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Hugo von Hofmannsthals 'Ein Brief'. Lord Chandos’ krisenhafter Verlust der Einheit der Welt und deren punktueller Wiedergewinn

Title: Hugo von Hofmannsthals 'Ein Brief'. Lord Chandos’ krisenhafter Verlust der Einheit der Welt und deren punktueller Wiedergewinn

Term Paper , 2008 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: B.A. Bastian Heger (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Hugo von Hofmannsthals "Ein Brief", auch Chandos-Brief genannt, wurde seit seiner Erstveröffentlichung in der Berliner Zeitung „Der Tag“ im Jahre 1902 zum Gegenstand zahlreicher literaturwissenschaftlicher Untersuchungen und gab Anlass zu den unterschiedlichsten Interpretationen. Häufig wurde der fiktive Brief, in dem Lord Chandos 1603 seinen Verzicht auf literarische Betätigung vor seinem einstigen Meister Francis Bacon rechtfertigt, auf die Biographie Hofmannsthals bezogen und in Chandos’ Sprachkrise eine ähnliche Störung des jungen Hofmannsthal in seinem Verhältnis zur Sprache gesehen.

Die vorliegende Arbeit will diese biographische Einengung überwinden und eine Deutung des Chandos-Briefes auf textimmanenter Ebene unternehmen.

Um den Text verstehen zu können, ist es notwendig, den historischen Rahmen und dessen Bedeutung für das Werk zu berücksichtigen. Zu diesem Zweck werden zunächst einmal Chandos’ geschichtliche Zeit, die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert, und der Empfänger des Briefes, die historische Persönlichkeit Francis Bacon, einer näheren Beleuchtung unterzogen.

Die Analyse des Textes folgt daraufhin einer systematischen Dreiteilung des Werkes: Zunächst wird auf Chandos’ Vergangenheit, sein Leben vor der Krise, einzugehen sein, wobei mittels einer Untersuchung seiner Frühwerke und literarischer Pläne der Frage nach seinem vorkrisenhaften Welt- und Sprachverständnis sowie nach seiner Erkenntnisweise nachzugehen sein wird. In der Betrachtung der Krise wird die Tragweite Chandos’ literarischer Pläne im Bezug auf seine Krisis analysiert und deren Ausmaß aufgezeigt.

Im dritten Teil wird anschließend Chandos gegenwärtiger Zustand, sein Leben mit der krisenhaften Erfahrung, unter die Lupe genommen, wobei mit Hilfe einer Gegenüberstellung der alten und neuen Erkenntnisweise, die sich in den guten Augenblicken manifestiert, untersucht wird, inwieweit es sich bei Chandos’ neuer Verfassung um einen beklagenswerten Zustand oder doch um eine Verfassung gesteigerten Glücks handelt.

Vor dem Hintergrund der mit „herkömmlicher Sprache“ unbeschreibbaren Momente wird außerdem der Versuch unternommen, den scheinbaren Widerspruch zwischen Chandos’ Schreibfähigkeit auf der einen und seiner schwerwiegenden Sprachkrise auf der anderen Seite zu erklären. In einer Schlussbetrachtung werden die gesammelten Ergebnisse schließlich zusammenzufassen sein.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einführung

0. Der historische Hintergrund

0.1 Die Zeit der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert

0.2 Francis Bacon

1. Chandos vor der Krise: Das ganze Dasein als eine große Einheit

1.1 Die Frühwerke

1.2 Die literarischen Pläne

2. Die Krise: Es zerfiel mir alles in Teile

2.1 Die Gründe der Krise

2.2 Das Ausmaß der Krise

3. Chandos’ Leben mit der Krisenerfahrung

3.1 Die guten Augenblicke: Diese mich und die ganze Welt durchwebende Harmonie

3.2 Die ideale Sprache

Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit unternimmt eine textimmanente Deutung von Hugo von Hofmannsthals "Ein Brief" (Chandos-Brief), um die biographische Einengung der bisherigen Forschung zu überwinden und den Prozess von Chandos' Sprachkrise sowie seinen Übergang zu einer neuen Erkenntnisweise zu analysieren.

  • Historischer Kontext der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert
  • Analyse von Chandos' Sprach- und Weltverständnis vor und nach der Krise
  • Die Rolle von Francis Bacon als philosophischer Bezugspunkt
  • Untersuchung der "guten Augenblicke" als mystische Wahrnehmungsform
  • Die Problematik der Unkommunizierbarkeit durch herkömmliche Sprache

Auszug aus dem Buch

3.1 Die guten Augenblicke: Diese mich und die ganze Welt durchwebende Harmonie

Chandos beschreibt seinen gegenwärtigen Zustand als ein Dasein […] so geistlos, so gedankenlos (S. 50/ Z. 12f.), jedoch nicht ganz ohne freudige und belebende Augenblicke (S. 50/ Z. 16f.). Er befindet sich in einem zugleich problematischen und faszinierenden neuen Zustand, einem widersprüchlichen Nebeneinander von allgemeiner geistiger Verlusterfahrung und einem Erkenntnisgewinn, der aus den Erfahrungen der guten Augenblicken (S. 50/ Z. 18) hervorgeht.30 Doch worin bestehen diese Momente, was macht sie aus?

In diesen Augenblicken tritt Chandos in Beziehung mit dem Elementar-Ursprünglichem,31 baut eine Verbindung zu nichtige[n] Kreatur[en] (S. 52/ Z. 11: z.B. Hund, Ratte, Käfer) und plumpen Gegenständen (S. 53/ Z. 21: z.B. Gießkanne, Apfelbaum, Egge) auf. So wie diese alltäglichen Dinge, deren Albernheit (S. 50/ Z. 24) er ausdrücklich betont, im Gegensatz zu den angeschwollenen Themen Chandos’ literarischer Pläne stehen, so kontrastieren auch die Formen der Wahrnehmung der beiden Bewusstseinszustände. Die Erkenntnisweisen bilden zwei diametrale Pole, die durch die dialektische Komposition des Werkes verdeutlicht wird, in der die Krise die Spiegelachse zwischen den beiden Gegenpolen darstellt.

Zusammenfassung der Kapitel

Einführung: Die Einleitung verortet das Werk im literaturwissenschaftlichen Diskurs und erläutert die systematische Dreiteilung der Analyse, die den Werdegang von Chandos untersucht.

0. Der historische Hintergrund: Dieses Kapitel beleuchtet den Paradigmenwechsel um die Wende zum 17. Jahrhundert sowie die philosophische Bedeutung von Francis Bacon für das Weltbild von Chandos.

1. Chandos vor der Krise: Das ganze Dasein als eine große Einheit: Hier wird das vorkrisenhafte Leben von Chandos analysiert, das durch eine ästhetische Frühphase und ein rationales, an Bacon orientiertes Wissenschaftsideal geprägt ist.

2. Die Krise: Es zerfiel mir alles in Teile: Das Kapitel untersucht die Ursachen und das drastische Ausmaß der Sprach- und Erkenntniskrise, die den Zerfall von Chandos' Weltbild in ein semantisches Chaos markiert.

3. Chandos’ Leben mit der Krisenerfahrung: Hier werden die mystischen "guten Augenblicke" als neue, intuitive Erkenntnisform und das Streben nach einer idealen Sprache zur Bewältigung der Unkommunizierbarkeit thematisiert.

Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Chandos zwar an einer tiefen Krise leidet, jedoch nicht als wahnsinnig einzustufen ist.

Schlüsselwörter

Hugo von Hofmannsthal, Ein Brief, Chandos-Brief, Sprachkrise, Weltbild, Francis Bacon, Erkenntniskrise, gute Augenblicke, Mystik, Empirismus, Unkommunizierbarkeit, Literaturwissenschaft, Identitätsverlust, Sprachphilosophie, Renaissance.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Werk "Ein Brief" von Hugo von Hofmannsthal und analysiert die Krise des fiktiven Protagonisten Lord Chandos in Bezug auf seine Sprache und sein Weltbild.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen der Verlust der Einheit der Welt, der Übergang von einem rational-empirischen zu einem mystischen Wahrnehmungsverständnis und die Unfähigkeit, diese Erfahrungen in herkömmlicher Sprache auszudrücken.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist eine textimmanente Deutung, die über rein biographische Lesarten hinausgeht und die innere Entwicklung von Lord Chandos systematisch aufzeigt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine systematische Dreiteilung des Werkes, um den Wandel von Chandos von der Vergangenheit vor der Krise über das Krisenereignis bis hin zum Leben mit dieser Erfahrung nachzuzeichnen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Frühwerke und literarischen Pläne von Chandos, die Ursachen und das Ausmaß seiner Krise sowie seine neuen Erfahrungen der Weltverbundenheit in mystischen Augenblicken.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Sprachkrise, Weltbild, Erkenntniskrise, Einheitsverlust, mystische Wahrnehmung und der Einfluss von Francis Bacon.

Warum wird Francis Bacon als Empfänger des Briefes gewählt?

Die Wahl Bacons dient als Kontrast zur Sprachkrise, da er den Beginn des modernen, wissenschaftlich-rationalen Empirismus repräsentiert, an dem Chandos als "Schüler" scheitert.

Kann man Chandos als wahnsinnig bezeichnen?

Nein, der Autor kommt zu dem Schluss, dass Chandos zwar einsam ist und an einer tiefen Sinnkrise leidet, jedoch gesellschafts- und lebensfähig bleibt, weshalb der Begriff "wahnsinnig" nicht zutreffend ist.

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Details

Title
Hugo von Hofmannsthals 'Ein Brief'. Lord Chandos’ krisenhafter Verlust der Einheit der Welt und deren punktueller Wiedergewinn
College
University of Freiburg  (Philologische Fakultät, Deutsches Seminar)
Course
Proseminar Der wahnsinnige Held
Grade
1,0
Author
B.A. Bastian Heger (Author)
Publication Year
2008
Pages
18
Catalog Number
V155591
ISBN (eBook)
9783640685219
ISBN (Book)
9783640685509
Language
German
Tags
Hugo von Hofmannsthal Lord Chandos Fin du Siecle Sprachkrise Francis Bacon Erkenntniskrise Identitätskrise Paradigmenwechsel Verlust des Weltbilds ideale Sprache Mystik Atomisierung Täuschungen des Sprachgebrauchs Significant Signifiee
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
B.A. Bastian Heger (Author), 2008, Hugo von Hofmannsthals 'Ein Brief'. Lord Chandos’ krisenhafter Verlust der Einheit der Welt und deren punktueller Wiedergewinn, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155591
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