Das DDR-Programm in Angola im Vergleich zu Burundi

Ausgewählte Problemfelder und Erfolgsaussichten


Hausarbeit, 2008
18 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Friedensbemühungen in Angola in den 1990ern

3. Einführung in das DDR-Programm

4. Das DDR-Programm in Bezug auf Angola
4.1 Ehemalige Soldaten als besonders vulnerable Gruppe
4.2. Die ökonomische Situation der demobilisierten Soldaten

5. Der Bürgerkrieg in Burundi

6. Das DDR-Programm in Burundi

7. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Am 4. April 2002 unterzeichneten die Akteure des Angolanischen Bürgerkrieges MPLA und UNITA ein Waffenstillstandsabkommen. Kurz zuvor war der Kopf der UNITA-Bewegung, Jonas Savimbi bei Kampfhandlungen ums Leben gekommen. Die MPLA (Movimento Popular de Libertação de Angola), während des Bürgerkrieges militärisch wesentlich von Kuba und der Sowjetunion unterstützt, hatte gesiegt und stellt seitdem die Regierung des westafrikanischen Landes. Die UNITA (União Nacional para a Independência Total), während des Krieges durch südafrikanische Truppen und später auch durch die USA unterstützt, bleibt in der politischen Opposition. Der Konflikt, hauptsächlich ausgetragen zwischen diesen beiden Akteuren, schwelte drei Jahrzehnte und lähmte das Land seit der Unabhängigkeit von Portugal 1975 (PARIS 2006: 63). Die Folgen sind Heute unübersehbar und wirken sich vielfältig aus. Damit dieser Frieden von Dauer ist, müssen Maßnahmen ergriffen werden, die Folgen des Krieges zu bewältigen und einen Zustand herzustellen, in dem alle Folgekonflikte friedlich bewältigt werden können.

Die folgenden Seiten werden ein Programm darstellen, das sich diesem Problem widmet. Wie können Menschen, die aktiv als Soldaten an diesem Krieg beteiligt waren, wieder Teil einer Zivilgesellschaft werden? Wie können Menschen die mit dem Krieg aufgewachsen sind, vielleicht durch ihren Sold und die Plünderungen von ihm profitiert haben, ein erfülltes Leben außerhalb militärischer Hierarchie und Gewalt führen? Die Akteure der Entwicklungszusammenarbeit antworten mit einer Reihe von Maßnahmen, die unter dem Kürzel DDR zusammengefasst werden. DDR steht dabei für Disarmament, Demoilization und Reintegration und hat den Anspruch, nach dem Ende des Krieges die Soldaten zu entwaffnen und aus der militärischen Laufbahn in die Zivilgesellschaft zu reintegrieren, vielleicht sogar auch zum ersten mal zu integrieren. Dieses ehrgeizige Programm soll anhand der Folgen des angolanischen Bürgerkrieges vorgestellt werden. Dabei soll das theoretischen Ideal mit der Realität verglichen und entstehende Probleme vorgestellt werden. Da DDR aber nicht nur in Angola sondern in einigen weiteren afrikanischen Ländern wie etwa in der Demokratischen Republik Kongo, dem Sudan oder in Liberia praktiziert wird (UN DDR RESOURCE CENTRE 2008), soll ein weiteres Land beispielhaft betrachtet werden und der Erfolg der Reintegration ehemaliger Soldaten in Angola anhand ausgewählter Aspekte verglichen werden. Seit 2004 finden auch in Burundi solche Maßnahmen statt (BOSHOFF et al. 2006: 15). Inwiefern diese mit

denen in Angola übereinstimmen und mit welchem Erfolg die Demobilisierung in Burundi geschieht, wird im zweiten Teil dieser Arbeit erörtert werden.

