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Mobbingintervention in der Grundschule. Eine Analyse ausgewählter Programme

Title: Mobbingintervention in der Grundschule. Eine Analyse ausgewählter Programme

Bachelor Thesis , 2023 , 61 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Emily Gampoura (Author)

Pedagogy - Nursery Pedagogy, Early Childhood Education
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Summary Excerpt Details

Das Interesse dieser Arbeit zeigt sich darin, dass Lehrerinnen und Lehrer dem Phänomen Mobbing oft ratlos gegenüberstehen. Angehenden und bereits tätigen Lehrkräften fehlt deshalb oftmals das nötige Repertoire an Handlungsmöglichkeiten und sogar die Kenntnis über die Charakteristika von Mobbing. Als Folge dessen werden Situationen oft falsch eingeschätzt und Maßnahmen zur Prävention und Intervention zu spät wirksam gemacht. Die Arbeit verfolgt daher das Ziel, ein Grundwissen über das Phänomen Mobbing zu schaffen. Ferner wird aus dem breiten Gefüge der Interventionsprogramme der No Blame Approach in seiner praktischen Anwendbarkeit näher analysiert, um sich der Frage zu stellen, ob sich das Programm für den Einsatz zur Bewältigung der Mobbingfälle in der Primarstufe eignet und auf welche Chancen und Grenzen bei der Programmdurchführung gestoßen werden könnte.

Im Sinne eine Handlungsanleitung teilt sich die Arbeit in zwei Teile auf: Zunächst erfolgt eine theoretische Einführung durch die terminologische Abgrenzung des Mobbings zum klassischen Konflikt und zur Gewalt. Vor diesem Hintergrund soll die Berücksichtigung der Kernmerkmale wie auch die Betrachtung unterschiedlicher Erscheinungsformen und Rollenverteilung im Mobbingprozess eine grundlegende Charakterisierung des Phänomens ermöglichen. Daran anschließend werden die Entstehung und Folgen von Mobbing im Kontext risikoerhöhender Faktoren visiert, um die Relevanz der Prävention und Intervention im darauffolgenden Teil zu unterstreichen. Auf dem Wissen der vorangegangenen Kapitel aufbauend, wird schließlich der No Blame Approach im Speziellen vorgestellt und anschließend kritisch analysiert, um Möglichkeiten seiner Implementierung an Grundschulen zu untersuchen. Die Arbeit schließt mit einer Schlussbetrachtung ab, die alle wichtigen vorangegangenen Erkenntnisse zusammenfasst und einen Ausblick für künftige Mobbingprävention und -intervention mittels ausgewählter Programme wie auch Impulse für weitere Forschungsfragen gibt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Motivation der Arbeit

