mich.“ (Bojunga Nunes 1983, 13)

Als Rachels Bruder einen Brief von André an Rachel findet, glaubt er nicht, dass sie André nur erfunden hat: „Da guckte mein Bruder mich böse an und sagte, es hätte keinen Sinn, mit mir zu reden, weil ich niemals die Wahrheit sagte.“ (Bojunga Nunes 1983, 18)

In seinem Brief gibt André Rachel den Tipp, von nun an nur noch Dinge zu erfinden, die es nicht gebe. Somit könne sie vermeiden Ärger zu bekommen. (Vgl. Bojunga Nunes 1983, 14)

André sagt zu Rachel: „Aber wenn Du eine Geschichte erfindest mit erfundenen Leuten; mit einem erfundenen Haus, mit erfundenen Tieren, mit lauter erfundenen Sachen, wette ich, daß Du keine Ohrfeige kriegst, oder ...“ (Bojunga Nunes 1983, 14)

Hierbei verweist die Autorin auf ihre eigene Situation als Schriftstellerin. Sie muss Bilder für das erfinden, was sie sagen möchte, da sie die Wahrheit nicht schreiben darf. Durch Metaphern – wie beispielsweise den Hühnerhof oder den Schrecklichen – , mit denen sie auf Probleme innerhalb der Diktatur verweist, gelingt es ihr, dass ihr Buch nicht unter Zensur gerät. Kinderbücher werden von Generälen eher weniger gelesen, sodass die Kritik an der Gesellschaft durch Phantasiegestalten nicht weiter auffällt und das Buch nicht konfisziert wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in den historischen Kontext der brasilianischen Militärdiktatur und die Relevanz der Metapher als Schutzmittel gegen Zensur.

2. Kurze Biographie der Autorin: Darstellung des Lebensweges von Lygia Bojunga Nunes und ihrer sozialen Arbeit, die ihre literarischen Themen prägte.

3. Die Eingangssequenz: Untersuchung von Rachels Wünschen, insbesondere ihrem Bestreben, als Autorin der Zensur und familiärer Unterdrückung zu entfliehen.

4. Die gelbe Tasche: Analyse der Tasche als Symbol für einen privaten Schutzraum, der der repressiven Außenwelt entzogen ist.

5. Dinge, die sich in der gelben Tasche befinden...: Detaillierte Betrachtung der Charaktere Afonso, der Regenschirmfrau und des Schrecklichen als Symbole für verschiedene Facetten der Diktatur-Erfahrung.

6. Das Haus der Reparaturen: Vorstellung der utopischen Gegenwelt, die Gleichberechtigung, individuelle Freiheit und demokratische Prozesse verkörpert.

7. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung, wie Bojunga Nunes durch phantastische Elemente zur Kritik am politischen System anregt und Werte wie Freiheit und Bildung hervorhebt.

Schlüsselwörter

Lygia Bojunga Nunes, Die gelbe Tasche, Militärdiktatur, Brasilien, Kinderliteratur, Zensur, Metapher, Freiheit, Demokratie, Unterdrückung, Phantastik, Schriftstellerin, Soziale Anteilnahme, Politische Kritik, Selbstverwirklichung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie Lygia Bojunga Nunes in ihrem Roman "Die gelbe Tasche" Kritik an der brasilianischen Militärdiktatur übt, ohne durch die Zensur verboten zu werden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die Themenkomplexe der Zensur, der politische Widerstand durch Metaphern, der Wunsch nach Freiheit und die Bedeutung von individueller Selbstverwirklichung innerhalb repressiver Strukturen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage ist, wie es der Autorin gelingt, durch den Einsatz kinderliterarischer Phantastik Regimekritik zu formulieren, die für die Zensoren weniger offensichtlich ist als direkte politische Aussagen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman in seinen historischen Kontext einbettet und zentrale Symbole und Charaktere als politische Metaphern interpretiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Biografie der Autorin, die Eingangssequenz, die Symbolik der "gelben Tasche" und deren Inhalt (Afonso, die Regenschirmfrau, der Schreckliche) sowie das utopische Konzept des "Hauses der Reparaturen".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Militärdiktatur, Metapher, Zensur, Widerstand, Phantastik und die Suche nach demokratischer Freiheit.

Welche Bedeutung hat der Hahn Afonso im Roman?

Afonso verkörpert den "demokratischen Hahn", der versucht, sich aus der autokratischen Struktur des Hühnerhofs zu befreien, und steht für den Kampf für freie Meinungsäußerung.

Was symbolisiert das "Haus der Reparaturen" in der Geschichte?

Es fungiert als Utopie, in der soziale Gleichheit, Rollenflexibilität und lebenslanges Lernen möglich sind, im starken Gegensatz zur rigiden und unterdrückerischen Realität der Diktatur.

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Details

Title
Wie kann es einem Schriftsteller in einer Diktatur gelingen, Kritik am Regime auszuüben, ohne dass sein Roman unter Zensur gerät?
Subtitle
Untersucht am Beispiel: „Die gelbe Tasche“ von Lygia Bojunga Nunes
College
University of Frankfurt (Main)  (Institut für Jugendbuchforschung)
Course
Kinderliterarische Fantastik seit den 1980er Jahren
Grade
1,7
Author
Verena Büchel (Author)
Publication Year
2009
Pages
16
Catalog Number
V154974
ISBN (eBook)
9783640674541
ISBN (Book)
9783640674756
Language
German
Tags
Schriftsteller Diktatur Kritik Regime Roman Zensur Untersucht Beispiel Tasche“ Lygia Bojunga Nunes
Product Safety
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Verena Büchel (Author), 2009, Wie kann es einem Schriftsteller in einer Diktatur gelingen, Kritik am Regime auszuüben, ohne dass sein Roman unter Zensur gerät? , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154974
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