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Das Motiv des Todes in Thomas Manns Erzählung Der Tod in Venedig

Title: Das Motiv des Todes in Thomas Manns Erzählung Der Tod in Venedig

Term Paper , 2002 , 20 Pages , Grade: 3

Autor:in: Noémie Schlentz (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Neben dem Motiv des Todes, das unverkennbar schon zu Beginn der Erzählung
gegenwärtig ist und in der gesamten Handlung vorherrscht, gibt es auch noch andere
Leitmotive, die zwar nur indirekt, aber dennoch mit dem Tod in Zusammenhang stehen.
Ich werde kurz auf diese eingehen, weil sie wichtig sind, um die von Thomas Mann
angewandte Leitmotivtechnik besser zu erfassen.
Ein erstes Beispiel ist die zunehmende Verfremdung der gewohnten Welt Aschenbachs:
noch in seiner Heimatstadt München spürt er, dass sein gewohntes Leben irgendwie aus
den Fugen geraten ist. Er steckt nicht nur in einer Schaffens-, sondern in einer
Lebenskrise. So reicht seine alltägliche Bewegung an der frischen Luft nicht aus und er
muss „einen weiteren Spaziergang“ unternehmen, um innerlich zur Ruhe zu kommen.
Dabei hat Gustav von Aschenbach dann ein befremdendes Erlebnis, als er dem
mysteriösen Wanderer begegnet, durch den er sich zum Reisen animiert fühlt. Die
Verfremdung seiner gewohnten Welt setzt sich in einer traumartigen Vision von einer
Urwaldwildnis, in der dionysische „Tiger“ lauern, fort. Auf der Reise nach Venedig
begegnet er zwei weiteren Gestalten, geheimen Todesboten1, deren Erscheinen
Aschenbach zutiefst beunruhigt und die ihn auf dem Weg in die andere, fremde Welt,
welche die Stadt Venedig darstellt, begleiten. Die Verfremdung nimmt im Laufe seines
Venedig-Aufenthaltes immer weiter zu, bis seine bisherige, streng apollinische
Lebenshaltung in eine ungehemmt dionysische Lebensweise übergeht.2
Leitmotivische Bedeutung hat ebenfalls das Meer. Es steht hier für das Maßlose, das
Nichts. Aschenbach wählt sein Reiseziel so aus, dass er in Meeresnähe sein kann. So
hält er sich während seines Aufenthaltes bevorzugt am Meeresstrand auf, wo er seinen
„Geliebten“ ungestört beim Spielen beobachten kann. Nicht zuletzt sind Meer und
Strand Schauplatz seines eigenen Todes, wobei das Meer hier für den Strom Acheron
steht, über den der Fährmann Charon in der griechischen Mythologie die Toten in den
Hades führt.

1 Die Todesboten werden in Kapitel 2.1. ausführlich behandelt.
2 Das Dionysische und Apollinische und alle weiteren mythologischen Bezüge werden in Kapitel 2.2.
behandelt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Leitmotivtechnik

1.1. Leitmotive (allgemein)

1.2. Leitmotive mit Todessymbolik

2. Die Todesboten – den Tod vorausdeutende Leitfiguren

2.1. Beschreibung der einzelnen Todesboten

2.1.1. Der Wanderer – eine Vereinigung vieler antiker Todesgestalten

2.1.2. Der ziegenbärtige Zahlmeister

2.1.3. Der „falsche Jüngling“

2.1.4. Der Gondolier – mythologischer Fährmann Charon

2.1.5. Der Bademeister

2.1.6. Tadzio – Psychagog und Todesengel

2.1.7. Der Bänkelsänger – eine „Kreuzung von Luzifer und Clown“

2.1.8. Der Clerk und der Hotelfriseur

2.1.9. Aschenbach – sein eigener Todesbote

2.2. Mythologische Vorbilder der Todesboten

2.2.1. Hermes – Psychopompos, der Seelenführer

2.2.2. Hades – Herrscher der Unterwelt

2.2.3. Charon – Fährmann der Verstorbenen

2.2.4. Thanatos – der personifizierte Tod

2.2.5. Psychagogos / Pychopompos – Führer und Verführer der Seelen

2.2.6. Apollon und Dionysos – Zucht und Zügellosigkeit

3. Gustav Aschenbachs Tod in Venedig

3.1. (Künstler-)Würde – Tod: Entwicklung eines Lebens auf den Tod hin

3.2. Eros – Tod: Tadzios Rolle

3.3. Aschenbachs Tod

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das zentrale Motiv des Todes in Thomas Manns Erzählung „Der Tod in Venedig“. Ziel ist es, die komplexe leitmotivische Struktur und die mythologische Symbolik aufzuzeigen, durch welche der Protagonist Gustav von Aschenbach schleichend in sein Verhängnis geführt wird.

  • Analyse der Leitmotivtechnik und Todessymbolik innerhalb der Erzählung.
  • Untersuchung der Funktion der sogenannten „Todesboten“ als vorausdeutende Leitfiguren.
  • Darstellung der mythologischen Bezüge, insbesondere zu Hermes und Dionysos.
  • Erörterung von Aschenbachs psychologischem Niedergang und seinem schließlichen Liebestod.

Auszug aus dem Buch

1.2. Leitmotive mit Todessymbolik

Wie bereits erwähnt, ist das Motiv des Todes unverkennbar schon auf den ersten Seiten von Thomas Manns Erzählung präsent (ganz vom Titel abgesehen!) und durchzieht die gesamte Erzählung mit zunehmender Intensität, bis die Handlung schließlich in Agonie und Tod endet.

Bereits im Nachnamen des Protagonisten finden wir einen verborgenen Todeshinweis: Als Ausgangsmodell hat Thomas Mann den Landschaftsmaler Andreas Achenbach gewählt. Durch die geringfügige Änderung des ersten Bestandteils erhält der Name durch das Wort „Asche“ Todesassoziation.

Aber nicht nur, dass der Tod schon im Titel und im Namen des Protagonisten vorausgedeutet wird, man kommt in der gesamten Erzählung niemals an ihm vorbei. Er lauert an jedem Ort, versteckt sich hinter jeder Person, ist einfach omnipräsent. So ist einer der ersten Schauplätze des Geschehens bezeichnenderweise ein Friedhof, der in allen Einzelheiten beschrieben wird. Aschenbach begegnet hier Kreuzen, Gedächtnistafeln und einem zweiten, unbehausten Gräberfeld, sicher eine tragische Vorausdeutung.

Die Gondel, die den Protagonisten zum Lido übersetzt, nachdem er mit dem Schiff in Venedig angekommen ist, wird aufgrund der schwarzen Farbe und auch wohl wegen ihrer Form mit einem Sarg verglichen. Somit ist sie eine Art Todesbarke, die den Todgeweihten seinem Lebensende näher bringt und auf ihn wartet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Leitmotivtechnik: Dieses Kapitel erläutert, wie Thomas Mann durch verschiedene Symbole wie das Meer, das Wetter oder spezifische Gesten Aschenbachs inneren Zustand und sein drohendes Schicksal leitmotivisch verknüpft.

2. Die Todesboten – den Tod vorausdeutende Leitfiguren: Hier werden die verschiedenen, Aschenbach auf seiner Reise begegnenden Charaktere detailliert analysiert, die als mythologische Anspielungen auf den Tod und als Vorboten seines Untergangs fungieren.

3. Gustav Aschenbachs Tod in Venedig: Das abschließende Kapitel behandelt die psychologische Entwicklung Aschenbachs, seinen moralischen Zerfall und die letztendliche Unausweichlichkeit seines Todes, interpretiert als logische Konsequenz seines bisherigen Lebens.

Schlüsselwörter

Thomas Mann, Der Tod in Venedig, Todesmotiv, Leitmotivtechnik, Todesboten, Mythologie, Hermes, Dionysos, Gustav von Aschenbach, Verfall, Symbolik, Literaturwissenschaft, Todessehnsucht, Cholera, Apollinisch.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Funktion des Todesmotivs in Thomas Manns „Der Tod in Venedig“ und zeigt auf, wie der Autor das Sterben des Protagonisten durch Leitmotive und mythologische Anspielungen in der gesamten Erzählung vorbereitet.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Leitmotivik, den mythologischen Vorbildern für die sogenannten „Todesboten“ sowie der psychologischen und moralischen Entwicklung von Gustav von Aschenbach.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die künstlerische Konstruktion des Todes in der Erzählung aufzuzeigen und zu belegen, dass Aschenbachs Ende keine zufällige Tragödie, sondern eine konsequente Folge seines Lebensentwurfs ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse, die den Text unter Anwendung von Symboldeutung und der Untersuchung motivgeschichtlicher Bezüge, insbesondere zur griechischen Mythologie, erschließt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Leitmotivtechnik, eine detaillierte Vorstellung der Todesboten mit ihren mythologischen Vorbildern sowie die Erörterung von Aschenbachs psychologischer Entwicklung zum Tod hin.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Todesmotiv, Leitmotiv, mythologische Symbolik, Psychopompos, Apollinisch-Dionysisches Spannungsfeld und der Niedergang des Künstlers Aschenbach.

Warum spielt der Wanderer eine so wichtige Rolle für Aschenbach?

Der Wanderer ist die erste der „Todesgestalten“ und wirkt als auslösender Impuls, der Aschenbach aus seiner festgefahrenen, gewohnten Lebensweise in München reißt und somit die Reise in den Tod einleitet.

Ist Aschenbachs Tod nach Meinung der Autorin eine Erlösung?

Nein, die Autorin widerspricht der Deutung einer rein harmonischen Erlösung und argumentiert stattdessen, dass der Tod als logische und notwendige Folge von Aschenbachs einseitig apollinischem Leben und seinem anschließenden moralischen Zerfall zu verstehen ist.

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Details

Title
Das Motiv des Todes in Thomas Manns Erzählung Der Tod in Venedig
College
University of Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Course
Einführung in die Literaturwissenschaft
Grade
3
Author
Noémie Schlentz (Author)
Publication Year
2002
Pages
20
Catalog Number
V15508
ISBN (eBook)
9783638205979
Language
German
Tags
Motiv Todes Thomas Manns Erzählung Venedig Einführung Literaturwissenschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Noémie Schlentz (Author), 2002, Das Motiv des Todes in Thomas Manns Erzählung Der Tod in Venedig, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15508
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