"Durch das alles habe ich mich ein bisschen ins Abseits gestellt" ist eine der Kernaussagen eines narrativen Interviews mit einer Person mit dem Status "nicht gegen Corona geimpft". Die empirische Einzelfallstudie zeigt auf, wie die Corona-Zeit die Lebenssituation einzelner Personen beeinflusst hat. Außerdem werden gesamtgesellschaftliche Herausforderungen angesprochen, die durch Krisensituationen wie die Corona-Krise entstehen können. Dadurch stellt sich die Frage, ob und wenn ja welche neuen Herausforderungen sich dadurch für die Soziale Arbeit ergeben können und was kann Soziale Arbeit präventiv und interventiv leisten.
Seit 2020 gibt es das neuartige Corona-Virus, welches nicht nur als physische Krankheit präsent war, sondern auch zusammen mit begleitenden Maßnahmen und Reaktionen zu individuellen, psychischen und gesamtgesellschaftlichen Veränderungen geführt hat. Beobachtet werden konnte eine Zunahme psychischer Erkrankungen und eine Spaltung der Gesellschaft. Diese Veränderungen sind zugleich Motivation als auch Grundlagen für das konkrete Thema dieser Forschungsarbeit. Untersucht werden soll die individuelle Wahrnehmung der Corona-Zeit einer Person, die sich bewusst gegen eine Corona-Impfung entschieden hat. Bei der Literaturrecherche findet man Artikel und Studien zu Benachteiligungen von bestimmten Personengruppen in der Corona-Pandemie und zu einer Zunahme von psychischen Erkrankungen, im Zusammenhang mit der Erkrankung und den begleitenden Maßnahmen von Corona. Zu individuellen Wahrnehmungen einer Person mit dem Status „nicht gegen Corona geimpft“ in Bezug auf gesellschaftliche Reaktionen findet man wenig.
Die folgende Arbeit ist in drei Teile unterteilt. Im ersten Teil werden die Erkrankung als solche und die begleitenden Maßnahmen beschrieben. Diese werden im Zusammenhang mit daraus resultierenden gesellschaftlichen Veränderungen aufgezeigt. