1. Einleitung
Hermann Giesecke hat als erster den politischen Konflikt, als zentralen Lerngegenstand im politischen Unterricht, in den Mittelpunkt gerückt. Als er diese Theorie des politischen Unterrichts erstmalig 1965 publizierte, befand sich die politische Bildung in Deutschland in einem weitreichenden Wandel bzw. Veränderungsprozess. Gekennzeichnet war diese Umstrukturierung dadurch, dass man erstmalig eine Beziehung zwischen Fortschritt und Investitionen der Technologie und Wirtschaft und dem Bildungssystem herstellte. Zu dieser Zeit wurde die Formel „Wachstum durch Bildung“ voll und ganz anerkannt.1
„Gieseckes Didaktik ist das Ergebnis seiner dreijährigen Tätigkeit in der freien Jugendarbeit Anfang der 60er Jahre. Er leitete dort als gerade Dreißigjähriger (1928) Lehrgänge/Tagungen zur politischen Bildung im Jugendhof Steinkimmen bei Delmenhorst in Niedersachsen. Es waren 10-14tägige Tagungen für Schüler der gymnasialen Oberstufe, für Schulklassen und für geschlossene Lehrlingsgruppen – Veranstaltungen auf freiwilliger Basis, die trotz Anwesenheit von Lehrern und Ausbildern von den Jugendlichen als Freizeit verstanden wurden; es gab keine Leistungsbenotung. Verständlich ist, dass Leiter und Mitarbeiter in derartigen Veranstaltungen mit einer Didaktik der Lernschule bei den Jugendlichen nicht landen konnten.“2
Die Veranstaltungen waren aus diesem Grund mehr auf die Teilnehmer zentriert. Ziel dieser Veranstaltungen war es, die jungen Menschen zur freiwilligen Teilnahme zu motivieren. Dazu stellte Giesecke die Schaffung und Nutzung erzieherisch- produktiver Konfliktsituationen. Ebenso wollte er erreichen, dass das politische Lernen nicht als Belehrung, sondern vielmehr als Normalfall politischer Meinungsbildung verstanden wird.
Die Konfliktdidaktik wurde beeinflusst durch die Konfliktsoziologie und Zeitdiagnosen des Soziologen Ralf Dahrendorfs, welcher in den 50er Jahren in Hamburg an der Hochschule für Wirtschaft und Politik gelehrt hat. Die Konfliktsoziologie stellt den allgemein- soziologischen Theorieansatz dar, der alles soziale Handeln als Streit sozialer Akteure versteht.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Hauptziel des politischen Unterrichts
2.2 Didaktische Begründung
2.3 Teilziele des politischen Unterrichts
3. Die Methode „Konfliktanalyse“
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der Arbeit ist es, die Prinzipien der Konfliktdidaktik von Hermann Giesecke sowie die zugehörige Methode der Konfliktanalyse im Kontext des politischen Unterrichts theoretisch zu durchleuchten und deren Umsetzungsmöglichkeiten zu erläutern.
- Hermann Gieseckes Didaktik der politischen Bildung
- Das Konzept der Mitbestimmung als oberstes Lernziel
- Didaktische Begründungen konfliktorientierten Unterrichts
- Die fünf wesentlichen Teilziele für den politischen Unterricht
- Die elf politischen Kategorien der Konfliktanalyse
Auszug aus dem Buch
3. Die Methode „Konfliktanalyse“
Die Bearbeitung des „politischen Bewusstseins“ bedeutet, dass die Schüler lernen sollen ihr bereits vorhandenes allgemeines Wissen auf spezielle Konflikte anzuwenden und umzuwandeln und diese daraufhin zu lösen. Diesen Prozess bezeichnet Giesecke als „Mobilisierung von Aktionswissen“. Zur Anwendung des Aktionswissens hat er die Methode der Konfliktanalyse entwickelt.
Die Konfliktanalyse umfasst elf politische Kategorien, aus denen sich wiederum elf Leitfragen, die an den jeweiligen Konflikt zu stellen sind, ableiten. Die Schüler sollen diese Leitfragen beantworten. Zur Beantwortung eignen sie sich Orientierungswissen, wie z.B. Kenntnisse über Rechte und Pflichten, über die Institutionen oder Organe des Staates, über die Parteien, Verfassung usw., an. Durch die Anwendung auf den jeweiligen Konflikt transformiert sich das Orientierungswissen in das Aktionswissen und erhält dadurch einen praxisnahen Bezug. Handlungszweck ist hierbei das Lösen des jeweiligen Konfliktes.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Entstehung der Konfliktdidaktik von Hermann Giesecke vor dem Hintergrund der bildungspolitischen Entwicklungen der 1960er Jahre.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert das Konzept der Mitbestimmung als zentrales Lernziel und begründet didaktisch, warum Konflikte als Lerngegenstand für die politische Bildung unerlässlich sind.
2.1 Hauptziel des politischen Unterrichts: Hier wird Mitbestimmung als das oberste Lernziel definiert, welches auf einer historisch-dynamischen Interpretation des Grundgesetzes basiert und die Demokratisierung aller Lebensbereiche anstrebt.
2.2 Didaktische Begründung: Es werden die psychologischen Voraussetzungen für den konfliktorientierten Unterricht erörtert, insbesondere die Förderung von Konfliktfähigkeit und der Abbau von ideologischem Denken.
2.3 Teilziele des politischen Unterrichts: Dieses Kapitel führt fünf methodische Teilziele auf, die Schülern als Instrumente dienen sollen, um in manifesten Konflikten handlungsfähig zu werden.
3. Die Methode „Konfliktanalyse“: Diese Sektion stellt die elf politischen Kategorien und die daraus abgeleiteten Leitfragen vor, die der Mobilisierung von Aktionswissen dienen.
4. Fazit: Das Fazit reflektiert die Stärken und Grenzen der Konfliktdidaktik und diskutiert die Umsetzbarkeit der Mitbestimmungsforderung im Schulalltag.
5. Literaturverzeichnis: Aufzählung der verwendeten Fachliteratur und Quellen.
Schlüsselwörter
Politische Bildung, Hermann Giesecke, Konfliktdidaktik, Mitbestimmung, Konfliktanalyse, Aktionswissen, Demokratisierung, Politische Partizipation, Unterrichtsmethodik, Konfliktfähigkeit, Sozialkunde, Politische Urteilsbildung, Politische Realität, Didaktik, Gesellschaftskritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die theoretischen Grundlagen der von Hermann Giesecke entwickelten Konfliktdidaktik für den politischen Unterricht.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Mitbestimmung als Lernziel, die didaktische Begründung von Konflikten als Unterrichtsgegenstand und die methodische Umsetzung mittels der Konfliktanalyse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Prinzipien der Konfliktdidaktik darzustellen und zu erläutern, wie die Methode der Konfliktanalyse als Instrument für die politische Bildung eingesetzt wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die didaktische Konzepte sowie konfliktsoziologische Ansätze von Hermann Giesecke und Ralf Dahrendorf analysiert und systematisierte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen (einschließlich Lernziele und didaktischer Begründung) und die praktische Methode der Konfliktanalyse mit ihren elf Kategorien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Konfliktdidaktik, Mitbestimmung, Politische Bildung und Aktionswissen.
Warum spielt das Konzept der „Mitbestimmung“ eine so zentrale Rolle bei Giesecke?
Giesecke betrachtet Mitbestimmung nicht nur als Ziel, sondern als Gegenstand des Unterrichts, um Schüler zur aktiven Gestaltung der Gesellschaft im Sinne des Grundgesetzes zu befähigen.
Wie genau funktionieren die „elf Kategorien“ der Konfliktanalyse?
Jede der elf Kategorien (wie z. B. Macht, Recht oder Interesse) liefert eine spezifische Leitfrage, die den Schülern hilft, die Komplexität eines realen politischen Konflikts systematisch zu durchdringen.
- Arbeit zitieren
- Marcel Verkouter (Autor:in), 2010, Gieseckes Konfliktorientierung - Theoretische Grundlagen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155729