Wiederherstellung psychischer Gesundheit im Krieg

Ist die "Kaufmann-Methode" mit Folter gleichzusetzen?


Hausarbeit, 2009

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Einleitung

2.0 Was ist Folter?
2.1 Zu den Behandlungsmethoden Kaufmanns
2.2 Ist die „Kaufmann-Methode“ mit Folter gleichzusetzen?

3.0 Fazit

4.0 Literaturverzeichnis

1.0 Einleitung

Im Rahmen des Themas „Wiederherstellung psychischer Gesundheit im Krieg“ möchte ich mich mit der Frage beschäftigen, wie die Überrumpelungsmethode nach Kaufmann sich mit einer heutigen Folter-Definition in Beziehung setzen lässt.

Es interessiert mich hierbei besonders, die Gedankengänge und die Hintergründe des Handelns des Psychiaters Fritz Kaufmann begreifbar zu machen und somit mein Wissen über die damalige Art der Behandlung von psychisch gestörten Menschen zu erweitern.

Kaufmann war einer der renommiertesten Psychiater der Zeit des ersten Weltkrieges. Seine Methodik wurde weitestgehend anerkannt und durch andere Psychiater dieser Zeit übernommen, weshalb er einen großen Aspekt der Militärpsychiatrie während des ersten Weltkrieges ausmachte. Seine Behandlungsmethode, die ich in meiner Arbeit genauer erläutern möchte, lässt aus heutiger Sicht an der Vernunft der damaligen Militärpsychiatrie zweifeln und wirft auf Grund ihrer Grausamkeit die Frage auf, ob sie nicht als eine Art Foltermethode angesehen werden kann. In diesem Zusammenhang möchte ich als erstes anhand der Geschichte und einer heutigen Definition darstellen, was der Begriff Folter überhaupt beinhaltet.

Die dem Thema „Militärpsychiatrie während des ersten Weltkrieges“ zu Grunde liegende Literatur basiert vor allem auf den wissenschaftlichen Veröffentlichungen der Psychiater und Ärzte der benannten Zeit und den im Gegensatz dazu erst in den letzten Jahrzehnten erschienenen Werken der Kritiker dieser. Leider gibt es kaum Literatur, die Aufschluss über Gegner dieser Methoden während des ersten Weltkrieges gibt.

Die Arbeit wird durch die Aufklärung der Frage „Was ist Folter?“ eingeleitet und führt durch eine Darstellung von Kaufmanns Überrumpelungsmethode zu einem Vergleich der beiden Themenfelder, welcher in dem Fazit als Ergebnis zusammengefasst wird.

2.0 Was ist Folter?

Der Begriff „Folter“ wird heute fälschlicherweise in verschiedensten Situationen genutzt. Für manch ein Kind ist es Folter, den Müll wegzubringen, für manch einen Arbeitnehmer sind Überstunden Folter, wiederum für einige Tierschützer sind viele Tiertransporte als Folter anzusehen.

Der Ursprung des Folterbegriffs führt zurück in die ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung. Der römische Jurist Ulpian beschrieb Folter als eine gewöhnliche Möglichkeit, welche die Richter nutzten, um eine Straftat aufzudecken. Zeugenaussagen wurden nicht als wahr anerkannt, wurden sie nicht durch Folter erzwungen.[1] Über ein Jahrtausend später wurde Folter als Hilfsmittel genutzt, um Verbrechen aufzuklären, in denen es keinerlei Zeugenaussagen gab. Der italienische Jurist Sebastian Guazzini definierte Folter (1612) als eine Art Peinigung des Körpers, eingesetzt durch das Gesetz, um Verbrechen zum Wohle der Gesellschaft nicht ungestraft zu lassen und die Wahrheit herauszufinden.[2] Obwohl die Technik der Folter zu dieser Zeit scheinbar einen normalen Bestandteil der Justiz ausmachte, gab es Kritiker wie zum Beispiel ein Jahrhundert später den bekannten „Folter-Kritiker“ Cesare Beccaria. Er bezweifelte im Gegensatz zur gängigen Meinung der damaligen Justiz den Wahrheitsgehalt der unter Folter erzwungenen Aussagen.[3] War es doch möglich, dass ein Geständnis abgelegt wurde, nur um den Schmerzen der Folter zu entkommen.

