Länderrating: Aktuelle Tendenzen


Seminararbeit, 2001
25 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen
2.1. Definition des Begriffes Länderrisiko
2.2. Definition des Begriffs Rating
2.2.1. Die prozessuale Komponente des Rating
2.2.1.1. Das beantragte und das nicht beantragte Ratingverfahren
2.2.2. Die taxonomische Komponente des Rating

3. Die Entstehung der führenden Ratingagenturen

4. Relevanz des Rating
4.1. Volkswirtschaftsrating unter weltpolitischen Gesichtspunkten
4.2. Volkswirtschaftsrating unter finanzmarktpolitischen Aspekten
4.3. Volkswirtschaftsrating unter sozio-politischen Aspekten
4.4. Volkswirtschaftsrating unter wettbewerbspolitischen Aspekten

5. Die Qualität des Rating

6. Kritikpunkte am Rating

7. Ansätze zur Objektivierung des Ratingverfahrens

8. Informationspolitik der Ratingagenturen
8.1 Informationsquellen der Rating-Agenturen
8.2 Publikationen der Rating-Agenturen
8.3 Die Entgeltpolitik der Rating-Agenturen

9. Fazit

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Seit vielen Jahren prägt der Begriff „Globalisierung“ die Berichterstattung in den Medien, wenn es um die Annäherung von Nationalstaaten, Regionen und einzelnen Unternehmen in Wirtschaftsfragen geht. Globalisierung wird als Prozeß verstanden, durch den Märkte und Produktionen in den verschiedenen Ländern immer mehr voneinander abhängig werden.[1] Dies heißt nichts anderes, als daß sich die Ökonomien der einzelnen Länder in einem direkten Wettbewerb zueinander befinden. Globalisierung bedeutet für den Staat, daß er wirtschaftliche Aktivitäten immer weniger steuern kann.[2] Daraus ergeben sich folgende Aufgaben: Erstens die Schaffung eines günstigen Umfeldes für die Wirtschaft und zweitens die Imagepflege im Ausland, um potentielle Investoren anzulocken. Die Vollendung des europäischen Binnenmarktes mit der Einführung einer gemeinsamen Währung und die Schaffung von multinationalen Unternehmen wie DaimlerChrysler sollen hierfür als bedeutende Beispiele dienen. Die Globalisierung geht jedoch weit über rein wirtschaftliche Aspekte hinaus. Prof. Michael Kunczik ist der Ansicht, dass das „Schlagwort Globalisierung an die Stelle des Begriffs Kulturimperialismus getreten ist“.[3] Die Annäherung der Wirtschaftssysteme bedingt, dass kulturelle Schranken verschwinden und das Konzept des isolierten Nationalstaates in Zukunft immer mehr an Bedeutung verlieren wird. Für die Menschen aller Nationen bedeutet dies eine dramatische Veränderung bisheriger Strukturen. Globalisierung ist vor allem die Schaffung einer bisher nie dagewesenen Transparenz in allen Bereichen des Lebens. Nicht nur, daß Unternehmen weltweit um Absatzmöglichkeiten und Marktanteile für ihre Produkte konkurrieren, auch Ausbildungssysteme, Staaten und Regionen werben weltweit um die besten Studenten und Arbeitskräfte, um im globalen Wettbewerb nicht den Anschluß zu verlieren. Deshalb fällt der Imagepolitik in der gegenwärtigen Situation eine entscheidende Rolle zu. Länder, Regionen oder auch Unternehmen müssen Werbung in eigener Sache betreiben. Die vorliegende Arbeit soll aufzeigen, wie mit Hilfe von Rating-Verfahren eine global vergleichbare „Benotung“ von Finanzinstrumenten, Unternehmen, Ländern und Regionen geschaffen wurde, um Investoren die Möglichkeit des objektiven Vergleichs von unterschiedlichen Anlageformen zu geben.

In Kapitel 2 dieser Hausarbeit werden die zentralen Begriffe Länderrisiko und Rating definiert. Dies soll der Eingrenzung des Untersuchungsgegenstandes dienen. In den folgenden beiden Kapiteln werden die beiden Komponenten des Ratings näher erläutert, um einen Einblick in die Vorgehensweise des Ratings zu erlangen.

Kapitel drei beinhaltet einen kurzen historischen Abriß zur Entstehung der führenden Rating-Agenturen. Der folgende Abschnitt betrachtet die Relevanz des Ratings, sowohl aus Sicht von Emittenten als auch von potentiellen Investoren. Darüber hinaus zeigt dieses Kapitel auf, was Rating unter globalen Gesichtspunkten zu leisten im Stande ist. Die beiden folgenden Abschnitte betrachten die meßbare Qualität und die Grenzen des Ratings. Daran anknüpfend werden im darauffolgenden Kapitel einige vielversprechende Ansätze zur Beseitigung der vorher genannten Kritikpunkte dargestellt. Insbesondere werden Ansätze zu neuen Methoden und Techniken aufgeführt, die in der Lage sind den hohen Subjektivitätsfaktor des Ratings abzuschwächen.

Im vorletzten Abschnitt werden die Informationsquellen, Publikationen und die Entgeltpolitik der Rating-Agenturen genannt. Die Nennung der Informationsquellen soll zeigen, woher die Agenturen ihre Daten beziehen. Dies dient der Transparenz des gesamten Ratingprozesses. Der Aspekt der Entgeltpolitik der Agenturen veranschaulicht deren Abhängigkeit von ihren Auftraggebern. Im letzten Kapitel werden alle relevanten Teilaspekte der Hausarbeit zusammengefaßt und der Leser erhält einen Ausblick auf die mögliche Entwicklung des Ratings auf Länderebene in den kommenden Jahren.

2. Begriffsdefinitionen

2.1. Definition des Begriffes Länderrisiko

Man kann den Begriff Länderrisiko wie folgt definieren, wobei zu beachten ist, daß in der Literatur keine einheitliche Handhabung existiert:[4]

Bestimmte Ereignisse in einem Staat, wie z.B. ein politischer Umsturz, können den Verlust eines grenzüberschreitenden Kredites nach sich ziehen. Diesen Verlust kann man zumindest teilweise der Regierung eines Staates zur Last legen. Dieses ist jedoch nicht auf das allgemeine Bonitätsrisiko zurückzuführen, sondern resultiert aus anderen Faktoren:

Politische, soziale und wirtschaftliche Faktoren begründen das Defizit eines Staates, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Der Schuldner (hier in Form eines Staates) ist nicht mehr, oder nur noch teilweise in der Lage, seine Schulden bei einer Bank abzutragen. Das Länderrisiko wird nicht dem allgemeinen Geschäfts- bzw. Handels- oder Hoheitsrisiko zugeordnet. Es bildet somit eine eigene Kategorie.[5] Weiter umfaßt das Länderrisiko die sogenannten Transfer- und Staatsrisiken.

Der Begriff Länderrisiko sagt ferner zunächst nichts darüber aus, ob eine Kreditrückzahlung völlig oder nur teilweise entfällt, oder ob lediglich eine vereinbarte Terminfrist zur Rückzahlung der Zinsen und Zinseszinsen nicht eingehalten wird.

Von dem Länderrisiko zu unterscheiden ist auch das individuelle Bonitätsrisiko des Kreditnehmers (Delkredererisiko oder Adreßrisiko). Letztgenanntes Risiko tritt in dem Fall ein, wenn ein Kreditnehmer aus in seiner eigenen Person liegenden Gründen (z. B. Zahlungseinstellung wegen Überschuldung oder Illiquidität) den Kredit nicht mehr begleichen kann. Das Länderrisiko ist jedoch, anders als das individuelle Bonitätsrisiko, ein allgemeines wirtschaftliches oder politisches Risiko.[6] Der Schuldner ist in diesem speziellen Fall nicht in die Verantwortung zu ziehen. Liegt hier darüber hinaus noch eine private Kreditaufnahme vor, so wird dieses Bonitätsrisiko noch von einem eventuellen Länderrisiko überlagert. Ist der Kredit einem öffentlichen Kreditnehmer gewährt oder ist er durch einen Staat oder ein staatliches Unternehmen garantiert, dann gehen Bonitätsrisiko und Länderrisiko ineinander über.[7] In diesem Fall spricht man von einem sogenannten Hoheitsrisiko (sovereign risk).[8]

2.2. Definition des Begriffs Rating

Ein Rating kann als Verfahren zur Einschätzung und Beurteilung von Personen oder Situationen oder Ähnlichem mit Hilfe von Ratingskalen definiert werden.[9] Vergleichbar ist das Rating mit dem bankinternen Verfahren der Bonitätsanalyse.[10] Eine Ratingskala wird beschrieben als eine „in regelmäßige Intervalle aufgeteilte Strecke, die den Ausprägungsgrad (z. B. stark-mittel-gering) eines bestimmten Merkmals (z. B. Zahlungsfähigkeit) zeigt.“[11] Unter einem „Rating“ kann die „Note“ oder die „Zensur“ selbst verstanden werden, aber auch der Vorgang der Beurteilung, die Folge von notwendigen Schritten zur Festlegung des Urteils bzw. das Entscheidungsverfahren über das einer bestimmten Person oder Sache zuzuordnende, klassifizierende Symbol.[12]

Länderrating, bzw. Unternehmensrating ist die Einschätzung der Fähigkeit und Bereitschaft von Staaten oder Unternehmen, Schulden vertragsgemäß zu tilgen. Je niedriger das Rating, desto höher die Wahrscheinlichkeit, das der Investor sein Geld verliert.[13] Das Rating basiert auf der Grundlage von Kategorienbildungen, die transparent machen, ob bei einem Unternehmen, oder bei einem Staat, ein hohes, bzw. niedriges Risiko für das eingesetzte Kapital besteht. Unterschiedliche Qualitäten wie wirtschaftliche Daten, politische und soziale Risiken wie z. B. zukünftige Fiskalpolitik und Urteile über politische Stabilität werden auf ein einziges Meßsystem reduziert. Länderrating bedeutet für Investoren die Erleichterung der Kalkulation zukünftiger Risiken, wobei einfache Meßsymbole den weltweiten Vergleich ermöglichen.

Der Service der Ratingagenturen stellt darauf ab, über die Wahrscheinlichkeit der Insolvenz von Schuldnern zu informieren. Zunehmende Bedeutung des Rating auf internationalen Kapitalmärkten ist Konsequenz der Globalisierung der Kapitalmärkte. Die Vorgehensweise der Agenturen ist in der Regel standardisiert. Im Normalfall stellt der Emittent, der eine Emission plant, bei der Ratingagentur einen Antrag für das Rating dieser Emission. Oftmals werden Agenturen auch unabhängig von einem Antrag des Emittenten tätig, und können dann nicht immer davon ausgehen, daß der Emittent zu einer Kooperation durch Bereitstellung der für das Rating notwendigen informationellen Basis gewillt ist.[14] Zu Beginn des Ratings stellen die Agenturen ein Analyseteam mit den entsprechenden Branchenspezialisten zusammen. Dieses Team analysiert zunächst die eigenen und die vom zu Ratenden zur Verfügung gestellten Informationen, wie z. B. Geschäftsberichte und Finanzpläne, um einen ersten Einblick zu gewinnen. Im Anschluß besuchen die Analysten das Unternehmen oder das Land, das „geratet“ werden soll, um sich einen detaillierten Überblick vor Ort zu verschaffen. Danach werden sämtliche Erkenntnisse im Team zusammengetragen und zu einem Gesamturteil verdichtet. Die Erstellung und anschließende Überwachung eines Ratings ist ein sehr zeit- und arbeitsintensiver Prozeß für die Agenturen. Für die erstmalige Erstellung eines Ratings werden mehrere Monate angesetzt.[15]

Im Folgenden werden die beiden Komponenten eines Ratings betrachtet.

2.2.1. Die prozessuale Komponente des Ratings

Das sogenannte Ratingverfahren wird als prozessuale Komponente des Ratings bezeichnet. Das Ratingverfahren impliziert ein planvolles Vorgehen, das sich unterschiedlicher Methoden bedienen kann. Die wichtigste Einflußgröße für die Gestaltung des Ratingverfahrens ist die angestrebte bzw. vorhandene informationelle Basis, auf der die von den Ratingagenturen entwickelten Methoden implementiert werden sollen. Zu unterscheiden sind Ratingverfahren, die sich auf der Basis teilweise nicht öffentlich zugänglicher Informationen vollziehen, von solchen die erklärtermaßen auf öffentlich zugänglichen Informationen basieren. Des Weiteren sollen beantragte von nicht beantragten Ratingverfahren unterschieden werden.

[...]


[1] Vgl.: Kunczik, Michael: Die Geldillusion - Public Relations für Währungen. In: PR Magazin 1/ 2000. S. 31.

[2] Vgl.: Sellien, Reinhold (Hrsg) (1988): Gabler Wirtschaftslexikon. 12. Auflage. Bertelsmann-Lexikon-Verlag: Gütersloh. S.1614.

[3] Vgl.: Kunczik, Michael: Rating Shopping als neue Form der Investor Relations ? In: PR-Magazin 12 / 2000.

S. 53.

[4] Vgl.: Dworak, Brigitte M. (1985): Das Länderrisiko als bankbetriebliches Problem. In: Schriften zu internationalen Wirtschaftsfragen, Band 7, S. 71.

[5] Vgl.: Tunney, Joseph J. (1981): Bank perspectives in measuring risk. In:

Ensor, Richard (Hrsg.):Assessing Country Risk. Euromoney Publication Limited. London.

o. Auflage, S. 83.

[6] Vgl.: Schurig, Matthias (1981): Schwebende Geschäfte bei Kreditinstituten. Thun: Frankfurt a.M. S. 117.

[7] Vgl.: Cramer, Michael (1985): Das internationale Kreditgeschäft der Banken. Struktur, Risiken und Kreditentscheidungsprozeß. In: Schriftenreihe „Die Bankgeschäfte“, 5. Auflage, S. 77.

[8] Vgl.: Baxmann, Ulf G. (1990): Überlegungen zur bilanziellen Bewertung risikobehafteter Auslandsforderungen im Hinblick auf Sekundärmarktpreisen. In: Zeitschrift für Betriebswirtschaftslehre, Band 497, S. 39.

[9] Vgl.: Everling, Oliver (Hrsg.) / Büschgen, Hans E. (1996): Handbuch Rating, o. Auflage. Gabler: Wiesbaden. S. 31.

[10] Vgl.: Krag, Joachim (Hrsg.) / Schmelz, Michael (Hrsg.) /Seekamp, Volker (Hrsg.) (1998): Bonitätsanalyse mit Hilfe von Rating-Agenturen. Betriebswirtschaftliche Studien, o. Auflage. Philipps-Universität Marburg (Arbeitspapier). S.8.

[11] Vgl.: Everling, Oliver (1991): Credit Rating durch internationale Agenturen. Eine Untersuchung zu den Komponenten und instrumentalen Funktionene des Rating. Gabler: Wiesbaden. S. 53.

[12] Vgl.: ebd., S. 55

[13] Vgl.: Kunczik, Michael: Rating Shopping als neue Form der Investor Relations ? A.a.O., S. 55.

[14] Vgl.: Everling, Oliver: Credit Rating durch internationale Agenturen. A.a.O. S. 62.

[15] Vgl.: Krag, Joachim/Schmelz, Michael/Seekamp, Volker: Bonitätsanalyse mit Hilfe von

Rating-Agenturen. A.a.O. S. 10.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Länderrating: Aktuelle Tendenzen
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Publizistik Mainz)
Veranstaltung
Internationale Kommunikation: Aktuelle Forschungsprobleme
Note
1,3
Autoren
Jahr
2001
Seiten
25
Katalognummer
V15516
ISBN (eBook)
9783638206020
ISBN (Buch)
9783638699303
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Länderrating, Aktuelle, Tendenzen, Internationale, Kommunikation, Forschungsprobleme
Arbeit zitieren
Magister Artium Michael Scheer (Autor)Kai Habeth (Autor), 2001, Länderrating: Aktuelle Tendenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15516

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