Erstellung eines Rahmenkonzeptes für Knowledge-Communities unter Berücksichtigung technikinduzierter Fragestellungen computervermittelter Kommunikation


Diplomarbeit, 2009
132 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kurzfassung

Abkurzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit
1.2 Vorgehen und Aufbau der Arbeit

2 Definition der Begriffe und thematische Eingrenzung
2.1 Definition und Bedeutung von Wissen
2.1.1 Explizites und implizites Wissen
2.2 Integration von Wissen im Wissensmanagement
2.3 Virtuelle Communities und ihre Kennzeichen
2.3.1 Aufgaben, Leistungsspektrum und Vertrauen in den Virtuellen Communities
2.3.2 Kategorisierung der Virtuellen Communities
2.4 Wissensmanagement mit Knowledge-Communities
2.4.1 Gestaltungsprinzipien von Knowledge-Communities
2.4.2 Etablierung von Knowledge-Communities
2.5 Expertennetzwerke als professionelle Knowledge-Communities
2.5.1 Ein kurzer Uberblick uber Expertennetzwerke-Community-Typen

3 Motivationale Ansatze und Anreizsysteme fur Knowledge Communities
3.1 Motivationstheorien versus Knowledge-Communities
3.1.1 Klassische Organisationsansatze
3.1.2 Verhaltensorientierte Organisationsansatze
3.1.3 Motivationstheoretische Ansatze
3.1.4 Systemorientierte Ansatze
3.1.5 Moderne organisationstheoretische Ansatze
3.1.6 Organisationstheoretische Ansatze und Knowledge-Communities computervermittelter Kommunikation (CvK)
3.2.1 Anreizinstrumente und Vertrauen als Einflussfaktoren

4 Computervermittelte Kommunikation (CvK)
4.1 Formen der computervermittelten Kommunikation (CvK)
4.2 Weblogs
4.2.1 Professionelle - Business Blogs
4.3 Merkmale der computervermittelten Kommunikation (CvK)
4.3.1 Face-to-Face-Kommunikation (FtFK) versus computervermittelte Kommunikation (CvK)
4.3.2 Vorteile der computervermittelten Kommunikation (CvK)
4.3.3 Sozialpsychologische Aspekte der computervermittelten Kommunikation (CvK)
4.4 Technikinduzierte Problemfelder der computervermittelten Kommunikation (CvK) in Knowledge-Communities
4.5 Theorien der computervermittelten Kommunikation (CvK)
4.5.1 Das Medienokologische Rahmenmodell
4.5.2 Eine kurze Zusammenfassung der Medienwahl-Modelle unter Berucksichtigung technikinduzierter Fragestellungen der computervermittelten Kommunikation (CvK)
4.6 Kompensation technikinduzierter Defizite in Knowledge-Communities..

5 Empirie
5.1 Struktur der Studie
5.2 Ergebnisse der Studie
5.3 Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse

6 Zusammenfassung und Ausblick

Literatur- und Quelleverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Maslow'sche Pyramide

Abbildung 2: Das Medienokologische Rahmenmodell

Abbildung 3: Rahmenkonzept fur Knowledge-Communities (intra organisationell)

Abbildung 4: Rahmenkonzept fur Knowledge-Communities (extra- organisationell)

Abbildung 5: Frage 2: Welcher Branche/welchem Gewerbe wurden Sie Ihr Unternehmen zuordnen? N=97

Abbildung 6: Frage 7: Bitte geben Sie an, welche Position Sie im Unternehmen einnehmen. N=96

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Scientific Management versus Knowledge-Communities

Tabelle 2: Betriebliche Organisationslehre versus Knowledge-Communities

Tabelle 3: Human-Relations-Ansatz versus Knowledge-Communities

Tabelle 4: Maslow'sche Bedurfnispyramide versus Knowledge- Communities

Tabelle 5: Motivatoren und Hygiene-Faktoren nach Herzberg

Tabelle 6: Motivatoren und Hygiene-Faktoren nach Herzberg

Tabelle 7: Extrinsische und intrinsische Bedurfnisse am Arbeitsplatz

Tabelle 8: Systemorientierte Ansatze versus Knowledge-Communities

Tabelle 9: Lernende Organisationen (LO) versus Knowledge-Communities

Tabelle 10: Virtuelle Organisationen (VO) versus Knowledge-Communities

Tabelle 11: Formen der asynchronen und synchronen CvK (Auswahl)

Kurzfassung

Die verschiedenen sich in einer Community treffenden Menschen mit den glei- chen Bedurfnissen etablieren verschiedenartige Netze mit Expertenwissen. Die Knowledge-Communities sind folglich ein gutes Mittel, um dort das individuelle Fachwissen zu potenzieren. Eine der groGten Herausforderungen an das Wis- sensmanagement in Knowledge-Communities besteht darin, die Menschen - darunter Fach-Experten - zur Weitergabe ihres eigenen Wissens zu motivieren sowie die Bereitschaft zur Wissensgenerierung anderer dort agierender Teil- nehmer mit Anreizen zu erhohen, welche die Motivation im Sinne der Errei- chung der Ziele und Erwartungen starken soll.

Diese Arbeit konzentriert sich auf die Hauptprobleme des Wissensaustausches in den Knowledge-Communities unter Berucksichtigung technikinduzierter Fra- gestellungen computervermittelter Kommunikation (CvK). U.a. befasst sie sich mit folgenden Fragestellungen: wie kann die Etablierung und Aufrechterhaltung einer professionellen Knowledge-Community die einzelnen Nutzer nicht nur auf sachlicher Ebene, d.h. rational und pragmatisch, sondern auch in emotionaler Hinsicht mit dem System verbinden, so dass die Erwartungen der Teilnehmer moglichst umfassend erfullt werden. Eine wichtige Rolle spielen dabei Hilfsmit- tel bzw. Werkzeuge, die den Teilnehmern bei Bedarf zusatzlich zur Verfugung gestellt werden konnen, die zur verstarkten Nutzung bzw. zum aktiven und ef- fektiven Austausch der Beteiligten anregen sollten.

Die Problemfelder, die unter Berucksichtigung technikinduzierter Fragestellun­gen der computervermittelten Kommunikation (CvK) zum Tragen kommen, werden im Zusammenhang mit dem Aspekt der Wissenskommunikation in Knowledge-Communities untersucht, die teilweise durch verschiedene Theorien erklarbar sind. Zu diesem Zweck wird eine Reihe von Theorien und Ansatzen der computervermittelten Kommunikation (CvK) herangezogen, die sich in ein Medienokologisches Rahmenmodell integrieren lassen.

Um ein besseres Verstandnis der Organisationsstrukturen, die bei Knowledge- Communities anzutreffen sind, zu ermoglichen, werden die Eigenschaften aus- gewahlter klassischer aber auch moderner motivationaler Organisationsansatze untersucht und mit den spezifischen Eigenschaften der Knowledge- Communities verglichen. Ebenfalls werden die bestehenden Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen diesen und klassischen Organisationsansatzen aufgezeigt. Hierfur wird eine zusammenfassende Darstellung der gangigsten Motivationstheorien gegeben.

Die Ausarbeitung dieser Motivationstheorien soil eine unterstutzte Hilfe geben, um eine Aussage uber die entsprechenden Anreize machen zu konnen, die in Knowledge-Communities zur Steigerung der Kooperationsbereitschaft beitragt.

Schlusselworter: Virtuelle Communities, Knowledge-Communities, Wissens- management, das Medienokologische Modell, explizites und implizites Wissen, Face-to-Face-Kommunikation (FtFK), computervermittelte Kommunikation (CvK), Motivation, Anreizsysteme, technikinduzierte Problemfelder.

1 Einleitung

Personliche Netzwerke stellen den entscheidenden Faktor fur den Informations- und Wissensaustausch zwischen Individuen dar. Viele Unternehmen sehen die Etablierung von Wissens-Communities (Knowledge-Communities), je nach Be- darf und Zielsetzung, als einen wichtigen Erfolgsfaktor und eine Moglichkeit zur Steuerung der Unternehmensstruktur. Die Frage, warum Communities gerade heute im Kontext von Wissensmanagement in das Blickfeld rucken, hangt eng damit zusammen, dass das Wissensmanagement mehr an den Menschen und ihren Bedurfnissen orientiert werden sollte.

Insbesondere zeigt sich in der letzten Zeit die zunehmende Bedeutung profes- sioneller Communities in den Unternehmen als virtuelle Aggregation von Spe- zialisten mit ihrem Know-how. Es ist daher eine wesentliche Herausforderung fur die Unternehmen auf das virtuell organisierte Know-how und Wissen von Experten zuruckzugreifen, den Austausch mit und zwischen Experten zu fuh- ren, d.h. zu aktivieren und zu motivieren. Mitunter zeigen diese Know-how- Spezialisten oder Experten ein groGeres Interesse in den Experten-Knowledge- Communities auGerhalb des Arbeitsplatzes und weniger innerhalb einer klassi- schen Organisation.

Fur den Wissensaustausch und die damit verbundenen Prozesse, darunter auch sozialpsychologische Prozesse, kommen in der computervermittelten Kommunikation (CvK) im Vergleich zur Face-to-Face-Kommunikation (FtFK) vielschichtige Problemfelder zum Tragen. Diese konnen dazu fuhren, dass die erhofften Gewinne, die aus der Interaktion zwischen den Individuen und in Gruppenprozessen entstehen konnen, nicht realisiert werden. Eine gute und professionelle technische Unterstutzung allein, stellt leider nicht die Losung aller Problemstellungen dar. Diese wird von einer Vielzahl soziologischer, organisa- torischer und individueller Faktoren beeinflusst.

Obwohl im Bereich der Knowledge-Communities sowie im Bereich der compu­tervermittelten Kommunikation (CvK) schon eine Fulle von Veroffentlichungen vorliegt, erfolgt eine explizite Betrachtung der Problemfelder, die in der compu­tervermittelten Kommunikation (CvK) auftreten konnen, in der Literatur eher selten. Zumal existiert kaum wissenschaftliches Material uber die Entstehung, die Motivation, die Anreizsysteme und das Management von professionellen Virtuellen Communities. Ein sehr wichtiger Beitrag auf diesem Forschungsge- biet sind u.a. die Untersuchungen und Studien von Doring[1].

Aus diesem Grund setzt sich diese Arbeit mit den Problemfeldern der compu- tervermittelten Kommunikation (CvK) in den Knowledge-Communities ausei- nander, die vor allem die technikinduzierten Fragestellungen solch einer Kom­munikation berucksichtigen soll. Sie greift diese Forderungen auf, fuhrt in kon- zeptionelle Grundlagen ein und entwickelt darauf aufbauend ein Rahmenkon- zept fur das Wissensmanagement in Expertennetzwerken.

1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit

Es gibt mittlerweile in der Literatur sehr viele Auspragungen, Kategorisierungen und Arten von Virtuellen Communities. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Knowledge-Communities und den Problemfeldern der Kommunikation bzw. der Interaktionsprozesse zwischen den Teilnehmern, die in der computervermit- telten Umgebung stattfinden. Der Bedarf, den solch eine Community abdecken soll, ist der Wissensaustausch. Ihr Ziel ist es, das Wissen moglichst unkompli- ziert und schnell zu vermitteln, d.h. eine Plattform zu bieten um nach Wissen zu suchen und um Wissen anbieten zu konnen.

Zum einen sind die Grunde zu finden, aus denen Wissen weitergegeben und angenommen wird, wie z.B. Motivation und Vertrauen. Zum anderen soll fol- genden Fragen in dieser Arbeit nachgegangen werden: Welche Anreize bzw. Anreizsysteme mussen geboten werden, um die Teilnehmer zur aktiven Kom­munikation zu motivieren und um eine bestimmte Leistung zu erbringen? Muss das Gleichgewicht zwischen Anreiz und Beitrag hergestellt werden, um eine ergebnisorientierte Kommunikation bzw. Wissensaustausch aufrechtzuerhal- ten? Hierfur werden relevante Ansatze aus der Literatur herangezogen, die sich mit Anreizsystemen in virtuellen Gemeinschaften befassen. Es wird untersucht, mit welchen theoretischen Ansatzen: Anreizsysteme, motivationale Ansatze, Organisationsansatze etc. der in der Community stattfindende Wissensaus­tausch bzw. Kommunikation intensiviert werden kann.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, den Einfluss der computervermittelten Kom­munikation (CvK) in den Knowledge-Communities und seine Auswirklungen auf den Wissensaustausch bzw. den Interaktionsprozess unter Berucksichtigung der technikinduzierten Fragestellungen zu untersuchen. Es wird der Frage nachgegangen, wie sich die sozialpsychologischen Aspekte bei dieser Form der Kommunikation entwickeln bzw. inwieweit diese sich von der menschlichen Fa ce-to-Face-Kommunikation (FtFK) unterscheiden. Welche Problemfelder kom- men dabei zum Tragen? Es wird angestrebt, dass die technikinduzierten Defizi- te sowohl mittels technischer Kommunikationsmedien, als auch von den Kom- munizierenden selbst situativ und naturlich auf unterschiedliche Weise kompen- siert werden.

Aufbauend auf vielen theoretischen Befunden sowie unter Berucksichtigung des Medienokologischen Rahmenmodells, wird in dieser Arbeit ein spezifisches Rahmenmodell unter Berucksichtigung der technikinduzierten Fragenstellungen der computervermittelten Kommunikation (CvK) fur Knowledge-Communities entwickelt. Dieses wird aus eigenen und aus der Fachliteratur gewonnenen Er- kenntnissen zusammengestellt. Gleichzeitig werden anhand dieses Modells die Defizite der computervermittelten Kommunikation (CvK) aufgegriffen, wie die personlichen sozialen Barrieren (dysfunktionales Verhalten, reduzierte soziale Prasenz, apersonale Beziehungsstrukturen, Vertrauensaufbau, Fehlen von non- und paraverbalen Hinweisreizen, erschwerte Steuerung der Interaktionsprozes- se) sowie die technikinduzierten und diese in Verbindung mit organisationstheo- retischen und kommunikations-technischen Fragen- und Problemstellungen. Das Modell soll helfen, diese Aspekte besser zu verstehen und damit auch wir- kungsvoller zu berucksichtigen, zu verandern sowie mit den Verbesserungs- vorschlagen und erarbeiteten Losungen vorhandene Defizite zu kompensieren.

Bevor das Modell entwickelt wird, werden eine Reihe von Theorien, theoreti- schen Ansatzen sowie eine empirische Studie vorgestellt. Diese Erkenntnisse flieGen bei der Anwendung der vorherrschenden Erklarungsansatze in die Lo- sung dieser Arbeit ein.

AbschlieGend werden Verbesserungsmoglichkeiten fur die computervermittelte Kommunikation (CvK) in den Knowledge-Communities vorgeschlagen, um das Interesse an weiterer Forschung auf diesem Gebiet anzuregen.

Wichtige Aussagen und Begriffe werden nachfolgend kursiv hervorgehoben.

1.2 Vorgehen und Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in sechs Kapitel. Die Grobstruktur besteht aus einem einleitenden Teil (Kapitel 1), einem Grundlagenteil (Kapitel 2), einem Hauptteil (Kapitel 3 und Kapitel 4), einem empirischen Teil (Kapitel 5) und der Zusammenfassung (Kapitel 6).

Im Anschluss an das vorliegende einleitende Kapitel werden im Kapitel 2 die fur das Verstandnis dieser Arbeit notwendigen Grundlagen im Bereich Wissens- management erortert und es wird ein Bezugsrahmen fur spatere Kapitel ge- schaffen. Insbesondere werden fur die Erarbeitung des Rahmenkonzepts pas- sende und praxistaugliche Definitionen von Wissensmanagement erortert, vor allem fur das Wissensmanagement mit Knowledge-Communities. Fur die weite- re Betrachtung von Knowledge-Communities werden zu Beginn Virtuelle Com­munities angesprochen, die als Basis fur alle netzbasierte Kommunikation so- wie Kollaboration zwischen Individuen und Gruppen gelten. Der weitere Fokus dieses Kapitels liegt in den Expertennetzwerken als professionelle Knowledge- Communities, die unter Berucksichtigung der Fragestellungen der CvK in den folgenden Kapiteln zum Thema dieser Arbeit gemacht werden.

Nach einer kurzen Darstellung des Themengebiets Anreizsysteme aus dem vorangegangenen Kapitel 2, werden im Kapitel 3 motivationale Ansatze be- trachtet. Es wird ein Uberblick uber theoretische Ansatze aus der Literatur ge- geben, die sich mit Motivationssystemen befassen. Die Eigenschaften ausge- wahlter klassischer aber auch moderner organisationaler motivationaler Ansat­ze werden untersucht und mit den spezifischen Eigeneschaften der Knowledge- Communities verglichen. Die bestehenden Unterschiede und Gemeinsamkeiten werden in den darauf folgenden Tabellen beispielhaft aufgezeigt. Anhand dieser Vergleiche soll ein besseres Verstandnis der Strukturen, die bei Knowledge- Communities professioneller Ausrichtung anzutreffen sind, ermoglicht werden, um eine Aussage uber die entsprechende Anreize zu machen, die in Knowled­ge-Communities zur Steigerung der Kooperationsbereitschaft und zur effizien- ten Kommunikation unter Berucksichtigung CvK beitragen.

Der in Kapitel 4 behandelte Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit liegt auf der Darstellung von CvK in Knowledge-Communities in Bezug auf sozialpsycholo- gische Aspekte, die in der Kommunikation in solch einer computervermittelten Umgebung zum Tragen kommen. Zu Beginn der Ausarbeitung des Rahmen- modells werden zwei Formen von CvK (synchron und asynchron) mit ihren Merkmalen dargestellt. Eine Gegenuberstellung der personlichen (raumgebun- denen) FtFK mit der technikinduzierten CvK hilft im weiteren Verlauf mogliche Vorteile als Ersatz fur nonverbale CvK zu identifizieren. Im Hinblick auf die so- zialpsychologischen Aspekte der CvK, werden gangige Theorien der CvK, dar- unter das Medienokologische Rahmenmodell, dargestellt. Sie beschreiben und erklaren nicht nur die Besonderheiten der CvK, sondern die Nutzungs- und Wir- kungsweise dieser Art der Kommunikation. Die Theorien gehen der Frage nach, in wieweit solche sozialen Defizite, die wegen fehlender visueller Darstellung sowie komplexer medialer Infrastruktur in der CvK auftreten, kompensiert wer­den konnen, mit dem Ziel: eine langere Kommunikationsbeziehung und das Vorhandensein einer positiven Erwartungshaltung gegenuber den Kommunika- tionspartnern zu begunstigen. Die hierbei gewonnenen theoretischen Erkenn- tnisse bilden die Grundlagen fur die Erstellung des Rahmenmodells.

In Kapitel 5 werden die Forschungsergebnisse der Studie „Wissensmanage- ment 2.0 - Erfolgsfaktoren fur das Wissensmanagement mit Social Software" dargestellt, die vom Fraunhofer-Institut fur Arbeitswirtschaft und Organisation, Stuttgart durchgefuhrt wurde. Die Ergebnisse dieser Studie sollen erganzende Informationen uber die in der vorliegenden Arbeit gewonnenen Erkenntnisse vermitteln und Anhaltspunkte fur das erarbeitete Rahmenmodell unter Beruck- sichtigung der Fragestellungen der CvK liefern. Die Studie erregte eine hohe Aufmerksamkeit im Bereich Web 2.0, da sie einen aktuellen Uberblick uber er- folgreiches Wissensmanagement in deutschen Unternehmen gibt.

Die Arbeit schlieGt mit dem Kapitel 6 ab. In diesem Kapitel werden die in dieser Arbeit beschriebenen Ergebnisse zusammenfassend erortert und ggf. zukunfti- ge Forschungsinteressen im Themengebiet anregen.

2 Definition der Begriffe und thematische Eingrenzung

2.1 Definition und Bedeutung von Wissen

Was ist Wissen? Wo wird Wissen aufbewahrt? Welche Bedeutung hat Wissen fur uns? Das ist eine Frage der Definition. Es existiert keine einheitliche Defini­tion des Begriffes Wissen in der Literatur. Grundsatzlich lassen sich Definitio- nen nach den Aspekten Wissensanwendung und Wissenserwerb unterschei- den. Entsprechend dieser Information werden aus Informationen Wissensinhal- te, die je nach Kontext eine angemessene Informationsnutzung moglich ma- chen. Eine entsprechende Begriffsverwendung hat sich nicht nur in der Informa- tik, sondern auch in der Psychologie, der Padagogik und den Sozialwissen- schaften durchgesetzt.[2] Z.B. in der Philosophie wird zudem thematisiert, auf welche Weise und in welchem AusmaG Menschen zu Wissen gelangen. Zum Anderen untersucht die Psychologie, auf welche Weise Wissen bei Menschen gespeichert und vernetzt wird. Jahrzehnte wurde diese Forschung durch Ansat- ze der kognitiven Neurowissenschaft erganzt, die die Informationsverarbeitung auf der Ebene des Gehirns beschreiben. Auch in der kunstlichen Intelligenz spielt das Thema der Wissensreprasentation eine zentrale Rolle, wobei das Ziel verfolgt wird, verschiedene Formen des Wissens auf effektive Weise in kunstli­chen Systemen verfugbar zu machen. In der Padagogik und in den Gesell- schaftwissenschaften wird erforscht, wie Wissen vermittelt, erworben und ver­fugbar gemacht wird.[3] Wissen umfasst eine groGe Anzahl verschiedener Pha- nomene. Daher haben sich verschiedene Formen von Wissen etabliert, die ver­schiedene Themenbereiche betreffen.

Nach Reinmann-Rothmeier und Vohle (2002)[4] gibt mindestens zwei verschie­dene Herangehensweisen an den Wissensbegriff: „Was ist Wissen?". Seit lan- gem ist in unseren Kopfen die Vorstellung vom Wissen als eine Art Bewegung, die man im Englischen mit der Bezeichnung „knowing" ganz gut vom bewe- gungslosen ..knowledge" abgrenzen kann. Wissen als Verb symbolisiert das Prozesshafte, gleichzeitig aber auch Fluchtige und schwer Greifbare am Wis­sen, und diese neue Vorstellung vom Wissen ist uns noch nicht sehr vertraut, wirft viele offene Fragen auf und weckt zudem auch Unbehagen. Denn: Wie halt man Wissen beispielsweise fest, wenn es in Bewegung und nicht unmittelbar „greifbar“ ist? Und wem gehort Wissen, wenn es sich gar nicht mehr eindeutig abgrenzen und zuordnen lasst?[5]

Wissen hat heute also wahrscheinlich nicht nur eine Bedeutung, sondern min- destens zwei Bedeutungen.[6]

- Zum einen gibt es Wissen als Objekt - z.B. die in einer Enzyklopadie festgehaltenen Erkenntnisse oder die in einem Intranet verwalteten Best- Practice-Berichte uber erfolgreiche Projekterfahrungen.
- Zum anderen gibt es Wissen als Prozess, der auf Erfahrungen basiert, den direkten menschlichen Kontakt von Angesicht zu Angesicht erfordert und nicht digital eingefangen werden kann. Unter einer solchen prozess- orientierten Perspektive wird Wissen vor allem als Verb gebraucht und bezeichnet handlungsinharentes Wissen, das von der Situation und vom Wissenstrager kaum zu trennen ist.

So gesehen kann man sagen, dass Wissen als Prozess letztlich in Handeln ubergeht, wahrend Wissen als Objekt eng an der Information haftet.

Eine im Kontext von Wissensmanagement sinnvolle und praxistaugliche Defini­tion liefern Davenport und Prusak (1998):

„Wissen ist eine flieGende Mischung aus strukturierten Erfahrungen, Wert- vorstellungen, individuellem Kontext, Kenntnissen und Fahigkeiten. Es bie- tet in seiner Gesamtheit einen Strukturrahmen zur Beurteilung und Einglie- derung neuer Erfahrungen und Informationen und wird von Individuen zur Losung von Problemen eingesetzt."[7]

Wissen taucht in dem soziologischen Begriff Soziales Kapital auf, mit dem Pier­re Bourdieu (1983)[8] die Gesamtheit der aktuellen und potenziellen Ressourcen bezeichnet, die mit der Teilhabe am Netz sozialer Beziehungen gegenseitigen Kennens und Anerkennens verbunden sein konnen. Soziales Kapital bietet fur die Individuen einen Zugang zu den Ressourcen des sozialen und gesellschaft- lichen Lebens wie Unterstutzung, Hilfestellung, Anerkennung, Wissen etc. Zu- nachst offnen und begrenzen die auGeren okonomischen, sozialen und kulturel- len Bedingungen des Individuums seinen Spielraum von Handlungsmoglichkei- ten. Diesen Ansatz kann man auf die „Neuen Medien" ubertragen. Die Verwen- dung des Begriffs „Neue Medien" war eine lange Zeit die Strategie der Abhe bung, eine Art Hervorhebung der anderen aber auch fur andere. Mittlerweile gehort die Verwendung des Begriffs „Neuen Medien" mithin zum kulturellen Ka- pital eines Menschen, und ist somit bereits unreflektierter Bestandteil des Habi­tus. So lasst sich auch am Habitus des Medien-Umganges auf soziale Zugeho- rigkeiten schlieGen. Z.B. ist symbolisches Kapital im Sinne von Ansehen, Pres­tige und Reputation gerade in Virtuellen Communities wie Communities of Interest, Communities of Practice“, Knowledge Communities“ etc. und eher virtuell orientieren Unternehmen, Gemeinschaften und Gruppen von entschei- dender Bedeutung.

2.1.1 Explizites und implizites Wissen

Von Bedeutung fur viele Disziplinen ist die Unterscheidung zwischen implizitem und explizitem Wissen, die von Michael Polanyi (1966)[9] eingefuhrt wurde. Als explizit gelten Wissensinhalte, wenn ein Subjekt bewusst uber sie verfugt und sie ggf. auch sprachlich ausdrucken kann. Demzufolge zeichnen sich implizite Inhalte dadurch aus, dass sie nicht auf eine solche Weise verfugbar sind. Die implizite Dimension spielt in der Forschung eine zunehmende Rolle, da sich zeigt, dass viele zentrale Wissensinhalte nicht explizit vorhanden sind.

2.2 Integration von Wissen im Wissensmanagement

Um dem Thema Wissensmanagement naher zu kommen, sind zunachst einige Uberlegungen zum Begriff Wissensmanagement notwendig. Der Begriff Wis­sensmanagement wird sowohl in der Forschung als auch in der Praxis derzeit noch relativ unterschiedlich verstanden und wird in der Literatur sehr haufig verwendet. Wissensmanagement ist deshalb zu einem aktuellen Thema gewor- den, da durch schnelle Entwicklung und zunehmende Vernetzung neue Organi- sationsformen in Unternehmen entstehen. Schon immer wurden in Organisatio- nen alle Wissensschatze gesammelt, archiviert und weiterverwendet, aber es lag keine einheitliche Struktur zugrunde. In der Regel die Personen, die diese Informationen bereitgestellt haben, hatten den Zugang zu weiterer Verarbeitung und Speicherung des Wissens. Die anderen waren von diesen Wissensschat- zen ausgeschlossen. Informationen nutzen letztendlich nichts, wenn sie nicht in einen Rahmen eingeordnet werden konnen. Nach Probst (1997)[10] bildet Wis­sensmanagement ein integriertes Interventionskonzept, das der Gestaltung der organisationalen Wissensbasis dient.

Wesentliches Charakteristikum des Wissensmanagements ist eine ganzheitli- che Sicht bei der Betrachtung. Dabei lassen sich die drei Dimensionen Techno- logie, Organisation und Mensch unterscheiden.[11]

Die Technologie-Sicht fasst das Management von Wissen als eine Sammlung von Verfahren zur Verwaltung einzelner Wissensobjekte auf. Dabei wird davon ausgegangen, dass sich Wissen uber reale Sachverhalte vollstandig in Form atomarer, untereinander verknupfter Wissensobjekte ausdrucken lasst, die in einem Informationssystem abgebildet werden konnen. Aus Sichtweise der Di­mension Organisation umfasst das Gestaltungsobjekt des Wissensmanage­ments nicht das Wissen selbst, sondern vielmehr all jene Prozesse einer Orga­nisation, in denen Wissen verarbeitet wird. Wissensmanagement wird damit zur Organisationsgestaltung. Der Mensch steht im Blickpunkt der Lernpsychologie. Diese geht davon aus, dass die Verarbeitung von Wissen nicht direkt gestaltbar ist, sondern letztlich in den internen Lernprozessen von Individuen oder Grup- pen besteht. Die Moglichkeit zur Steuerung dieser „black box"[12] durch das Wis­sensmanagement beschrankt sich daher auf die indirekte Einflussnahme durch Gestaltung der auGeren Einflussfaktoren.[13]

Bei der Betrachtung von Knowledge-Communities, die als Hauptthema dieser Arbeit untersucht werden, steht im Rahmen dieser Arbeit der Mensch, als defi- nitorisches Merkmal der Virtuellen Community, sowie die Technologie, die den Rahmen fur die Interaktion zwischen den Community-Mitgliedern bildet, im Mit- telpunkt. Dabei stellt die Community als solches den organisatorischen Rahmen dar. Davenport fasst diese Auffassung wie folgt zusammen: Effective man­agement of knowledge requires hybrid solutions of people and technology"[14]

Viele Unternehmen beginnen zu verstehen, dass das Wissen ihrer Mitarbeiter ihr wertvollstes Kapital ist. Es gibt viele wissenschaftliche Modelle, aber nur we- nige haben sich durchgesetzt - durchgesetzt im Sinne, dass sie weite Verbrei- tung gefunden haben, in der Praxis hohe Akzeptanz erzielen konnten und gleichzeitig in wissenschaftlichen Kreisen auf Anerkennung gestoGen sind.

2.3 Virtuelle Communities und ihre Kennzeichen

Als Virtuelle Communities soll im Folgenden ein Zusammenschluss von Men- schen mit gemeinsamen Interessen definiert werden, die untereinander mit ge- wisser RegelmaGigkeit und Verbindlichkeit auf computervermitteltem Wege In- formationen austauschen und Kontakte knupfen. Der FtF-Kontakt ist folglich bei Virtuellen Communities ein eher seltener, bis nie genutzter Interaktionskanal. Somit basieren Virtuelle Communities auf der zeitlichen und ortlichen Trennung der Mitglieder. Dies ermoglicht den flexiblen, weltweiten Austausch der Com- munity-Mitglieder. Hierdurch haben Virtuelle Communities ein breiteres Ein- zugsgebiet als FtF-Communities und tendieren eher dazu, eine groGe Mitglie- derzahl zu integrieren. Virtuelle Gemeinschaften mussen jedoch nicht notwen- digerweise groGer sein als lokale Communities.[15]

2.3.1 Aufgaben, Leistungsspektrum und Vertrauen in den Virtuellen Communities

Virtuelle Communities lassen sich danach unterscheiden, in welchem Internet- Dienst sie sich etablieren, mit welchen Themen und Aufgaben sie sich beschaf- tigen oder welchen Stellenwert sie im Leben ihrer Mitglieder einnehmen. Die Virtuellen Communities konnen in der Form einer B2B-Community auftreten, als unternehmensinterne Community, als B2C-Community. Die Aufgaben und das Leistungsspektrum hangen immer von den Community-Zwecken, Motiven oder von den Mitgliedern, die die Community grunden sowie sie ausmachen, ab. So- ziale, professionelle und kommerzielle Orientierungen bestimmen die Aufgaben und das Leistungsspektrum der Virtuellen Communities. Im folgenden Kapitel 2.3.2 wird naher auf die jeweiligen Typisierungen der Virtuellen Communities eingegangen, um eine moglichst eindeutige Unterscheidung zu ermoglichen.

Die Leistungsfahigkeit einer Virtuellen Community ist deren Fahigkeit, Nutzer anzuziehen und an die Community zu binden. Die Basis hierfur ist zum einen das Vertrauen in die anderen Teilnehmer und zum anderen die Attraktivitat der Umgebung. Was das im Einzelnen heiGt, das Vertrauen der anderen Teilneh­mer zu gewinnen, beschreibt Michael Peter Schmidt (2000)[16] in seinem Buch Knowledge Communities“ mittels vier Aspekte des Vertrauens. Jeder, der sich mit der Community identifizieren mochte bzw. das faire und kompetente Verhal- ten anderer Mitglieder erwartet, sollte sich im Vorfeld mit folgenden Fragen, was aber nicht verbindlich, sondern nur optional ist, auseinandersetzen:

1.Vertrauen in die Identitat des Gegenubers: wer steht hinter dem Namen, den ich auf meinem Bildschirm lese? Ist die Person, mit der ich gerade plaudere, dieselbe wie beim letzten Gesprach, oder nutzt sie nur den gleichen Namen?
2. Vertrauen in die Interessen des Gegenubers: warum mochte er mit mir kom- munizieren? Bei Internet-Auktionen ist dies relativ klar. Bei Wertpapier- Communities kann eine Empfehlung fur eine Aktie durchaus den Hintergrund haben, dass diese Aktie positiv dargestellt werden soll, um Kaufer anzuziehen.
3. Vertrauen in die Kompetenz des Gegenubers: weiG mein Gegenuber genug, um mir helfen zu konnen? Gute Interessen und richtige Identitat meines Gege­nubers vorausgesetzt: Kann ich auf seine Tipps bauen, die er mir gegeben hat?
4. Vertrauen in die Integritat des Gegenubers: handelt mein Gegenuber ver- trauensvoll?

Naturlich benotigt man nicht alle vier Formen des Vertrauens fur jede Internet- Community. Fur Knowledge-Communities sind aber alle vier notwendig.

Bullinger et al. (2002)[17] zufolge steigert Vertrauen die Motivation zur Teilnahme in der Community und die Bereitschaft zur Informationspreisgabe. Vertrauen ist gleichzeigt notwendig um Konflikte in der Community zu uberwinden.[18]

2.3.2 Kategorisierung der Virtuellen Communities

In vielen Unternehmen, in verschiedenen Netzwerken, in der Freizeit, aber auch berufsbegleitend sowie bildungsorientiert werden Communities zu ganz unter- schiedlichen Themen und Zwecken ins Leben gerufen. Ein wichtiger Faktor ist; es muss sinnvoll mit dem Wissen umgangen werden, um auf dem Markt beste- hen zu konnen, d.h. das Wissen auf dem neuesten Stand halten, anwenden und innerhalb der Organisation verteilen.

In der Praxis lassen sich eine Vielzahl von Auspragungen der Virtuellen Com­munities erkennen. Je nach Auspragung gelten fur die verschiedenen Commu- nity-Kategorien unterschiedlichen Regeln. Daher wird im Folgenden ein Katego- risierungsschema entwickelt, um die in dieser Arbeit betrachtete Knowledge- Community professioneller Ausrichtung eindeutig von anderen Auspragungs- formen abzugrenzen.

Aufgrund der Vielzahl der in der Literatur existierenden Kategorisierungen Vir- tueller Communities werden diese zu einem fur den weiteren Verlauf der Arbeit relevanten Schema verdichtet.

Der GroGteil der in der Literatur vorkommenden Kategorisierungen richtet sich am Zweck der Community aus, teilweise wird auch der Begriff Motiv synonym gebraucht.[19] Die drei grundlegenden Motive, die sich in ihrer Funktionsweise und ihrer Zielsetzung grundlegend unterscheiden, finden in der Literatur sowie in der Praxis eine breite Anwendung:

- soziale Orientierung
- professionelle Orientierung
- kommerzielle Orientierung

Communities mit sozialer Orientierung stellen den originaren Community-Typen dar. Individuen treffen sich und tauschen sich zu einem bestimmten Thema aus. Anhand des Grades der personellen Interaktivitat lassen sich die beiden Unter- kategorien Beziehungsaufbau und Interessens-Communities bilden. Wahrend bei erstgenannter die Interaktion zum Zweck der Bildung neuer sozialer Kontak- te und zur Unterhaltung stattfindet, steht bei der Interessens-Community der aktive Austausch uber ein spezielles Thema im Mittelpunkt.

Communities mit professioneller Orientierung beschaftigen sich mit Themen aus dem professionellen Umfeld. Motivation fur die Teilnahmen an solchen Communities ist die Kontaktaufnahme, der Informationsaustausch und die Mog- lichkeit zur Kollaboration mit Personen auGerhalb der eigenen Arbeitsgruppe oder Organisation. Sie lassen sich in Expertennetzwerke und Lernnetzwerke unterteilen. Expertennetzwerke sind Communities, die sich aus der Motivation grunden, Wissen zu spezifischen Themen des professionellen Umfelds weiter- zuentwickeln bzw. durch Kollaboration mit anderen Experten Synergien fur die eigene Arbeit zu erzielen. In der Community sollen auf internationaler Basis Er- fahrungen, theoretische Konzepte und neueste Trends des Geschaftsprozess- managements erfasst, gesammelt, strukturiert und weiterentwickelt werden. Die bekanntesten Lernnetzwerke beziehen sich vorranging auf den Schulbereich und den universitaren Bereich. Jedoch nimmt die Verbreitung von Lernnetzwer- ken im universitaren Bereich schnell zu. Die Unterscheidung zwischen Exper- tennetzwerken und Lernnetzwerken lasst sich implizit anhand des Zusammen- halts der Mitglieder treffen. Wahrend sich Expertennetzwerke zum Zweck der Aneignung und Weiterentwicklung von Wissen zu einem bestimmten Thema ausschlieGlich auf Eigeninitiative konstituieren, ist die Teilnahme einer Commu­nity in einem Lernnetzwerk nur ein sekundares Motiv. Primar steht das Errei- chen der Zertifizierung einer Lernleistung im Vordergrund.[20]

Communities mit kommerzieller Orientierung entstehen weniger aus sozialen Motiven heraus, als vielmehr zur Erzielung von Gewinn oder geldwertem Vor- teil.[21] Es lassen sich drei Untermotive Information, Kommunikation und Transak- tion unterscheiden. Anhand der Zielgruppe lassen sich Communities mit kom­merzieller Orientierung in drei Unterkategorien Business-to-Business (B2B), Business-to-Consumer (B2C) und Consumer-to-Consumer (C2C) segmentie- ren.

Die vorliegende Arbeit richtet ihren Fokus auf Communities mit professioneller Orientierung. Im Speziellen wird sich dabei auf Knowledge Communities als Auspragung von Expertennetzwerken konzentriert.

2.4 Wissensmanagement mit Knowledge-Communities

Einen Vorteil gegenuber traditionellen Wissensmanagementsystemen bieten Knowledge-Communities bei der Integration von implizitem Wissen durch Ein- beziehung menschlicher Experten.

Knowledge-Communities sind der Gruppe der Expertennetzwerke zuzuordnen. Sie verfolgen als Kontext den anwendungsorientierten Austausch von Informa- tionen zum Zweck der Wissensgenerierung. Unter Anwendungsorientierung wird der Nutzen der Informationen fur die Mitglieder im Rahmen ihrer taglichen Arbeit gesehen. Dies umfasst sowohl Netzwerke von Mitarbeitern verschiede- ner Unternehmen als auch den Zusammenschluss von Wissenschaftlern bzw. Studenten.

Virtuelle Knowledge-Communities, als Werkzeuge des Wissensmanagements, haben ihren Ursprung in ihren realen Aquivalenten, den Communities of Practi­ce. In der Ausfuhrung ihrer Ziele und Interessen wird in einer Community of Practice gemeinsam an Problemstellungen aus dem realen Umfeld sowie Ar- beitsumfeld gearbeitet.[22] Sie sind sehr erfolgreich- und ergebnisorientiert ausge- richtet. Nach Wenger (1998) lasst sich eine Community of Practice wie folgt beschreiben:

„A CoP defines itself along three dimensions: its joint enterprise as unders­tood and continually renegotiated by its members, the relationships of mu­tual engagement that bind members together into a social entity, the share repertoire of communal resources (routines, sensibilities, artifacts, vocabu­lary, styles, etc.) that members have developed over time."[23]

Wenger (1998)[24] beschreibt eine Community of Practice an Hand von drei Di­mensioned Gemeinsam geteilte Zielsetzung (joint enterprise), die von alien anerkannt und permanent weiterentwickelt wird; Gegenseitiges Engagement (mutual engagement), durch das die Mitglieder innerhalb der Gemeinschaft zu einem sozialen Gefuge zusammenwachsen; Gemeinsam geteilte Ressourcen (shared repertoire), die in der Gemeinschaft entwickelt werden, wie z.B. Vorge- hensweisen, Sprachen, Artefakte, Stil, etc.

In der Ausfuhrung ihrer Ziele und Interessen wird in einer Community of Practi­ce gemeinsam an Problemstellungen aus dem realen Arbeitsumfeld gearbeitet.

2.4.1 Gestaltungsprinzipien von Knowledge-Communities

Gestaltungsprinzipien sind besonders wichtig, da viele Communities kurz nach ihrer Initiierung wieder sterben, da sie beispielsweise nicht genugend Teilneh- mer anziehen oder sich kein Interaktionsrhythmus entwickelt. Wenger et al. (2002)[25] haben sieben Gestaltungsprinzipien auf der Basis ihrer Erfahrungen mit Communities entwickelt, die im Rahmen dieses Abschnitts aufgegriffen werden.

- Anstoft von Entwicklungsprozessen. Der Schlussel zur Weiterentwick- lung von Communities liegt in der Kombination von Elementen, die als Katalysator wirken. Soziale und organisationale Strukturen, wie bei­spielsweise ein Community-Koordinator oder problembezogene Treffen, konnen Community-Entwicklungsprozesse anstoGen. Ein wesentliches Element ist die Auswahl eines konkreten Schwerpunktes fur die Com­munity. Dieser kann problembezogen, prozessorientiert oder auch positi- onsbezogen sein.[26] Welche Elemente speziell als Katalysator dienlich sind, um eine Community zur weiteren Entwicklung zu stimulieren, kommt auf die Entwicklungsstufe, die Umgebung und das Wissensgebiet der jeweiligen Community an.
- Integration multipler Perspektiven. Neben dem internen Wissen uber das Community Potenzial, die Community Prozesse, den Community Schwerpunkt und Community-Vorgehensweisen ist zudem die Einbezie- hung externer Perspektiven wichtig. Dadurch wird „Community-Blindheit" vermieden, die Teilnehmer erhalten neue AnstoGe und erkennen das Po­tenzial der Gemeinschaft. Vor allem im Hinblick auf die Motivation der Teilnehmer ist die Integration einer externen Perspektive auf die Com munity-Prozesse maGgeblich. Dies kann beispielsweise bedeuten, dass verschiedene Community-Mitglieder sich weiterbilden, indem sie Com­munities aus anderen Firmen betrachten. Ein weiterer Aspekt ist der Ein- bezug anerkannter Experten in die Community, um zum einen multiple Perspektiven anzuregen und zum anderen das Interesse und die Motiva­tion der Teilnehmer positiv zu beeinflussen.
- Verschiedene Arten der Teilnehmer ermoglichen. Das Kennzeichen einer Community, verschiedene Arten der Teilnahme zu integrieren, ist ein zentraler Aspekt fur die Gestaltung von Communities. Community- Teilnehmer verfolgen nicht alle das gleiche Interesse. Einige nehmen hauptsachlich deshalb teil, weil sie einen direkten Nutzen daraus ziehen, andere, um Netzwerke zu knupfen, wieder andere, weil sie eine spezielle Fertigkeit weiter verbessern mochten. Die Annahme, dass alle Teilneh­mer gleichermaGen an der Community teilhaben, ist deshalb unrealis- tisch. Wesentlich fur die Entwicklung einer Community ist jedoch eine ak- tive begeisterungsfahige Kerngruppe mit einem Community-Koordinator im Zentrum. Diese Gruppe ist das Herz der Gemeinschaft.
- Offentliche und private Bereiche ermoglichen. Das Beziehungsgeflecht in einer Community ist komplex. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, offentli­che Events (FtF oder virtueller Art) in einer Community anzubieten, zu denen alle Community-Mitglieder kommen konnen. Diese haben sowohl soziale als auch inhaltliche Ziele. Aber eine Community ist mehr als eine Abfolge von organisierten Treffen. Das Herz der Gemeinschaft ist das Beziehungsnetzwerk zwischen den Teilnehmern. In diesem Rahmen wird Wissensaustausch auch oft zwischen zwei Teilnehmern (one-on- one exchange) praktiziert. Jeder Anruf, E-Mail-Austausch oder jedes Problemlosungsgesprach starkt die Beziehungen innerhalb der Gemein- schaft. Aus diesem Grund ist es eher ein Fehler, beim Aufbau einer Community zu sehr auf die offentlichen Events zu setzten. Der Commu­nity-Koordinator sollte diesen informellen Austausch in privaten Berei- chen unterstutzten, indem er beispielsweise die geeigneten Personen zusammenbringt. Die offentliche und private Dimension einer Community sind miteinander verwoben. Wenn die personlichen Beziehungen zwi­schen den Mitgliedern stark sind, werden dadurch auch die offentlichen Events bereichert. Aus diesem Grund sollte auch im Rahmen der offent­lichen Events genugend Raum fur privaten Austausch zur Verfugung stehen. Es handelt sich hierbei um einen reziproken Prozess, denn durch die offentlichen Events werden wiederum die privaten Beziehungen ver- starkt.
- Nutzerorientierung. Wenn Communities funktionieren sollen, mussen sie einen Nutzen fur das Unternehmen, fur die Teams, in denen die Mitglie- der arbeiten, und fur die Mitglieder selbst generieren. Zu Beginn ist es noch relativ schwer, den Nutzen einer Community sofort zu erkennen. Aus diesem Grund ist es zunachst ratsam, Aktivitaten, Events und Be- ziehungsnetzwerke zu entwickeln, durch die sich langsam der Wert der Community herauskristallisiert, anstatt zu versuchen, den Wert von An- fang an zu bestimmen. Viele der wertvollsten Community Aktivitaten sind die verschiedenen Arten taglicher Interaktion wie z.B. eine kurze Prob- lemdiskussion oder der Austausch mit einem anderen Mitglied. Der di- rekte Wert dieses Austausches ist oft nicht sofort erkennbar. Deshalb ist es wichtig, die Community-Mitglieder schon von Beginn an zu ermutigen, den Wert, den die Community fur sie hat, explizit zu machen. Feedback unter den Community-Mitgliedern ist dafur ein zentrales Element.
- Verknupfung von Vertraulichkeit und Innovation. Neben einer personli- chen Atmosphare innerhalb einer Community sind zudem interessante und neuartige Events notwendig, um die Entwicklung neuer Ideen anzus- toGen. Im Verlauf der Entwicklung bildet sich in Communities so etwas wie ein regelmaGiger Interaktionsrhythmus heraus.[27] Hierdurch wird ein Grad der Vertrautheit erreicht, der zu Diskussionen und zum Wissens- austausch anregt. Neben diesem vertrautem Raum sollten Communities aber auch kontroverse Ideen und Aktivitaten einbeziehen. Beispielsweise kann es sinnvoll sein, Experten mit divergierender Meinung zu einem Community-Vortrag einzuladen. Konferenzen, Messen und Workshops bieten Moglichkeiten fur spontanen Austausch, der neue Gedanken mit- einbringt. Dadurch wird der Innovationsgeist der Community gestarkt. Er- folgreiche Communities kombinieren familiare und innovationsfordernde Events.
- Entwicklung des Community-Rhythmus. Das Herz einer Community sind die dauerhaften personlichen Beziehungen der Teilnehmer untereinan- der. Die Haufigkeit der Interaktion zwischen den Mitgliedern wird stark vom Rhythmus der Community bestimmt. RegelmaGige Treffen, Telefon- konferenzen, Online-Aktivitaten und informelle Essen sind die Herz- schlage der Community. Finden die Aktivitaten zu haufig statt, ist der Community-Rhythmus zu schnell und die Mitglieder nehmen seltener teil, da sie von der Vielzahl an Angeboten uberwaltigt sind. Wenn die Aktivita­ten zu gering sind, wird die Community schwerfallig. Ein Mix aus Aus tausch-Foren und projektspezifischen Foren verknupft den lockeren Aus- tausch mit arbeitsbezogenen Community-Aktivitaten.[28]

Eine der Ersten, die auf Basis ihrer personlichen Erfahrungen im Aufbau von Online-Communities konkrete Gestaltungsprinzipien veroffentlicht hat, war Amy Jo Kim. Frau Kim ist eine amerikanische Autorin und Forscherin auf dem Gebiet Online-Communities. In ihrem Buch Community Building"[29] berichtet sie uber Moglichkeiten und Tucken, uber Strategien fur den Aufbau erfolgreicher Web- Communities. Ihre Vorschlage sind fur alle Arten von virtuellen Gemeinschaften geeignet und sind sehr praxisnah. Ihre Aussagen zu den Gestaltungsprinzipien, die sich an den Gestaltungsprinzipien fur Virtuelle Communities orientieren, sind sehr fur den Aufbau, die Struktur, die Aufrechterhaltung jeglicher Art von Knowledge-Communities geeignet. Diese sind: Definition und Kommunikation der Zielsetzung, Schaffung von Community-Raumen, Profile der Community- Mitglieder, Community-Umgangsformen, Community-Rituale, Rollen, Organi- sches Wachstum. Ein Kernsatz des Buches von Kim lautet: Besucher betreten eine Community wahrscheinlich wegen der Inhalte, aber sie bleiben wegen der Beziehungen.

2.4.2 Etablierung von Knowledge-Communities

Der Bedarf, den eine Knowledge-Community abdecken soll, ist der Wissens- austausch. Ziel muss es sein, dass Nutzer, die Wissen austauschen wollen, ihr Wissen nicht nur in dem Portal suchen, sondern auch das Wissen anbieten wol­len. Wenn jemand gerade auf der Suche nach neuen Informationen ist und Be­darf an der Wissensbereicherung hat, muss er zuerst eine geeignete Quelle finden, die ihm den Zugang zum Wissen verschafft. Der primare Hauptgedanke eines Suchenden ist nicht unbedingt der, mit welchem MaGnahmen das Ziel erreicht werden kann, sondern dass Menschen in den Knowledge-Communities die Bereitschaft zu kommunizieren aufweisen, und ihr Wissen an die anderen weitergeben. Dieser Gedanke soll vor allem die Grundlage dafur bieten, dass Beziehungen im Netz entstehen konnen. Der Aufbau eines Regelwerkes ist ei­ne sehr zentrale Aufgabe beim Aufbau einer Knowledge-Community. Uber das Regelwerk werden wichtige Teile der Funktionsprinzipien einer Knowledge- Community einer Steuerung direkt zuganglich gemacht.

Inzwischen gibt es eine enorme Anzahl an angebotenen Portalen, darunter auch an Wissensportalen im Netz. Das Finden eines geeigneten Portals ist ein Ziel, dass der Nutzer fur seine Grundbedurfnisse einzeln und direkt mit der Community assoziiert. Im Wesentlichen beschrankt sich das Finden eines ge- eigneten Portals nicht nur auf das Finden als solches. Die anderen Fragestel- lungen, mit denen sich die Wissensgierigen befassen, ist durchaus die Kommu- nikation mit den anderen Community-Teilnehmern, aber auch der Status in der Community, den je nach Bedurfnissen und personlichen Zielen viele Teilnehmer zu erreichen und zu verbessern streben. Um eine reibungslose Teilnahme so- wie Akzeptanz der Community zu erlagen, sind die Community-Regeln strikt zu befolgen, die die Assoziation mit der Community jedem in die Community Bei- tretenden erleichtern sollen.

2.4.2.1 Anforderungen an Funktionen und administrative Prozesse

Administrative Prozesse umfassen alle operativen Tatigkeiten, die zum rei- bungslosen Betrieb der Community notwendig sind. Es ist die zentrale Aufgabe des Managements bei der Einfuhrung einer Knowledge-Community im Unter- nehmen bzw. fur den formellen Zweck des Wissensaustausches, den Mitarbei- tern den Freiraum zur Verfugung zu stellen, Wissen uber die Knowledge- Community auszutauschen, und ihnen das Vertrauen zu vermitteln, dass sie es dort effektiv und effizient tun konnen.

Die Knowledge-Communities mussen mit Leben gefullt werden. Moglichst viele Wissensnutzer, Wissensberater und Wissensmanager mussen sich hier treffen und ihr Wissen austauschen. Moglichst viele davon anzusprechen und zu uber- zeugen, dass sich ein langerer Blick in die Community lohnt.

Die Wissensadministratoren mussen sich noch einer anderen Frage zuwenden. Wie sehen die realen Belohnungen der zukunftigen Community-Mitglieder aus? Die neue Moglichkeit, die sich durch Knowledge-Communities ergibt, ist, dass diese Belohnungen auf der Basis objektiver, gemessener GroGen, wie z.B. Werten der Qualitatsskala, verteilt werden konnen. Die Verbindung solcher ge­messener GroGen mit realen Belohnungen erhoht den Wert der verschiedenen Skalen in der Community fur die Community-Mitglieder. Sie erhalten dadurch eine reale Bedeutung.

Innerhalb einer Virtuellen Community existieren Regeln, Vereinbarungen, Ge- setzte, Restriktionen und Konventionen, die das gesamte Konstrukt erst definie- ren. Bei den existierenden Regeln kann zwischen formalen, sozialen, inhaltli- chen und gesetzlichen Regeln unterschieden werden. Die Existenz und Durch- setzung dieses Regelwerks ist die Voraussetzung fur eine funktionierende Interaktion der Mitglieder. Sie konnen in ungeschriebener Form in den Vorstel- lungen und Erwartungen der Mitglieder existieren, sie konnen aber auch explizit sein. Je nach Intensitat der Community - also der Identifikation und dem Grad der Organisation - gibt es verschiedene Typen, die von autonomer Selbstorga nisation (Mitglieder haben weitgehend homogene Rollen) uber moderierte bis stark reglementierte Systeme reichen.[30]

2.4.2.2 Anforderungen an die Kommunikationsstruktur

Betrachtet man in der Literatur die Definitionen Virtueller Communities, so sind die Mitglieder bzw. Menschen ein zentrales Element. Sie interagieren miteinan- der, teilen Wissen, wickeln Transaktionen ab und helfen bei konkreten Proble- men anderer Mitglieder. Diese Interaktion ist nicht nur auf Menschen be- schrankt. Jeder Beitritt in eine Community wird durch die Anmeldung bzw. durch das Hinterlegen eines personlichen Profils bedingt. Sie wahlen bei der Anmeldung eine Identitat, unter der sie in der Community von den anderen Mitgliedern wahrgenommen werden. Aus informationstechnischer Sichtweise beinhaltet eine Identitat zunachst einmal die Identifizierung eines Community- Mitglieds im Sinne von Wiedererkennbarkeit, beispielweise durch den Namen, die Mitgliedsnummer oder die Mailadresse.[31] Eine Identitat enthalt zusatzlich zur reinen Identifizierungskomponente auch weitere, z.T. dynamische Eigenschaf- ten eines Mitglieds, wie z.B. Interessen, demographische Informationen, Bewer- tungen, Beziehungen (mit anderen Benutzern) sowie die Transaktions-Historie (gelesene Beitrage, verfasste Diskussionsbeitrage etc.). Diese explizit einen Benutzer charakterisierenden Eigenschaften bezeichnet man - insbesondere im Umfeld einer elektronischen Speicherung und Verarbeitung - als Benutzer- profil[32] Die Literatur bezeichnet eine Identitat in diesem Sinne z.T. auch als Persona.[33]

Wahrend auf die physische Identitat, d.h. das Alter, die korperliche Erscheinung sowie das Geschlecht, in der realen Welt kaum Einfluss genommen werden kann, wird das Konzept von Identitat in Virtuellen Communities als eine konti- nuierliche und fur jedes Individuum einzigartige GroGe teilweise auGer Kraft ge- setzt.

2.4.2.3 Anforderungen an Themen und Gruppenstruktur

Betrachtet man die „sterbenden" Communities, die uber ein ausreichendes Set an Funktionalitaten verfugen und fruher auf ausreichend Mitglieder zuruckgrei- fen konnten, so lasst sich konstatieren, dass diese an Themenstrukturen fes- thielten, die keine aktuelle Relevanz mehr besitzen.[34] Somit stellt die richtige Themenwahl einen entscheidenden Erfolgsfaktor fur Knowledge-Communities dar. Das Thema der Community legt deren auftere Struktur fest und definiert den Interessenschwerpunkt. Dieser hilft den potenziellen Mitgliedern, die Res- sourcen einer Community zu erfassen. Er muss die Mitglieder inhaltlich anspre- chen sowie ihre Interessen widerspiegeln. Der spezifische Interessenschwer­punkt sollte nach Moglichkeit bisher durch keine andere Community belegt sein oder die Nachfrage und die Anzahl der potenzeilen Mitglieder ist so groG, dass mehrere Communities denselben Schwerpunkt fuhren konnen. Qualitativ hoch- wertige Beitrage wirken sich direkt auf das Community-Image aus. Mitglieder sind fur das Leben der Community der ausschlaggebende Erfolgsfaktor. So fuhrt ein beschleunigtes Mitgliederwachstum zu mehr Community-Inhalt und mehr Kommunikation. Dies erhoht die Loyalitat der Mitglieder gegenuber der Community. Zudem konnen detailliertere Mitgliederprofile erhoben werden, wo- durch die Moglichkeit der Personalisierung der Inhalte entsteht und somit die Attraktivitat steigt.

2.5 Expertennetzwerke als professionelle Knowledge- Communities

Dieses Kapitel beschreibt die theoretischen Hintergrunde sowie die Realisie- rungsversuche des Modells der Professional Community, auf Deutsch der pro- fessionellen Community.

Es wird von der Annahme ausgegangen, dass Communities, die als professio­nelle Communities bzw. als Expertennetzwerke initiiert und gefuhrt werden, ei- ne Umgebung darstellen, die Lernen sowie die Entwicklung von Individuen und die Herausbildung (von professionellen) Identitaten unterstutzen und zu deren Mitgliedern sowohl Schuler, Studierende als auch Praktiker, Forscher, Lehrende und Experten zahlen. Es wird auch davon ausgegangen, dass jeder Mensch, der ausreichend technisch versiert ist, an einer solchen Community teilnehmen kann und vorerst keine Barriereeinschrankung fur eine solche Teilnahme vor- gesehen ist; d.h., dass die Rolle der Mitglieder und Nicht-Mitglieder zunachst neutral und unparteiisch ist und keine Voraussetzungen an die Auswahl der Teilnehmer gestellt werden.

Aus Recherchen sowohl in deutsch- als auch in englischsprachiger Literatur geht hervor, dass sich hinter der Begriffskombination Professional Community unterschiedliche Auffassungen verbergen. Auffallend ist, dass mit diesem Ter­minus im englischsprachigen Kontext haufig auf banaler Ebene operiert wird und sich seine Bedeutung auf das Antonym von Scientific Community bezieht, worunter allgemein die Gesamtheit aller am internationalen Wissenschaftsbe trieb teilnehmenden Wissenschaftler verstanden wird. Charakteristisch fur die Scientific Community ist der Austausch von und der Diskurs uber fachspezifi- sche Themen und Forschungserkenntnisse. Zumeist geschieht dies in ein- schlagigen Publikationen, aber auch im Rahmen von Konferenzen, wobei in unterschiedlichen Disziplinen jeweils eine eigene Sprache erkennbar ist und sich Mitglieder untereinander vernetzen, gegenseitig unterstutzen, wohl aber auch in Konkurrenz zueinander treten.[35]

Der englische Ausdruck Professional Community bezeichnet im Gegensatz da- zu das Kollektiv der Praktiker, der Professionellen, jener Menschen, die im Be- ruf stehen bzw. in einem bestimmten Praxisfeld tatig sind.[36]

Dass eine Professional Community aber mehr sein kann, als eine Gruppe von Berufstatigen, fand der amerikanische Soziologe William J. Goode bereits in den 1950er Jahren heraus. Er stellt einen Zusammenhang zwischen „commu- nit[ies] of profession" und Aspekten der Sozialisierung sowie von Professionali- tat her, als er Professionen aus dem juristischen und medizinischen Kontext beforschte und dabei bestimmte „characterstics of community"[37] erkennen konn- te. Die Beobachtung von Goode weisen auf eine abgegrenzte (..contained") Community hin, die innerhalb der Strukturen eines groGeren Systems existiere und darin Ruckhalt erfahre. Die Mitglieder dieses Netzwerks teilten gemeinsam Werte und entwickelten eine kollektive Sprache und Identitat. Die Rolle von Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern seien fur beide Seiten transparent und die Community steuere ihren Fortbestand und ihre Entwicklung (.reproduction") durch entsprechende Auswahl und Sozialisation von Berufsneulingen.

Im angloamerikanischen Raum mit dem Terminus Professional Community werden uberwiegend Netzwerke assoziiert, die sich auGerhalb des Arbeitsplat- zes formieren, um Ideen auszutauschen, fachspezifisches Wissen zu vertiefen, Fragen zu diskutieren, eigene und fremde Handlungen zu analysieren und zu reflektieren sowie einander Feedback zu geben.[38] Der aus dem englischen ab- geleitete Begriff Professional Communities“ ist nichts anderes als sogenannte Expertennetzwerke, die den gleichen Anforderungen und Bedurfnissen der Teilnehmer entsprechen.

Durch die stete Entwicklung von Informations- und Kommunikationstechnolo- gien werden in diesem Zusammenhang neue Wege eroffnet. Erfahrungsaus- tausch zwischen Individuen innerhalb der Communities findet nunmehr unter veranderten Voraussetzungen statt; zeit- und ortsunabhangiges Kommunizieren mittels Internet ermoglicht so mehreren Menschen Zugang zur Weiterbildung.[39] An dieser Stelle sind die deutschen Bildungswissenschaftler Martin Bonsen und Hans-Gunter Rolff (2006)[40] zu nennen, die die Anstrengung unternommen ha- ben, den Begriff der Professionellen Lerngemeinschaften, den sie als deutsche Ubersetzung von professional learning communities verwenden, genauer unter die Lupe zu nehmen und den aktuellen Forschungsstand dazu zu erheben.[41]

Die Idee der Professional Community verfolgt das Ziel der Habitualisierung pro- fessionalisierten Handelns nach dem Oevermannschen Verstandnis[42] von Pro­fession. Der deutsche Soziologe nennt drei Hauptmerkmale professionalisierten Handels: Krisenbewaltigung und Erneuerung, Vermittlung zwischen Theorie und Praxis sowie verbindliche Methodologie. Professionalisiertes Handeln wird dabei als Grenzhandeln zwischen Routine und Neuem, zwischen Praxis und Theorie, zwischen Person und Funktion sowie zwischen Methodologie und Me- thode verstanden. Dies bedeutet, dass Professionelle in der Handlungssituation auf ihre Erfahrung zuruckgreifen, gleichzeitig aber mit der Einzigartigkeit der jeweiligen Situation konfrontiert sind.[43]

Dies bedeutet, dass der Mensch stets in seiner 'Leiblichkeit' - also als ganze Person - und gleichzeitig in seiner gesellschaftlichen Rolle agiert. Um die eige- ne Rolle immer wieder reflektieren und analysieren zu konnen, ist die Fahigkeit zur Distanzbildung notwendig. Erst wenn es gelingt, einen distanzierten Blick auf das eigene Handeln zu richten und sich so desselben bewusst zu werden, konnen neue, veranderte Aspekte zuruckflieGen, wodurch das eigene Handeln optimiert werden kann. Wird dieses Tun habitualisiert, kann Professionalitat manifestiert werden.[44]

Da die Professional Community als Ort der Reflexion fungiert, an dem sowohl die Mitglieder ihr Handeln zur Disposition stellen als auch die Gruppe sich selbst thematisiert, und beides Distanzfahigkeit voraussetzt, stellt sie gleichzei­tig einen Nahrboden fur die Entstehung von Professionswissen dar.[45]

Die Professional Community nach Schrittesser (2004a) wird als „eine kombi- nierte prasente- und virtuelle Struktur zur Bundelung und Dynamisierung von wissenschaftlicher Expertise (Fachwissen) und professioneller Kompetenz (fachlichem Konnen) definiert. Dies bedeutet, dass die Professional Community als sozialer Ort einer reflektierten Gruppe fungiert, die neben „der Arbeit an ih- rer Aufgabe (der Entwicklung und Sicherung professionellen Wissens und pro- fessionellen Standards) eine Ebene der Metakommunikation [...] institutionali­ser[t]“.[46]

Die Hauptaufgabe des Expertennetzwerkes in der Form einer professionellen Community ist die Generierung von professionsrelevantem Wissen und Konnen sowie die Unterstutzung der Reflexion und Habitualisierung einer professions- bezogenen Identitat.[47] Dies geschieht durch Reflexion von Lern- und Partizipati- onsprozessen, durch Selbstreflexivitat und Organisationsbewusstsein.

2.5.1 Ein kurzer Uberblick uber Expertennetzwerke-Community-Typen

Haufig differenziert man die unterschiedlichen Community-Typen nach deren Primarzweck:

- „Helping Communities“: Der Schwerpunkt dieser Communities liegt auf der gegenseitigen Hilfestellung bei spezifischen Problemen und auf dem gegenseitigen Kennenlernen von Personen, die zu bestimmten Themen- gebieten uber Expertenwissen verfugen und bei Bedarf konsultiert wer- den konnen. Hierzu gehort auch, dass jeder Teilnehmer die anderen Teilnehmer (inkl. deren Umfeld) durch haufige Interaktionen so gut ken- nen lernt, dass er deren Perspektive versteht und genugend Vertrauen hat, um uber die eigenen Probleme offen zu sprechen.[48]
- „Best Practice Communities“: Der Fokus liegt auf der Entwicklung, Vali- dierung und Verbreitung von Best Practices. Im Gegensatz zu den Hel­ping Communities, die insbesondere dann miteinander in Verbindung tre- ten, wenn konkrete Hilfestellung zur Losung von spezifischen Problemen einzelner Mitarbeiter benotigt werden, entwickeln Mitarbeiter in Best Practice Communities auf kontinuierlicher Basis moglichst allgemeingul- tige Losungsansatze und stellen die validierten Ergebnisse in dokumen- tierter Form den Mitgliedern zu Verfugung.[49]
- Knowledge Stewarding Communities“: Diesen Communities kommt nicht nur die Rolle zu, Wissen zu entwickeln und auszutauschen, sondern auch das Wissen der gesamten Community zu organisieren und zu ver- walten.[50]
- „Innovation Communities“: Dieser Community-Typ ist auf die Entwicklung innovativer Ideen und Methoden fokussiert. Auch wenn andere Commu­nities durch Wissensgenerierung und innovative Ideen entwickeln kon- nen, werden hier die MaGnahmen gezielt auf die Entwicklung von Inno- vationen ausgerichtet.[51]

Fur das Rahmenmodell, das in dieser Arbeit fur Knowledge-Communities ent- wickelt wird, weisen die „Helping Communities" deutliche Vorteile bezuglich ih- res Primarzweckes zu anderen Community-Typen auf. Knowledge- Communities, die auGerhalb des Arbeitsplatzes formiert werden (extra- organisationell), greifen primar die Idee auf, Wissen mit den anderen Experten auszutauschen, das eigene fachspezifische Wissen zu vertiefen, Fragen mit anderen Teilnehmern zu diskutieren, eigene und fremde Handlungen zu analy- sieren und ggf. bereit zu sein, ein Feedback zu geben. Diese Eigenschaften sprechen fur den Typ „Helping Communities".

Im Vergleich zu „Helping Communities" setzen „Best Practice Communities" eine formelle ZweckmaGigkeit voraus, wo die Mitarbeiter im Rahmen eines Un- ternehmens (intra-organisationell) miteinander in Verbindung treten. Die allge- meingultigen Losungsansatze, die in der „Best Practice Community" in doku- mentierter Form zur Verfugung gestellt werden, werden in (extra- organisationellen) Expertennetzwerken nur auf die individuell abgestimmten Bedurfnisse angepasst. Die Aufgabe, das Wissen der gesamten Community zu organisieren und zu verwalten, die den ..Knowledge Stewarding Communities" zukommt, besitzt fur die in dieser Arbeit beschriebenen Knowledge- Communities eine eher untergeordnete Rolle. Im Vorfeld sollen zweckmaGig und zielorientiert nicht nur die technischen Faktoren der Interaktion berucksich- tigt werden, sondern auch die sozialpsychologischen, die eine Perspektive fur die Verstandnisbasis und das Vertrauen bei den gegenseitigen Hilfestellungen eroffnen. Die Verwaltung und die Organisation vom gesamten, in der Communi­ty vorhandenen Wissen, sollte ggf. die Aufgabe eines Administrators sein bzw. mussen als Funktionen bereitgestellt werden, die diesen Prozess ermoglichen.

Die gezielten Maftnahmen, die auf die Entwicklung von Innovationen sowie in­novativer Ideen und Methoden in den „Innovation Communities“ fokussiert wer- den, konnen in Knowledge-Communities einzelnen Teilnehmern einen Exper- ten-Status verleihen, als Belohnung fur die freiwillig engagierte und professio- nelle Unterstutzung, was zu einer hoheren Motivation beitragen kann.

Um dem Thema ..Motivation" und „Anreize" naher zu kommen, befasst sich das nachste Kapitel mit den Motivationstheorien. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen ermoglichen, eine Aussage uber die entsprechenden Anreize zu machen, die in Knowledge-Communities zur Steigerung der Kooperationsbereitschaft beitragen. Hierfur wird eine zusammenfassende Darstellung der gangigsten Motivationstheorien gegeben.

3 Motivationale Ansatze und Anreizsysteme fur Knowledge-Communities

In Rahmen der Knowledge Communities sind unterschiedliche Verhaltenswei- sen von den Teilnehmern zu beobachten. Manche manchen es nur aus SpaG, manche aus Langweile. Die meisten Teilnehmer gehen aber bewusst an die Community heran aus verschiedenen Blickwinkeln, wie Bedurfnisse, Erwartun- gen, Zwecke und Ziele. Es kommt sehr oft vor, dass die Teilnehmer sich sehr zuruckhaltend und vorsichtig an der Partizipation beteiligen, mitunter bewusst, so dass sie sich sogar im spateren Verlauf nicht an die Community gebunden fuhlen. Es gibt sicherlich viele Grunde, die empirisch untersucht und belegt werden konnen. An dieser Stelle wird einer der haufig vorkommenden Grunde untersucht: das Thema Motivation. Die Motivation ist nicht nur fur das Wis- sensmanagement in der Arbeitsorganisation bzw. in den Unternehmen von sehr hoher Bedeutung. Genau so wie im Beruf, ist die Motivation in der elektroni- schen Partizipation bzw. in deren Raumen wichtig, in denen die Menschen da- nach streben, volles Leistungspotenzial zu entfalten, Autonomie zu erlagen oder kontinuierlich neue Dinge hinzuzulernen. Alle Menschen (Teilnehmer), ob es den beruflichen Zwecken entspricht oder die privaten Zwecke erfullen soll, verhalten sich nach dem gleichen Kosten-Nutzen Prinzip; der Nutzen als Er- gebnis einer Aktion und die Kosten als deren Aufwand, der sich rechtfertigt.

Somit soll dieses Kapitel dem Leser einen Einblick in die wichtigsten wissen- schaftlichen Motivationstheorien geben, die seit langem ein sehr gropes Aus- maG an Bekanntheit und Anerkennung in vielen Bereichen der Wissenschaft erlangt haben, aber immer noch als innovativ anzusehen sind. Die Aufgabe be- steht aber nicht darin, alle Motivationstheorien zu beschreiben, sondern nur ei- nen kurzen Uberblick zu geben, welche Ansatzpunkte aus den folgend darges- tellten Motivationstheorien eine annahernde, aber am besten passende Erlaute- rung fur ein erfolgreiches Wissensmanagement sowie eine erfolgreiche Interak- tion zwischen den Teilnehmern in Knowledge-Communities ergeben. Wie mus- sen von der Organisationsseite, aber auch von der individuellen Einstellung je- des Einzelnen Anreize gestaltet werden, so dass sie ein Maximum an Kompe- tenzinformation liefern und eine Festigung der Beziehungen ermoglichen. Da es nicht im Rahmen dieser Arbeit vorgesehen ist, eine detailierte Analyse der An­satze aufzugreifen, wird nicht auf eine weitere Unterteilung der Motivationstheo­rien eingegangen, sondern nur eine zusammenfassende Darstellung der gan- gigsten Motivationstheorien geboten, um das allgemeine Verstandnis von An forderungen an Anreize, die benotigt werden, um eine der verbreiteten Formen von Knowledge-Communities wie Expertennetzwerk-Plattform unter Beruck- sichtigung der CvK zu etablieren.

3.1 Motivationstheorien versus Knowledge-Communities

Dieser Abschnitt untersucht, wie bzw. wie gut das Phanomen Virtuelle Commu­nities, wie Knowledge-Communities, mit Hilfe der vorherrschenden Organisati­onsansatze erklart werden kann. Welcher Organisationsansatz erlaubt das bes- te Verstandnis der Strukturen, die bei Expertennetzwerken und anderen Know­ledge-Communities anzutreffen sind? Was lasst sich fur die Communities dar- aus lernen?

Zu diesem Zweck werden die wichtigsten Organisationsansatze jeweils kurz in ihren wichtigsten Aspekten beschrieben. Dabei wird bewusst auf die Darstel- lung dieser Ansatze in den einschlagigen Fachbuchern zuruckgegriffen, da die- se - inzwischen vielmehr als die Originalwerke - das Verstandnis der jeweiligen Ansatze in der Praxis pragen. Die wichtigsten Kernelemente der jeweiligen An­satze und deren Eigenschaften werden den Knowledge-Communities als Ex- pertennetzwerke gegenubergestellt. SchlieGlich werden jeweils noch einmal die wichtigsten Gemeinsamkeiten und Unterschiede zusammengefuhrt.

Die behandelten Organisationsansatze umfassen Ansatze der Gruppen:

- Klassische Organisationsansatze
- Verhaltensorientierte Organisationsansatze
- Motivationstheoretische Ansatze
- Systemorientierte Ansatze
- Moderne organisationstheoretische Ansatze

3.1.1 Klassische Organisationsansatze

Die klassischen Organisationsansatze basieren im Wesentlichen auf drei Wur- zeln, die in unterschiedlichen Landern und kulturellen Traditionen entstanden sind und sich anfanglich im 20. Jahrhundert zu einer wissenschaftlichen Diszip- lin zusammengefunden haben. In Deutschland veroffentlichte Max Weber seine Burokratietheorie, in Frankreich entstand die Management- und Administrati- onslehre von Faol und in den USA der arbeitswissenschaftliche Ansatz von Taylor.[52] Alle drei Ansatze entstanden als Folge der Industriellen Revolution, die eine Anpassung der Strukturen an die neuen Produktions- und Unternehmens- formen notig machte. Primares Ziel des Ansatzes ist, die Leistungsfahigkeit von Organisationen mit Hilfe von Aufgabenteilung und sachlicher Aufgabenerfullung aufrecht zu erhalten. Kennzeichen der Burokratie sind laut Weber „Prazision, Schnelligkeit, Eindeutigkeit, Aktenkundigkeit, Kontinuierlichkeit, Diskretion, Ein- heitlichkeit, straffe Unterordnung, Ersparnisse an Reibungen sowie sachliche und personliche Kosten."[53]

Die signifikanten Merkmale wie Arbeitsteilung, Amtshierarchie, Regeln und Normen, AktenmaGigkeit der Verwaltung, die nach Weber eine leistungsfahige Organisationsform charakterisieren, liefern keine Erklarungsmoglichkeiten fur den Erfolg der Knowledge-Communities, die auf Selbstorganisation, Selbstmo- tivation und extrem flachen hierarchischen Strukturen beruht. Der Ansatz findet seinen Platz in der Arbeit als Anlass und Ausloser der ersten Uberlegungen auf dem Gebiet der Organisationsforschung.

3.1.1.1 Scientific Management - Der Mensch als Maschine

Die Industrielle Revolution fuhrte im Ubergang zur Massenproduktion zu einem verstarkten Einsatz von Maschinen sowie zu einer stark anwachsenden Arbeits­teilung im Produktionsbereich. In industriellen GroGunternehmen, die ab Ende des 19. Jahrhunderts in den USA entstanden, versuchte man die Konzepte an die neuen Anforderungen anzupassen, um die Arbeitsproduktivitat durch das Analysieren und Etablieren von Arbeitsablaufprozessen zu verbessern.[54]

Der Scientific Management Ansatz wurde von Frederick Winslow Taylor am Ende des 19. Jahrhunderts erfunden, um die Arbeitsproduktivitat durch das Analysieren und Etablieren von Arbeitsablaufprozessen zu verbessern. Taylor war der Meinung, dass man durch das wissenschaftliche Analysieren von Arbeit den „einen besten Weg“ finden konnte, um eine Aufgabe zu bewaltigen. Seine Arbeiten werden heute als Scientific Management oder auch als Taylorismus bezeichnet.[55] Taylor war pragmatisch und er war ein starker Befurworter des Learning-by-Doing. Peter Drucker sah Taylor als den Erfinder des Knowledge Management, da es das Ziel der wissenschaftlichen Unternehmensfuhrung ist, Wissen daruber zu erlagen, wie man Arbeitsprozesse optimieren kann.[56] Im Gegensatz zur heutigen Hypothesenbildung und Uberprufung ging er der „eine

[...]


[1] Vgl. Doring, 2003, 2004

[2] o.V. http://lexikon.freenet.de/Wissen

[3] Vgl. ebd.

[4] Reinmann-Rothmeier; Vohle, 2002, S. 134ff.

[5] Vgl. Rifkin, 2000

[6] Vgl. Klix; Spada, 1998; hierzu vgl. Strube et al., 1996

[7] Davenport; Prusak, 1998, S. 32

[8] Bourdieu, 1983, S. 183ff.

[9] Vgl. Polanyi,1966

[10] Vgl. Probst et al., 1997

[11] Schneider, 1996, S. 36; hierzu Bullinger; Worner; Prieto,1997, S. 9f.

[12] Als Black Box bezeichnet man in der Kybernetik und Systemtheorie ein (moglicherweise komplexes) System, von welchem im gegebenen Zusammenhang nur das auGere Verhalten betrachtet wird. Die innere Struktur mag bekannt sein; solche Kenntnis darf aber nicht be- nutzt werden. Black Box („schwarzer Kasten") ist in der Verhaltensbiologie eine Metapher fur samtliche psychische und kognitive Prozesse, die sich (noch) nicht mit naturwissenschaftlichen Me- thoden objektiv messen, beschreiben und reproduzieren lassen.

[13] Thiese, 2001, S. 12

[14] Vgl. Davenport, 1996

[15] Vgl. Doring, 2001

[16] Vgl. Schmidt, 2000

[17] Bullinger et al., 2002, S. 224

[18] Wenger; McDermott, 2002, S.112

[19] Zupancic, 1999, S. 44

[20] Beinhauer; Gursch, 2002, S. 181

[21] Meyer, 2000, S. 43

[22] Vgl. Nickols, 2000

[23] Wenger, 1998, S. 2

[24] Vgl. Wenger, 1998

[25] Vgl. Wenger; McDermott; Snyder, 2002

[26] Vgl. Nickols, 2000

[27] Vgl. North; Romhardt; Probst, 2000

[28] Winkler, 2004, S. 56

[29] Vgl. Kim, 2000

[30] Schubert, 1999, S. 115f.

[31] Gattung et al., 1997, S. 184

[32] Worndl, 2001, S. 5

[33] Soltysiak; Crabtee, 1998, S. 343

[34] Beinhauer; Erbach, 2001, S. 50

[35] Vgl. Seufert; Moisseeva; Steinbeck, 2002

[36] Altrichter, 2002, S. 17ff.; hierzu Grossmann; Wineburg; Woolworth, 2001, S. 942ff.; hierzu vgl. Steeples, 2002

[37] Goode, 1957, S. 194

[38] Vgl. Bradshaw; Powell; Terrell, 2002; hierzu Hibbert; Rich, 2006, S. 563ff.

[39] Wenninger, 2007, S. 149

[40] Bonsen; Rolff, 2006, S. 167ff.

[41] Schrittessers, 2004a, S. 131ff.

[42] Oevermann erklart das Prinzip des professionalisierten Habitus anhand des/r Forschers/in und behauptet, dass dieser durch die erwahnte Einheit von Rollenhandeln und Handeln als ganze Person gepragt ist.

[43] Oevermann, 1996, S. 105

[44] Logar; Wenninger, 2005, S. 146ff.

[45] Wenninger, 2007, S. 152

[46] Schrittesser, 2004b, S. 111

[47] Vgl. ebd.

[48] APQC, 2000, S. 25

[49] APQC, 2000, S. 25

[50] Vgl. ebd., S. 26

[51] Vgl. ebd., S. 27

[52] Schreyogg, 2003, S. 31

[53] Weber, 1972, S. 561 f.

[54] Vgl. Schulte-Zurhausen, 2002

[55] o. V. http://www.12manage.com/methods_taylor_scientific_management_de.html

[56] Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 132 Seiten

Details

Titel
Erstellung eines Rahmenkonzeptes für Knowledge-Communities unter Berücksichtigung technikinduzierter Fragestellungen computervermittelter Kommunikation
Hochschule
Hochschule der Medien Stuttgart  (Frauenhofer Institut IAO)
Note
1,5
Autor
Jahr
2009
Seiten
132
Katalognummer
V155494
ISBN (eBook)
9783640684892
ISBN (Buch)
9783640684762
Dateigröße
1126 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Virtuelle Communities, Knowledge-Communities, Wissensmanagement, das Medienökologische Modell, explizites und implizites Wissen, Face-to-Face-Kommunikation (FtFK), computervermittelte Kommunikation (CvK), Motivation, Anreizsysteme, technikinduzierte Problemfelder.
Arbeit zitieren
Tanja Hühndorf (Autor), 2009, Erstellung eines Rahmenkonzeptes für Knowledge-Communities unter Berücksichtigung technikinduzierter Fragestellungen computervermittelter Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155494

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