Zugang zum US-Kapitalmarkt aus Sicht eines deutschen Unternehmens


Seminararbeit, 2010

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Einführung in das Thema
1.2. Aufbau und Zielsetzung der Arbeit
1.3. Grundlagen des US-amerikanischen Kapitalmarktes

2. Eigenkapital-Finanzierungsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen am US-Kapitalmarkt
2.2. Global Registered Shares
2.3. American Depositary Receipts

3. Folgen

4. Nutzen

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Aufbau Finanzmarkt

Abbildung 2: Anteil der Aktionäre an der Gesamtbevölkerung

Abbildung 3: An der NYSE gelistete deutsche Unternehmen 2010

Abbildung 4: Zusammenarbeit bei GRS

Abbildung 5: Übersicht sponsored American Depositary Receipts

Abbildung 6: An der New York Stock Exchange gelistete deutsch Unternehmen 2003 versus 2010

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Einführung in das Thema

Unternehmen benötigen für ihre wirtschaftliche Tätigkeit Kapital. Dies kann in Form von Eigen- oder Fremdkapital zugeführt werden. Hierbei kann sich ein Unterneh­men dem Kapitalmarkt bedienen. Der Kapitalmarkt dient der langfristigen Kapital­beschaffung. Ein Unternehmen kann sich hierüber beispielsweise durch die Emis­sion von Anleihen Fremdkapital oder durch die Emission von Aktien Eigenkapital beschaffen. Dabei hat die internationale Verflechtung der Kapitalmärkte in den letz­ten Jahrzehnten zugenommen. Internationale Börsen, wie die New York Stock Ex­change (NYSE) haben auch für nicht US-amerikanische Unternehmen als Kapital­markt beziehungsweise Börsenplatz an Bedeutung gewonnen. Die Notierung, also die Beschaffung von Eigenkapital über diese Börsen wird hauptsächlich von gro­ßen international tätigen Unternehmen vorgenommen. Diese brauchen meist große Mengen an Kapital, für die ihre Heimatbörse unter Umständen nicht mehr aus­reicht. Hiervon haben auch deutsche Unternehmen, vor allem in den USA, in den letzten Jahrzehnten vermehrt Gebrauch gemacht.[1]

1.2. Aufbau und Zielsetzung der Arbeit

In einem Artikel über die Börsennotierung deutscher Unternehmen in den USA des Handelsblattes vom September 2009 heißt es: „Entgegen den ursprünglichen Er­wartungen verzeichneten die Unternehmen in der Regel ein vergleichsweise gerin­ges Investoreninteresse. ... "Die Diskussion über zwei-, drei- oder vierfache Notie­rungen macht keinen Sinn mehr", hieß es gestern bei einer großen internationalen Bank. Die Investoren richten ihren Blick mittlerweile dorthin, wo der liquideste Han­del stattfindet. Auch schreckt das strenge Vorgehen der US-Börsenaufsicht SEC seit Jahren viele deutsche Unternehmen ab.“[2]Im Folgenden soll betrachtet werden in wie weit diese Aussage berechtigt ist. Die folgende Arbeit untersucht daher die

Möglichkeiten, sowie Folgen und Nutzen für ein deutsches Unternehmen sich Kapi­tal am US-amerikanischen Kapitalmarkt zu beschaffen.

Zunächst werden dabei Grundlagen des US-Kapitalmarktes erläutert. Anschließend werden die Möglichkeiten sondiert, um danach die Folgen und den Nutzen einer Kapitalaufnahme in den USA zu untersuchen. Die Arbeit beschränkt sich dabei auf die Beschaffung von Eigenkapital.

1.3. Grundlagen des US-amerikanischen Kapitalmarktes

Der Finanzmarkt, also der Markt für die Beschaffung von finanziellen Mitteln, lässt sich grundsätzlich in zwei Teilmärkte gliedern. Zum Einen in den Geldmarkt, auf welchem kurzfristiges Kapital angelegt beziehungsweise aufgenommen werden kann. Zum Anderen in den Kapitalmarkt auf dem längerfristiges Kapital gehandelt wird, vor allem verbriefte Finanzprodukte wie Aktien oder Anleihen.[3]

Der US-amerikanische Kapitalmarkt weißt einige Merkmale auf, in denen er sich von dem anderer Länder unterscheidet.