Der grundlegende Unterschied des alltäglichen Gebrauchs des Begriffs und der meisten Definitionen liegt in der ausübenden Kraft. Folter im Sinne der meisten Definitionen, wie auch in der heute gebräuchlichen, internationalen Definition von Folter, die im 1. Artikel des UN-Übereinkommens gegen Folter und andere grausame und unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe von 1984 festgehalten wurde, beruht auf der Tatsache, dass „(…) Schmerzen oder Leiden von einem Angehörigen des öffentlichen Dienstes oder einer anderen in amtlicher Eigenschaft handelnden Person, auf deren Veranlassung oder mit deren ausdrücklichem oder stillschweigendem Einverständnis verursacht werden.“[4] Der staatliche Hintergrund beschränkt die Möglichkeit, den Begriff der Folter anzuwenden und eröffnet gleichzeitig neue Sichtweisen auf die Ausübung von Folter. Die Macht eines Staates, Folter auszuüben, wird ihm erst durch die Gesellschaft gegeben, sie übergibt den staatlichen Personen quasi die Instrumente oder die Autorität, die Folter beinhalten. Daher wird in der Definition von Ulpian bis zu dem UN-Übereinkommen gegen Folter der Aspekt des Nutzens oder auch Ausnutzens von öffentlichem Vertrauen hervorgehoben.[5] Eine Ausnahme hiervon ist gegeben, wenn staatsähnliche Strukturen herrschen, wie es zum Beispiel bei der französischen Resistance während des zweiten Weltkrieges der Fall war,[6] oder auch im Falle von „(…)zerfallenen Staaten, in denen bewaffnete Gruppen Herrschaftsgewalt ausüben, (…)“.[7] In beiden Beispielen sind die ausübenden Kräfte für eine Gruppe von Menschen oder eine Gesellschaft an die Stelle der staatlichen Macht getreten, weshalb auch hier die Definition von Folter angewandt werden kann.

Abzugrenzen ist also der Begriff der Grausamkeit, welcher im alltäglichen Leben häufig mit dem Folterbegriff gleichgesetzt wird und zum Beispiel das Quälen eines Lebewesens beinhaltet, von dem eigentlichen Begriff der Folter. „Als Folter ist demnach jede Handlung zu bezeichnen, durch die einer Person vorsätzlich große körperliche oder seelische Schmerzen oder Leiden zugefügt werden, zum Beispiel um von ihr oder einem Dritten eine Aussage oder ein Geständnis zu erlangen, um sie für eine tatsächliche oder mutmaßliche von ihr oder einem Dritten begangene Tat zu bestrafen oder um sie oder einen Dritten einzuschüchtern oder zu nötigen (…)“.[8] Diese Definition ist wiederum unter dem Aspekt zu betrachten, dass die ausübende Kraft von einer staatlichen Macht ausgeht.

[...]


[1] Vgl. Rejali, Darius M. (2007): Torture and democracy. Princeton, New Jersey: Princeton University Press, S.36.

[2] Vgl. Rejali, Darius M., S.36.

[3] Vgl. Rejali, Darius M., S.36.

[4] Anonymer Autor (2010): Was ist überhaupt als Folter zu bezeichnen? URL: http://www.ai-bezirk-duisburg-oberhausen.de/index.php?option=com_content&view=article&id=159:26062009&catid=54:f-eine-welt-frei-von-folter. (27.01.2010).

[5] Vgl. Rejali, Darius M., S. 39.

[6] Vgl. Rejali, Darius M., S.38.

[7] Anonymer Autor (2010): Was ist überhaupt als Folter zu bezeichnen? URL: http://www.ai-bezirk-duisburg-oberhausen.de/index.php?option=com_content&view=article&id=159:26062009&catid=54:f-eine-welt-frei-von-folter. (27.01.2010).

[8] Anonymer Autor (2010): Was ist überhaupt als Folter zu bezeichnen? URL: http://www.ai-bezirk-duisburg-oberhausen.de/index.php?option=com_content&view=article&id=159:26062009&catid=54:f-eine-welt-frei-von-folter.

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Details

Titel
Wiederherstellung psychischer Gesundheit im Krieg
Untertitel
Ist die "Kaufmann-Methode" mit Folter gleichzusetzen?
Hochschule
Universität Lüneburg
Veranstaltung
Militärpsychiatrie im ersten Weltkrieg
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V155367
ISBN (eBook)
9783640723461
ISBN (Buch)
9783640723621
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wiederherstellung, Gesundheit, Krieg, Kaufmann-Methode, Folter
Arbeit zitieren
Sarah Bastemeyer (Autor:in), 2009, Wiederherstellung psychischer Gesundheit im Krieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155367

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