Wissenschaftlichkeit in der Qualitativen Forschung?

Erläuterung und Analyse anhand des Problemzentrierten Interviews


Seminararbeit, 2010

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitende Worte und Problemstellung

2. Was ist Qualitative Forschung?
2.1 Erlauterung

3. Lebenswelt und Sinnwelt
3.1 Lebenswelt
3.2 Sinnwelt

4. Gutekriterien der Qualitativen Forschung (QF)

5. Interview als Methode der QF
5.1 Das Problemzentrierte Interview (PZI)
5.2 Instrumente und Gestaltung des PZIs
5.2.1 Instrumente
5.2.2 Gestaltung

6. Personliche Bewertung

7. Literaturangaben/Quellen

1. Einleitende Worte und Problemstellung

„ Was ist also Wahrheit? Ein bewegliches Heer von Metaphern, Metonymien, Anthropomor- phismen, kurz eine Summe von menschlichen Relationen, die, poetisch und rhetorisch gestei- gert, ubertragen, geschmuckt wurden, und die nach langem Gebrauch einem Volke fest, canonisch und verbindlich dunken: die Wahrheit sind Illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind. “ (Nietzsche, 1873/2000, S. 15)

Wenn wir uns nun dem Herausfinden der Wahrheit, einer allgemeinen und wissenschaftlich verwertbaren Wahrheit, im Kontext von und zwischen Menschen widmen wollen, so stellen wir fest, dass es bestimmter Methoden bedarf, die uns diese Arbeit erleichtern sollen und erst ermoglichen. Ich werde mich im Verlauf meiner Arbeit damit befassen, wie Wissenschaft im erziehungswissenschaftlichen Kontext sich mit einer Methode aus der Qualitativen Forschung behilft, aus Individuen allgemeingultige Wahrheiten zu extrahieren und diese entsprechend auszuwerten.

Wie bereits erwahnt lege ich den Fokus meiner Ausarbeitung auf die Qualitative Forschung - um genauer zu sein, auf das Problemzentrierte Interview. Hierbei werde ich die grundlegen- den Charakteristika und die entsprechende Vorgehensweise dieser Methodik erlautern und auf die Fragestellung eingehen, wie sich eine dedizierte Wissenschaftlichkeit anhand der Kriteri- en der Quantitativen Forschung feststellen lassen kann, beziehungsweise neue Kriterien ein- gefuhrt werden mussen. Um meinen Ausfuhrungen besser folgen zu konnen, werde ich versu- chen, einen kleinen Einblick in die Qualitative Forschung zu geben. Ohne diese Grundinfor- mationen ware ein schlussiger Verlauf, beim Losen der von mir ausgewahlten Fragestellung, nicht ganzlich nachvollziehbar. Desweiteren mochte ich ebenfalls einen kurzen Einblick in die Definition und die Differenzierung von Sinnwelten geben, da sich eben die von mir unter- suchte Methode des Problemzentrierten Interviews (PZI) mit den Sinnwelten der einzelnen Probanden beschaftigt und somit individuelle Wahrheiten zutage fordert.

2. Was ist Qualitative Forschung?

Im Vorfeld mochte ich einen kurzen Einblick in eine Methode der empirischen Sozialfor- schung geben. Hierbei mochte ich restriktiv auf die Qualitative Forschung eingehen. Kurz aus dem Grund, da dieses Feld auBerst umfangreich und tiefgrundig ist und bei genauerer Be- trachtung den Rahmen meiner Arbeit mehr als sprengen wurde. Durch die vorherige Abgren zung dieses Teilbereichs der Sozialforschung wird sich das von mir zu bearbeitende Thema einfacher auf die im weiteren Verlauf von mir zu erwahnenden Gutekriterien untersuchen lassen.

2.1 Erlauterung

Abendlandische Wissenschaft war, geschichtlich betrachtet, hauptsachlich von Technik und Naturwissenschaften gepragt. Im technologischen Sektor war der Sinn, Arbeitsprozesse der Menschen maschinell zu verbessern und entsprechende Handlungsmuster zu begreifen und zu deuten, bereits in fruher Zeit vorhanden. (vgl. Fuhs, 2007, S. 10) Wissenschaft diente dem- nach dem Erkenntnisgewinn durch Ursache-Wirkungskreislaufe beim Verstehen von Ferti- gungsverfahren und der verbesserten Bedienbarkeit von neuentwickelten Maschinen. Die Na- turwissenschaften bedienten sich demselben Ursache-Wirkungsprinzip im Erforschen von Zusammenhangen in der Physik, Chemie oder Biologie. Hierbei war es von groBer Bedeu- tung, komplexe Vorgange mathematisch zu begrunden und auf die Form einer allgemeingul- tigen und immerwahrenden Modellhaftigkeit zu begrenzen. Die Definition von Naturgesetzen ware ohne diese Methodik von Messen, Beobachten und numerischer Presentation nicht mog- lich gewesen. (vgl. Fuhs, 2007, S. 11)

Im oben genannten Sektor der Naturwissenschaften dienen die Methoden vollig berechtigt dem Erkenntnisgewinn. Ein groBes Problem stellt sich nun ein, wenn man Vorgange be- schreiben will, die auf nicht technischer oder naturwissenschaftlicher Basis grunden. Mit die- sen Bereichen meine ich die inter- und intrapersonellen Vorgange in einer Gesellschaft. Nicht alle Fragen lassen sich durch simples Messen von bestimmten Zustanden beantworten. Laut dem groBen Mathematiker und Philosophen Blaise Pascal war diese Problematik schon im 17. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklarung, mehr als present und so stellte er fest, dass die Vernunft noch so laut rufen moge, sie konne den Wert der Dinge nicht bestimmen. (vgl. Pas­cal, 2004) Die quantitativen Methoden sind demnach nicht vollends in der Lage, unsere Welt zu definieren. Dort, wo der Mensch immaterielle Werte sieht und dort, wo es um Emotion und Asthetik geht, bedarf es einer qualitativen Vorgehensweise um sich diesen Bereichen zugang- lich zu machen, da diese nicht rational zu begrunden sind. (vgl. Fuhs, 2007, S. 11)

Qualitative Forschung kann man als Ansammlung von verschiedenen Bezeichnungen verste- hen, die mit vielerlei Methoden verbunden sind. Wenn man betrachtet, wie viele Publikatio- nen es zu diesem Forschungsansatz gibt, so stellt man fest, dass es offensichtlich keine ein- heitliche Begrifflichkeit und keine einheitlich konkludenten Methoden gibt. (vgl. FQS-Link, 2010) Die Qualitative Forschung (QF) hilft dabei, die eben weiter oben im Text genannten Felder zu ergrunden. Durch verschiedene Methoden der QF lassen sich Biografien unter- schiedlicher Personengruppen erforschen oder Zusammenhange zwischen erzieherischen Problemen in der Schule verdeutlichen. Es muss erwahnt werden, dass die QF nicht nur in der Padagogik zu Hause ist, sondern disziplinubergreifend angewandt wird wie zum Beispiel in der Psychologie, der Soziologie, der Volkskunde und in der Psychoanalyse, um nur einige zu nennen. (vgl. Flick et. al., 1995) Als Definitionsversuch kann hierbei so argumentiert werden, dass „Qualitative Forschung [...] im weitesten Sinne als eine theoretisch geleitete und metho- disch systematisch kontrollierte Form der wissenschaftlichen Arbeit an der Grenze zweier Bedeutungswelten verstanden werden [kann].“. (Fuhs, 2007, S. 19) Als Bedeutungswelt ist die Herkunft des Forschers/der Forscherin gemeint, der sich mit einem zu erforschendem Phanomen befasst und die Herkunft des zu forschenden Phanomens an sich. Betrachtet man die Methoden der Qualitativen Forschung beim Versuch, die nicht materiell fassbaren GroBen ermitteln zu wollen, wie zum Beispiel dem personlichen Empfinden bei einer bestimmten Tatigkeit oder dem biografischen Werdegang einer Person, so wird deutlich, dass die Gutekri- terien (Validitat, Reliabilitat, Objektivitat) der Quantitativen Forschung nicht vollends uber- tragbar sind. Es bietet sich somit an aus einem Methodenmix der quantitativen Datenerhebung und der qualitativen Methode seine Forschung zu gliedern. So kann ein unbekanntes Phano- men durch qualitative Exploration untersucht und entstandene Hypothesen durch statistische Modelle untermauert werden.

Wie in der Einfuhrung erlautert, soll dies nur eine kompakte Information darstellen, um meine Fragestellung besser zu bearbeiten. Im weiteren Verlauf werde ich auf die Sinnwelten einge- hen, um den Raum der Forschungsfrage zu verdeutlichen. Da sich das Problemzentrierte In­terview mit der Darstellung individueller Empfindungen, Lebens- und Wirkraumen von Indi- viduen in einer Gesellschaft befasst, erachte ich es auch fur wichtig, zusatzliche Gutekriterien aufzuzeigen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Wissenschaftlichkeit in der Qualitativen Forschung?
Untertitel
Erläuterung und Analyse anhand des Problemzentrierten Interviews
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Pädagogik)
Veranstaltung
Qualitative Methoden der Sozialforschung
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V155481
ISBN (eBook)
9783640694518
ISBN (Buch)
9783640695492
Dateigröße
953 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogik, Sozialwissenschaft, Qualitative Sozialforschung, Problemzentriertes Interview
Arbeit zitieren
Rocco Rossi (Autor), 2010, Wissenschaftlichkeit in der Qualitativen Forschung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155481

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Wissenschaftlichkeit in der Qualitativen Forschung?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden