Woynars Geschichtslehrbuch wurde von Dr. Heinrich Montzka und Dr. Anton Lesowsky neubarbeitet und unter Ausschluß der früheren Auflagen 1937 zum Unterrichtsgebrauch an Gymnasien, Realgymnasien, Oberlyzeen, Realschulen sowie Frauenoberschulen zugelassen. In Woynars Schulbuch, das aus dem Jahr vor dem Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich stammt, fließt Gedankengut ein, das offensichtlich schon lange, bevor es von den Nationalsozialisten aufgegriffen und verwertet wurde, zumindest in wissenschaftlichen Kreisen bekannt war und thematisiert wurde wie beispielsweise die Rassenkunde, auf deren pseudo- wissenschaftlicher Fundierung die faschistische Propaganda aufbauen konnte. Da mir große Unterschiede zwischen Woynars neubearbeitetem Lehrbuch und einem zweiten, ein Jahr früher erschienenen Oberstufen- Lehrbuch in Bezug auf die verwendete Sprache aufgefallen sind, möchte ich ein Kapitel der Ideologie und Sprache in Schulbüchern dieses Zeitraums widmen. Dabei befasse ich mich vergleichend mit Woynars Geschichtslehrbuch und „Zeehes Lehrbuch für die Geschichte“ , das am 11.September 1936 zum Unterrichtsgebrauch an Mittelschulen aller Art zugelassen und sogar 1951 wieder verwendet wurde, als mein Vater zur Schule ging.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorstellung des Schulbuches
2 Gliederung
3 Analyse
3.1 Einleitung
3.2 Hauptteil
4 Visuelle Gestaltung des Lehrbuchs
4.1 Bilder im Hauptteil
4.2 Bilder, Tabellen und Stammbäume im Anhang
5 Ideologie und Sprachstil – Vergleich der zwei Schulbücher
6 Schlußbemerkung
7 Verwendete Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht ideologische Tendenzen, Werthaltungen und die sprachliche Gestaltung zweier Geschichtslehrbücher für die Oberstufe aus dem Jahr 1936 bzw. 1937. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Geschichte durch eine selektive Darstellung und emotionale Sprache zur Vermittlung spezifischer Identitätsbilder – insbesondere im Kontext des österreichischen Patriotismus und der Verknüpfung mit dem Deutschen Reich – instrumentalisiert wurde.
- Analyse der Geschichtsdarstellung und -deutung in Lehrbüchern der 1930er Jahre
- Vergleich zwischen Woynars Geschichtslehrbuch und Zeehes Lehrbuch für die Geschichte
- Untersuchung von Begriffen wie "Kulturvölker" vs. "Primitivvölker" und deren rassenideologische Implikationen
- Rolle des Patriotismus und der Konstruktion einer nationalen Identität in österreichischen Schulbüchern
- Kritische Reflexion der didaktischen Nutzung von Geschichtsbildern zur ideologischen Beeinflussung
Auszug aus dem Buch
3.2 Hauptteil
Der 1.Abschnitt beginnt mit der Ausdehnung des Reichs Chlodwigs. Dann folgten Teilungen, dazwischen weiteres Wachstum des Reiches und schließlich eine Periode des Verfalls. Ausführlich wird über das Papsttum und die Bekehrung Deutschlands gesprochen. Zur selben Zeit, als sich das Frankenreich entwickelte, habe sich in Italien das Papsttum entwickelt. Schließlich „übernahmen die römischen Bischöfe als Nachfolger des Apostels Petrus das Primat“. Der Anspruch des Papstes wird abgeleitet aus seiner Stellung als Nachfolger Petri und damit legitimiert. Dem Absatz über das päpstliche Primat folgt eine Stelle über die Bedeutung des Mönchtums, wobei die Ausübung nützlicher Arbeiten wie Handwerk, Erziehung der Jugend, Sozialfürsorge, wissenschaftliche Tätigkeiten neben den geistlichen Tätigkeiten hervorgehoben wird.
