Eine Textlinguistische Untersuchung

Leo Trotzkijs Tagebucheintrag vom 7. Februar 1935


Seminararbeit, 2008

8 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung in die Thematik der Textlinguistik

2 Textlingusistische Untersuchung des Tagebucheintrages 7. Februar 1935 und Aufarbeitung Trotzkijs bisherigen Lebens

3 Untersuchung der Diskrepanz zwischen Originaltext und Übersetzung der Tagebucheinträge

4 Thema- Rhema Analyse und Interpretation des Tagebucheintrages

5 Die Wichtigkeit des Tagebuchschreibens

6 Schlussbetrachtungen

7 Literaturliste

1 Einführung in die Thematik der Textlinguistik

Die Problematik Texte textlinguistisch zu interpretieren, wurde erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts erforscht. Disziplinen, die sich bis dahin ebenfalls mit Texten und ihren Eigenschaften auseinandersetzten waren die Rhetorik, die Stilistik, die Erzählforschung und die Gattungslehre innerhalb der Literaturwissenschaft. Doch keine Form der eben Genannten ging tief genug in die Thematik „Text“ und seine Strukturen hinein. Aus diesem Defizit entwickelte sich die Textlinguistik. Die Textlinguistik hat allgemein betrachtet vier große Problembereiche. Sie untersucht zunächst die Textualität und klassifiziert Texte im Rahmen einer Texttypologie. Des weiteren beschäftigt sich die Textlinguistik mit dem Problem einer textlinguistischen Integration von Stilistik und Rhetorik und betrachtet interdisziplinär orientierte Forschungen zur Textverarbeitung und Verständlichkeit. ( Bußmann 1990 S. 779)

2 Textlingusistische Untersuchung des Tagebucheintrages 7. Februar 1935 und Aufarbeitung Trotzkijs bisherigen Lebens

Das Bewusstsein also darüber, dass die heutige Textlinguistik den Begriff „Text“ nicht mehr nur als "Abfolge von Sätzen und damit als Einheit des Sprachsystems" versteht, sondern als "kommunikative Einheit" gesehen wird, stellt die Grundlage meiner folgenden Interpretation dar. Es gibt nur sehr wenige Versuche einer textlinguistischen Interpretation von Tagebucheinträgen. Genau aus diesem Grunde habe ich mir den Text „Tagebuch ohne Regel“ aus Leo Trotzkijjs Tagebuch zur Interpretation herangezogen. Tagebuchaufzeichnungen sind schon seit „ frühesten –geistig- gesellschaftlichen Gruppen Europas zu finden. Meist waren es zunächst Tagesberichte über die Gnädig- oder Ungnädigkeit der Götter und Könige. Es wurden jedoch nicht nur Tatsachen in Form von einer Chronik, sondern auch „subjektive[n] Wertungen und eigene[n] Betrachtungen“ (S. 16 Z.30f ) vorgenommen. Im Laufe des historischen Wandels spielten Subjektivität und eigene Empfindungen eine immer bedeutendere Rolle. Aus diesem Grund schrieb auch der russische Revolutionär und sowjetische Politiker Leo Trotzkij seine Tagebücher. Trotzkijs bürgerlicher Name war Лев Давидович Бронштейн. Er wurde im Jahre 1879 als 5.Kind einer jüdischen Bauernfamilie in Janowka (Ukraine) geboren und besuchte in Odessa eine deutsch-lutherische Schule. Trotzkij war Mitbegründer des Südrussischen Arbeiterbundes. Später wurde er wegen Verbreitung verbotener politischer Schriften verhaftet und nach Sibirien verbannt. 1902 flieht er nach London und nennt sich zur Tarnung Лев Давидович Троцкий. Trotzkij agierte 1917 gemeinsam mit Lenin an der Spitze der Oktoberrevolution in Russland. Seine Partei- und Staatsfunktion waren vorerst die Außenpolitik. So wirkte er zunächst am Friedensvertrag von Brest-Litowsk mit und stellt als sogenannter Kriegskommissar die spätere Rote Armee gegen Aufständische in der Sowjetunion auf. Er war ein erfolgreicher und anerkannter Bolschewist. Bis zum Jahre 1934, in dem ihm seine sowjetische Staatsbürgerschaft aberkannt und er vom russischen Geheimdienst als Gegner von Stalins Alleinherrschaft verfolgt wurde. Aufgrund dieser Verfolger flüchtete Trotzkij nach Frankreich an einen geheimen Ort. An diesem Punkt setzt der zu analysierende und zu interpretierende Tagebucheintrag vom 7. Februar 1935 an. Trotzkij berichtet über den für ihn lebensnotwendigen Vorgang des Schreibens im Exil.

