Hospitäler im Mittelalter

Das St. Nikolaus-Hospital als Beispiel für eine private Stiftung im Spätmittelalter


Referat (Ausarbeitung), 2010

11 Seiten, Note: 2,6


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A) Vorwort

B) Das St. Nikolaushospital in Kues
1) Einleitung
1.1) Verlagerung soziale Aufgaben von Familie, Kirche und Grundherrschaft auf andere Institutionen
2) Hospitäler im Mittelalter
2.1) Die ursprüngliche Hospitalidee
2.2) Die verschiedenen Arten von Hospitäler
2.3) Ritterliche und bürgerliche Spitalorden
a) Johanniter-Orden
b) Antonius-Orden
c) Heilig- Geist- Orden

C) Das St. Nikolaus-Hospital zu Kues- Beispiel für die Stiftung eines Altenspitals im Spätmittelalter
3) Nikolaus von Kues- sein Leben
3.1) Das St. Nikolaus- Hospital
3.2) Das St. Nikolaus- Hospital als Herrschaftsträger

D) Fazit

E) Literaturverzeichnis

A) Vorwort

In der folgenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem Hospitalwesen im Mittelalter. Ich beschränke mich dabei auf den abendländischen Kulturkreis und versuche einen Überblick über jenes Hospitalwesen zu geben.

Ich setzte mich mit dem Ursprung des Hospitalwesens auseinander, das eine Manifestation des christlichen caritas - Gedankens seit dem Frühmittelalter darstellte. Ich werde die ursprünglichen Funktionen der Hospitäler darlegen und ebenso den Wandel, dem das Hospitalwesen im Laufe der Jahrhunderte unterworfen war, darstellen, die unterschiedlichen Differenzierungen und Spezialisierungen, welche der Hospitalgedanke erlebte, sollen hier aufgeführt werden. Von der Gründung spezieller Spitalorden im Zuge der Kreuzzüge durch die Ritterorden, bis hin zu den bürgerlichen Spitalorden, die später die Ausübung christlicher Nächstenliebe in die eigene Hand nahmen. Drei näher erläuterte Spitalorden sollen diesen Aspekt näher verdeutlichen.

Das durch den Universalgelehrten und Kardinal Nikolaus zu Kues im Jahre 1458 gegründete Cusanus- Stift in Bernkastel- Kues (St. Nikolaus- Hospital) soll hier als Beispiel für die Stiftung eines Armenspitals durch private Wohltätigkeit im Spätmittelalter dienen.

Den Abschluss dieser Arbeit bilden ein Fazit, in dem ich die während der Arbeit gewonnenen Kenntnisse nocheinmal kurz resümiere und eine zusammenfassende allgemeine Darstellung geben werde, sowie ein Literaturverzeichnis.

B) Das St. Nikolaushospital in Kues

Beispiel für die Stiftung eines Altenspitals im Spätmittelalter

1) Einleitung

Die ersten hospitativen Einrichtungen in Westeuropa, die sich nach den Grundsätzen christl. caritas um Bedürftige kümmerten, entstanden zwischen dem 4. und dem 7. Jahrhundert und waren in aller erster Linie Pilgerherbergen (Xenodochien) die Obdach, Nahrung und Kleidung boten.[1]

Erst die sog. Aachener Regel (Institutiones Aquisgranenses), von 816 von Kaiser Ludwig d. Frommen auf der Aachener Synode erlassen, verhalf der Institutionalisierung christl. Nächstenliebe endgültig zum Durchbruch. Diese Institutiones Aquisgranenses legten u. a. fest, dass jedes Kloster und jedes Kollegialsstift ein eigenes Hospital einrichten sollte.

In Anknüpfung an die Aachener Regel entstanden allmählich hospitalische Einrichtungen in großer Zahl.[2]

1.1) Verlagerung soziale Aufgaben von Familie, Kirche und Grundherrschaft auf andere Institutionen

Durch den Beginn der Kreuzzüge und den zunehmenden Pilgerfahrten sowie dem Anwachsen der Städte seit Hochmittelalter und der Zunahme des internationalen Handels, durch die Spezialisierungen die im 12. Jh. in allen Bereichen des Lebens auftraten, wurden viele Menschen vom Lande weggezogen und wanderten in die Stadt aus, was dazu führte, dass die Familie ihrer Fürsorge- und Sicherungsfunktion nicht mehr in gleichem Maße nachkommen konnte wie bisher.[3]

Durch die eben beschriebenen Veränderungen zeigten sich neue Perspektiven und Herausforderungen für das im Umbruch begriffene karikative Gesamtgefüge.[4]

Diese Umstände verlangten nun, dass andere Institutionen die Aufgaben übernahmen, die bis dahin Familie, Kirche und Grundherrschaft erfüllt hatten, nämlich die Versorgung und Wiederherstellung im Falle von Krankheit, Invalidität und Alter.

Die sozialen Aufgaben gingen in erster Linie auf die neu entstandenen geistlichen und weltlichen Spitalorden und später in den Städten auf die Stadtverwaltung über.[5]

2) Hospitäler im Mittelalter

Die Einrichtungen derer die Orden und Städte sich bedienten, waren die Hospitäler. Diese wurden entweder bereits vorhanden aus den Händen der Kirche übernommen, oder durch private Wohltätigkeit neu gegründet.

2.1) Die ursprüngliche Hospitalidee

Die Hospitäler im Mittelalter hatten einen anderen Charakter als heutzutage: es waren keine medizinische Heilkliniken im heutigen Sinne, sondern Pflegeanstalten für Hilfsbedürftigkeit aller Art mit durchweg kirchlichem Charakter.

Das Hospital entsprach mehr dem Typ des Xenodochiums, in dem zwar auch Kranke aufgenommen und gepflegt wurden, aber sich in aller erster Linie der Versorgung von Reisenden und Pilgern widmete.[6]

2.2) Die verschiedenen Arten von Hospitäler

Im 11. und 12. Jh. erfolgte eine allmähliche Differenzierung innerhalb der Funktionen der Hospitäler, der umfassende Charakter der Xenodochien verlor sich allmählich und eine gewisse Unterscheidung der vornehmlichen Aufgaben der Spitäler erfolgte. Es wurden nun separate Armenhäuser, Pfründnerhäuser sowie Leprosorien gegründet, wobei letztere nicht als Hospital galten und aufgrund der Ansteckungsgefahr immer außerhalb der Stadtmauern lagen.[7]

Die großen Seuchen des Mittelalters wie Pest, Lepra, Blattern od. Cholera ließen selbst in den kleinsten Städten und Ortschaften spezielle Anstalten für die Aussätzigen entstehen. Dabei wurden die Kranken jedoch keiner Behandlung unterzogen, man wollte sie nur von der übrigen Bevölkerung separieren, um Ansteckungen zu verhindern.

Wegen dieser Ansteckungsgefahr lagen derartige Hospitäler meist außerhalb der Städte.[8]

2.3) Ritterliche und bürgerliche Spitalorden

a) Johanniter-Orden

Als Beispiel für einen Ritterorden, der sich der Armenfürsorge und der Unterbringung von Pilgern widmete, soll hier der Johanniter-Orden (Orden vom Spital des heiligen (St.) Johannes zu Jerusalem (Ordo Hospitalis sancti Johannis Ierosolimita ni), aufgeführt werden. Dieser Orden ging auf die Hospitalgründung italienischer Kaufleute im späten 11. Jahrhundert zurück. Diese Händler aus Amalfi wollten für ihre Glaubensbrüder aus Europa, die Pilgerfahrten ins Heilige Land unternahmen, in Jerusalem ein Hospital gründen.[9]

Nach der Eroberung der Stadt durch die Kreuzritter im Jahre 1099 ging die Trägerschaft des Hospitals auf den neu gegründeten Johanniter-Orden als einer Spitalbruderschaft über. Unter dem Franzosen Raimund de Puy vollzog sich ab 1120 die Umwandlung zum geistlichen Ritterorden.[10]

b) Antonius-Orden

Der Antonius- Orden oder Antoniter-Orden wurde im Jahre 1095 in Frankreich gegründet und widmete sich vor allem den am Antonius-Feuer Leidenden.

Antonis-Feuer entstand durch Verzehr des Mutterkorn-Pilzes, welcher Roggen befiel. Ursprünglich der Pflege von heimkehrenden Pilgern gewidmet, konzentrierte sich die Tätigkeit der Antoniter ab 1217 vor allem der Krankenpflege. Durch seine Erfolge bei der Heilung des Antoniusfeuers breitete sich der Orden in den Folgejahren über Frankreich hinaus aus.

Im 15. Jahrhundert unterhielten die Antoniter annähernd 370 Spitale in ganz Europa.[11]

c) Heilig- Geist- Orden

Mit dem Nachlassen der Kreuzzugsbewegung und der damit verbundenen geringer werdenden Bedeutung der Ritterorden, gingen karikative Aufgaben auf bürgerliche Spitalorden über.[12]

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurde in Südfrankreich ein Hospital für Arme, Kranke, Sieche, Pilger und Waisen gegründet. In diesem Zusammenhang entstand eine Laienbruderschaft, die sich der Pflege und Versorgung der Spitalinsassen widmete. Gewidmet war sie dem Heiligen Geist, der als die Verkörperung der göttlichen Liebe und Barmherzigkeit, als ‚pater pauperum‘, als ‚ consolator optimus ‘ angesehen wurde.[13]

[...]


[1] Kay Peter Jankrift: Krankheit und Heilkunde im Mittelalter.

[2] Kay Peter Jankrift: Krankheit und Heilkunde im Mittelalter.

[3] Jesko v. Steynitz: Mittelalterliche Hospitäler der Orden und Städte als Einrichtungen der sozialen Sicherung, S. 16ff.

[4] Kay Peter Jankrift: Krankheit und Heilkunde im Mittelalter. S. 52.

[5] Jesko v. Steynitz: Mittelalterliche Hospitäler der Orden und Städte als Einrichtungen der sozialen Sicherung, S. 17ff.

[6] Jesko v. Steynitz: Mittelalterliche Hospitäler der Orden und Städte als Einrichtungen der sozialen Sicherung, S. 18ff.

[7] Jesko v. Steynitz: Mittelalterliche Hospitäler der Orden und Städte als Einrichtungen der sozialen Sicherung, S. 18.

[8] Jesko v. Steynitz: Mittelalterliche Hospitäler der Orden und Städte als Einrichtungen sozialer Sicherung, S. 19.

[9] Kay Peter Jankrift: Krankheit und Heilkunde im Mittelalter, S. 52.

[10] Walter G. Rödel: Die Ritterliche Orden St. Johannis vom Spital zu Jerusalem. Ein Abriss seiner Geschichte.

[11] Kay Peter Jankrift: Krankheit und Heilkunde im Mittealter, S. 55.

[12] Jesko v. Steynitz: Mittelalterliche Hospitäler der Orden und Städte als Einrichtungen sozialer Sicherung, S. 74.

[13] Jesko v. Steynitz: Mittelalterliche Hospitäler der Orden und Städte als Einrichtungen sozialer Sicherung, S. 75.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Hospitäler im Mittelalter
Untertitel
Das St. Nikolaus-Hospital als Beispiel für eine private Stiftung im Spätmittelalter
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Familie in Antike und Mittelalter
Note
2,6
Autor
Jahr
2010
Seiten
11
Katalognummer
V155593
ISBN (eBook)
9783640683338
ISBN (Buch)
9783640683390
Dateigröße
364 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hospitäer, mittelalter, stiftungen, armenhospital, krankenhospital, spitalorden
Arbeit zitieren
Alexander Dumitru (Autor), 2010, Hospitäler im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155593

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