Besondere Erwähnung finden die Verdienste Papst Leos „des Großen“, der sich neben seiner hohen Befähigung zum geistlichen Würdenträger auch durch umsichtige Verwaltung des reichen Grundbesitzes und seine „geordnete Geldgebarung“ ausgezeichnet habe. Außerdem habe die Kirche unter ihm eine Glanzzeit erlebt, unter anderem hätte er die „verfallene Kirchenzucht“ wieder hergestellt. Die Verfasser verlieren kaum ein Wort darüber, wozu eigentlich sich eine (katholische) Kirche gebildet habe, wofür die Kirche stände, was eigentlich die Bedeutung der Kirche für die Mitglieder sei. Die weltlichen Elemente des Lebens als kirchlicher Würdenträger werden betont, die eigentlichen, geistlichen Pflichten werden kaum genannt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorstellung des Schulbuches: Einführung in das analysierte Lehrbuch von Woynar, Montzka und Lesowsky sowie Begründung für den vergleichenden Fokus auf das Lehrbuch von A. Zeehe.
2 Gliederung: Erläuterung des inhaltlichen Aufbaus der fünf Abschnitte des Lehrbuches, welche sich an universalen Gewalten und zeitlichen Epochen orientieren.
3 Analyse: Detaillierte Untersuchung der Einleitung und des Hauptteils, wobei der Fokus auf den vermittelten Geschichtsbildern und den weltanschaulichen Untertönen liegt.
4 Visuelle Gestaltung des Lehrbuchs: Analyse der Abbildungen, Stammbäume und Tabellen im Hauptteil und Anhang hinsichtlich ihrer didaktischen Funktion und ideologischen Aussagekraft.
5 Ideologie und Sprachstil – Vergleich der zwei Schulbücher: Gegenüberstellung der beiden Lehrwerke mit besonderem Blick auf Sprachgebrauch, Ideologie, den Kulturbegriff und die Konstruktion nationaler Identität.
6 Schlußbemerkung: Reflexion über die Erkenntnisse der Arbeit und die kritische Auseinandersetzung mit der ideologischen Instrumentalisierung des Geschichtsunterrichts.
7 Verwendete Literatur: Auflistung der im Rahmen der Hausarbeit herangezogenen Primärquellen.
Schlüsselwörter
Schulbuchanalyse, Geschichtsunterricht, Woynar, Anton Zeehe, Austrofaschismus, Ideologie, Geschichtsbild, Nationalsozialismus, Patriotismus, Identität, Kulturverständnis, Rassenlehre, Geschichtsdidaktik, Österreichische Geschichte, Mittelalter
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch zwei österreichische Geschichtslehrbücher aus der Zeit zwischen 1936 und 1937 hinsichtlich ihrer ideologischen Inhalte und sprachlichen Gestaltung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Darstellung von Kirche und Papsttum, der Umgang mit anderen Kulturen, der Begriff der "Kulturvölker" und die Konstruktion eines österreichischen Patriotismus im Kontext der damaligen Zeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrbuchtexte nicht nur Wissen vermitteln, sondern durch wertende Sprache und selektive Faktenauswahl bestimmte Weltbilder und nationale Identitäten bei Schülern festigen sollen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Quellenanalyse, bei der der Textinhalt der beiden Geschichtsbücher qualitativ untersucht und in den historischen Kontext der Zeit des Austrofaschismus eingeordnet wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Aufbau, Gliederung und die visuelle Gestaltung der Lehrbücher analysiert, wobei besonders die Unterschiede zwischen einer sachlich wirkenden und einer stark ideologisch aufgeladenen Darstellung herausgearbeitet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Schulbuchanalyse, Ideologie, Geschichtsunterricht, Patriotismus und Identitätskonstruktion geprägt.
Warum spielt das "Bollwerk Österreich" eine besondere Rolle in den Büchern?
Der Begriff dient in beiden Büchern dazu, Österreich eine historische Mission als Verteidiger des Abendlandes und des Deutschtums zuzuschreiben, wobei dies bei den Autoren unterschiedlich politisch interpretiert wird.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von "Kulturvölkern" in den Lehrbüchern?
Die Lehrbücher nutzen den Kulturbegriff, um eine starke Differenzierung vorzunehmen; während europäische Nationen (besonders Deutschland/Österreich) positiv hervorgehoben werden, werden außereuropäische oder als "fremd" wahrgenommene Kulturen oft abgewertet oder in ein rassenideologisches Raster eingeordnet.
- Citation du texte
- Mag. Eva Lirsch (Auteur), 2001, Schulbuchanalyse eines Geschichtsbuches für die Oberstufe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155305