Religionsgeschichtliche Aspekte im hellenistischen Ägypten

Am Beispiel des Sarapis- & Isiskultes


Seminararbeit, 2009

17 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Religionspolitik von Alexander des Großen bis Ptolemaios III
2.1. Königinnen im religiös-pharaonischen Amt
2.2. Das ptolemäische Pharaonentum und die sakralen Bauwerke
2.3. Respekt der Makedonen gegenüber der ägyptischen Religion
2.4. Integration des Königs in den Festkult
2.5. Nord-Süddiskrepanz in der Kultverehrung
2.6. Wirtschaftliche Situation der Kultzentren

3. Isis und Osiris (Sarapis)
3.1. Mythologie um Isis und Osiris (Sarapis)
3.2. Isis und Sarapis (Osiris) im Ägypten der Ptolemäer
3.3. Sarapis der neue Gemahl der Isis
3.4. Zeremonien und Riten zum Isis- und Sarapiskult
3.4.1. Götterbilder
3.4.2. Das Sarapeum zu Alexandria
3.4.3. Täglicher Dienst im Tempel
3.4.4. Prozessionen: Das rituelle Suchen und Finden
3.4.5. Navigium Isidis
3.4.6. Präsentation der Götterbilder

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis
5.1. Quellen
5.2. Primärliteratur
5.3. Sekundärliteratur

1. Einleitung

Eines der wesentlichen Merkmale der altägyptischen Geschichte vom Beginn der dynastischen Zeit um 3000 BC bis zum Ende der nationalägyptischen Religion in der spätrömischen Zeit, ist es, dass die politische und religiöse Entwicklung stets eng miteinander verflochten war. Ja beide Faktoren waren von einander abhängig.

Die historischen Vorgänge kristallisieren sich in der Gestalt des Königs, der in seiner Amtsführung als „Horus“ (= irdische Erscheinung dieses Gottes) und als „Sohn des Re“ auftritt. Der König ist daher primär als religiös umschrieben. Sein Handeln ist

grundsätzlich kultisch definiert und hat den Zweck die Weltordnung (=Maat) stets neu aufzurichten und zu erhalten. Zur Bewahrung der Ordnung gehört neben der Kulthandlung im Tempel die Niederschlagung von äußeren Feinden. Der König ist somit der erste politische und gleichzeitig auch der erste religiöse Faktor, der durch sein Amt legitimiert ist mit den Göttern zu verkehren und zwischen der irdischen und göttlichen Welt zu vermitteln. Somit ergab sich für die Ägypter der Zwang den Pharao

als ihren Horus – König anzuerkennen. Ergo ergab sich daraus für Fremdherrscher die Verpflichtung, selbst zur Sicherstellung ihres Erfolges zu versuchen, die religiöse Rolle des Pharaos zu übernehmen. Hier muss betont werden, dass gerade Alexander der Große und die Ptolemäer die Herausforderung angenommen haben, als kultisch relevante Könige und damit als Zentralfigur der ägyptischen Religion zu agieren und akzeptiert zu werden1.

2. Die Religionspolitik von Alexander des Großen bis Ptolemaios III.

Die oben genannten religiösen Aspekte wurden auf Alexander übertragen. Außerdem konnte der Makedone die Erfüllung der alten pharaonischen Aufgabe, ein vorhergehendes Chaos zu vertreiben und den Schöpfungsakt durch Wiederherstellung der Maat zu wiederholen, wegen der vergangenen zehn Jahre verhasster Perserherrschaft2 in besonderer Weise für sich in Anspruch nehmen. Alexander wählte Memphis als Schauplatz seiner königlichen Handlungen und knüpfte einerseits an die von König Menes Gründung des vereinigten ägyptischen Staatswesen an, andererseits führte er auch die Tradition, dass Memphis die Residenzstadt war weiter. Damit wurde er automatisch mit der spezifischen Ausprägung der Königsideologie umgeben, in deren Zentrum der Landesgott Ptah als Ur- und Schöpfergott, „Herr der Maat“, „Vater der Götter“ und „König der beiden Länder“ stand. Dem Beispiel Alexanders folgten die Ptolemäer, indem sie sich in Memphis krönen ließen. So entstand von Anfang an ein kooperatives Verhältnis zwischen den memphitischen Priesterschaften und dem lagidischen Königshaus. Der den Krönungsakt durchführende Hohepriester des Ptah repräsentierte die ägyptischen Priesterschaften im gesamten3.

Alexander der als Befreier von den Persern auftreten und das Ansehen als Eroberer fern von sich halten wollte entschloss sich der Berufung zum Pharao durch das Königsorakel von Siwa. Mit den Orakelsprüchen von Siwa ließ sich auch die Einrichtung von griechischen Herrscherkulten außerhalb Ägyptens sehr gut rechtfertigen4.

Die Grundvoraussetzung für die pharaonische Rolle stellen die Titulaturen der Könige auf den hieroglyphischen Denkmälern dar. Die fünf Namen drücken spezifische Beziehungen des Königs zur Götterwelt aus. Infolge der kultischen Natur von historischen Abläufen können sich diese darin auch widerspiegeln, wie dies in bemerkenswerter Weise bei den kurzen und prägnanten Titulaturen von Alexander bis Ptolemaios II der Fall ist5.

Alexander tritt durch seinen Horusnamen (= der den König stets als Stellvertreter des Horus umschreibt) als Schützer Ägyptens auf. Das wird im sogenannten Herrinnen- namen, dem zweiten Bestandteil der Titulatur, auch von Königen der 19. und 20. Dynastie ab Ramses II. gesagt, schließt aber konkret an den Horusnamen Nektanebos II. an.

Alexander und seine Nachfolger treten als der von Gott „auserwählte“ und „geliebte“ Sohn auf. Das bedeutet als erwünschter und legitimer Erbe der Götter im Herrscheramt. Die göttliche Unterstützung bei der Regierung ist damit sicher gestellt. Es ergeben sich daraus aber auch Verpflichtungen nämlich:

- die Pflicht zu einer pietätvollen Amtsführung gegenüber den Göttern
- die Pflicht zur Errichtung von Heiligtümern
- die Pflicht zur Förderung des Götterkultes

Ptolemaios I. wuchs bereits während seiner Herrschaft in das antipersische Bild und in den neuen religiösen Aufgabenkreis des altägyptischen Pharaos hinein. Zeugnis davon gibt die Satrapenstele (siehe Abb.1) 311 BC.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Sattrapenstele aus: Stephan Pfeiffer, Entstehung und Entwicklung einer multikulturellen Gesellschaft im griechisch-römischen Ägypten, in Jahrbuch der historischen Forschung in der Bundesrepublik Deutschland 2004, Munich, 2005, p.20

Ptolemaios II. kam seiner religiösen Pflichterfüllung als Pharao nach, indem er wichtige Heiligtümer, vor allem für Tierkulte besuchte. Nach Aussage der sogenannten Mendesstele (Abb.2) war entsprechend dem Brauch früherer Könige eines seiner ersten Ziele der Tempel des Bockes von Mendes, um dort persönlich die Rituale bei der Wasserprozession des Bockes zu vollziehen und die Vollendung des Tempels anzuordnen.

[...]


1 G. Hölbl, Geschichte des Ptolemäer-Reiches.2004

2 Diod. XVIII, 49,2; Curt. IV, 7, 1-4

3 D.J. Thompson, Memphis under the Ptolemies. 1988. 138-146. Princeton.

4 K.P. Kulmann, Das Ammoneion. Archäologie, Geschichte und Kultpraxis des Orakels von Siwa. 1988, 52. Mainz.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Religionsgeschichtliche Aspekte im hellenistischen Ägypten
Untertitel
Am Beispiel des Sarapis- & Isiskultes
Hochschule
Universität Wien  (Alte Geschichte)
Veranstaltung
Seminar aus griechischer Antike
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V155544
ISBN (eBook)
9783640693917
ISBN (Buch)
9783640695805
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Religionsgeschichtliche, Aspekte, Beispiel, Sarapis-, Isiskultes
Arbeit zitieren
Dr. Robert Fischer (Autor), 2009, Religionsgeschichtliche Aspekte im hellenistischen Ägypten , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155544

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