Inhaltsanalyse über die Berichterstattung der überregionalen Tageszeitungen vom 24. Mai 2002 in bezug auf den Besuch von George W. Bush in Berlin


Hausarbeit, 2002
26 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Planungsphase
1.1 Problemstellung
1.2 Hypothesenbildung
1.3 Auswahl des Untersuchungsmaterials

2. Entwicklungsphase
2.1 Theoriegeleitete Kategorienbildung
2.2 Empiriegeleitete Kategorienbildung

3. Testphase
3.1. Probecodierung
3.2. Codiererschulung
3.3. Reliabilitätsprüfung
3.4. Validitätsprüfung

4. Anwendungsphase

5. Auswertungsphase

Literaturverzeichnis

Anhang
Hypothesenkatalog
Codebuch
Codierbogen

0. Einleitung

Die Inhaltsanalyse ist eine empirische Methode der klassischen Kommunikations- und Medienforschung, die sich mit der systematischen Erhebung und Auswertung von Texten, Filmen und Bildern auseinandersetzt. Dieses Verfahren dient jedoch nicht ausschließlich zur Datenerhebung, sondern schließt auch Aspekte der Auswertung und der Analyse von Daten ein. Überdies beschränkt sich die Inhaltsanalyse nicht nur auf den „Inhalt“ von beispielsweise Texten, sondern sie richtet ihre Aufmerksamkeit auch auf formale Merkmale wie z.B. Satzlänge oder Anzahl der Adjektive in einem Satz. Dabei muss sich die Inhaltsanalyse an die wissenschaftlichen Kriterien der Objektivität, der Systematik und der Reliabilität halten, um Intersubjektivität gewährleisten zu können.

Diese Hausarbeit widmet sich der Methode der Inhaltsanalyse anhand einer exemplarischen Studie, welche von unserer Arbeitsgruppe gemeinsam entwickelt wurde.

Dabei wird die Arbeit durch die einzelnen Schritte einer Inhaltsanalyse gegliedert und in jedem Gliederungspunkt wird zunächst die allgemeine Bedeutung, Funktion und Arbeitsweise der Arbeitsschritte vorgestellt, um sie anschließend an unserem Projekt zu veranschaulichen.

1. Planungsphase

1.1 Problemstellung

Voraussetzung für jede inhaltsanalytische Untersuchung ist, dass sich der Forscher eine bestimmte Frage stellt und etwas in Erfahrung bringen möchte. Das ist die Grundlage, um zunächst das Untersuchungsziel festzulegen. Zu diesem Zweck fasst der Forscher all seine Ideen und Fragen zu einem Problem zusammen, um dieses dann als offene Generalhypothese bzw. als Forschungsfrage seiner Untersuchung zu formulieren.

Unsere Untersuchungsgrundlage bildet der Besuch des US-Präsidenten George W. Bush in Berlin im Mai 2002, da dies ein Ereignis von großer politischer Bedeutung und allgemeinem Interesse war. Noch dazu war es zu Beginn unserer Gruppenarbeit brandaktuell. Besonders interessierte uns dabei die jeweilige Berichterstattung der überregionalen deutschen Tageszeitungen in bezug auf dieses Ereignis und so stellten wir folgende Forschungsfrage auf:

„Unterscheidet sich die Berichterstattung deutscher überregionaler Tageszeitungen vom 24. Mai 2002 in bezug auf den Besuch des amerikanischen Präsidenten George W. Bush in Berlin ?“

1.2 Hypothesenbildung

Da die Forschungsfrage, die in der Planungsphase erarbeitet wurde, für eine genauere Untersuchung zu allgemein formuliert ist, muss sie in einem zweiten Schritt untergliedert und spezialisiert werden. Hierfür werden aus der Generalhypothese weitere Hypothesen abgeleitet, welche konkrete Aspekte der Problemstellung enthalten und empirisch prüfbare Motive und Ziele explizit darstellen.

Durch die Ableitung weiterer Hypothesen legt der Forscher individuell fest, welche genaueren Teilaspekte seiner Problemstellung er untersuchen will. „Wichtig ist nur, dass er diese Vermutungen und theoretischen Vorüberlegungen offen legt, indem er seine Hypothesen damit begründet.“[1]

Die Hypothesenbildung ist zunächst lediglich theoriegeleitet und deshalb noch nicht abgeschlossen, denn im weiteren Untersuchungsverlauf können durch empiriegeleitete Schritte weitere Hypothesen aufgestellt werden.

Wir haben beispielsweise folgende Hypothesen abgeleitet:

H 1: Die überregionalen deutschen Tageszeitungen vom 24. Mai 2002 unterscheiden sich hinsichtlich des Umfangs ihrer Berichterstattung über den Besuch des amerikanischen Präsidenten George W. Bush in Berlin.

Diese erste Hypothese haben wir aufgestellt, da uns interessierte, wie intensiv und in welchem Umfang sich die einzelnen Tageszeitungen mit dem Thema „Bush-Besuch in Berlin“ auseinandergesetzt haben.

Weiterhin haben wir angenommen, dass sich die Zeitungen im Einsatz und der Verwendung von veranschaulichendem Bildmaterial unterscheiden und um dies zu untersuchen, haben wir Hypothese H2 aufgestellt:

H 2: Es gibt Unterschiede in der Verwendung von Bildmaterial.

In einer dritten Hypothese behaupten wir, dass die einzelnen Tageszeitungen für ihre Berichterstattung über den Bush-Besuch unterschiedliche journalistische Stilformen wählen.

H 3: Die Tageszeitungen verwenden für ihre Berichterstattung unterschiedliche journalistische Stilformen.

1.3 Auswahl des Untersuchungsmaterials

Für die Auswahl des Untersuchungsmaterials muss zunächst die Grundgesamtheit festgelegt und gegebenenfalls eine Stichprobe bestimmt werden, wobei man sich am Untersuchungsziel und den Hypothesen orientiert. Eine „repräsentative Stichprobe“ zieht man dann, wenn die festgelegte Grundgesamtheit zu umfangreich ist. Als nächstes werden die Analysezeiträume und die Analyseeinheiten bestimmt.

Bei unserer Untersuchung haben wir als Grundgesamtheit die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Tageszeitung, die Süddeutsche Zeitung, das neue Deutschland, die Welt und die BILD-Zeitung festgelegt.

Die Festlegung des Untersuchungszeitraums erwies sich zunächst als schwierig, da die Medien schon weit vor Bushs Besuch am 23./24. Mai in Berlin über dieses Ereignis berichteten und über mögliche Folgen spekulierten, was für unsere Untersuchung jedoch nicht von Bedeutung war. Deshalb haben wir uns letztendlich für den 24. Mai entschieden, da an diesem Tag bereits erste Hintergründe und mögliche Folgen des Bush-Besuchs in der Presse veröffentlicht wurden. Als Analyse- und Kontexteinheit legten wir den einzelnen Artikel fest.

2. Entwicklungsphase

Das Hauptziel der Entwicklungsphase ist die Untersuchung der qualitativen Ebene der Hypothesen, um diese dann in quantitativ messbare Kategorien umzusetzen. Der Forscher entwickelt nun in zwei Schritten ein Kategoriensystem, welches das Kernstück jeder Inhaltsanalyse darstellt. Bei diesen zwei Schritten handelt es sich um die theoriegeleitete und die empiriegeleitete Kategorienbildung.

Neben dem Entwurf des Kategoriensystems müssen der Kategorientypus und das Skalenniveau jeder Kategorie festgelegt werden.

2.1 Theoriegeleitete Kategorienbildung

Während die Forschungsfrage einen Bedeutungskomplex darstellt, sind die einzelnen Bedeutungselemente als Dimensionen in den Hypothesen enthalten. Bei der dimensionalen Analyse der bedeutungstragenden Elemente, die für die jeweilige Untersuchung von Interesse sind, werden die theoretischen Konstrukte herausgegriffen und anschließend definiert. Die so entstandenen Hauptkategorien gliedern den zu untersuchenden Forschungsgegenstand, um inhaltliche Teilaspekte zu identifizieren und zu klassifizieren. Von den Hauptkategorien können nun weitere Subkategorien abgeleitet und somit ein hierarchisch aufgebautes System von Kategorien entwickelt werden. Dabei ist zu beachten, dass die einzelnen Kategorien disjunkt, erschöpfend und präzise sein müssen, d.h. die Kategorien dürfen sich nicht überlappen, sämtliche Analyseeinheiten müssen eindeutig einer Kategorie zugeordnet werden können und die Zuordnung muss präzise festgelegt werden.

Durch die Kategorienbildung ist es nun möglich, nur die hinsichtlich des Forschungsthemas relevanten Aspekte zu betrachten und alle irrelevanten Elemente auszuschließen.

Bei der dimensionalen Analyse unserer Hypothesen ergaben sich zunächst folgende Konstrukte:

H1: Umfang, Zahl der Artikel

H2: Bildmaterial

H3: journalistische Darstellungsform (Nachricht, Reportage,...)

H4: subjektive Wertung (des Autors)

H5: politische Tendenz

H6: Sprachstil

„Die aus den Hypothesen extrahierten und in ihrer Grundbedeutung oder inhaltlichen Zielrichtung umschriebenen theoretischen Konstrukte bilden den unverzichtbaren Kern des Kategoriensystems in Gestalt der Hauptkategorien.“[2] Allerdings ist die Entwicklung der Kategorien an dieser Stelle noch nicht abgeschlossen, da das Kategoriensystem während der empirischen Kategorienbildung noch weiter ausgebaut und vervollständigt werden kann. Jedoch sollte es in seiner Grundeinheit nicht mehr verändert werden, da man sonst die Angemessenheit des Verfahrens gefährden würde.

Beispielhaft soll nun die Kategorie „journalistische Stilform“ dargestellt werden.

Ein Teilaspekt unserer Forschungsfrage und eine unserer Hauptkategorien bilden die unterschiedlichen journalistischen Darstellungsformen der Berichterstattung. Somit konnten wir aus der Hypothese H3 die folgenden Konstrukte ableiten: Nachricht, Reportage, Bericht, Umfrage, Glosse, Leitartikel, Rede, Auszug aus einer Rede, Interview, Kommentar, Leserbrief und Porträt.

Dabei definierten wir die theoretischen Konstrukte zunächst wie folgt in Stichpunkten:

Journalistische Stilform: Vielzahl an möglichen Ausdrucksformen für einen Artikel

Nachricht: Mitteilung eines allgemein interessierenden, aktuellen Sachverhalts, bestimmter formaler Aufbau, Kriterien: Aktualität, Verständlichkeit und Objektivität

Reportage: journalistische Berichterstattung über ein Ereignis, sachliche, wahrheits-gehtreue Schilderung, dokumentarischer Charakter

Bericht: ähnelt der Nachricht, berücksichtigt auch Zusammenhänge, Vorgeschichte, Hintergründe des jeweiligen Themas

Umfrage: holt Auskünfte, Absichten und vorherrschende Meinungen ein

Glosse: Meinung eines Journalisten, politische oder gesellschaftliche Themen

Leitartikel: Standpunkt einer Zeitung zu zeitaktuellen Themen

Rede: Monolog vor einem Publikum, hier: Form der politischen Rede

Auszug aus einer Rede: Wortwörtliche o. sinngemäße Übernahme von Teilen einer Rede

Interview: gezielte Befragung einer Person

Kommentar: unabhängige Interpretation, Erklärung und Erläuterung von Tagesereignissen, Zeitströmungen und politischen Entwicklungen

Leserbrief: Meinungsäußerung eines Lesers zum Ereignis

Porträt: schriftliche Darstellung/Beschreibung einer am Ereignis partizipierenden Person

Als Kategorientyp entschieden wir uns hier für den Faktentyp und als Skalenniveau für eine Nominalskala.

2.2 Empiriegeleitete Kategorienbildung

In der sich nun anschließenden empiriegeleiteten Kategorienbildung wird der Bezug zum Objekt hergestellt und die theoriegeleitete Kategorienbildung mit dem Untersuchungsmaterial konfrontiert. Die Hauptziele dieser Phase sind die Ausdifferenzierung sowie Ergänzung der Hauptkategorien und die gezieltere Anwendung ihrer Definitionen auf das Untersuchungsobjekt. Anhand einer Stichprobe des Untersuchungsmaterials sollen die theoretischen Überlegungen nun geprüft und vervollständigt werden. Hierbei muss weiterhin nach Indikatoren und Messvorschriften für die einzelnen Kategorien gesucht werden.

Das Ergebnis der empiriegeleiteten Kategorienbildung sind die Kategoriendefinitionen und die Bestimmung der Codierregeln. Die endgültigen Kategoriendefinitionen legen die Indikatoren und Messvorschriften fest, nach denen das Material zu untersuchen ist, wobei die Indikatoren ebenfalls exklusiv, trennscharf und vollständig sein müssen. Die Codierregeln hingegen sollen gewährleisten, dass jeder Codierer das Untersuchungsmaterial nach genau gleichen Regeln analysiert, wobei die Codierregeln aus allgemeinen Codieranweisungen und der Bestimmung der Analyse- bzw. Codiereinheiten bestehen.

[...]


[1] Früh, S.135.

[2] Früh, S.144.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Inhaltsanalyse über die Berichterstattung der überregionalen Tageszeitungen vom 24. Mai 2002 in bezug auf den Besuch von George W. Bush in Berlin
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften)
Veranstaltung
Inhaltsanalyse
Note
2,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
26
Katalognummer
V15524
ISBN (eBook)
9783638206075
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inhaltsanalyse, Berichterstattung, Tageszeitungen, Besuch, George, Bush, Berlin
Arbeit zitieren
Maja Roseck (Autor), 2002, Inhaltsanalyse über die Berichterstattung der überregionalen Tageszeitungen vom 24. Mai 2002 in bezug auf den Besuch von George W. Bush in Berlin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15524

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