Der Wandel des Weihnachtsfestes

Der Wandel vom christlichen Fest der Nächstenliebe zum Konsumfest


Seminararbeit, 2009
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Definition von Festen
1.1 Charakteristikum des Festlichen
1.2 Bedeutung von Festen

2. Herausbildung des modernen Weihnachtsfestes
2.1 Weihnachten als Familienfest und dessen Privatisierung
2.2 Die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes

3. Das Weihnachtsfest in der heutigen Zeit
3.1 Die religiöse Bedeutung von Weihnachten
3.2 Die familiäre Bedeutung von Weihnachten
3.3 Die wirtschaftliche Bedeutung des Weihnachtsfestes

4. Geschenkezwang und Konsumrausch zum Weihnachtsfest

Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Einleitung

Die vorliegende Hausarbeitet betrachtet den Wandel des Weihnachtsfestes vom christlichen Fest zum Konsumfest und stellt die These auf, dass Weihnachten heutzutage ein kommerzielles Familienfest geworden ist, das seine religiöse Bedeutung weitestgehend verloren hat.

Vom ursprünglichen Fest der Nächstenliebe ist dem Weihnachtsfest kaum noch etwas geblieben. Vielmehr hat es sich zu einem Fest der Geschenke entwickelt. Der Wandel des Weihnachtsfestes zu seiner heutigen Form ist Gegenstand dieser Arbeit und durch die Erläuterung des Begriffs "Fest" und die Merkmale des Festlichen einleitend erläutert. Anschließend werden die wichtigen gesellschaft­lichen Entwicklungen wie Familialisierung, Privatisierung und Kommerzialisierung beschrieben, die zu der modernen Form des Weihnachtsfestes geführt haben. Anschließend wird untersucht, inwieweit die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes fortgeschritten ist. Des Weiteren wird aufgezeigt, wieso Weihnachten heute als ein Familienfest gelten kann und wie stark dieses Familienfest vom Konsum durchzogen ist. Dazu wird auf die Bedeutung von Weihnachten als einem wichtigen Wirtschaftsfaktor eingegangen. Hierbei wird das Schenken als das heutzutage wichtigste weihnachtliche Ritual verstanden und dargelegt, wie es von der Wirtschaft als Mittel zum Zweck der Konsumsteigerung verwendet wird. Abschließend wird auf Gegenbewegungen zur Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes hingewiesen.

1. Definition von Festen

Das Kalenderjahr ist mit vielen Festen durchzogen und wird durch die großen Feste, die oftmals mit gesetzlichen Feiertagen einhergehen, strukturiert. Der Alltag wird auf diese Weise unterbrochen. Ein Leben ohne die regelmäßige Wiederkehr bestimmter Feste wie Ostern, Weihnachten, Silvester usw. erscheint folglich kaum vorstellbar. Feste sind ein wichtiger Bestandteil des Lebens und nehmen einen großen Teil der Freizeit ein. Dabei hat sich die Erscheinungsform vieler Feste gewandelt. Neben den religiösen Festen wie dem Weihnachtsfest, die sich im Laufe der Zeit verändert haben, gibt es heute massenhaft Partys und Happenings, bei denen die Menschen sich selbst und andere Anlässe feiern (vgl. Deile 2004: S. 3).

Sehr unterschiedliche Ereignisse werden also heutzutage als Fest bezeichnet. Was sind jedoch die Gemeinsamkeiten, wodurch all diese Ereignisse zu Festen werden bzw. was sind die Merkmale des Festlichen und worin bestehen die Funktionen von Festen?

1.1 Charakteristikum des Festlichen

Feste sind "universelle Erscheinungen menschlichen Handelns" (Gebhardt 1987: S. 11). Dies besagt, dass Feste etwas ausschließlich und gleichzeitig typisch menschliches darstellen. Nur Menschen feiern Feste und diese Feste und Feiern, gleich in welcher konkreten Form, sind zu allen Zeiten und an allen Orten von Menschen begangen worden und werden garantiert auch in Zukunft begangen. (vgl. ebd: S. 36).

Das Feiern von Festen hat demnach schon immer zum Leben der Menschen dazugehört. Zum Feiern gibt es etliche Anlässe. Während dies bei religiösen Festen, geschichtlichen Feiertagen und Geburtstagen meist das Gedenken an ein wichtiges Ereignis ist, kann es bei Partys und Festivals der Faktor Spaß sein, der den Anlass zum Feiern gibt (vgl. Daxelmüller 1992: S. 13).

Einer der wichtigsten Aspekte des Festlichen ist jedoch seine Unterscheidung vom Alltag. Das Fest steht im Gegensatz zum Alltag und unterbricht ihn für die Dauer der Vorbereitungen und die Zeit des Feierns (vgl. Deile 2004: S.4). Die Regeln des Alltäglichen werden für den Zeitraum des Festes ver­ändert oder gar aufgehoben. Verhaltensweisen, die im täglichen Leben als Regelübertretungen ge­wertet werden würden, sind beim Feiern von Festen erlaubt und meist sogar erwünscht (vgl. Gebhardt 1987: S. 56).

Während etwa im täglichen Leben eher eine gewisse Distanz zu bestimmten Mitmenschen gewahrt wird, kann diese Distanz bei etlichen Festen größtenteils aufgehoben und in Nähe umgewandelt wer­den. Ein treffendes Beispiel hierfür ist das Silvesterfest, wo sich am Jahreswechsel teils wildfremde Menschen umarmen und sich ein "Frohes Neues Jahr" wünschen. Was im Alltag als Normüber­schreitung gelten würde, kann beim Fest auf Akzeptanz oder Wohlwollen stoßen.

Weitere Merkmale des Festlichen sind Essen, Trinken, Musik und Kleidung. Zu den meisten Fest­tagen, wie Weihnachten, gehört ein Festmahl. Es gilt besonders ausgewählte und zubereitete, meist traditionelle, Speisen in großer Fülle zu servieren, zu denen auch oft Alkohol in größeren Mengen gereicht wird (vgl. ebd.: S. 55). Auch die Kleidung unterscheidet sich häufig von der alltäglichen, was besonders beim Karneval eine große Rolle spielt. Es muss aber nicht gleich die totale Veränderung sein. Bei etlichen Anlässen ist die Kleidung einfach nur schicker als sonst, womit der festliche Cha­rakter unterstrichen werden soll. Musik ist ebenfalls bestens dazu geeignet, den Charakter eines Festes zu bestimmen oder zumindest zu unterstreichen. Sie kann zum ausgelassenen Tanz auffordern oder als Begleitmusik ein festliches Ambiente schaffen. Essen, Trinken, Musik und Kleidung tragen somit dazu bei, dem Festtag eine besondere äußere Form zu geben, die ihn vom Alltag abhebt. Das Fest ist somit eine Überhöhung des Alltags, eine Zeit, in der all die Bedeutungsgehalte vergegenwärtigt wer­den, die in den Routinen des Alltags keinen Platz haben (vgl. Deile, 2004: S. 9).

1.2 Bedeutung von Festen

Wenn Feste also den Alltag unterbrechen und sich durch einen besonderen Charakter auszeichnen, welche Funktionen haben sie dadurch für den Menschen? Eine davon ist die soziale Funktion der Ver­gemeinschaftung. Für diese Gemeinschaft haben sie eine sinnstiftende und handlungsbestimmende Funktion. Während Feste einerseits die Gemeinschaft der Feiernden stärken, grenzen sie andererseits gleichzeitig aus. Diejenigen, die nicht Teil einer bestimmten Festkultur sind oder nicht sein wollen, werden von den Feiernden zumindest indirekt ausgegrenzt. Ein Beispiel hierfür wären die nicht christ­lichen Glaubensgemeinschaften zu Weihnachten. Dabei bleibt es zwar jedem selbst überlassen, ob er das Weihnachtsfest feiern möchte - einfach ignorieren lässt es sich allerdings nicht. Gerade auch von Menschen ohne Familie kann das Weihnachtsfest als ausgrenzend empfunden werden (vgl. Deile 2004: S. 8).

Eine weitere Funktion von Festen ist die der Regeneration. Feste stellen eine Abwechslung zum Alltag dar, eine Zeit, in der die Menschen sich vom Alltag erholen können. "Das Fest hilft den Alltag zu bewältigen, indem es ihn aufhebt" (Gebhardt 1987: S. 53). Es entlastet den Menschen für eine gewisse Zeit von den Zwängen des alltäglichen Lebens und hilft ihm so, sich zu erholen. Durch das Fest als eine "Erhöhung des Lebens auf kurze Zeit" (Schultz 1988: S. 10) kann der Mensch seinem Alltag für eine gewisse Zeit entkommen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Feste für das Wohlbefinden des Individuums, die Gemeinschaft und die Instandhaltung der Gesellschaft von sehr großer Bedeutung sind und dass durch die regel­mäßige Unterbrechung des Alltags mit Festen auch die Bewältigung des Alltäglichen stattfindet.

2. Herausbildung des modernen Weihnachtsfestes

Obwohl das Weihnachtsfest einem über 2000 Jahre zurück liegendem Ereignis gedenkt, wird bei der Betrachtung der Geschichte von Weihnachten deutlich, dass sich das moderne Weihnachtsfest in der Form, wie es heute gefeiert wird, erst im 19. Jahrhundert herausbildete.

Was führte zu der Entstehung des modernen Weihnachtens und welches waren entscheidende gesell­schaftliche Entwicklungen, die Weihnachten zu einem kommerziellen Familienfest werden ließen?

2.1 Weihnachten als Familienfest und dessen Privatisierung

Viele und einschneidende gesellschaftliche Veränderungen während des 19. Jahrhunderts führten zur Herausbildung der heutigen Form des Weihnachtsfestes als Familienfest. Durch die Entstehung der Industriegesellschaft und den Strukturwandel der Familie hin zur privaten bürgerlichen Kleinfamilie veränderte sich auch die Ausrichtung des Weihnachtsfestes(vgl. Geißler 2002: S. 42ff.). Mit der Tren­nung von Wohn- und Arbeitsstätte trat an die Stelle der "wirtschaftenden Familie" (Geißler 2002: S. 44), die eine Produktionsgemeinschaft war, die bürgerliche Familie, die fortan "eine Gemeinschaft für Erziehung, Konsum, Freizeit und Entspannung" (ebd. S. 45) darstellte. Von diesem Zeitpunkt an spielte sich das Familienleben weitgehend im privaten Bereich ab und damit einhergehend erhielt auch das Weihnachtsfest seinen festen Platz im Mittelpunkt der Familie. Der Gottesdienst wurde ge­wöhnlich gemeinsam besucht und der Weihnachtsabend wurde im Kreise der Familie verbracht (vgl. Brückner 2006: S. 39). Festmahl, Weihnachtslieder und vor allem die Bescherung für die Kinder ge­wannen an Bedeutung. Generell rückten Kinder in den Mittelpunkt des Weihnachtsfestes und viele der sich entwickelnden bürgerlich familiären Weihnachtsbräuche waren auf Kinder ausgerichtet. Hierzu gehört beispielsweise das Abschließen des Wohnzimmers bis zum Weihnachtsabend, in das die Kinder erst zur Bescherung wieder eintreten durften, um durch Geheimnis und Überraschung die Spannung zu steigern (vgl. Brückner 2006: S. 39f.). Diese Art des Weihnachtsfestes beschränkte sich jedoch zunächst auf die wohlhabenderen Familien. Für ärmere soziale Schichten war an ein Familienfest unter dem Tannenbaum mit vielen Geschenken noch nicht zu denken (vgl. ebd.: S. 35).

