Am 4. April 2002 unterzeichneten die Akteure des Angolanischen Bürgerkrieges MPLA und UNITA ein Waffenstillstandsabkommen. Kurz zuvor war der Kopf der UNITA-Bewegung, Jonas Savimbi bei Kampfhandlungen ums Leben gekommen. Die MPLA, während des Bürgerkrieges militärisch wesentlich von Kuba und der Sowjetunion unterstützt, hatte gesiegt und stellt seitdem die Regierung des westafrikanischen Landes. Die UNITA, während des Krieges durch südafrikanische Truppen und später auch durch die USA unterstützt, bleibt in der politischen Opposition. Der Konflikt, hauptsächlich ausgetragen zwischen diesen beiden Akteuren, schwelte drei Jahrzehnte und lähmte das Land seit der Unabhängigkeit von Portugal 1975. Die Folgen sind Heute unübersehbar und wirken sich vielfältig aus. Damit dieser Frieden von Dauer ist, müssen Maßnahmen ergriffen werden, die Folgen des Krieges zu bewältigen und einen Zustand herzustellen, in dem alle Folgekonflikte friedlich bewältigt werden können.
Die folgenden Seiten werden ein Programm darstellen, das sich diesem Problem widmet. Wie können Menschen, die aktiv als Soldaten an diesem Krieg beteiligt waren, wieder Teil einer Zivilgesellschaft werden? Wie können Menschen die mit dem Krieg aufgewachsen sind, vielleicht durch ihren Sold und die Plünderungen von ihm profitiert haben, ein erfülltes Leben außerhalb militärischer Hierarchie und Gewalt führen? Die Akteure der Entwicklungszusammenarbeit antworten mit einer Reihe von Maßnahmen, die unter dem Kürzel DDR zusammengefasst werden. DDR steht dabei für Disarmament, Demobilization und Reintegration und hat den Anspruch, nach dem Ende des Krieges die Soldaten zu entwaffnen und aus der militärischen Laufbahn in die Zivilgesellschaft zu reintegrieren, vielleicht sogar auch zum ersten mal zu integrieren. Dieses ehrgeizige Programm soll anhand der Folgen des angolanischen Bürgerkrieges vorgestellt werden. Dabei soll das theoretischen Ideal mit der Realität verglichen und entstehende Probleme vorgestellt werden. Da DDR aber nicht nur in Angola sondern in einigen weiteren afrikanischen Ländern praktiziert wird, soll ein weiteres Land beispielhaft betrachtet werden und der Erfolg der Reintegration ehemaliger Soldaten in Angola anhand ausgewählter Aspekte verglichen werden. Seit 2004 finden auch in Burundi solche Maßnahmen statt. Inwiefern diese mit denen in Angola übereinstimmen und mit welchem Erfolg die Demobilisierung in Burundi geschieht, wird im zweiten Teil dieser Arbeit erörtert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Friedensbemühungen in Angola in den 1990ern
3. Einführung in das DDR-Programm
4. Das DDR-Programm in Bezug auf Angola
4.1 Ehemalige Soldaten als besonders vulnerable Gruppe
4.2. Die ökonomische Situation der demobilisierten Soldaten
5. Der Bürgerkrieg in Burundi
6. Das DDR-Programm in Burundi
7. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Umsetzung und Wirksamkeit von DDR-Programmen (Disarmament, Demobilization, Reintegration) am Beispiel des angolanischen Bürgerkriegs im Vergleich zur Situation in Burundi, um Erfolgsfaktoren und Problemfelder der Reintegration ehemaliger Kombattanten in die Zivilgesellschaft zu identifizieren.
- Analyse der historischen Friedensbemühungen in Angola in den 1990er Jahren.
- Darstellung der theoretischen Grundlagen und Zielsetzungen des DDR-Programms.
- Untersuchung der sozio-ökonomischen Situation und Reintegrationsproblematik demobilisierter Soldaten in Angola.
- Vergleichende Betrachtung der DDR-Umsetzungsprozesse in Burundi.
- Bewertung des Erfolgs der Reintegration als Voraussetzung für dauerhaften Frieden.
Auszug aus dem Buch
4.1 Ehemalige Soldaten als besonders vulnerable Gruppe
Demobilisierte Soldaten müssen als besondere Gruppe hinsichtlich ihres Gefahrenpotentials wahrgenommen werden. Ihnen wird oftmals von Seiten der Zivilbevölkerung mit Argwohn und Angst begegnet. Hinzu kommt, dass Menschen, die jahrelang im Militär gedient haben, nur noch selten Anschluss an ein soziales Umfeld außerhalb des Militärs haben. Ihnen droht somit die gesellschaftliche Isolation. Weiterhin stehen Soldaten während ihrer Dienstzeit außerhalb des gesellschaftlichen Regelwerks und sind militärisch-hierarchisch organisiert (FUSATO 2003). Dieser Zustand ist in den meisten Fällen auch nach dem Ende der Dienstzeit für die Soldaten von Bedeutung, da Befehlshierarchien in das zivile Leben übertragen werden.
Aus diesem Grund wird die Einbindung höherer Offiziere in das DDR-Programm als besonders wichtig angesehen, da sie eine Vorbildfunktion ausüben. Weiterhin teilen die ehemaligen Soldaten Erfahrungen, die sie besonders gefährden nach dem Krieg als Akteure von Gewalt und Kriminalität aufzutreten. PORTO et al. sehen dies der „mangelnden Verbürgerung“ und der Erfahrung des Einsatzes der Gewalt als Mittel zum Zweck geschuldet (PORTO et al. 2007: 27).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des angolanischen Bürgerkriegs ein und erläutert die Notwendigkeit des DDR-Programms zur Wiedereingliederung ehemaliger Soldaten in die Zivilgesellschaft.
2. Friedensbemühungen in Angola in den 1990ern: Dieses Kapitel analysiert das Scheitern früherer Friedensversuche wie des Abkommens von Bicesse und die Probleme bei der Demobilisierung während dieser Zeit.
3. Einführung in das DDR-Programm: Hier werden die theoretischen Komponenten des DDR-Programms – Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration – definiert und ihre Zielsetzungen erläutert.
4. Das DDR-Programm in Bezug auf Angola: Dieses Kapitel untersucht die praktische Umsetzung des DDR-Programms in Angola unter besonderer Berücksichtigung der vulnerablen Lage der Soldaten und ihrer ökonomischen Situation.
5. Der Bürgerkrieg in Burundi: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über den Bürgerkrieg in Burundi und verdeutlicht die ethnischen Konfliktlinien sowie die politische Entwicklung bis zum Friedensschluss.
6. Das DDR-Programm in Burundi: Hier wird der Ablauf und die Bewertung des DDR-Programms in Burundi dargestellt, wobei insbesondere die Rolle internationaler Unterstützung hervorgehoben wird.
7. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Erfolgsaussichten sowie die Bedeutung einer langfristigen Perspektive für den Frieden in beiden Ländern.
Schlüsselwörter
Angola, Burundi, DDR-Programm, Disarmament, Demobilization, Reintegration, Friedensprozess, Zivilgesellschaft, ehemalige Soldaten, Reinsertion, Bürgerkrieg, Konfliktbewältigung, ökonomische Unabhängigkeit, UN-Missionen, Entwicklungszusammenarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Wirksamkeit von DDR-Programmen, die darauf abzielen, ehemalige Bürgerkriegssoldaten zu entwaffnen, zu demobilisieren und in ein ziviles Leben zu integrieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die theoretischen Grundlagen des DDR-Konzepts, die Analyse der Situation in Angola nach dem Bürgerkrieg sowie der Vergleich mit den Prozessen in Burundi.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die Schwierigkeiten bei der Umsetzung von DDR-Maßnahmen aufzuzeigen und zu prüfen, inwieweit eine erfolgreiche Reintegration die Rückkehr in gewaltsame Konflikte verhindern kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt einen komparativen Ansatz und stützt sich auf die Analyse bestehender Studien, Berichte internationaler Organisationen und vorhandene Daten zur Reintegration von Soldaten.
Welche Inhalte bilden den Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert die Reintegration ehemaliger UNITA-Soldaten in Angola, die sozio-ökonomische Vulnerabilität der Zielgruppe sowie den DDR-Prozess in Burundi als beispielhaftes Modell.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Demobilisierung, Reintegration, Vulnerabilität, Friedenssicherung und ökonomische Stabilität.
Welchen Stellenwert nimmt die ökonomische Unabhängigkeit für ehemalige Soldaten ein?
Die Studie zeigt, dass wirtschaftliche Unabhängigkeit und feste Arbeitsplätze die entscheidenden Faktoren für die erfolgreiche Selbsteinschätzung einer geglückten Reintegration sind.
Warum ist die Rolle der NGOs für das DDR-Programm von Bedeutung?
NGOs spielen eine zentrale Rolle bei der Unterstützung, der Vermittlung von Rechten und Pflichten sowie der langfristigen Begleitung der ehemaligen Kombattanten im zivilen Alltag.
Welche Rolle spielten die unterschiedlichen ethnischen und ideologischen Ursprünge der Konflikte?
Der Autor weist darauf hin, dass die Konflikte in Angola eher ideologisch geprägt waren, während in Burundi ethnische Spannungen eine zentrale Rolle spielten, was die Umsetzung der DDR-Maßnahmen beeinflusste.
Wie wird der Erfolg des DDR-Prozesses in Burundi bewertet?
Der Prozess in Burundi wird trotz anfänglicher Schwierigkeiten als weitestgehend erfolgreich bewertet und als ein Beispiel für künftige DDR-Programme hervorgehoben.
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- Fabian Lehmann (Author), 2008, Das DDR-Programm in Angola im Vergleich zu Burundi, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155606