Neben institutionellen Investoren spielen in den USA Privatanleger eine sehr wich­tige Rolle, dies weitaus bedeutender als in Deutschland. Dies ist unter anderem auf die unterschiedliche Ausgestaltung der Altersvorsorge zurückzuführen. In den USA ist hier eine deutlich größere Eigenbeteiligung von Privatpersonen vorgesehen. Diese Tatsache geht auch aus der folgenden Abbildung hervor, in der der prozen­tuale Anteil der Aktionäre an der Bevölkerung gegenübergestellt wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Anteil der Aktionäre an der Gesamtbevölkerung, In Anlehnung an: Presseportal (2006): http://www.presseportal.de/pm/50681/810211/bundesverband_deutscher_banken/, Abruf am 13.05.2010

Ein wichtiges Merkmal des US-Kapitalmarktes ist seine hohe Liquidität. Hierdurch war es für Unternehmen in der Vergangenheit oft leichter auch in schwierigen Zei­ten Kapital aufzunehmen. Deutlich leichter als es beispielsweise in Europa in sol­chen Zeiten der Fall war. Allerdings weißt der US-Kapitalmarkt auch Nachteile auf, hierzu zählt beispielsweise die strenge Überwachung durch die U.S. Securities and Exchange Commission (SEC), die amerikanische Börsenaufsicht. Nach den Skan­dalen um Bilanzmanipulationen, beispielsweise bei Enron, zu Beginn des Jahrtau­sends wurde in den USA der Sarbanes-Oxley Act erlassen. Ein Maßnahmenkata­log der das Vertrauen der Investoren in die Finanzmärkte wieder herstellen sollte. Die Maßnahmen betrafen alle Unternehmen die Zugang zum US-Kapitalmarkt hat­ten oder haben wollten. Für viele Unternehmen war dies mit deutlichen Kostenstei­gerungen verbunden, wodurch der US-Kapitalmarkt vor allem auch bei ausländi­schen Unternehmen an Attraktivität verlor. In den letzten Jahren wurden die Vor­schriften wegen des andauernden Drucks allerdings wieder abgemildert. So ver­kündete die SEC beispielsweise 2007 in Zukunft auch Abschlüsse nach IFRS an­zuerkennen und nicht mehr nur auf US-GAAP Abschlüsse zu bestehen.[4]Neben diesen Aspekten gibt es im Detail noch viele weitere Unterschiede zu euro­päischen Kapitalmärkten beziehungsweise zum deutschen. Wichtig hierbei ist, dass sich Unternehmen diesen Unterschieden, auch in der Mentalität der Investo­ren bewusst sein müssen, bevor Sie sich zu einem Gang auf den US-Kapitalmarkt entscheiden.

2. Eigenkapitalfinanzierungsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen am US-Kapitalmarkt

Unter dem Begriff Eigenkapitalfinanzierung versteht man aus Unternehmenssicht die Beschaffung von Eigenmitteln von Investoren. Der Investor beteiligt sich hierbei am Unternehmen, wird also Eigentümer und übernimmt dabei die sich hieraus er­gebenden Rechte und Risiken.[5]

Am Kapitalmarkt können sich Aktiengesellschaften (AG) oder seltener Kommandit­gesellschaften auf Aktien (KGaA) Eigenkapital durch die Emission von Aktien an einer Wertpapierbörse beschaffen. Aktien verbriefen dabei die Beteiligung am emit­tierenden Unternehmen.[6]

Eine klassische Variante der Beschaffung von Kapital an einer ausländischen Bör­se wäre das Zweitlisting einer separaten Aktiengattung an der jeweiligen Börse. Genutzt werden aktuell allerdings nur die Formen der Global Registered Shares (GRS) und der American Depositary Receipts (ADR). Im Folgenden werden diese beiden Möglichkeiten, mit denen sich deutsche Unternehmen Eigenkapital an einer US-Börse beschaffen beziehungsweise mit der sie an der NYSE gelistet sind, er­läutert. Als Überblick zeigt Abbildung 3 die aktuell in den USA an der NYSE geliste­ten deutschen Unternehmen inklusive der jeweiligen Handelsform, hierbei steht A für ein ADR-Programm und G für Global Registered Share.[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: An der NYSE gelistete deutsche Unternehmen 2010, In Anlehnung an: NYSE Euronext (2010): http://www.nyse.com/pdfs/CurListofallStocks03-31-10.pdf, Abruf am 1 7.05.2010

2.1. Global Registered Shares

Momentan sind an der NYSE zwei deutsche Unternehmen als GRS gelistet. Hierbei handelt es sich um die Daimler AG und die Deutsche Bank AG. Die Daimler AG[8]war 1998 das erste Unternehmen das als GRS, zeitgleich an 21 Märkten[9]weltweit, gelistet wurde. Dies geschah im Zuge der Fusion von Daimler und Chrysler. GRSs sind im Gegensatz zu ADRs direkt die Aktien des Unternehmens und kein Zertifikat hierauf. Durch die Zusammenarbeit der deutschen und der amerikanischen Clearingstelle wur­de dies 1998 zum ersten Mal auch aufgrund des technischen Modernisierung möglich. GRS sind Stammaktien in der Form der Namensaktie die weltweit gehandelt werden können. Durch die Zusammenarbeit der Clearingstellen und der technischen Voraus­setzung ist es weltweit möglich die Eintragung in das Aktienbuch des Unternehmens zu gewährleisten. Dabei wird die Aktie des Unternehmens wie bei Daimler beispielsweise in den USA in US-Dollar und in Deutschland in Euro gehandelt.[10]Abbildung 4 zeigt grafisch die Zusammenarbeit bei dem Listing der Aktie der Daim­lerChrysler AG als weltweit erste GRS.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2. American Depositary Receipts

Eine weitere Möglichkeit, neben dem Listing als GRS bietet sich durch sogenannte American Depositary Receipts. Diese sind Hinterlegungsscheine, die die Rechte von Aktien eines Nicht-US-Unternehmens verbriefen und in den USA anstelle der Aktien des Unternehmens handelbar sind. Sie besitzen den Status eines US- Wertpapieres. Es ist dabei nicht erforderlich direkt die Aktienausgestaltung dem US-Recht anzupassen. ADRs können wie Aktien gehandelt werden. Ein Investor kann Aktien in ADRs tauschen und umgekehrt.[11]

ADR-Programme kann man nach zwei Aspekten einteilen. Zum einen danach ob der Emittent an dem Programm beteiligt ist. Ist er daran beteiligt spricht man von „sponsored" ADRs, beziehungsweise von „unsponsored" ADRs wenn er es nicht ist. Daneben kann man eine Einteilung der „sponsored" ADR-Programme noch Anhand der Publizitätsgrade vornehmen. Es gibt dabei Level I, II und III ADR- Programme, sowie Programme nach Rule 144A.[12]

Bei „sponsored" ADR-Programmen arbeitet der Emittent auf einer vertraglichen Basis mit einer Hinterlegungsstelle, der sogenannten Depositary Bank zusammen. Diese Variante liegt am häufigsten vor, da der Emittent hierbei Einfluss auf das Programm nehmen kann. Wie schon erwähnt gibt es aber auch „unsponsored" ADR-Programme. Hierbei legt eine Depositary Bank ein ADR-Programm auf, ohne dies mit dem Emittenten abzustimmen. Dies ist der Fall wenn das Unternehmen sich nicht an dem Programm beteiligen will, von Investorenseite her aber eine gro­ße Nachfrage nach diesem Wert in den USA besteht. Diese ADRs können aller­dings nur außerbörslich gehandelt werden.[13]

Bei Level I ADR-Programmen unterliegen die Emittenten den geringsten Anforde­rungen. Hier unterliegt man nicht den Vorschriften des Sarbanes-Oxley Acts. Es reicht auch die Offenlegungsverpflichtung des Heimatmarktes aus. Dieses Level wird gerne als Einstieg genutzt. Ein späterer Wechsel in ein höheres Level ist je­derzeit möglich. Desto höher das Level, desto mehr potentielle Investoren erreicht man, da sich ADRs in Level III kaum von US-Wertpapieren unterscheiden, was zum Beispiel Publizitätspflichten betrifft. ADR-Programme nach Rule 144A haben nochmal eine andere Ausprägung als die Level I, II, und III Programme. Hier ist das