2.2 Die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes

Wie schon angeführt, begann sich die großstädtische Gesellschaft zum Ende des 19. Jahrhunderts zur Konsumgesellschaft zu entwickeln. Dies hatte auch Auswirkungen auf das Weihnachtsfest. Wurden die Geschenke bis dahin vorwiegend auf Weihnachtsmärkten gekauft (vgl. Weber-Kellermann, 1978, S. 70), so konzentrierten sich die Weihnachtseinkäufe nun zunehmend auch auf die neu entstandenen Warenhäuser. Mit den Jahren wurde mehr und mehr geschenkt und Kinder erhielten viele verschie­dene Varianten von Spielsachen. Besonders im Bürgertum wurde das Sozialprestige zu einem der Hauptmotive des Schenkens an Weihnachten (vgl. ebd.: S. 89). Seither ist das Schenken einer der Hauptbestandteile von Weihnachten.

Wie sehr das Schenkverhalten damals schon dem heutigen ähnelte, zeigt ein Zitat aus dem Jahre 1888: "[...] In die selige Gebestimmung drängen sich auch wieder die alten Sorgen: Was schenken wir unse­ren Freunden? Wie bewältigen wir am besten die Pflichtgeschenke, denen wir uns nicht entziehen können? [...] Wir atmen erleichtert auf, wenn wir das Kapitel erledigt haben. Es gibt Kreise, in denen das Schenken schon eine Art unangenehmen Geschäftes geworden ist. Immer größer wird die Anzahl derer, die man beschenken muss." (vgl. Weber-Kellermann 1978: S. 75).

In diesem Zitat über das weihnachtliche Schenken kommen Wörter wie "Pflicht", "Geschäft" und "müssen" vor. Mit dem freiwilligen Geben als Zeichen der Nächstenliebe scheint das wenig zu tun zu haben. Es zeigt sich eher eine Art von Geschenkezwang, dem man sich nicht entziehen kann. Das Schenken wurde mit der Zeit zum wichtigsten Bestandteil des Weihnachtsfestes und die Bescherung zum Höhepunkt der Weihnachtsfeiertage. Das Ritual des Schenkens nahm mit dem Wirtschaftswunder in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts und der damit einhergehenden Ausbreitung des Wohlstandes neue Dimensionen an. Die Kaufkraft der Deutschen verbesserte sich und es konnte somit auch mehr Geld für Weihnachten ausgegeben werden. Indem das Schenken an Bedeutung gewann, wurde auch das Weihnachtsfest als solches immer beliebter. Seitdem hat der Weihnachtskonsum stetig zugenommen. Die Kommerzialisierung von Weihnachten wurde durch verbesserte Produktionstechniken zusätzlich vorangetrieben, weil dadurch viele Weihnachtswaren für den Großteil der Bevölkerung erst bezahlbar wurden. Somit hat die Kommerzialisierung das Weihnachtsfest letztlich auch populärer gemacht, wenn auch nicht in seiner ursprünglichen Form.

3. Das Weihnachtsfest in der heutigen Zeit

Nachdem die Entwicklung von Weihnachten zu einem familiären Geschenkefest geschildert wurde, richtet sich nun der Blick auf das Weihnachtsfest der heutigen Zeit und auf die Frage, worin heute die Bedeutung von Weihnachten liegt. Anhand der beschriebenen Entwicklungen wurde deutlich, dass sich das Fest in Richtung Konsum und Familie entwickelt hat. Inwieweit ist dabei die religiöse Be­deutung des Festes verloren gegangen und warum wird Weihnachten auch heute noch im Kreise der Familie gefeiert? Inwiefern spielt der Konsum dabei eine Rolle und welche Bedeutung hat das Schen­ken in diesem Zusammenhang?

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Wandel des Weihnachtsfestes
Untertitel
Der Wandel vom christlichen Fest der Nächstenliebe zum Konsumfest
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Europäische Konumgeschihte
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V155179
ISBN (eBook)
9783640676668
ISBN (Buch)
9783640856916
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wandel, Weihnachtsfestes, Konsum, Konsumgeschichte, Kulturwissenschaften, Europa, Geschichte
Arbeit zitieren
Sebastian Schmelzer (Autor), 2009, Der Wandel des Weihnachtsfestes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155179

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Wandel des Weihnachtsfestes


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden