Schulbuchanalyse eines Geschichtsbuches für die Oberstufe


Hausarbeit, 2001

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Vorstellung des Schulbuches

2 Gliederung

3 Analyse
3.1 Einleitung
3.2 Hauptteil

4 Visuelle Gestaltung des Lehrbuchs
4.1 Bilder im Hauptteil
4.2 Bilder, Tabellen und Stammbäume im Anhang

5 Ideologie und Sprachstil – Vergleich der zwei Schulbücher

6 Schlußbemerkung

7 Verwendete Literatur

1 Vorstellung des Schulbuches

Woynar, Montzka, Lesowsky : Lehrbuch der Geschichte für die Oberstufe der Mittelschulen. 2. Teil: Das Mittelalter von 568- 1492 und die Neuzeit bis zum Beginn der französischen Revolution (1789). 8. neubearbeitete Auflage. Wien 1937

Woynars Geschichtslehrbuch wurde von Dr. Heinrich Montzka und Dr. Anton Lesowsky neubarbeitet und unter Ausschluß der früheren Auflagen 1937 zum Unterrichtsgebrauch an Gymnasien, Realgymnasien, Oberlyzeen, Realschulen sowie Frauenoberschulen zugelassen. Da mir große Unterschiede zwischen Woynars neubearbeitetem Lehrbuch und einem zweiten, ein Jahr früher erschienenen Oberstufen- Lehrbuch in Bezug auf die verwendete Sprache aufgefallen sind, möchte ich ein Kapitel der Ideologie und Sprache in Schulbüchern dieses Zeitraums widmen. Dabei befasse ich mich vergleichend mit Woynars Geschichtslehrbuch und „Zeehes Lehrbuch für die Geschichte“[1], das am 11.September 1936 zum Unterrichtsgebrauch an Mittelschulen aller Art zugelassen und sogar 1951 wieder verwendet wurde, als mein Vater zur Schule ging.

2 Gliederung

Das Inhaltsverzeichni s ist zweckdienlich und relativ sachlich gehalten. Jeder der fünf Abschnitte leitet logisch zum nächsten über. Zur Einteilung der Abschnitte wird vom Begriff der „universalen Gewalten“ Weltlichkeit und Geistlichkeit ausgegangen: Beginnend mit der „Entstehung der universalen Gewalten“ in Verbindung mit mittelalterlicher Kulturentwicklung im 1. Abschnitt, zu „Europa unter der Herrschaft universaler Gewalten“, über „Das Abendland ohne Vormacht“ zu dem „Zeitalter der Glaubenskämpfe“ bis zum „Zeitalter der unbeschränkten Monarchie“ im 5. Abschnitt. Hier erfolgt eine zeitliche Gliederung, bei der bestimmte Entwicklungen als typisch ganz bestimmten Zeitperioden zugeordnet werden und diese Zeitperioden dementsprechend nach diesen Entwicklungen benannt werden. Das Schulbuch beginnt mit einer kurzen Einleitung , der ein Zitat über das Wesen der Geschichte vorangeht. In der Einleitung wird in knappester Form die Basis geschaffen, auf dem dann der Hauptteil aufbaut. Der Hauptteil ist in fünf große Abschnitte gegliedert: Der 1.Abschnitt trägt den Titel „Entstehen universaler Gewalten und der mittelalterlichen Kultur (568-919)“ und behandelt ausgehend von der Entstehung des Merowingischen Frankenreiches vor allem den Gegensatz Weltlichkeit- Geistlichkeit. Schwerpunkte liegen auf der Darstellung von Kirche und Papsttum im Mittelalter, allerdings unter dem Aspekt der Bekehrung Deutschlands, und der Eroberungen, Ausdehnung des Frankenreiches und später der Wiederherstellung des Frankenreiches durch die Karolinger. Auch der Islam und die Bedeutung des arabischen Weltreiches für Europa wird mit einem eigenen Kapitel gewürdigt. Den Abschluß des 1. Abschnittes bildet das Kapitel „Zerfall des karolingischen Weltreiches“, das mit seinem Absatz über die nordgermanischen Wanderungen und Staatengründungen der Normannen überleitet zu dem deutschen Staatenbund unter Heinrich I. Der allmähliche Verfall des Reiches und die fehlende Persönlichkeit der späteren Karolinger wird als Grund für das Erstarken des Papsttums angegeben, doch „auf die kurze Zeit der Erhebung des Papsttums folgte sein tiefster Verfall; es wurde zum Spielball des römischen Adels, bis es zum zweiten Male vom deutschen Königtum gerettet wurde.“[2] Allerdings wäre es mit der Kaiserwürde kontinuierlich bergab gegangen und so „versanken [...] die aufeinander angewiesenen universalen Gewalten in Machtlosigkeit.“[3] Der 2.Abschnitt gliedert sich in vier Kapitel über den Vorrang des Kaisertums, vier Kapitel über den Kampf zwischen Kaisertum und Papsttum um den Vorrang und schließlich sechs Kapitel über den Vorrang des Papsttums. Unter Teil A. „Der Vorrang des Kaisertums“ fällt interessanterweise neben dem „deutschen Staatenbund unter Heinrich I.“ ,„Der Begründung des Deutschen Reiches durch Otto I.“ und dem „Ersten Höhepunkt der Kaisermacht“ auch ein sehr ausführliches Kapitel über die „Mönchskultur und die Kirchenreform“. Dieses Kapitel befaßt sich dezidiert mit den deutschen Klöstern:

1. mit seinem Besitz und seiner Rechtsstellung,
2. mit wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verdiensten der Klöster
3. mit Klöstern und geistlicher Kultur, wobei Jugenderziehung, wissenschaftliche Bestrebungen und Kunsthandwerk wie Miniaturmalerei, Weberei, Malerei und Bildhauerkunst erwähnt werden. Darauf folgt ein Absatz über die romanische Baukunst und ein Absatz über die Reformbestrebungen der Kluniazenser.

Teil B handelt vom Kampf zwischen Königtum und Papsttum um die Vorherrschaft und leitet schließlich zum ausführlichsten, dem dritten Teil des 2.Abschnittes über, der die Macht des unter Innozenz III. erstarkten Papsttums und die Folgen seiner „Oberhoheit über Europa“[4]

behandelt. Die sechs Kapitel betreffen seine Reformen, die Inquisition und die Entstehung der Bettelorden, die Kreuzzüge (denen in diesem Buch ein breiter Raum gewidmet wird), das Rittertum mit seinen Pflichten und Idealen und den „Zusammenbruch des Kaisertums und das Ende der päpstlichen Weltherrschaft“[5]. Das letzte Kapitel trägt den Titel „Österreich zur Zeit der Babenberger“ und paßt nicht ganz zu den übrigen Kapiteln. Es wirkt wie nachträglich eingefügt und erzählt vom „Wachstum und Aufstieg der Ostmark unter den Babenbergern“[6], den wirtschaftlichen Verhältnissen und dem reichen geistigen Leben in der Ostmark. Im 3. Abschnitt „Das Abendland ohne Vormacht“ wird die Politik im „deutschen und österreichischen Zwischenreich“[7] dargestellt. Ein eigenes Kapitel ist der deutschen Stadtkultur gewidmet, das schließlich mit einem kunstgeschichtlichen Exkurs über den gotischen Stil endet. Obwohl immer die Verbundenheit Österreichs mit dem Deutschen Reich betont wird, fehlen auch „typisch österreichische“ Kapitel nicht wie z.B. „Österreich unter den Habsburgern“ und „Habsburgs Aufstieg zur Groß- und Weltmacht“. Auch die politische Lage in England und Frankreich, Italien, Spanien und Portugal findet Erwähnung, unter dem Titel „Das Erstarken außerdeutscher Staaten“. Die Türken werden gesondert im Kurz- Kapitel „Die Türkengefahr“ behandelt. Im 4. Abschnitt ist von den Glaubenskämpfen und den Entdeckungsfahrten der Neuzeit die Rede. Anschließend an die Erläuterungen über den Nutzen und die Folgen der Entdeckungsfahrten folgt ein Exkurs über die Strömungen des Humanismus und der Renaissance. Bemüht sachlich gehaltene Kapitel über die Erfolge des Protestantismus, Reformation und Gegenreformation sowie die Politik im habsburgischen Weltreich wechseln einander ab. Der 5. Abschnitt behandelt das „Zeitalter der unbeschränkten Monarchie“ ausgehend vom Absolutismus in Frankreich. Parallel dazu wird