Angststörungen - Klinisch-psychologische Störungsbilder im Erwachsenenalter


Studienarbeit, 2010

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Thema

1. Angststorungen, Einleitung

2. Allgemeine Definition

3. Klassifikationen

4. Generalisierte Angststorung (generalized anxiety disorder)
4.1. Allgemeines zur Generalisierten Angststorung
4.2. Therapieansatze zur Generalisierten Angststorung

5. Panikstorungen (panic disorder)
5.1. Allgemeines zur Panikstorung
5.2. Therapieansatze zur Panikstorung

6. Phobien - Spezifische-, Soziale und Agoraphobie (phobia)
6.1. Allgemeines zu Spezifischen-, Sozialen und Agoraphobie
6.2. Therapieansatze zu Phobien

7. Zwangsstorung (obsessive-compulsive disorder)
7.1. Allgemeines zur Zwangsstorung
7.2. Therapieansatze zur Zwangsstorung

8. Posttraumatische Belastungsstorung
8.1. Allgemeines zur Posttraumatischen Belastungsstorung
8.2. Therapieansatze zur Posttraumatischen Belastungsstorung

9. Lerntheoretischer Erklarungsansatz
9.1 Biologischer Erklarungsansatz
9.2 Biopsychosozialer Erklarungsansatz

10. Angst und Arbeitsalltag

11. Fazit

Literaturangaben / Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende schriftliche Arbeit thematisiert die Atiologie, die Symptomatik sowie die moglichen Therapieformen von Angststorungen in der postmodernen Gesell- schaft.

Die Betrachtung der abnormen Angstreaktion als pathologisches Phanomen ist eine noch recht junge Entwicklung im Bereich der klinischen Psychologie. Die Verbreitung der verschiedenen Storungsbilder innerhalb der Gesellschaft hingegen ist enorm hoch. Die folgende Ausarbeitung beschaftigt sich in diesem Zusammen- hang mit der Fragestellung: „WeiGt das Individuum in der postmodernen Gesellschaft gegenuber Angststorungen einen Mangel an Resilienz auf?“

Um darauf eine angemessene Antwort geben zu konnen, werden im Folgenden zu Beginn das Thema „Angst“ und deren pathologische Formen erlautert und voneina n- der abgegrenzt. Weiter erfolgt die Darstellung der Klassifikation von Angststorungen sowie die detaillierte Beschreibung der haufigsten Vertreter: die generalisierte Angst- storung, die Panikattacke, spezifische-, soziale-, und Agoraphobie, Zwangsstorungen sowie die Posttraumatische Belastungsstorung. Ferner werden sowohl die jeweiligen Erklarungsansatze als auch der soziookonomische Kontext dargestellt.

2. Allgemeine Definition

Die Angst gehort zu den Grundemotionen eines Menschen und entwickelt sich be- reits in der zweiten Halfte des ersten Lebensjahres. Sie ist universal, das heiGt, sie gehort zum Erfahrungsbereich jedes Menschen und tritt sogar auch bei Primaten auf. Es sind Gefuhle, die aus evolutionarer Sicht dem Uberleben der Spezies dienen, da sie dabei mitwirken, Gefahren zu vermeiden (vgl. Berk 2007, S. 237ff.). Anlasslich dieser Ausarbeitung stellt sich die Frage nach der Abgrenzung von „normaler“ und „pathologischer“ Angst; ab wann also wird das Aufkommen der Gefuhlsregung Angst ein Problem und somit eine Storung? Diesbezuglich definiert Myers, dass eine psy- chische Storung vorliegt, wenn sich „dauerhaft schadliche Gedanken, Gefuhle und Handlungen" bei Betroffenen einstellen, die „abweichend, qualend und dysfunktional" sind (Myers 2005, S. 745). Das entscheidende Merkmal ist hier nach Myers die Dys- funktionalitat des Verhaltens, es handelt sich demzufolge erst um eine Storung, wenn ein Mensch durch das Aufkommen der Angst in bestimmten Situationen in seinem Leben beeintrachtigt wird. Abweichendes Verhalten allein, kann demnach nicht als MaG fur eine Storung gelten, da sich Verhaltensweisen „von Kultur zu Kultur und von

Kontext zu Kontext" unterscheiden; ebenso konnen arge Bedrangnis und Verzweif- lung einen Menschen zwar in der Lebensfuhrung behindern, rechtfertigen allein aber dennoch nicht die Definition einer Storung. (vgl. Myers 2005, S. 745f.)