2. Friedensbemühungen in Angola in den 1990ern

Der Friedensschluss von 2002 war nicht der erste Versuch die angolanischen Konfliktparteien zum Niederlegen ihrer Waffen zu bewegen. Vorausgegangen waren dieser Beendigung des militärischen Konflikts zwei Friedensverträge, die beide nicht von Bestand waren. Am 2. Mai 1991 unterzeichneten die Parteien des Bürgerkriegs den Friedensvertrag von Bicesse unter Beobachtung der Vereinten Nationen. Die MPLA konnte nicht mehr auf die Unterstützung ihres langjährigen Patron der Sowjetunion hoffen, verschwand diese doch 1990 von der politischen Karte. Um nun internationale Unterstützung zu erlangen, musste sich die MPLA den Forderungen der neuen Geber fügen. Diese beinhalteten neben der Einführung demokratischer und marktwirtschaftlicher Reformen, eben auch die Versöhnung mit dem politischen Gegner UNITA. Die UN- Untersuchungsmission UNAVEM II sollte dabei sicherstellen, dass die vereinbarten Bedingungen eingehalten werden (PARIS 2006: 64). Dieser Vertrag war jedoch zum Scheitern verurteilt, waren doch weder UNITA noch MPLA zu einer wirksamen Kooperation bereit. Am Ende seien laut NATALIE PAUVELS nur etwas mehr als ein Drittel der MPLA Soldaten und 85 Prozent der UNITA Truppen demobilisiert worden, bevor die ersten demokratischen Wahlen des unabhängigen Angola am 29. und 30. September 1992 stattfinden sollten. Selbst die eigentlich hohe Zahl der offiziell demobilisierten UNITA Streitkräfte trüge, so KEES KINGMA, da viele dieser Soldaten tatsächlich noch militärisch organisiert blieben (KINGMA 2000: 302). ROLAND PARIS geht von einem anderen Zahlenverhältnis aus und nennt zwei Drittel der MPLA-Soldaten und nur 26 Prozent der UNITA-Streitkräfte demobilisiert. Weiterhin seien in die vereinten angolanischen Streitkräfte lediglich 8000 der veranschlagten 50.000 Soldaten überführt worden. Als Ursachen seien hier logistische, sowie Versorgungsprobleme zu nennen, aber auch die Strategie beider Parteien, ihre militärische Macht nicht vollständig aufgeben zu wollen (PARIS 2006: 66). Die unzureichend organisierte Versorgung der demobilisierten Soldaten wird als entscheidende Ursache des erneuten Ausbruchs der Kampfhandlungen angesehen. Die für die entwaffneten Soldaten vorgesehenen Lager waren nur schlecht ausgestattet und die Lebensbedingungen entsprechend gering. Die von den Vereinten Nationen und dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes bereitgestellte Nothilfe genügte nicht, um den Menschen eine Perspektive in einem friedlichen Angola zu vermitteln (PAUVELS 2000: 302). Die Auszählung der Wahlergebnisse von 1992 deutete auf einen Ergebnis zugunsten der MPLA. Savimbi, Führer der UNITA zweifelte daraufhin die Richtigkeit er Ergebnisse an. Infolgedessen kam zu Übergriffen auf MPLA-Strukturen durch Anhänger der UNITA und zum erneuten Ausbruch des Bürgerkrieges (PARIS 2006: 67).

Der zweite Friedensschluss von Lusaka fand 2 Jahre später im November 1994 statt und hielt nur 4 Jahre. Während dieser 4 Jahre konnten immerhin 50.000 Soldaten offiziell demobilisiert werden. Weiterhin wurden insgesamt 11.000 ehemalige UNITA-Soldaten in die neu gebildete angolanische Armee integriert (PAUVELS 2000: 302). Doch auch während dieses Entwaffnungsprozesses kam es zu ernsthaften Zweifeln über den Erfolg der UN-Maßnahmen. So hielt die UNITA-Führung die wichtigsten Truppen und Waffen zurück und warb zum Teil Männer an, die sich als Soldaten ausgebend entwaffnen lassen sollten, ohne tatsächlich jemals bei den UNITA-Truppen gedient zu haben. Selbst von denjenigen, die den Demobilisierungsprozess durchliefen wird angenommen, dass sie zum großen Teil weiterhin unter Kontrolle der UNITA-Offiziere standen und gezwungen wurden weiterhin für diese zu kämpfen. Auch die MPLA erreichte nicht die im Lusaka-Protokoll festgelegte Zahl an demobilisierten Soldaten (PAUVELS 2000: 303). 1998 zerfiel die UNITA in mehrere Splittergruppen, von denen eine von Jonas Savimbi angeführt wurde. Dieser vereinte die verbliebenen militärischen Mittel der UNITA und wieder brach der Krieg über Angola herein. Auch während diesem Demobilisierungsprozess war das Mandat der UN zu schwach, als das es ein Wiedererstarken der UNITA-Kräfte hätte verhindern können. 1999 wurde die UN-Friedensmission aus Mangel an Erfolg abgebrochen (PARIS 2006: 68).

Welche Faktoren führten nun zum Scheitern der UNAVEM II-Mission in Angola? Der wohl entscheidendste Grund war der mangelnde Wille beider Parteien den Kampf um die Macht mit militärischen Mitteln tatsächlich aufzugeben. Wie bereits erwähnt, war es gerade Savimbi, der seine Machtposition mit allen Mitteln verteidigen und ausbauen wollte. Weiterhin muss jedoch auch Kritik an der UN-Mission geübt werden. Das vorrangige Ziel dieser Mission war neben dem Befrieden des Landes, die Einführung eines demokratischen Systems. Die Wahlen von 1992 sollten dies untermauern. Dabei blieben dem Land nur 1½ Jahre Zeit, sich nach dem ersten Friedensvertrag von Bicesse auf diese Wahlen vorzubereiten. Nach über 15 Jahren Krieg war das Hoffen auf einen friedlichen Ausgang der Wahlen mehr Hoffnung als Wirklichkeit. Die Vorbereitungen der Wahl führten zu keiner Politik der Versöhnung. Das Gegenteil war der Fall. Die MPLA und die UNITA trugen weiterhin offen ihren Konflikt während des Wahlkampfes aus. Weder Savimbi noch dos Santos, der Kopf der MPLA, schienen sich mit weniger als der Führung des Landes zufrieden zu geben. Nach Meinung verschiedener Autoren unterstützte das Wahlsystem die Konkurrenz nur, schließlich wären dem Verlierer wenig Anreize geboten worden, die Stellung der Opposition zu akzeptieren. Des weiteren wird der Mangel an materieller und personeller Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft kritisiert (PARIS 2006: 68).

Entscheidend jedoch war, dass es den konkurrierenden Parteien überhaupt möglich war, die Kampfhandlungen wieder aufzunehmen und den Machtkampf mit militärischen Mitteln fortzusetzen. In der kurzen Phase zwischen der Unterzeichnung des Friedensvertrages und der Wahl, war es aus verschiedenen Gründen nicht gelungen genügend Soldaten zu demobilisieren. Hätten weder UNITA noch MPLA über die verbliebenen Soldaten und Maschinen verfügen können, hätte es nicht zu erneuten Kampfhandlungen in dieser Dimension kommen können. Die Demobilisierung bis zum Zeitpunkt der Wahlen war gescheitert und die Basis für alle weiteren Kampfhandlungen weiterhin vorhanden.

[...]

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Details

Titel
Das DDR-Programm in Angola im Vergleich zu Burundi
Untertitel
Ausgewählte Problemfelder und Erfolgsaussichten
Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V155606
ISBN (eBook)
9783640683680
ISBN (Buch)
9783640683420
Dateigröße
825 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
DDR ist das Kürzel für Disarmament, Demobilization und Reintegration und bezeichnet Programme zur gesellschaftlichen Wiedereingliederung ehemaliger Soldaten.
Schlagworte
Angola, Burundi, Demobilisierung, Reintegration, MPLA, UNITA, Bürgerkrieg
Arbeit zitieren
Fabian Lehmann (Autor), 2008, Das DDR-Programm in Angola im Vergleich zu Burundi, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155606

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