die politische Lage in England, im Deutschen Reich und in Österreich in eigenen Kapiteln abgehandelt. Im Gegensatz zu den anderen Titeln, die eher nüchtern wirken, trägt das Österreich- Kapitel den glorreichen Titel „Aufstieg Österreichs zur Großmacht im Kampfe gegen die Türken“. Ein weiteres Kapitel ist „Österreich in der Barockzeit“ gewidmet. Den zahlreichen Österreich- Kapiteln stehen aber ebensoviele Deutschland- Kapitel gegenüber, dem Kapitel über Maria Theresia ein Kapitel über Friedrich II. von Preußen, der Aufklärung in Österreich unter Joseph II. die Reformen im Deutschen Reich. Das allerletzte Kapitel diese Buches geht schließlich noch kurz auf den „Aufgeklärten Absolutismus außerhalb Deutschlands“ ein und behandelt darin die Reformen Katharinas II. in Rußland sowie gesellschaftliche Veränderungen in Dänemark, in Schweden und in den romanischen Staaten Südeuropas. Auf den Hauptteil folgen zur genaueren Erläuterung des Stoffes:

- 1. Stammbäume wichtiger Herrscherhäuser
- 2. eine große Tabelle mit den Hauptdaten der Geschichte vom Mittelalter bis zur Neuzeit
- 3. ein sog. Sachweiser, d.h. ein Stichwortverzeichnis und
- 4. ein Bilderanhang zur Kunstgeschichte

3 Analyse

3.1 Einleitung

Einführend wird ein Zitat von Anton Schütz erwähnt, in dem es heißt:

Das ist die große Wirklichkeit der Geschichte: das lebendige Verbundensein mit den großen geschichtsbeginnenden und lebensspendenden Gegebenheiten, die von Gott kamen deren zeitliche Entfaltung das Wesen der Geschichte bildet. Der Geschichte gegenüber hat also der seine Aufgabe erfüllt, der sich zu den übergeschichtlichen und überzeitlichen Werten bekennt.[8]

Offensichtlich gehen die Verfasser mit der Meinung des Autors konform, daß über allem eine höhere Macht stünde, die die Geschicke in größeren Bahnen lenke und die Aufgabe des Forschers sei diejenige, etwas über diese größeren Zusammenhänge herauszufinden. Allerdings weist die Formulierung darauf hin, daß hier rationales Forschungsinteresse nicht so sehr im Vordergrund steht wie die persönliche Suche nach dem Sinn im Leben, und sich selbst sowie die eigenen Interessen in Verbindung mit bedeutsamen bzw. für bedeutsam gehaltenen Geschehnissen zu sehen und sich so aufzuwerten (identifikatorische Funktion). Auf das Zitat selbst wird in der Einleitung kein Bezug genommen. Es wurde der Einleitung nur als eine Art Motto vorangestellt, außerdem ist ein Eingangszitat didaktisch sinnvoll, um die Aufmerksamkeit der Schüler zu gewinnen. Die ersten Sätze der Einleitung fassen sachlich die Folgen der Völkerwanderung zusammen. Später ist dann von germanischen Eroberern die Rede:

Die Gewaltsamkeit des germanischen Einbruchs, die zwei Jahrhunderte währende Unruhe in West-, Mittel-, und Südeuropa, das Herabsinken aus einer hochentwickelten Geldwirtschaft in die einfachen Verhältnisse der Naturalwirtschaft, die Feindschaft zwischen den Wirts- und Gastvölkern führten zum Untergang zahlreicher materieller und geistiger Werte und unterbrachen die Kulturentwicklung.[9]

Als Entwicklung scheint demnach von den Verfassern nur die Weiterentwicklung zum Besseren verstanden, Änderung gegebener Verhältnisse ist hier nicht automatisch Entwicklung. Interessant ist bei diesem Satz auch die kontrastreiche Schilderung in Gegensatzpaaren: Der glorreichen, rein positiv besetzten Vergangenheit mit kultureller Blüte, die mit wirtschaftlicher Hochkonjunktur einhergeht, steht die Nicht- Kultur gegenüber, arm und mangelhaft sowohl in wirtschaftlicher als auch geistiger Hinsicht. Durch die Eroberer hätte sich der ursprünglich positive Zustand verschlechtert, daß dennoch “das Erbe der Antike“[10] bewahrt wurde, sei das Verdienst der Kirche gewesen, durch die die vormals barbarischen Germanen schließlich kultiviert wurden. Es habe Jahrhunderte gedauert, bis „aus Stoff und Kraft der Antike, des Germanentums und des Christentums[11] “ eine neue Kultur entstanden sei, die „christlich-germanisch-romanische des Mittelalters[12] “. Insbesonders die Deutschen seien „die Schöpfer einer neuen und lebensfähigen Kultur geworden[13] “. In diesem Satz fließt offenbar das seit Tacitus Beschreibung geläufige Klischee über die rauhen, gesunden, einfachen und ehrliebenden Germanen mit ein. Schließlich führen diese Germanen ja sogar das „Erbe der Antike“[14] fort. Gerade in diesem Schulbuch wird immer wieder die Leistung bzw. das Schicksal der Kirche in Verbindung mit dem Schicksal des deutschen Volkes gesehen. Erwähnt wird, daß das Lehrbuch ganz Europa behandle, obwohl „dessen Norden und Osten aber erst spät der Kultur erschlossen wurde.“[15]

[...]


[1] Anton Zeehe: Lehrbuch der Geschichte für die oberen Klassen der Mittelschulen. 1.Teil: Von der Vorzeit bis zum Ende der Völkerwanderung. 10. Auflage, bearbeitet von Ernst Nepomucky. Wien 1936

[2] Woynar, Montzka, Lesowsky: Lehrbuch der Geschichte Oberstufe 2.Teil.8. neubearb. Aufl. Wien 1937, S 16

[3] ebda., S 16

[4] ebda., S 36

[5] ebda., S 48

[6] ebda., S 50

[7] ebda., S 54

[8] Woynar, Montzka, Lesowsky: Lehrbuch der Geschichte Oberstufe 2. Teil. 8.neubearb. Aufl. Wien 1937, S 1

[9] Woynar, Montzka, Lesowsky: Lehrbuch der Geschichte Oberstufe 2.Teil. 8.neubearb. Aufl. Wien 1937, S 1

[10] ebda., S1

[11] ebda., S1

[12] ebda., S1

[13] ebda., S1

[14] ebda., S1

[15] ebda., S1

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Schulbuchanalyse eines Geschichtsbuches für die Oberstufe
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Einführung in das Studium der Geschichte
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
24
Katalognummer
V155305
ISBN (eBook)
9783640729357
ISBN (Buch)
9783640729869
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schulbuchanalyse, Geschichtsbuches, Oberstufe
Arbeit zitieren
Mag. Eva Lirsch (Autor), 2001, Schulbuchanalyse eines Geschichtsbuches für die Oberstufe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155305

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