Programm individuell ausgestaltbar. Dafür stehen diese dann außerbörslich ge­handelten ADRs nur besonderen professionellen Investoren offen. Dies sind institu­tionelle Investoren wie Banken oder Versicherungsgesellschaften.[13][14]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Übersicht sponsored American Depositary Receipts, In Anlehnung an: Kirchhoff, K. R.; Piwinger, M. (2005):Praxishandbuch Investor Relations: Das Standardwerk der Finanzkommunikation, 1. Auflage, Wiesbaden, S.28

3. Folgen

Neben dem Grund für den Gang an den US-Kapitalmarkt, nämlich die Kapitalauf­nahme, was die verfolgte positive Folge ist, muss ein Unternehmen mit weiteren Folgen rechnen, die hauptsächlich Kosten verursachen. Eine Auswahl solcher Fol­gen wird im Folgenden dargestellt.

Ist ein Unternehmen in den USA gelistet unterliegt es den dortigen Vorschriften und der Überwachung durch die SEC, einer staatlichen Behörde die in der Bundes­hauptstadt Washington (D.C.) angesiedelt ist. Die Hauptaufgaben der SEC sind die Börsenaufsicht und der Erlass von Rechnungslegungsvorschriften.[15]Hierbei ist zu beachten, dass Abschlüsse nach dem deutschen Handelsgesetzbuch in den USA nicht anerkannt werden. Lange Zeit mussten ausländische Unterneh­men nach US-GAAP, den amerikanischen Rechnungslegungsvorschriften, bilanzie­ren. Diese rechtliche Folge wurde allerdings abgemildert, denn die SEC verkündete 2007 in Zukunft auch Abschlüsse nach IFRS anzuerkennen. Da große Unterneh­men in Deutschland in der Regel bereits nach IFRS bilanzieren, da dies für Kon­zernabschlüsse in der Europäischen Union vorgeschrieben ist, ist diese Regelän­derung sehr positiv zu beurteilen.[16]

Die SEC gilt als sehr strenge Aufsichtsbehörde, wie die Schmiergeldskandale von Siemens und Daimler zeigen. Diese Fälle wurden von der SEC untersucht und en­deten mit sehr hohen Strafen für die beiden Unternehmen. Dieses Strenge Vorge­hen schreckt inzwischen viele ausländische Unternehmen ab.[17]Ebenfalls sehr streng sind die Regelungen des bereits an früherer Stelle angespro­chenen Sarbanes-Oxley Acts. Nach einem Artikel des Handelsblattes aus dem Jahr 2003 war die Aufregung unter in den USA gelisteten deutschen Unternehmen bei dessen Einführung sehr groß. Ein Beispiel für eine solche Regelung ist, dass: „Vorstandschef und Finanzvorstand Bilanzen persönlich unterzeichnen - und bei Fälschungen für bis zu 20 Jahre hinter Gitter"[18]müssen.[19]

Ein Unternehmen, welches sich Kapital an einem ausländischen Kapitalmarkt be­sorgen möchte, muss allerdings nicht nur rechtliche Vorschriften beachten, sondern muss sich auch den Besonderheiten des jeweiligen Marktes anpassen.

In den USA wird Anlegerschutz besonders groß geschrieben. Dies ist bedingt durch Vorfälle in der Vergangenheit, wie die bereits an vorheriger Stelle angespro­chenen Manipulationsfälle bei Enron und den hohen Anteil an Privataktionären. Die freiwillige Publizität ist deshalb von besonderer Bedeutung. Der US-Kapitalmarkt fordert unabhängig von rechtlichen Vorschriften einen sehr hohen Transparenz­standard, der wohl deutlich höher als in Deutschland einzuschätzen ist. Alle Infor­mationen zum Unternehmen sollten, beziehungsweise müssen teilweise aus ge­setzlichen Gründen auf Englisch erhältlich sein. Hierzu sollte auch gehören, dass Mitarbeiter von Investor Relations (IR) Abteilungen in der Lage sind Anfragen auf Englisch zu beantworten. Idealerweise platziert das Unternehmen eigene IR- Mitarbeiter vor Ort. Im Prinzip muss sich ein deutsches Unternehmen möglichst gut anpassen um dem Bedarf des US-Kapitalmarktes zu entsprechen und somit Erfolg on zu haben.[20]

Insgesamt sieht man, dass viele Aspekte beachtet werden müssen. Hierzu gehören sowohl rechtliche als auch freiwillige Folgepflichten. Dies ist auch immer mit Kosten verbunden und muss vor einem Eintritt in den US-Kapitalmarkt einer ausführlichen Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen werden.

4. Nutzen

Nach den Folgen eines Listings in den USA wird in diesem Abschnitt der Nutzen der sich hieraus ergibt betrachtet.

Durch ein Listing in den USA erschließt sich das Unternehmen potentielle neue Investoren. Vor allem die zahlreichen US-amerikanischen Pensionsfonds bergen ein großes Investorenpotential. Oft dürfen diese aufgrund ihrer Statuten nicht in Unternehmen investieren, die nicht in den USA gelistet sind. Dann könnte eine deutsche Aktie sehr attraktiv sein, könnte aber dennoch nicht in das Portfolio einer Vielzahl dieser Fonds aufgenommen werden. Ein Listing in den USA erschließt somit eine große finanzstarke Investorengruppe. Die wichtigste und umsatzstärkste Börse bleibt aber in der Regel die Heimatbörse, so begründete die Allianz ihren Rückzug von der NYSE auch wie folgt: „Mehr als 95 Prozent des Handels mit Al­lianz-Aktien finden in Deutschland statt, obwohl rund 70 Prozent der Aktien von ausländischen Investoren gehalten werden. Die Kosten spielten für den Versiche­rungskonzern dagegen eine untergeordnete Rolle: Das Einsparpotenzial ist mit etwa fünf Mio. Euro im Jahr überschaubar."[21]Dennoch kann ein US-Listing für die Gewinnung einer breiteren Aktionärsschicht sinnvoll sein.[22]Der bereits erwähnte Aspekt der hohen Liquidität des US-Kapitalmarktes und die Tatsache des hohen Anteils an Privataktionären können einen Vorteil bringen, da beide Punkte tendenziell dazu dienen die Volatilität des zugrunde liegenden Wertes zu verringern. Nicht zu vergessen ist auch ein möglicher Prestigegewinn und die Verbreiterung der Basis einer möglichen Kapitalaufnahme.[23]

Ein weiterer potentieller Vorteil ist die Verlängerung der Handelszeit durch ein Lis­ting in den USA und in Europa, was für professionelle Investoren eine Bedeutung haben kann. Während in Europa die Börsenplätze schließen, kann der Wert wei­terhin in den USA gehandelt werden. Theoretisch bestünde die Möglichkeit einen Wert weltweit so oft zu listen, dass er zu jeder Zeit handelbar ist. Durch ein zusätz­liches Listing in den USA, neben seiner Heimatbörse, erreicht ein deutsches Unter­nehmen allerdings bereits eine große Erweiterung der Handelszeit und wird somit potentiell auch für mehr Investoren interessant.[24]

Wie man sieht gibt es durchaus Vorteile die ein Listing in den USA mit sich bringt. Allerdings haben diese in den letzten Jahren abgenommen. Im Folgenden soll zu­sammenfassend ein Fazit gezogen werden, in dem auf diesen Punkt näher einge­gangen wird.

