Ein jeder kennt sie, die Träume, in denen man als selbstbewusster und vor Glück strotzender Abenteurer durch die Wälder zieht, reißende Flüsse überquert, Abhänge besiegt und selbsterlegtes Wild verzehrt. Wer träumt nicht von solch einem Abenteuer, raus aus dem Globalisierungs- und Konsumdschungel. Einfach nur man selbst sein, stark sein und sich austesten.
Auch in der Pädagogik findet man Action und Abenteuer als Ausdruck neuer Gegenwartsbezogenheit: Leben im Hier und Jetzt. Doch was hat Abenteuer mit Pädagogik zu tun?
Erziehung und Lernen, sei es im Kindergarten, in der Jugendarbeit, in der Jugendhilfe oder in der Erwachsenenbildung soll Spaß machen, soll spannend sein. Die Erlebnispädagogik greift dieses Wissen auf und will durch Erfahrungslernen unsere Kompetenzen wie Selbstständigkeit, Verantwortlichkeit, soziale Kompetenz und Mündigkeit erweitern.
Doch man muss aufpassen, dass man seine Abenteuerträume nicht mit Erlebnispädagogischen Angeboten verwechselt, denn hier geht es nicht um ein Überlebenstraining, sondern um pädagogische Modelle. Eine weitere wichtige Frage, mit der ich mich beschäftigen möchte, ist: Kann Erfahrungslernen etwas zur Persönlichkeitsbildung beitragen und wenn ja, werden die dort gelernten Fähigkeiten in den Alltag umgesetzt?
Im zweiten Kapitel soll es mir darum gehen, inwiefern der Begriff „Erlebnispädagogik“ gerechtfertigt ist oder nicht, denn der Begründer der Erlebnispädagogik, Kurt Hahn, nannte es zu seiner Zeit „Erlebnistherapie“. Pädagogik und Therapie sind jedoch zwei unterschiedliche paar Schuhe. Mit den Vorreitern und dem Begründer Kurt Hahn soll es im dritten Kapitel weiter gehen. Ich möchte von der Epoche der Aufklärung über die Reformpädagogik bis in die heutige Zeit einen geschichtlichen Abriss geben, um die Entwicklung der Gedanken und Ziele im Zeitverlauf nachvollziehen zu können. Dieses Kapitel soll auch eine Antwort auf die Frage geben: Was hat Abenteuer mit Pädagogik zu tun? Ein weiterer wichtiger Punkt, um die Erlebnispädagogik als Wissenschaft anzuerkennen, ist die theoretische Fundierung, mit welcher ich mich in Kapitel vier beschäftigen werde. Die Artikel fünf und sechs sollen mehr Einblick in die Praxis geben. Was für Ziele werden verfolgt, wie werden diese Ziele umgesetzt und welchen Einfluss hat die Erlebnispädagogik in der außerschulischen Jugendbildung? Ein paar Beispiele des Vereins „Tigersprung e.V.“ aus Bamberg sollen einen kleinen Einblick über ausgewählte Angebote gewähren.
Gliederung
1. Einleitung
2. Begriffsklärung Erlebnispädagogik
3. Historische Entwicklung
3.1 Kurt Hahn als der Begründer
3.2 Die erlebnispädagogische Renaissance
4. Theoretische Fundierung
4.1 Erziehungswissenschaftliche Fundierung
4.2 Sozialwissenschaftliche Fundierung
4.3 Forschung
5. Lernen mit Kopf, Herz und Hand – Leitlinien und Ziele der Erlebnispädagogik
6. Die Relevanz der Erlebnispädagogik in der außerschulischen Jugendbildung
6.1 Erlebnispädagogik als Erfahrungsfeld für Jugendliche und Pädagogen
6.2 Erlebnispädagogische Angebote am Beispiel „Tigersprung e.V.“ Bamberg
6.2.1 Klettern
6.2.2 Kanu- und Kajakfahren
6.2.3 City Bound
7. Kritikpunkte – Grenzen der Erlebnispädagogik
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den pädagogischen Stellenwert der Erlebnispädagogik in der außerschulischen Jugendbildung. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit Erfahrungslernen zur Persönlichkeitsbildung beitragen kann und wie sich erlebnispädagogische Konzepte in der Praxis, etwa durch Anbieter wie „Tigersprung e.V.“, konkret umsetzen und kritisch bewerten lassen.
- Historische Herleitung und theoretische Fundierung der Erlebnispädagogik
- Analyse des Bildungskonzepts „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“
- Praxisbeispiele der erlebnispädagogischen Arbeit (Klettern, Kanufahren, City Bound)
- Kritische Würdigung der Grenzen und Herausforderungen in der Umsetzung
Auszug aus dem Buch
6.2.1 Klettern
Klettern verspricht im Gegensatz zu Bergwandern einen kurzfristigen „Kick“, insofern ist es für den Pädagogen leichter, für die Kletterei als für eine mehrstündige Wanderung zu motivieren. Klettern heißt Widerstände bearbeiten. Die raue Felswand überwinden, sein eigenes Körpergewicht entgegen der Anziehungskraft nach oben zu bringen - mit diesen Widerständen flexibel umzugehen, sie entschlossen zu überwinden oder auch einmal zurückzuweichen und nach Auswegen zu suchen, erfordert im Alltag Kompetenzen, die manchen Jugendlichen überfordern. Klettern kann also insofern hilfreich sein, diese Widerstände spielerisch auszubalancieren (vgl. Heckmair/Michl 1993, 126ff).
Beim Klettern interagiert der Jugendliche als Kletterer, Sichernder und Beratender. Diese drei Funktionen verlangen die Kompetenzen Vertrauen, Verantwortung und Kommunikationsfähigkeit. Gegenseitiges Vertrauen ist die Basis, ohne die keiner weit kommt. Dazu gehört auch, anderen zu helfen, Instruktionen zu befolgen, also Verantwortung zu übernehmen. Kommunikation wird bei dieser Sportart überlebenswichtig und muss dementsprechend klar und deutlich stattfinden. Des Weiteren ist es auch eine motorische Herausforderung, bei dem der eigene Körper neu erlebt wird (vgl. Tigersprung e.V./Klettern)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Relevanz von Abenteuern in der Pädagogik dar und skizziert das Ziel der Arbeit, die Erlebnispädagogik wissenschaftlich und praktisch einzuordnen.
2. Begriffsklärung Erlebnispädagogik: Dieses Kapitel erläutert die Schwierigkeit einer eindeutigen Definition aufgrund der Heterogenität der Ansätze und diskutiert verschiedene Begriffsansätze.
3. Historische Entwicklung: Der Abschnitt zeichnet den Weg von der Aufklärung über die Reformpädagogik bis hin zum Wirken von Kurt Hahn nach.
4. Theoretische Fundierung: Hier werden die erziehungswissenschaftlichen, sozialwissenschaftlichen und forschungsbasierten Grundlagen für die Etablierung als Wissenschaft diskutiert.
5. Lernen mit Kopf, Herz und Hand – Leitlinien und Ziele der Erlebnispädagogik: Das Kapitel erläutert das ganzheitliche Bildungskonzept und die vielfältigen Lernziele der Erlebnispädagogik.
6. Die Relevanz der Erlebnispädagogik in der außerschulischen Jugendbildung: Es wird die praktische Bedeutung erlebnispädagogischer Ansätze beleuchtet, unter anderem durch die Beispiele von „Tigersprung e.V.“.
7. Kritikpunkte – Grenzen der Erlebnispädagogik: Das Kapitel setzt sich kritisch mit der Reichweite, dem Transferproblem und der mangelnden empirischen Forschung auseinander.
8. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Erlebnispädagogik trotz theoretischer Defizite einen wertvollen Ansatz zur Persönlichkeitsentwicklung darstellt.
Schlüsselwörter
Erlebnispädagogik, Jugendbildung, Erfahrungslernen, Kurt Hahn, Persönlichkeitsbildung, Sozialpädagogik, Erlebnistheorie, Klettern, City Bound, Outdoor-Pädagogik, Sozialkompetenz, Handlungsorientierung, Ganzheitlichkeit, Transferproblem, Tigersprung e.V.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit bietet einen Überblick über das Feld der Erlebnispädagogik und untersucht deren theoretische Fundierung sowie ihre praktische Anwendung in der außerschulischen Jugendbildung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die historische Entwicklung, die theoretische Einbettung, die Zielsetzungen sowie die kritische Reflexion des erlebnispädagogischen Konzepts.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es zu klären, ob Erfahrungslernen einen tatsächlichen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung leisten kann und inwiefern erlebnispädagogische Aktivitäten in den Alltag von Jugendlichen integrierbar sind.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche, der Auswertung pädagogischer Fachliteratur sowie der beispielhaften Analyse von Projekten eines spezifischen Praxisanbieters.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erstreckt sich von der historischen Herleitung über die theoretische Fundierung bis hin zu konkreten Praxisbeispielen wie Klettern, Kanufahren und dem „City Bound“-Ansatz.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“, „Erlebnistherapie“, „Sozialkompetenz“ und „Persönlichkeitsentwicklung“ geprägt.
Was unterscheidet „City Bound“ von klassischen Outdoor-Angeboten?
„City Bound“ verlagert das Erlebnis in den urbanen Raum, wodurch die Teilnehmer in einem alltäglicheren Kontext mit sozialen Situationen und Institutionen konfrontiert werden, anstatt sich rein in der Natur zu bewegen.
Wie bewertet die Autorin die Kritik an der Erlebnispädagogik?
Die Autorin erkennt das „Transferproblem“ und die mangelnde empirische Forschung an, betont jedoch, dass die Erlebnispädagogik dennoch ein wertvoller, pädagogisch sinnvoller Ansatz bleibt, der nicht mit bloßem Überlebenstraining zu verwechseln ist.
- Citation du texte
- Franziska Gäbler (Auteur), 2009, Lernen mit Kopf, Herz und Hand , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155619