Mit welchen Maßnahmen können Jugendliche und Heranwachsende im Jugendstrafrecht erzieherisch erreicht werden? Welche Maßnahmen erfüllen dabei das Ziel der gesellschaftlichen Integration?
Diese vorliegende Bachelorarbeit hat zum Thema ‚Die pädagogische Debatte um die Verschärfung des Jugendstrafrechts seit 2006 - eine kritische Betrachtung der Verschärfungsforderungen‘. Dabei sollen Antworten auf die zuvor formulierten Fragestellungen gefunden wer-den.
Diese Arbeit ist in vier wesentliche Kapitel gegliedert.
Begonnen wird mit einer theoretischen Einführung in das Themenfeld des Jugendstrafrechts. Dabei wird einleitend die betroffene Zielgruppe, Jugendliche und Heranwachsende, im Jugendstrafrecht charakterisiert. Es sollen die wesentlichen charakteristischen Eigenschaften der Jugendphase dargestellt werden. Das Jugendstrafrecht basiert auf zwei essentiellen rechtlichen Grundlagen, dem Jugendgerichtsgesetz und dem Kinder- und Jugendhilfegesetz. Diese werden im zweiten Abschnitt näher betrachtet und erläutert. Der dritte Abschnitt des ersten Kapitels umfasst die wesentlichen Zahlen und Fakten im Jugendstrafrecht. Dabei liegt der Fokus auf verschiedenen Statistiken zur Jugendkriminalität und der Praxis jugendstrafrechtlicher Sanktionen. Im vierten Teil des ersten Kapitels werden anschließend die Sanktionen im Jugendstrafrecht in den wesentlichen Zügen dargestellt.
Das zweite unabdingbare Kapitel der vorliegenden Bachelorarbeit befasst sich mit der Debatte um die Verschärfung des Jugendstrafrechts. Dabei wird einleitend ein kurzer historischer Abriss über die Entwicklung des Jugendstrafrechts gegeben, um dann im zweiten Abschnitt die Entwicklung der Debatte um die Verschärfung des Jugendstrafrechts seit 2006 darzustellen.
Im dritten Kapitel stellt die Autorin eine Untersuchung zur Verschärfung des Jugendstrafrechts vor. Die Verfasserin dieser Arbeit hat verschiedene Leitfadeninterviews in der Arbeiterwohlfahrt Chemnitz und der Jugendgerichtshilfe in Chemnitz durchgeführt. Diese werden hinsichtlich des Untersuchungsaufbaus, der Datenauswertung und der Darstellung der Ergebnisse präsentiert.
Der Fokus des vierten Kapitels liegt auf der Erörterung der geforderten Maßnahmen für eine Verschärfung des Jugendstrafrechts. Dazu werden die theoretischen Vorüberlegungen und die Ergebnisse der Leitfadeninterviews hinzugezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Grundlegende Einführung in das Jugendstrafrecht
1.1 Charakterisierung der betroffenen Zielgruppe im Jugendstrafrecht: Jugendliche und Heranwachsende
1.2 Rechtliche Grundlagen
1.3 Zahlen und Fakten im Jugendstrafrecht
1.4 Sanktionen im Jugendstrafrecht
1.4.1 Erziehungsmaßregeln
1.4.2 Zuchtmittel
1.4.3 Jugendstrafe
1.4.4 Diversion
2 Die Debatte um die Verschärfung des Jugendstrafrechts
2.1 Kurzer historischer Abriss über die Entwicklung des Jugendstrafrechts bis 2006 unter dem Aspekt des Erziehungsgedankens
2.2 Die Debatte um die Verschärfung des Jugendstrafrechts seit 2006
3 Eine Untersuchung zur Verschärfung des Jugendstrafrechts an Hand qualitativer Sozialforschung
3.1 Untersuchungsaufbau und -durchführung
3.2 Datenauswertung
3.3 Ergebnisse der Interviews
4 Eine Diskussion zur Verschärfung des Jugendstrafrechts
5 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht kritisch die seit 2006 geführte Debatte um eine Verschärfung des deutschen Jugendstrafrechts. Ziel ist es, unter Einbeziehung theoretischer Grundlagen und eigener qualitativer Experteninterviews zu bewerten, ob Forderungen nach härteren Sanktionen aus pädagogischer Sicht sinnvoll sind oder ob bestehende Ansätze der Erziehung und Resozialisierung Vorrang haben sollten.
- Charakterisierung der Zielgruppe Jugendliche und Heranwachsende
- Analyse der gesetzlichen Grundlagen und bestehender Sanktionen
- Historische und aktuelle Entwicklung der Verschärfungsdebatte
- Empirische Untersuchung mittels Experteninterviews mit Praktikern
- Diskussion über Effektivität von Haft versus ambulanter Maßnahmen
Auszug aus dem Buch
1.1 Charakterisierung der betroffenen Zielgruppe im Jugendstrafrecht: Jugendliche und Heranwachsende
Das Jugendstrafrecht bezieht sich nach § 1 Abs. 2 JGG auf Jugendliche und Heranwachsende im Alter von 14 bis 21 Jahren, die eine Straftat begangen haben (Eisenberg, 2009). Doch was macht diese Zielgruppe aus? Welche charakteristischen psychologischen und soziologischen Merkmale trennen Jugendliche von Kindern oder Erwachsenen?
Die Jugendphase bezeichnet den Übergang vom Kind zum Erwachsenen. Aus entwicklungspsychologischer Perspektive betrachtet beginnt die Jugendphase mit der Geschlechtsreife, Pubertät. Der Körper des Menschen durchläuft in dieser Phase physiologische, anatomische und hormonelle Veränderungen. Diese Veränderungen erfordern in den meisten Fällen auch soziale Umgestaltungen. Die Phase der Pubertät wird durch das Lösen von eng vertrauten Personen, im speziellen der Familie, charakterisiert. Es beginnt ein persönlicher Entwicklungsprozess, der anders als in der Kindheit nicht mit der Identifikation und Imitation der Eltern verbunden ist (Hurrelmann, 2007, S. 25 ff.).
In der Entwicklungspsychologie ist der Begriff der Entwicklungsaufgaben geprägt worden. „Unter einer Entwicklungsaufgabe werden die psychisch und sozial vorgegebenen Erwartungen und Anforderungen verstanden, die an Personen in einem bestimmten Lebensabschnitt gestellt werden“ (Hurrelmann, 2007, S. 27). Für die Lebensphase Jugend sind dabei vier zentrale Entwicklungsaufgaben entstanden. Erstens die ‚Entwicklung einer intellektuellen und sozialen Kompetenz‘. Dies umfasst, dass Jugendliche beginnen, eigenständig Ziele zu entwickeln – sowohl schulische als auch später berufliche Ziele. Es geht dabei primär um selbstverantwortliches Handeln (ebd., S.27).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Grundlegende Einführung in das Jugendstrafrecht: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen und theoretischen Grundlagen, die Zielgruppe sowie die bestehenden Sanktionsmöglichkeiten im Jugendstrafrecht.
2 Die Debatte um die Verschärfung des Jugendstrafrechts: Hier wird die historische Entwicklung und die aktuelle politische Debatte seit 2006 bezüglich Forderungen nach einer Strafverschärfung analysiert.
3 Eine Untersuchung zur Verschärfung des Jugendstrafrechts an Hand qualitativer Sozialforschung: Dieser Teil präsentiert eine empirische Untersuchung, basierend auf Experteninterviews mit Fachkräften der Jugendgerichtshilfe und Sozialarbeit.
4 Eine Diskussion zur Verschärfung des Jugendstrafrechts: Das Kapitel diskutiert kritisch die verschiedenen Verschärfungsforderungen unter Abwägung pädagogischer und kriminologischer Erkenntnisse.
5 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass weitere Verschärfungen nicht zielführend sind, sondern stattdessen die erzieherischen Ansätze gestärkt werden sollten.
Schlüsselwörter
Jugendstrafrecht, Erziehungsgedanke, Verschärfung, Jugendkriminalität, Sanktionen, Resozialisierung, Leitfadeninterviews, Jugendgerichtshilfe, Sozialpädagogik, Prävention, Diversion, Jugendarrest, Heranwachsende, Delinquenz, Strafvollzug
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die pädagogische Debatte um die Verschärfung des Jugendstrafrechts in Deutschland, die besonders seit 2006 intensiv geführt wird, und bewertet diese kritisch.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Charakterisierung jugendlicher Entwicklungsphasen, dem geltenden Sanktionssystem im JGG sowie den politischen Forderungen nach härteren Strafen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage untersucht, ob eine Verschärfung des Jugendstrafrechts aus pädagogischer Sicht notwendig und sinnvoll ist oder ob erzieherische Maßnahmen effektiver bleiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt qualitative Sozialforschung in Form von halbstrukturierten Leitfadeninterviews mit fünf Experten aus der Jugendgerichtshilfe und der sozialen Arbeit in Chemnitz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Rechtsgrundlagen, die historische Einordnung der Debatte, eine empirische Untersuchung sowie eine abschließende Diskussion der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen Jugendstrafrecht, Erziehungsgedanke, Delinquenz, Resozialisierung, Sanktionen und der pädagogische Ansatz bei straffälligen Jugendlichen.
Was ist das Ergebnis der Experteninterviews bezüglich einer Verschärfung?
Alle befragten Experten lehnen eine Verschärfung ab, da sie das Jugendstrafrecht als ausreichend erachten und die Ursachen von Kriminalität eher in familiären und sozialen Defiziten sehen.
Wie bewerten Experten den vorgeschlagenen "Warnschussarrest"?
Die Experten betrachten den Warnschussarrest skeptisch, da sie befürchten, dass er keine abschreckende Wirkung hat und eher zu einer Stigmatisierung und falschen Gruppendynamik führt.
- Citar trabajo
- BA Christina Müller (Autor), 2010, Die pädagogische Debatte um die Verschärfung des Jugendstrafrechts seit 2006, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154978