Möglichkeiten zur Beschreibung und Quantifizierung von Dürren


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

25 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eine allgemeine Begriffsdefinition von Dürre

3. Klassifikationen von Dürren
3.1 Die meteorologische Dürre
3.2 Die landwirtschaftliche Dürre
3.3 Die hydrologische Dürre
3.4 Die sozioökonomische Dürre

4. Der U.S. Drought Monitor als Beispiel eines integrierten Dürremanagementtools

5. Fazit

6. Bibliographie

1. Einleitung

Dürren gehören zu den schlimmsten Naturkatastrophen die weltweit anzutreffen sind. Dies liegt an den Eigenschaften einer Dürre und hat mehrere Gründe. Ein wichtiger ist sicherlich, dass Dürren nicht schnell entstehen, kurzeitig ein bestimmtes Gebiet betreffen und dann wieder verschwinden, wie bei Vulkanausbrüchen, Hochwassern, Tsunamis oder Stürmen. Dürren sind ein schleichendes Phänomen, das oft unbemerkt beginnt und dann über lange Zeiträume, zum Teil Jahre, ein bestimmtes Gebiet betreffen kann. Wenn dabei große Gebiete betroffen sind und die Dürren lange anhalten, kommt es zunächst oft zu Ernteeinbußen, da die Böden als erstes austrocknen. Darauf folgen Trinkwassermangel und auf längere Sicht ist auch die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln gefährdet, wenn keine entsprechenden Speicher angelegt wurden sind und mehrere Erntezeiträume betroffen sind. Besonders die Landwirtschaft ist auf ausreichend Niederschlag oder Bewässerung angewiesen und ist somit bei Dürren schnell betroffen. Welche enormen Auswirkungen Dürren haben können, zeigen Beispiele aus Indien und China. In Indien waren im Jahr 2002 etwa 300 Millionen Menschen von einer Dürreperiode betroffen und in China starben 1928 ca. 3 Millionen Menschen (Statista 2010). Das sind zehnmal mehr als bei dem Tsunami von 2004 in Südostasien ums Leben kamen. Dennoch wird Dürren oft wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Sie sind ein schleichender Prozess und nicht so spektakulär wie z.B. Hochwasser, weshalb sie auch nicht medienwirksam eingesetzt werden können. Außerdem treten Dürren gerade in West- und Mitteleuropa nicht so häufig auf und meistens auch nicht über lange Zeiträume, so dass selten große Schäden entstehen. All dies hat zur Folge, dass Dürren ein relativ wenig erforschtes Phänomen sind, verglichen mit Hochwassern oder Stürmen.

Diese Arbeit versucht nun Dürren aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und damit einen Weg zu öffnen, dieses Naturphänomen besser zu verstehen. Eine differenzierte Betrachtung ist hier von Nöten, um den verschiedenen Ansprüchen gerecht zu werden, die an die Wassernutzung gekoppelt sind. Es wird deutlich werden, dass Dürren schwer zu definieren und zu klassifizieren sind, da sie so viele verschiedene Facetten haben. Doch gerade für das Dürrenmanagement sind solche Definitionen und Klassifikationen wichtige Instrumente, um entsprechend auf Dürren vorzubereiten, ihnen vorzubeugen und die Schäden bestmöglich zu beseitigen. Auf den Klassifikationsansätzen gibt es aufbauend eine Reihe von Indikatoren, um Dürren festzustellen und deren Intensität zu bestimmen. Ein umfassendes Verständnis der Ursachen, Betrachtungsweisen und Auswirkungen von Dürren wird vorausgesetzt, um das Dürrenmanagement effektiv zu gestalten.

2. Eine allgemeine Begriffsdefinition von Dürre

Zu dem Begriff „Dürre“ gibt es viele verschiedene Definitionen, die je nach Perspektive verschiedene Aspekte beleuchten können. Wichtig ist jedoch zunächst, dass Dürre nicht mit Aridität verwechselt wird. So ist Dürre ein temporäres Phänomen, während Aridität das Klima einer bestimmten Region bezeichnet (vgl. Hisdal & Tallaksen 2000: 1). Die Vielfalt der Definitionen haben u.a. Donald A. Wilhite, der Direktor des National Drought Mitigation Center (im Folgenden: NDMC) und Michael H. Glantz vom National Center for Atmospheric Research, beides Institutionen aus den USA, in den 1980er Jahren untersucht. Dabei haben sie mehr als 150 verschiedene Definitionen für „Dürre“ in der englischsprachigen Literatur gefunden (Wilhite & Glantz 1985: 113). Beispiele für Definitionen aus dem deutschen Sprachraum finden sich z.B. in dem Lexikon der Geographie : „Dürre, klimatisch bedingte Trockenperiode mit sehr geringen Niederschlägen und hohen Temperaturen. Je größer das Wasserangebot vom Mindestbedarf der Vegetation abweicht, desto gravierender ist eine Dürre“ (Lexikon der Geographie 2006). Eine weitere Definition findet sich in dem Grundlagenwerk für physische Geographie von Strahler und Strahler: „Dürre bedeutet das Auftreten von unter dem Mittelwert bleibenden Niederschlägen in der Jahreszeit, in der normalerweise reichlich Niederschlag fällt. Der Begriff wird gewöhnlich verwendet mit Bezug auf die Jahreszeit und das Wachstum von Pflanzen, die die Nahrung für die Menschen und ihre Haustiere liefern“ ( STRAHLER & STRAHLER 1999: 606). Beide Definitionen greifen dabei das relative Defizit zu einem bestimmten Wasserbedarf auf. Dieser bezieht sich hier vor allem auf die Vegetation als die Grundlage der Ernährung der Bevölkerung und der Tiere.

3. Klassifikationen von Dürren

Da es so viele verschieden Definitionen von „Dürre“ gibt, erscheint es sinnvoll diese in weitere Klassifikationen zu unterteilen. Dafür gibt es allerdings auch wieder unterschiedliche Möglichkeiten, die im Folgenden näher erläutert werden.

Die oben angesprochenen deutschen Definitionen von „Dürre“ können als konzeptionelle Definitionen verstanden werden. Sie helfen zu verstehen, was eine Dürre ist und welche Auswirkungen sie haben kann. Dem gegenüber gibt es aber auch noch die operationalen Definitionen von „Dürre“. Hierbei geht es darum den Beginn, das Ende sowie den Grad und das Ausmaß der Dürre zu verstehen. Dies geschieht in den meisten Fällen in der Relation zu einem bestimmten, für die jeweilige Region quantifizierbaren Mittelwert. Dieser wird oft über das 30-jährige Mittel gebildet. Eine Definition in diesem Sinne für die Landwirtschaft könnte so z.B. den täglichen Niederschlag mit der potentiellen Evapotranspiration vergleichen, um dadurch den entsprechenden Wasserbedarf der Pflanzen abzuleiten. Diese Ergebnisse könnten dann auf das Pflanzenwachstum in den verschiedenen Wachstumsphasen bezogen werden (Wilhite & Glantz 1985: 113). Es lässt sich also erkennen, dass aus solchen Definitionen konkrete Handlungsanweisungen für spezifische Nutzer des Wassers abgeleitet werden können.

Eine weitere Möglichkeit, Dürren zu klassifizieren, erfolgte 1994 nach Mawdsley et al. Diese betrachteten Dürren zum einen aus natürlicher Sicht und aus der Sicht der Wasserversorgung. Für ersteres benutzten sie Indikatoren, die die direkten Auswirkungen auf den Wasserkreislauf messen bzw. natürliche Indikatoren. Menschen, die direkt vom Niederschlag abhängen, wie Agrarwirte, Gärtner und andere, sind von dieser Art Dürre betroffen. Dabei kann der Wasserkreislauf durch Veränderungen im Niederschlag, im Abfluss oder in der Bodenfeuchte beeinflusst werden. Diese Indikatoren helfen so wiederum bei der Beurteilung der Frequenz von Dürren sowie ihres Ausmaßes und der Dauer. Hierbei wird normalerweise auch wieder ein Mittelwert von durchschnittlichen Werten als Vergleichsmaß benutzt. Dürren aus Sicht der Wasserversorgung sind dagegen nicht unbedingt meteorologisch bedingt. Sie beziehen sich auf ein Defizit in der Wasserversorgung und betreffen Menschen, die nur indirekt vom Niederschlag abhängig sind, wie die Industrie oder die privaten Haushalte. Mawdsley betont aber auch, dass die meisten Dürren eher eine Kombination aus den beiden beschriebenen sind (vgl. Mawdsley 1994: 15ff.). In diesem Sinne kann eine Dürre also auch durch den Menschen verursacht sein, indem entweder der Bedarf an Wasser für die gegebenen Ressourcen zu hoch ist, das Wasser zu falschen Zeitpunkten entnommen wird oder keine entsprechenden wasserspeichernden Maßnahmen getroffen werden.

Jedoch scheinen Wissenschaftler mittlerweile zu dem Konsens gekommen zu sein, dass Dürren prinzipiell von vier verschiedenen Perspektiven betrachtet werden sollten. Dies sind die meteorologische Dürre, die hydrologische, die landwirtschaftliche und die sozioökonomische Dürre. Die ersten drei können dabei auch als natürliche Indikatoren gesehen werden und die vierte als Wasserressourcenindikator, was wiederum in etwa der Klassifikation nach Mawdsley entspricht (vgl. Hisdal & Tallaksen 2000: 3). Auf diese vier Perspektiven wird in den nächsten Unterkapiteln näher eingegangen. Wie die ersten drei Klassifikationen, also die meteorologische, landwirtschaftliche und hydrologische Dürre zusammenhängen, zeigt schon die folgende Abbildung 1. Hier wird deutlich, dass diese drei Dürrearten Auswirkungen auf soziale, wirtschaftliche und ökologische Systeme haben können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Zusammenhang der verschiedenen Dürren (National Drought Mitigation Centre)

Für die verschiedenen Dürrearten gibt es mittlerweile auch eine Vielzahl unterschiedlicher und sich ergänzender Indizes. Um hier nicht den Überblick zu verlieren, sind diese in Tabelle 1 geordnet, wobei die Tabelle keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Die einzelnen Indizes werden im Folgenden im Zusammenhang mit den Dürrearten näher erläutert, da diese auch einen Einfluss auf die Klassifikation einer Dürre haben. Multivariablen Indizes sind dabei komplexe Indizes, die zu ihrer Berechnung mehrere Variablen einbeziehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Messmöglichkeiten und Indizes der Dürrearten (eigener Entwurf)

3.1 Die meteorologische Dürre

Meteorologische Dürren stellen meistens den Beginn von allen anderen Dürren dar, da sie ein Defizit des Niederschlags abbilden und somit an erster Stelle im Wasserkreislauf stehen. Genauer beziehen sich Definitionen von meteorologischen Dürren meistens auf die Dauer einer Trockenperiode bzw. wie lange der Niederschlag unter einem bestimmten Wert eines bestimmten Zeitabschnitts bleibt. Dieser ist natürlich wieder von Region zu Region unterschiedlich (Wilhite & Glantz 1985: 113). So gilt zum Beispiel eine Trockenperiode von sechs Tagen ohne Regen auf Bali bereits als eine Dürre, während es in Teilen Libyens schon zwei Jahre lang nicht regnen darf, um als Dürre klassifiziert zu werden (Hudson & Hazen 1964: Kap.18, S.1). Solche Grenzwerte scheinen zunächst willkürlich gewählt zu sein, darum ist es sinnvoll zu untersuchen, woher sie kommen und aus welchen Gründen sie so gewählt worden sind. Die Grenzwerte könnten so u.U. wieder mit bestimmten Auswirkungen auf die Vegetation oder die Wasserspeicherung zusammenhängen (Wilhite & Glantz 1985: 113).

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Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten zur Beschreibung und Quantifizierung von Dürren
Hochschule
Universität zu Köln  (Geographisches Institut)
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
25
Katalognummer
V155407
ISBN (eBook)
9783640693795
ISBN (Buch)
9783640695379
Dateigröße
1149 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Möglichkeiten, Beschreibung, Quantifizierung, Dürren
Arbeit zitieren
Steffen Blatt (Autor), 2010, Möglichkeiten zur Beschreibung und Quantifizierung von Dürren , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155407

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