1.2 Aufbau der Arbeit

2 Mobbing als eine besondere Form von Gewalt

2.1 Definitorische Annäherung an das Phänomen Mobbing

2.1.1 Abgrenzung zu anderen Gewaltformen

2.2 Kernmerkmale des Schülermobbings

2.3 Zusammenfassung

3 Charakteristika des Mobbingprozesses

3.1 Erscheinungsformen der Mobbinghandlungen

3.1.1 Exkurs: Cyber-Mobbing im Unterschied zum klassischen Mobbing

3.2 Persönlichkeitsmerkmale von Opfern und Tätern

3.2.1 Die Opferrolle

3.2.2 Die Täterrolle

3.3 Mobbing als Gruppenphänomen

3.4 Zusammenfassung

4 Hintergründe und Folgen von Mobbing

4.1 Phasen des Mobbings

4.2 Auswirkungen von Mobbing

4.2.1 Folgeschäden für Betroffene

4.2.2 Folgen für Mobber

4.2.3 Folgen für das Klassenklima

4.3 Zusammenfassung

5 Prävention und Intervention bei Mobbing

5.1 Terminologische Klärung des Begriffs Prävention

5.1.1 Allgemeine Maßnahmen auf Schulebene

5.1.2 Allgemeine Maßnahmen auf Klassenebene

5.1.3 Allgemeine Maßnahmen auf Schülerebene

5.2 Terminologie der Intervention und ihre Formen

5.2.1 Formen intervenierender Ansätze

5.3 Zusammenfassung

6 Schulische Interventionsprogramme am Beispiel des No Blame Approach

6.1 Steckbrief

6.1.1 Hintergründe des Ansatzes

6.1.2 Hauptprinzipien und Grundhaltungen des No Blame Approach

6.2 Voraussetzungen und Hinweise für die erfolgreiche Anwendung

6.3 Die drei Schritte des No Blame Approach

6.3.1 Screening: Prüfung der Vorfälle auf Mobbingcharakteristika

6.3.2 Schritt 1: Gespräch mit Mobbing-Betroffenem

6.3.3 Schritt 2: Gespräch mit der Unterstützungsgruppe

6.3.4 Schritt 3: Nachgespräche

6.3.5 Nachsorge

6.4 Zusammenfassung

7 Kritische Betrachtung des No Blame Approach in Hinblick auf den Einsatz im Primarbereich

7.1 Chancen des Programms

7.2 Grenzen des Programms

7.2.1 Organisatorische Herausforderungen

7.2.2 Unklarheit in der Nachhaltigkeit der Wirkungsbelege

7.2.3 Cyber-Mobbing als unberücksichtigte Gefahr

7.2.4 Grenzen des Opferschutzes

7.3 Exkurs: Arbeit auf individueller Ebene am Beispiel der ABC-Methode

7.3.1 Steckbrief

6.4.1 Hintergründe des Ansatzes

7.3.2 Hauptprinzipien und Grundhaltungen der ABC-Methode

7.3.3 Voraussetzungen und Hinweise für die erfolgreiche Anwendung

7.3.4 Die vier Schritte der ABC-Methode

7.4 Zusammenfassung

8 Conclusio und Ausblick

8.1 Zusammenfassung der bisherigen Erkenntnisse

8.2 Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, grundlegendes Wissen über das Phänomen Mobbing im schulischen Kontext zu vermitteln, um Lehrkräften Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Dabei wird insbesondere der "No Blame Approach" als Interventionsprogramm analysiert, um dessen praktische Anwendbarkeit, Chancen und Grenzen in der Primarstufe zu bewerten sowie mögliche Ergänzungen durch individuelle Betreuungsansätze wie die ABC-Methode zu diskutieren.

  • Charakterisierung von Mobbing als systematisches Gruppenphänomen im schulischen Alltag.
  • Analyse der Dynamiken, Rollenverteilungen und psychologischen Auswirkungen auf Opfer, Täter und die Klassengemeinschaft.
  • Detaillierte Untersuchung des "No Blame Approach" hinsichtlich Durchführung, Wirkungsweise und Erfolgspotenzial.
  • Kritische Reflexion der Implementierung von Interventionsprogrammen unter Berücksichtigung von Faktoren wie Cyber-Mobbing und Opferschutz.
  • Erweiterung des Interventionsspektrums durch die Vorstellung individueller Coaching-Ansätze für betroffene Kinder.

Auszug aus dem Buch

6.1.1 Hintergründe des Ansatzes

Der Ansatz wurde Anfang der neunziger Jahre in England von Barbara Maines und George Robinson entwickelt und 1991 erstmalig in seiner „Rohfassung“ erprobt. Die Grundlage für die Konzipierung des Programms stammte direkt aus Maines´ und Robinsons pädagogischem Repertoire, welches sie in ihren Praxiserfahrungen mit verhaltensauffälligen Schülern gesammelt hatten. Daraus ging hervor, dass die Lösung von Problemlagen effektiver gelang, wenn sich auf die lösungsorientierte Behebung derer konzentriert wurde statt auf die defizitorientierte Schuldzuweisung und Verhängung von Strafen. Trotz seiner nachgewiesenen Wirksamkeit und seiner steigenden medialen Popularität innerhalb Großbritanniens erfuhr der Ansatz einige Kritik und Ablehnung. Grund dafür waren Zweifel an dessen Grundsätzen, insbesondere an seinem Verzicht auf Schuldzuweisung und Sanktionen. Dieser Umstand stoppte jedoch nicht das Interesse vieler Pädagogen und Pädagoginnen daran, sich selbst von der Wirksamkeit des No Blame Approach zu überzeugen. Während sich der Ansatz über die Grenzen Großbritanniens hinaus auch in weiteren europäischen Ländern etablierte, wurde er Anfang der 2000er von Christopher Szaday für den deutschsprachigen Raum, vor allem für die Schweiz, aufgegriffen. Heike Blum und Detlef Beck waren federführend dafür, dass die Methode auch in Deutschland verbreitet und weiterentwickelt wurde: Gefördert durch die Stiftung Aktion Mensch realisierten Blum und Beck in den Jahren zwischen 2006 und 2008 wie auch 2011 und 2013 die bundesweite Verbreitung und Evaluation des Ansatzes. Im Rahmen dieser Arbeit schulten sie bis 2016 ca. 20.000 Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter, Schulpsychologen, Mitarbeiter der Kinder- und Jugendarbeit, der Gewaltprävention sowie der Polizei in den theoretischen Grundlagen und in der praktischen Durchführung der Methode. Die breit angelegte Evaluation aus dem Jahr 2008 bestätigt die Erfolgsquote des No Blame Approach, die sich nach eigenen Angaben auf über 85% beläuft (vgl. Blum/Beck 2010, S. 58f).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz des Mobbingphänomens an Schulen und definiert das Ziel der Arbeit, ein Grundverständnis für Mobbing zu schaffen sowie den "No Blame Approach" auf seine praktische Eignung in der Primarstufe zu prüfen.

2 Mobbing als eine besondere Form von Gewalt: Dieses Kapitel nimmt eine terminologische Abgrenzung von Mobbing zu Konflikten und allgemeiner Gewalt vor und stellt die konstitutiven Kernmerkmale des schulischen Mobbings heraus.

3 Charakteristika des Mobbingprozesses: Das Kapitel analysiert die verschiedenen Erscheinungsformen von Mobbing, identifiziert spezifische Persönlichkeitsmerkmale der Beteiligten und legt dar, warum Mobbing als komplexes, gruppendynamisches Phänomen zu betrachten ist.

4 Hintergründe und Folgen von Mobbing: Basierend auf den Phasen des Mobbingprozesses werden die tiefgreifenden Auswirkungen auf die Opfer (Folgeschäden), Täter sowie auf das soziale Klima der gesamten Klassengemeinschaft detailliert untersucht.

5 Prävention und Intervention bei Mobbing: Es erfolgt eine theoretische Einordnung von Präventions- und Interventionskonzepten, wobei die unterschiedlichen Ebenen (Schule, Klasse, Individuum) und pädagogischen Handlungsstrategien aufgezeigt werden.

6 Schulische Interventionsprogramme am Beispiel des No Blame Approach: Dieses zentrale Kapitel stellt den "No Blame Approach" als lösungsorientiertes Programm intensiv vor, erläutert die Anwendungsprinzipien, die einzelnen Schritte sowie die Rolle der Lehrkraft und der Unterstützungsgruppe.

7 Kritische Betrachtung des No Blame Approach in Hinblick auf den Einsatz im Primarbereich: Das Kapitel reflektiert kritisch Chancen und Grenzen des "No Blame Approach", diskutiert die Problematik von Cyber-Mobbing sowie unklarer Wirksamkeitsbelege und stellt ergänzend die ABC-Methode als individuellen Coaching-Ansatz vor.

8 Conclusio und Ausblick: Die Arbeit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen, betont die Notwendigkeit einer professionellen Auseinandersetzung mit Mobbing und gibt Impulse für zukünftige, ganzheitliche Forschungsansätze.

Schlüsselwörter

Mobbing, Gewaltprävention, No Blame Approach, Interventionsprogramm, Schulalltag, Gruppendynamik, Schülermobbing, Cyber-Mobbing, Opferschutz, Pädagogische Professionalität, ABC-Methode, Lehrerrolle, Klassenklima, Soziale Kompetenzen, Konfliktlösung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Phänomen Mobbing in der Grundschulwelt, analysiert dessen strukturelle Merkmale und bewertet das Interventionsprogramm "No Blame Approach" auf seine Umsetzbarkeit und Wirksamkeit.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Die Arbeit behandelt die Definition und Abgrenzung von Mobbing, die Dynamik von Täter-Opfer-Rollen innerhalb der Klasse, die kurz- und langfristigen Folgen für Betroffene sowie effiziente Präventions- und Interventionsmöglichkeiten.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Das Hauptziel ist es, ein tragfähiges Grundwissen zu Mobbing zu vermitteln und kritisch zu analysieren, ob der "No Blame Approach" für die Bewältigung von Mobbingfällen in Grundschulen geeignet ist und wo seine Grenzen liegen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer deskriptiven Auseinandersetzung mit Interventionsprogrammen, ergänzt durch die kritische Reflexion empirischer Evaluationsergebnisse sowie die theoretische Darstellung von Fallbeispielen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Mobbingbegriffs, die Analyse, wie Mobbing entsteht und wirkt, sowie die detaillierte Vorstellung und kritische Diskussion des "No Blame Approach" und der ergänzenden ABC-Methode.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe umfassen Mobbing, No Blame Approach, Schul- und Klassenklima, Intervention, Prävention, Gruppendynamik und die individuelle Unterstützung für betroffene Kinder.

Warum wird beim "No Blame Approach" auf klassische Strafen verzichtet?

Der Ansatz setzt auf lösungsorientierte Gemeinschaftsarbeit statt auf Schuldzuweisung, da Sanktionen oft den Leidensdruck erhöhen und die Täter dazu bringen könnten, ihr Verhalten noch verdeckter auszuüben.

Was unterscheidet die ABC-Methode vom "No Blame Approach"?

Während der "No Blame Approach" als gemeinschaftsaktivierendes Programm das soziale Umfeld und die Gruppendynamik fokussiert, konzentriert sich die ABC-Methode direkt auf die individuelle Stärkung des betroffenen Kindes durch Coaching-Elemente.

Inwiefern beeinflusst Cyber-Mobbing die Anwendung dieser Programme?

Da der "No Blame Approach" primär auf die physische Schulumgebung ausgerichtet ist, erweist er sich bei Cyber-Mobbing, das anonym und räumlich unbegrenzt stattfindet, als potenziell unzureichend, weshalb die Förderung von Medienkompetenz zusätzlich erforderlich wird.

Warum ist ein "Screening" der Mobbing-Situation vor der Intervention wichtig?

Ein Screening ist entscheidend, um Mobbing klar von kurzzeitigen Konflikten unter Gleichstarken abzugrenzen, da nur bei systematischem, destruktivem Handeln die entsprechenden Interventionsprogramme wie der "No Blame Approach" indikationsgerecht eingesetzt werden können.

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Details

Title
Mobbingintervention in der Grundschule. Eine Analyse ausgewählter Programme
College
University of Education Ludwigsburg  (Erziehungswissenschaft)
Grade
1,0
Author
Emily Gampoura (Author)
Publication Year
2023
Pages
61
Catalog Number
V1552993
ISBN (PDF)
9783389103326
ISBN (Book)
9783389103333
Language
German
Tags
Mobbing Cybermobbing No Blame Approach ABC-Methode Mobbingmerkmale Opferrolle Täterrolle Grundschule Mobbingintervention Mobbingprävention
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Emily Gampoura (Author), 2023, Mobbingintervention in der Grundschule. Eine Analyse ausgewählter Programme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1552993
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