5. Fazit

Ein Listing in den USA ist heute relativ einfach möglich. Beispielsweise durch ver­schiedene Stufen von ADR-Programmen kann der Emittent ein Listing in den USA relativ individuell gestalten. Je nachdem muss er mit unterschiedlichen Folgepflich­ten rechnen und hat einen unterschiedlichen Nutzen daraus. Es gibt durchaus Vor­teile die ein Listing in den USA mit sich bringt. Diese haben sich aber in den letzten Jahren verringert. Die internationalen Kapitalmärkte sind heute so eng miteinander verbunden wie nie zuvor. Für US-amerikanische Investoren ist es nur selten ein Problem direkt in Europa in europäische Werte zu investieren. Die Liquidität findet heute auch deswegen trotz eines Zweitlstings meist zu sehr hohen Anteilen weiter­hin an der Heimatbörse statt. Früher brachte ein Zweitlisting in den USA beispiels­weise auch den Vorteil, dass Unternehmen sich dadurch internationaler darstellen konnten, da sie nach amerikanischen Standards bilanzieren mussten und durch die Erfüllung amerikanischer Corporate Governance Anforderungen eine höhere Transparenz ausstrahlten. Diese Vorteile wurden durch Änderungen in den letzten Jahren in Deutschland verringert. So müssen kapitalmarktorientierte deutsche Konzerne nach IFRS bilanzieren und es gibt den Deutschen Corporate Governan­ce Kodex. Dem weiterhin hohen Aufwand und der strengen Überwachung durch die SEC, verstärkt durch den am Anfang des Jahrtausends eingeführten Sarbanes- Oxley Acts, stehen also geringere Vorteile als früher gegenüber. Abgeschreckt wurden deutsche Unternehmen durch die SEC auch durch das harte Vorgehen gegen Siemens und Daimler bei Schmiergeldskandalen. So war in den letzten Jah­ren auch der Trend zu verzeichnen, dass deutsche Unternehmen dem US- Kapitalmarkt, nach dem Boom des Zweitlistings in den 90er Jahren, den Rücken kehrten. Wie in Abbildung 6 zu sehen ist, verringerte sich die Zahl der deutschen Unternehmen mit einer Notierung an der NYSE von 16 auf sechs im Zeitraum von Ende 2003 bis Anfang 2010.[25]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: An der New York Stock Exchange gelistete deutsche Unternehmen 2003 versus 2010, Quel­le: NYSE Euronext (2010): http://www.nyse.com/pdfs/CurListofallStocks03-31-10.pdf , Abruf am: 17.05.2010; NYSE Euronext (2003): http://www.nyse.com/pdfs/03nonUSIssuers.pdf, Abruf am: 17.05.2010

Dennoch kann aus verschiedenen genannten Vorteilen, vor allem für große welt­weit agierende Unternehmen ein Listing in den USA weiterhin von Vorteil sein. Vor einem Eintritt in den US-Kapitalmarkt sollte allerdings stets eine ausführliche Kos- ten-Nutzen-Betrachtung durchgeführt werden.

Literaturverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1]Vgl. Buchholz R. (2004), S. 1

[2] Handelsblatt (2009)

[3]Vgl. Perridon,L. u.a. (2009), S.161

[4]Vgl. Schäfer,H. (2002), S.213 ff; Kirchhoff, K. R.; Piwinger, M. (2009), S.299 f f

[5]Vgl. Schäfer,H. (2002), S.213

[6]Vgl. Perridon,L. u.a. (2009), S.368 ff

[7]Vgl. NYSE Euronext (2010)

[8] Damals als DaimlerChrysler AG

[9]Darunter an der NYSE und der Frankfurter Wertpapierbörse

[10]Vgl. NYSE Euronext (2010); Journal of Corporate Finance (2002), S.1 ff

[11]Vgl. Kirchhoff, K. R.; Piwinger, M. (2009), S.304; Perridon,L. u.a. (2009), S.379 f

[12]Vgl. Kirchhoff, K. R.; Piwinger, M. (2009), S.304

[13]Vgl. Kirchhoff, K. R.; Piwinger, M. (2009), S.305

[14]Vgl. Kirchhoff, K. R.; Piwinger, M. (2005), S.286 ff

[15]Vgl. Buchholz R. (2004), S. 4

[16]Vgl. Kirchhoff, K. R.; Piwinger, M. (2009), S.302 ; Buchholz R. (2004), S. 1 ff

[17]Vgl. Börse.ARD.de (2010)

[18] Mauerer, G. (2003)

[19]Vgl. Mauerer, G. (2003)

[20]Vgl. Kirchhoff, K. R.; Piwinger, M. (2009), S.302 ff

[21] Handelsblatt (2009)

[22]Vgl. Wilhelmi, D. (2007), S. 308

[23] Kirchhoff, K. R.; Piwinger, M. (2009), S.299 ff

[24]Vgl. Fischer, M. (2009)

[25]Vgl. Fischer, M. (2009); NYSE Euronext (2003); NYSE Euronext (2010)

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Zugang zum US-Kapitalmarkt aus Sicht eines deutschen Unternehmens
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V155176
ISBN (eBook)
9783640709182
ISBN (Buch)
9783640709069
Dateigröße
912 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
USA, Kapitalmarkt, US, US-Kapitalmarkt
Arbeit zitieren
Dominik Sailer (Autor), 2010, Zugang zum US-Kapitalmarkt aus Sicht eines deutschen Unternehmens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155176

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