Die Makro- und Mikrostrukturen lassen sich in diesem Text nicht eindeutig von einander trennen. Dennoch lässt sich folgende Strukturierung ableiten. Einleitend begründet Trotzkij die von ihm gewählte Schreibform- Tagebuch. Des weiteren umreißt er in den Zeilen 6-29 die vergangenen Ereignisse, die eine Nottat wie das Tagebuchschreiben schon einmal herbei führten. Da dies schon längst vergangene Episoden seines Lebens sind, hofft er auch dieses Mal auf schnelle Besserung seiner Lebenssituation und somit auf die Unabhängigkeit vom Tagebuchschreiben. Ab Zeile 30 rechtfertigt sich der russische Revolutionär für die entstandene Form des Schreibens, um im letzten Absatz doch noch Zugeständnisse von Vorteilen des Tagebuchschreibens zumachen.

Aufgrund der Beschreibung der Erlebnisse und eigenen Sichtweisen (Ich- Perspektive) bekommt der Text einen sehr persönlichen Charakter. Der Autor stellt hierbei gleichzeitig den Erzähler dar, der aus der Erlebnisperspektive heraus dem Leser berichtet.. Die dadurch entstehende Monologizität unterstützt ebenfalls das Gefühl von Privatheit. Man bekommt eine ungetrübte Darstellung über das Innenleben des Autors. Ebenfalls aufgrund von rhetorischen Fragen (Z.10) und scheinbarer Offenheit (Z.1f.)wird der Leser in die Geschehnisse und in die Gedankenwelt Trotzkijs hineingezogen. Dieser konzeptionell- schriftliche Text weist eine hohe Reflektiertheit über die Ausgangssituation des Tagebuchschreibens und besitzt somit eine starke Themenbindung an das schon im Titel erwähnte („ Tagebuch ohne Regel“) Schreiben auf. Auffällig sind die fürs Tagebuch untypische Öffentlichkeit und eine weitest gehende Objektiviertheit des Textes. Trotzkij zitiert den deutschen Staatssozialisten und Politiker Ferdinand Lassalle, um seinen Standpunkt von einem anderen Gesichtspunkt zu beleuchten und für den Leser nachvollziehbar zu machen (Z.18ff). Zu Beginn des Textes stellt sich die Frage vor wem sich Trotzkij für die gewählte Literatur- form rechtfertigt und warum nicht über etwas Familiäres berichtet wird. Denn einleitend beschreibt Trotzkij selbst, dass es sich um ein persönliches Tagebuch handle (Z.5).

Doch schon in Zeile 9 gesteht er :“[...] zum politischen Tagebuch Zuflucht zunehmen“

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Eine Textlinguistische Untersuchung
Untertitel
Leo Trotzkijs Tagebucheintrag vom 7. Februar 1935
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Slavistik)
Veranstaltung
Textlinguistik im Russischen
Note
1.3
Autor
Jahr
2008
Seiten
8
Katalognummer
V155038
ISBN (eBook)
9783640690343
ISBN (Buch)
9783640690855
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Trotzkijs, Tagebucheintrag, Februar, Textlinguistik, textlinguistische Untersuchung, Sprachsystem, Rhetorik, Stilistik, Beispiel, Slavistik, Russistik, Linguistik
Arbeit zitieren
Janine Heiner (Autor), 2008, Eine Textlinguistische Untersuchung , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155038

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Eine Textlinguistische Untersuchung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden