Die Darstellung und Funktion des Wunderbaren in der Korntin-Glois-Episode in Wirnts von Grafenbergs 'Wigalois'


Hausarbeit, 2008
26 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1. Das Wunderbare nach Le Goff

2. Die Darstellung des Wunderbaren in der Korntin-Glois-Episode
2.1 Die Einführung des Korntin-Glois-Reiches
2.2 Die ersten Gegner
2.2.1 Pfetan
2.2.2 Ruel
2.3 Das Innere des Reiches
2.3.1 Karrioz
2.3.2 Marrien
2.3.3 Roaz
2.4 Die Konsequenzen der Befreiung

3. Die Funktion des Wunderbaren in der Korntin-Glois-Episode
3.1 Das Wunderbare als Dekoration?
3.2 Funktionswandel im Vergleich zum klassischen Artusroman Hartmanns?
3.3 Die metaphysische Aufladung des Wunderbaren und deren Zweck

4. Die strukturelle Einbettung der Korntin-Glois-Episode im Gesamtwerk
4.1 Inhaltlicher Überblick über den Wigalois: Die vier Erzählblöcke
4.2 Der Bruch mit der Form des klassischen Artusromans
4.3 Funktionale Einbindung der Korntin-Glois-Episode in einen übergeordneten Sinnentwurf?

Schlussbetrachtung: Mögliche Konsequenzen für die Beurteilung des Wigalois

Literaturverzeichnis

Einführung

Wirnt von Grafenberg hat mit seinem Wigalois[1] einen Artusroman geschaffen, der sich enormer Beliebtheit unter den mittelalterlichen Rezipienten erfreute, zu damaliger Zeit sogar mehr Ansehen als die Artusepen Hartmanns genoss, auch wenn diesen in der gegenwärtigen Forschung eine viel größere Bedeutung eingeräumt wird. Die Wertschätzung des nachklassischen Artusromans vom Ritter mit dem Rade könnte nicht zuletzt auch mit der Korntin-Glois-Episode zusammenhängen, in welcher der Held Wigalois das Land Korntin von dem gewaltsamen Eindringling Roaz befreit. Dabei sticht eine Häufung an Ausprägungen des Wunderbaren, die als Elemente aus der keltischen Mythologie zu den Bauelementen des Artusromans zählen, ins Auge.

Die vorliegende Arbeit will sich mit eben dem Wunderbaren beschäftigen: Im Fokus stehen zum einen die Art und Weise, wie das Wunderbare in der Korntin-Glois-Episode dargestellt wird, und zum anderen die Funktion, die dem Wunderbaren innerhalb dieser Aventiure-Reihe zukommt. Zu diesem Zweck wird zunächst einmal die Begrifflichkeit des Wunderbaren zu klären sein, die den Gedanken Le Goffs folgen wird (1.). Im Anschluss daran folgt eine Untersuchung der Darstellung des Wunderbaren, die, indem sie auf verschiedene Ausprägungen des Wunderbaren wie die wunderbaren Aventiure-Gegner, die wunderbaren Hilfsmittel im Kampf und die wunderbaren Begebenheiten (wie z.B. landschaftliche Besonderheiten) in chronologischer Art eingeht, einen Überblick über dieses Phänomen in der Korntin-Glois-Episode geben soll (2.). Aus diesen Ergebnissen wird die Funktion des Wunderbaren innerhalb der Episode abzuleiten sein, wobei sich zunächst die Frage stellen wird, ob diese Funktion über einen dekorativen Gebrauch hinausgeht und ob ein Funktionswandel im Vergleich zum klassischen Artusroman Hartmanns festgestellt werden kann (3.). Danach hebt sich der Blick über die Korntin-Glois-Episode hinaus auf das Gesamtwerk des Wigalois: Durch eine strukturelle Einordnung der Aventiure-Reihe in den Gesamtkontext soll der Frage nachgegangen werden, ob die Korntin-Glois-Episode eine funktionale Einbindung in einen übergeordneten Sinnentwurf aufweist (4), wobei die Ergebnisse über das Wunderbare aus dem ersten Teil (2. u. 3.) mit in die Überlegungen einzubeziehen sein werden. Zum Abschluss werden in Anbetracht dieser Befunde mögliche Konsequenzen für die Beurteilung des Gesamtwerks anzusprechen sein (Schlussbetrachtung).

1. Das Wunderbare nach Le Goff

Le Goff leitet die Begrifflichkeit des Wunderbaren vom lateinischen Ausdruck mirabilia (im mittelalterlichen Latein: miribilia) bzw. der französischen Bezeichnung le merveilleux her. Das Wunderbare besteht für ihn zum einen „aus einer Erweiterung, einer Deformierung der normalen, natürlichen Welt“ (S.58). Diese Erweiterung besteht bei anthropomorphen Wesen in der übermäßigen Ausprägung bestimmter körperlicher Eigenschaften (z.B. Riesen), im Hinzufügen von Organen etc. Auch mythische Wesen (z.B. Drachen) und Mischwesen (z.B. Zentauren) zählen zur ersten Ebene des Wunderbaren, da sie zwar nicht existieren, aber existieren könnten. Die zweite Ebene des Wunderbaren zeichnet sich durch ein Verstoßen gegen die Ordnung der Natur aus, wie es u.a. in der Metamorphose (z.B. der zum Werwolf) der Fall ist.

Landstriche und Orte, menschliche oder anthropomorphe Wesen, „natürliche“ und imaginäre Tiere, Mischwesen und Gegenstände (vgl. S. 53f.) können einen wunderbaren Charakter aufweisen. Mit dieser Auflistung über das Inventar des mittelalterlichen Wunderbaren (Punkt f wird hier aufgrund fehlender Relevanz ausgespart) steckt Le Goff das Feld der Untersuchungsgegenstände der Korntin-Glois-Episode für diese Arbeit ab. Dabei sollen auch die Quellen des Wunderbaren (Bibel, antike und germanische Mythologie, Orient) nicht außer Acht gelassen werden.

Le Goff gliedert das Wunderbare in drei Bereiche, die er mit lateinischen Adjektiven mirabilis, miraculosus und magicus beschreibt (vgl. S. 44): Unter mirabilis versteht er das Wunderbare mit vorchristlichen, mythischen Ursprüngen, unter miraculosus im Gegensatz dazu das spezifisch christliche Wunderbare, magicus bezeichnet das magisch Wunderbare, d.h. eigentlich sowohl schwarze als auch weiße Magie, wobei der Begriff ins Negative abgerutscht sei und somit eher das schädliche, das satanisch Wunderbare meine. Die vorliegende Arbeit wird die Korntin-Glois-Episode daraufhin untersuchen, welchem Bereich/ welchen Bereichen das Wunderbare zugeordnet werden kann bzw. ob Übergänge vom einen in einen anderen Bereich festgestellt werden können.

Le Goff nimmt außerdem eine Periodisierung des Wunderbaren vor (vgl. S. 42f.):

Während das Wunderbare in der Zeit des 5. bis 11. Jahrhunderts eine Ablehnung und Unterdrückung erfuhr, drang es im 12. und 13. Jahrhundert in die Gelehrtenkultur des Rittertums vor, die damit der kirchlichen Kultur eine andere Kultur entgegensetzen wollte. Im höfischen Roman sei das Wunderbare, so Le Goff, „Bestandteil der Suche des idealisierten Ritters nach der individuellen und kollektiven Identität.“ (S. 43) Im Anschluss an das 13, Jahrhundert vollzog sich eine Ästhetisierung des Wunderbaren. Im Folgenden wird zum einen zu untersuchen sein, ob sich diese Ästhetisierung des Wunderbaren nicht bereits im Wigalois zeigt, und zum anderen, ob es in der Korntin-Glois-Episode tatsächlich um innerweltliche Probleme des Rittertums geht oder ob das Wunderbare nicht von einer anderen Instanz vereinnahmt wird und wenn ja, zu welchem Zweck.

2. Die Darstellung des Wunderbaren in der Korntin-Glois-Episode

2.1 Die Einführung des Korntin-Glois-Reiches

Vor seinem Eintritt nach Korntin erfährt Wigalois bereits vom Schicksal, das dem Land widerfahren ist: Roaz von Glois hat das Reich auf treuelose Weise (V.3673, 3679, 3691, 3702, 3710: Charakterisierung als gottloser Mann) in seine Herrschaft gebracht, wobei zum einen darauf hingewiesen wird, dass ihm das durch zouberlist (V. 3556) gelungen sei, die er aus einem Bündnis mit dem Teufel gewonnen habe (vgl. V. 3654-3660), und zum anderen sein Heidentum explizit genannt wird (V. 3652).

Wigalois sieht sich einer Erlösungsaufgabe[3] gegenüber, die Wirnt ausdrücklich am Eingang der Episode formuliert, indem er eine Parallelisierung des descensus Christi ad inferiores[4] bzw. Luzifers Höllensturz mit der Vernichtung von Roaz vornimmt.

der mange sêle erlôste
ûz der helle mit sî ner kraft
und der âne meisterschaft
die werlt alle werden hiez
und der den vâlant verstiez
von dem himelrîche
durch daz er im gelîche
wolde setzen sînen stuol –
er warf in in der helle pfuol:
alsô müez vallen von sîner hant
der heidenische vâlant (V. 3990-4000)

Bevor sich Wigalois auf den Weg macht, wird die christlich-religiöse Einfärbung der folgenden Episode noch einmal ganz deutlich, indem der Held um das Abhalten einer Messe bittet. Dabei erhält er von einem tadellosen Priester zum einen den Segen und zum anderen einen Brief gegen Zauber (V. 4428), ein wunderbares Hilfsmittel für die bevorstehende Aufgabe, einen Gegenstand weißer Magie (magicus). Von Larie, um deren Hand Wigalois streitet, erhält er ein Wunderbrot (V. 4470), das den Hunger vertreibt. Das Brot weist auf die anfeuernde Kraft der Liebe als weltliche Kraft hin und gehört der Kategorie des mirabilis an, obwohl man vielleicht auch hier in Anlehnung an eine Hostie von einem immanent christlichen Hilfsmittel sprechen könnte.

Das Korntin-Glois-Reich wird mit dem Hortus-conclusus- Motiv[5] eingeführt. Es handelt sich also um ein verschlossenes Land, das für einen normalen Menschen nicht erreichbar ist und nur mit wunderbarer Hilfe, der Führung eines Tieres mit Krone, betreten werden kann.

Das Schloss zu Korntin vollzieht jede Nacht eine wunderbare Metamorphose, indem es zu brennen beginnt und die von Roaz getöteten Ritter darin ein Turnier veranstalten. Zusammen mit den Wehklagen der Ritter, die hier Buße tun (V. 4588), muss in diesem Szenario die Darstellung der Hölle bzw. des Fegefeuers erkannt werden. Die Ursache dieser Metamorphose ist wie auch bei der Verwandlung des Tieres (V. 4656f.: got hât wunder an dir getân:/ ê wærd ein tier, nû bist ein man.) in den getöteten König Lar nicht mythischer Natur (vgl. Brunnenwunder im Iwein), sondern eindeutig der Wille Gottes[6], denn er ist es, der die Ritter zur Buße ins Feuer verdammt bzw. König Lar die Erholungspausen für sein tugendhaftes Leben gewährt. Als Wigalois versucht, mit den Widergängern zu kämpfen, muss er feststellen, dass seine Ritterschaft dazu nicht ausreicht (V.4576-4580), dass er diesem Wunderbaren mit zusätzlichen Mitteln begegnen muss, wie er es in der Folge demonstrieren wird.

Vor dem Schloss befindet sich ein wunderbarer Anger (V. 4609) mit einem Baum in der Mitte, ein paradîse (V. 4673, 4685), das durch gotes tougen (V. 4645) nur König Lar zur Erholung zugänglich ist. In Verbindung mit dem teuflischen Schloss verkörpert der direkt benachbarte paradiesische Anger die Kraft Gottes, die den Menschen sowohl belohnen als auch bestrafen kann.[7]

Zur Vervollständigung seines Arsenals an wunderbaren Hilfsmitteln erhält Wigalois eine Blüte (V. 4743) vom paradiesischen Baum, die vor dem üblen, teuflischen Geruch Pfetans schützt, und eine Lanze (V. 4748), die als einzige Waffe dem Drachen zu schaden vermag. Ihre christliche Dimensionierung verdankt die Lanze der Tatsache, dass sie von einem Engel gebracht wurde, ein mirabilis wird also zum miraculosus gestaltet. Dabei ist interessant, dass die Lanze aus Indîâ (V. 4754) stammt, womit das christlich Wunderbare mit dem heidnisch Orientalischen in Verbindung gesetzt wird.

2.2 Die ersten Gegner in Korntin-Glois

2.2.1 Pfetan

Die Vielzahl an wunderbaren Hilfsmitteln, mit denen sich Wigalois in den Kampf mit dem Drachen Pfetan begibt, verdeutlicht die enorme Gefahr, die von diesem Gegner ausgeht. So führt Wigalois nicht weniger als sechs wunderbare Gegenstände mit sich: Zum einen solche, die der Kategorie des mirabilis zuzuordnen sind, wie das Brot, den Brustpanzer und den unbesiegbar machenden Gürtel König Jorams (die letzten beiden sind schon vor der Korntin-Glois-Episode in Wigalois’ Besitz) und zum andern die auf die christliche Dimension verweisenden Objekte Brief gegen Zauber, Blüte und Lanze. Diese Zusammensetzung aus wunderbaren und christlich übernatürlichen Gegenständen spiegelt die Doppeldisposition des Helden wider: Während die weltlichen Motive auf seine Aufgabe als Aventiure- (Brustpanzer, Gürtel) bzw. Minneritter (Brot) hinweisen, verdeutlichen die christlichen Motive seine Funktion als zur Erlösung gesandter Gottesritter[8] (V. 4701f.: nu hât dich got her gesant/ daz du uns erledigen solt). Doch trotz aller Hilfsmittel, von denen allerdings nur das Brot und die Blüte (V. 4991-4995: er stärkt sich also doppelt) sowie die Lanze (V. 5091) genannt werden, wendet sich Wigalois noch zusätzlich in einem Gebet direkt an Gott, um diesen um Hilfe im Kampf zu bitten (V. 5079-5085).

Neben der Frömmigkeit des Helden wird in diesem Gebet das Wesen, die Bedeutung Pfetans deutlich. Wie Hartmann, so verleiht auch Wirnt dem Drachen zeichenhafte Bedeutung. Allerdings ist der Drache im Wigalois nicht wie bei Hartmann ein Widersacher des Höfischen (des Löwen im Iwein), sondern Symbol des Teufels: tievels bot (V. 5080), tievel (V. 5084). Er ist wie im Iwein Inbegriff des Chaos und somit eine Gefährdung der ordo[9], aber es geht hier nicht mehr um die höfische, die innerweltliche, sondern um die übernatürliche, die metaphysische Ordnung, zu deren Wiederherstellung Wigalois beiträgt. Der Drache ist hier die Inkarnation des Bösen in der Welt. Diesen teuflischen Gehalt verdeutlicht Wirnt durch eine detaillierte Beschreibung des furchtbaren Äußeren Pfetans (V. 5028-5074, 46 Verse), die in ihrer Ausführlichkeit in der mittelalterlichen Literatur ihres gleichen sucht. Durch Vergleiche der einzelnen Körperpartien mit denen gefährlicher Tiere (Eber, Krokodil, Bär etc.) gestaltet er ein äußerst grässliches imaginäres Mischwesen, immerhin handelt es sich ja um einen Teufel.

Der Name Pfetan erinnert an Python, den Drachen der griechischen Sage. Demnach war Python der Bewacher des Orakels seiner Mutter Gaia in Delphi und wurde von Apollon im Kampf getötet, was auf die Ablösung des alten Traumorakels der Gaia durch die Pythia, die Priesterin des neuen Glaubens hindeutet. Auch Wigalois streitet für einen „neuen“ Gott, kämpft gegen den Teufel und bringt die christliche Lehre. Die griechische Sage wird auf diese Weise sprechend für die Korntin-Glois-Episode, die Auseinandersetzung zwischen Gott und Teufel, zwischen Christen und Heiden.[10]

2.2.2 Ruel

Der Verlust mehrerer wunderbarer Hilfsmittel im Kampf mit Pfetan (Gürtel, Blüte, Brot, Lanze) lässt die symbolischen Requisiten in zunehmendem Maße zurücktreten und führt zu einer fortschreitenden Betonung des christlichen Gebets, der persönlichen Frömmigkeit, die in Verbindung mit der Ausicht auf die Minne Laries die wunderbaren Gegenstände ersetzen.[11]

Das Aufeinandertreffen mit dem Waldweib Ruel kann in diesem Zusammenhang als von Gott gesandte triuwe -Probe verstanden werden, in der das Gottvertrauen Wigalois’ einer Prüfung unterzogen wird (zwîfel -Problematik).[12] Zu diesem Zweck lässt Gott den Helden in tiefe Todesangst geraten (V. 6476-6481), aus der er allein durch übernatürliche Hilfe, durch Gottes genâde (V. 6468f.) errettet werden kann. Dies kann als eine Mahnung aufgefasst werden, dass das Gottvertrauen eine Notwendigkeit für die Erringung des Sieges darstellt.

Der Waldmensch, ein gängiges Motiv der mittelalterlichen Literatur, galt dem Ritter als zu

bekämpfendes Monster[13], das sich durch seine Wildheit auszeichnete. Während z.B. im Iwein eher die ethische Seite des Begriffes wild (Sittenlosigkeit, Unmoral, Ungebildetheit) im Mittelpunkt steht, rückt Wirnt die religiöse Komponente der Wildheit in den Vordergrund: Ruel wird als tiuvelin (V. 6379) und tievels trût/ e (V. 6443, 6452) bezeichnet, was sie der Gruppe der Diaboli zuweist.[14]

Auf diese satanische Abstammung deutet ihr Äußeres hin, das Wirnt wie schon bei Pfetan in großer Ausführlichkeit beschreibt (V. 6287-6355: 68 Verse): Ihre schwarze Hautfarbe (V. 6287) verweist symbolhaft auf die heidnische und teuflische Welt, mit der sie zusätzlich durch mehrfache Konnotation mit dem höllischen Element des Feuers (V. 6296, 6447) in Verbindung gebracht wird. In ihrer Darstellung als ungehiure (V. 6340, 6406) und crêatiure (V. 6393, 6540) wird ihre abgrundtiefe Hässlichkeit verdeutlicht, die durch die Kontrastierung mit dem Ideal-Typus der höfischen Dame (Larie, Enite, Jeschute, Lunete) noch hervorgehoben wird. Ruel ist ein abnormes Wesen (Behaarung, riesige Zähne, Höcker auf der Brust, Brüste bis zur Hüfte, außergewöhnliche Stärke etc.), das durch zusätzliche Tiervergleiche (Bär, Greif, Geiß etc.) zu einem wunderbaren Mischwesen, einem Monster stilisiert wird. Diese Hässlichkeit dient als Metapher für die Distanz des Waldweibs zum Christentum und der Präsenz des Bösen, Heidnischen und Teuflischen in ihrem Wesen.[15]

Wigalois wird schließlich durch ein Gebet von seinen Fesseln befreit (V. 6505f.: in dirre bet sô lôste sich/ diu starke wide dâ…), ein wunderbares Geschehen, das eindeutig auf Gott bezogen ist und somit als Wunder, als miraculosus bezeichnet werden kann.

[...]


[1] Wirnt von Grafenberg,: Wigalois. Text der Ausgabe von J. M. N. Kapteyn übersetzt, erläutert und mit einem Nachwort versehen von Sabine Seelbach und Ulrich Seelbach. Berlin 2005. Im Folgenden werden bei Zitaten aus dieser Ausgabe nur noch die Verszahlen in Klammern angegeben.

[2] Le Goff, Jacques: Das Wunderbare im mittelalterlichen Abendland. In: Phantasie und Realität des Mittelalters. Stuttgart 1990. S. 39-63. In Kapitel 1. werden Zitate aus diesem Artikel nur mit Seitenzahlen angegeben.

[3] Grubmüller, Klaus: Artusroman und Heilsbringerethos: Zum Wigalois des Wirnt von Gravenberg. In: Beitrage zur Geschichte der Deutschen Sprache und Literatur. Tübingen 1985. S. 236.

[4] Brinker, Claudia: „hie ist die aventiure geholt!“ Die Jenseitsreise im Wigalois des Wirnt von Gravenberg: Kreuzzugspropaganda und unterhaltsame Glaubenslehre? In: Contemplata aliis tradere: Studien zum Verhältnis von Literatur und Spiritualität. Bern 1995. S. 89.

[5] Seelbach, Sabine/ Seelbach, Ulrich: Nachwort. In: Wirnt von Grafenberg,: Wigalois. Text der Ausg. von J. M. N. Kapteyn. Berlin 2005. S. 266.

[6] Knoll, Hiltrud Katharina: Studien zur realen und außerrealen Welt im deutschen Artusroman. Bonn 1966. S. 49

[7] Dandaraw, Cordula: Wirnts von Gravenberg Wigalois: eine thematische und strukturelle Interpretation im Vergleich zu Hartmanns von Aue Erec. New York 1997. S. 100

[8] Hahn, Ingrid: Gott und Minne, Tod und Triuwe: Zur Konzeption des Wigalois des Wirnt von Grafenberg. In: Personenbeziehungen in der mittelalterlichen Literatur, Düsseldorf 1944. S. 45.

[9] McConnell, Winder: Mythos Drache. In: Dämonen Monster Fabelwesen. St. Gallen. 1999. S.171-183.

[10] Knoll. S. 137.

[11] Grubmüller. S. 235.

[12] Seelbach/ Seelbach. S. 280.

[13] Habgier-Tuczay, Christa: Wilde Frau. In: Dämonen Monster Fabelwesen. St. Gallen. 1999. S. 603.

[14] Ebd. S.604.

[15] Ebd. S. 609

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung und Funktion des Wunderbaren in der Korntin-Glois-Episode in Wirnts von Grafenbergs 'Wigalois'
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Philologische Fakultät, Deutsches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar Monstrosität im Mittelalter
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
26
Katalognummer
V155589
ISBN (eBook)
9783640682775
ISBN (Buch)
9783640683055
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wigalois, Wirnt von Grafenberg, LeGoff, Wunder, Wunderbar, Korntin-Glois, klassischer Artusroman, nachklassischer Artusroman, Einbahnstruktur, Sinnentwurf, Epigonendichtung, Metaphysik, Gott, Teufel, Aventiure-Reihe, Artusritter
Arbeit zitieren
B.A. Bastian Heger (Autor), 2008, Die Darstellung und Funktion des Wunderbaren in der Korntin-Glois-Episode in Wirnts von Grafenbergs 'Wigalois', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155589

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