Eine andere Definition der pathologischen Angst lasst sich nach Jungnitsch anhand folgender Kriterien festmachen:

1. Die Angstreaktion ist der angstauslosenden Situation gegenuber unangemes- sen
2. Die Angstreaktion ist chronisch
3. Die betroffene Person hat keine Erklarung fur das Aufkommen der Angst so- wie keine Moglichkeit der Angstreduktion oder der Angstbewaltigung
4. Die Angstreaktion fuhrt zu starken Beeintrachtigungen im Leben der Betroffe- nen (vgl. Jungnitsch 2009, S. 162)

GemaG Jungnitsch und dem Robert Koch-Institut lassen sich funf Ebenen der Angst charakterisieren. Die erste Ebene ist die subjektive Ebene, diese ist gerade bei so- zialen Angsten sehr bedeutsam, da sie sich auf die Gedanken und Befurchtungen der Betroffenen bezieht. Die zweite Ebene ist die Verhaltens-Ebene, sie betrifft das Vermeidungs- und Fluchtverhalten sowie das Schaffen bestimmter Sicherheitssigna- le von den Betroffenen. Die dritte Ebene ist die korperliche, also die physiologische Ebene, sie beschreibt die Symptome des Korpers, die innerhalb eines Angstzustan- des auftreten, so z.B. Herzrasen, Schwitzen, Schwindel, Zittern, etc.. Die vierte Ebe­ne ist die emotionale Ebene, hierbei geht es um die Gefuhlszustande, welche die Betroffenen wahrend eines Angstzustandes durchmachen. Die funfte und auch letzte Ebene ist die kognitive Ebene, sie bezieht sich auf das Denken und die Aufmerk- samkeit der Betroffenen. Nach Jungnitsch mussen die einzelnen Krankheitsbilder keine Synchronitat in Bezug auf die Erscheinungsebenen von Angst haben, ganz im Gegenteil konne man dadurch im Weiteren Verlauf wichtige „Hinweise auf die Unter- scheidung einzelner Storungsbilder sowie auf die Therapie ableiten". (vgl. Jungnitsch 2009, S. 162f. und Robert Koch-Institut 2004, S.7)

3. Klassifikation von Angststorungen

Eine Klassifikation bringt immer eine gewisse Ordnung mit sich, so auch innerhalb der Psychiatrie und der Psychologie; hier werden die Symptome verschiedener Krankheitsbilder in sinnvollen Gruppen, beispielsweise mit einer gemeinsame Atiolo- gie, eingeteilt und mit den jeweils qualitativen Unterschieden aufgefuhrt, damit die einzelnen Storungen benannt, beschrieben und untersucht sowie der jeweilig weitere Verlauf vorhergesagt und eine bestimmte Form der Behandlung durchgefuhrt werden kann. Die zwei richtungsweisenden Systeme zur Klassifikation sind das ..Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (Fourth Edition)" zu Deutsch: „Diagnosti- sches und Statistisches Manual psychischer Storungen (4. Ausgabe)", kurz: DSM-IV und die .International Classification of Diseases" zu Deutsch: .Internationale Klassifi­kation der Krankheiten", kurz: ICD-10. Beide .Schemata sind kategoriale Systeme, die auf einer Gruppierung von Symptomen beruhen, die wiederum zu einem System von Kategorien zusammengefasst werden" (Myers 2005, S. 749). Beide Systeme sind in der Forschung anerkannt.

DSM-IV

Das DSM-IV ist ein rein amerikanisches System und wurde erstmals 1952 in Anleh- nung an die ICD-6 entwickelt. Es ist ein multiaxiales Klassifikationssystem. Die Ko- dierung des Inhalts erfolgt auf funf Achsen, von denen sich jeweils eine auf einen anderen Informationsbereich bezieht. Die erste Achse bezieht sich auf die Klassifika­tion der psychischen Storung. Sie ist insgesamt in 15 diagnostische Hauptgruppen sowie zusatzlich in „andere klinisch relevante Probleme" aufgeteilt; hier finden sich als diagnostische Gruppierung die Angststorungen. Die folgenden Achsen zwei, (Personlichkeitsstorungen und geistige Behinderung), drei (Medizinische Krankheits- faktoren), vier (Psychosoziale und umgebungsbedingte Probleme) und funf (Globale Beurteilung des Funktionsniveaus) dienen dazu, das Storungsbild im Naheren zu beschreiben und Fehldiagnosen zu vermeiden. Die verschiedenen Storungen wer­den detailliert in Bezug auf Symptomatik, Dauer, Intensitat und Auftretungshaufigkeit verzeichnet. Zur Diagnose einer Storung reicht es nach dem DSM aus, wenn die Be- troffenen eine Teilmenge der der Storung zugehorigen Symptome aufweisen, die Verwendung atiologischer Kriterien findet hier nicht statt. (vgl. Myers 2005, S. 749f.)

ICD-10

Die ICD ist ein, erstmals 1853, im internationalen Konsens der Fachgesellschaften entwickeltes Kategorisierungssystem und findet International betrachtet eine haufige- re Anwendung als das DSM. Die ICD-10 umfasst im Gegensatz zum DSM auch kor- perliche Erkrankungen. Psychische Storungen und Verhaltensstorungen werden im Kapitel V erlautert. Die Kodierung erfolgt uber die „F-Diagnosen“, das heiGt, dass jeder Storung eine sogenannte Diagnosenummer, der Buchstabe F und vier bis funf weitere Ziffern zugewiesen werden. Zusatzlich umfasst die ICD, ebenso wie das DSM, drei Achsen, die erste Achse fur die „klinische Diagnose", die zweite Achse fur die „soziale Funktionseinschrankung" sowie die dritte Achse fur „umgebungs- und situationsabhangige Ereignisse oder Probleme der Lebensfuhrung und Lebensbe- waltigung". Die Angststorungen fallen damit unter Kategorie F40-49. (vgl. Myers 2005, S. 751 f.)

4. Generalisierte Angststorung (DMS-IV 300.02 oder ICD-10 F 41.1)

Die generalisierte Angststorung (GAS, engl. generalized anxiety disorder) zeigt sich bei Betroffenen nicht in spezifischen Situationen oder im Zusammenhang mit konkre- ten Objekten, sondern zeichnet sich durch eine, wie der Name bereits verrat, gene- relle, also persistierende Angstlichkeit aus. Betroffene werden dabei von einer chro- nischen sowie unkontrollierbaren Sorge um Geringfugigkeiten, Alltagssituationen oder auch die Gesundheit begleitet. Die durch die frei flottierende Angst hervorgeru- fenen Sorgen dienen dabei nicht ihrer naturlichen Funktion, das Individuum auf po- tentiell bedrohliche Situationen vorzubereiten und einen Prozess zur Problemlosung zu aktivieren. So beschaftigen sich Angstpatienten mit dem wiederholten gedankli- chen Durchspielen aversiver Ereignisse. Dabei kommt es jedoch nicht zur Entwick- lung von Losungsstrategien, sondern einer gedanklichen Festsetzung an negativen Aspekten, potentiellem Ungluck oder dem eigenen Versagen. Kommt es bei Betrof­fenen zu dem Gefuhl bestimmte Gedankenketten nicht langer ertragen zu konnen, schnellen sie charakteristischerweise zu einem anderen Sorgenpol und katastrophi- sieren diesen gleichermaGen. Fur den Betroffenen entstehen dabei ein Gefuhl von Hilflosigkeit und die Angst, den Anforderungen des Lebens nicht gewachsen zu sein. Personen, die unter einer GAS leiden, beschaftigen sich bis zu zehn Stunden taglich mit ihren Sorgen. Dabei weisen sie neben andauernder Anspannung, erhohter Reiz- barkeit und Nervositat auch Symptome wie Schlafstorungen, Muskelverspannungen, Kopfschmerzen und Ubelkeit auf, welche teilweise durch eine „starke Aktivierung des zentralen Nervensystems hervorgerufen werden." (Becker/ Margraf 2002, S. 8) Diese unspezifische Symptomatik fuhrt daher selten zu einer schnellen Diagnose, sodass die Patienten bis zum Beginn einer Therapie einen langen Leidensweg durchlaufen.

Patienten mit einer GAS weisen haufig entweder ein Vermeidungs- oder Ruckversi- cherungsverhalten im Umgang mit der Angst auf. Im Zuge der Vermeidung kommt es beim Betroffenen zu einer Distanz gegenuber potentiell bedrohlichen Situationen, Objekten oder Gedanken, wie bspw. das Horen des Verkehrsfunks, das Anschauen der Nachrichten, das Lesen von Zeitungen oder Todesanzeigen. Durch die nicht vor- handene Kontrolle der negativen Gedanken, werden die Sorgen unweigerlich auf- recht erhalten.

Die Ruckversicherung hingegen ist von dem permanenten Versuch der Absicherung und Beruhigung gepragt. Hinzu kommt der Gedanke, dass lediglich durch die Ruck­versicherung Unheil vermieden werden kann. Dies zeigt sich durch besorgtes Erkun- digen durch Telefonate, Nachfragen, das standige Begleiten der Kinder oder aber die Angst, Entscheidungen allein zu treffen, und so nur nach Rucksprache zu entschei- den. (vgl. Becker/ Margraf 2002, S. 11)

Bei der GAS ist „von einem Zusammenwirken von drei Klassen von Ursachen aus- zugehen". (Becker/ Margraf 2002, S. 25) Man spricht dabei von einem Drei-Faktoren- Modell. Zum Einen spielt die individuelle Vulnerabilitat der Betroffenen eine Rolle. Personen, welche eine „allgemeine Veranlagung zur Angstlichkeit" (Becker/ Margraf 2002, S. 26) aufweisen, konnen aufgrund von einschneidenden Lebensereignissen und einer krisenhaften Biographie eher eine GAS entwickeln. Von Bedeutung sind dabei Bewaltigungsmodelle und -kompetenzen, welche bereits in der Kindheit ver- mittelt werden. Eben benannte kritische Lebenslagen bilden den zweiten Faktor des Drei-Faktoren-Modells. Sie lassen sich als „Auslosende Bedingungen" (Becker/ Margraf 2002, S. 26) zusammenfassen. Den dritten Faktor bilden die „Aufrechterha l- tenden Bedingungen" (Becker/ Margraf 2002, S. 26). Diese umfassen die „gefahren- bezogene Interpretation mehrdeutiger Situationen" (Becker/ Margraf 2002, S. 26) sowie die Unterschatzung der eigenen Kompetenzen. Das darauffolgende Gefuhl von Kontrollverlust lasst die Betroffenen dann zur Vermeidung oder Ruckversiche­rung tendieren. Da es dadurch jedoch weder zur emotionalen Verarbeitung der Prob- lematik noch zur Habituation, also dem Aushalten und der Gewohnung an die Angst kommt, entstehen fur den Patienten permanent neue Sorgen, welche durch physi- sche oder psychische Symptome unterstrichen werden. Das daraus resultierende Teufelskreismodell kann die Basis zur Entwicklung eines individuellen Entstehungs- und Aufrechterhaltungsmodells darstellen, welches zusammen mit dem Patienten im Rahmen einer Therapie erarbeitet werden kann. (vgl. Becker/ Margraf 2002, S. 23ff)

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Angststörungen - Klinisch-psychologische Störungsbilder im Erwachsenenalter
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Veranstaltung
Klinische Psychologie
Note
1,0
Autoren
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V155741
ISBN (eBook)
9783640697649
ISBN (Buch)
9783640697854
Dateigröße
662 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Angststörungen, Angst, Ängste, Devianz, Phobie, Generalisierte Angststörung, Agoraphobie, Sozialphobie, Posttraumatische Belastungsstörung, PTSD, Panikattacke, Zwangstörungen, Zwangsstörung, spezifische Phobie
Arbeit zitieren
Sarah Berens (Autor)Linda Eidt (Autor), 2010, Angststörungen - Klinisch-psychologische Störungsbilder im Erwachsenenalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155741

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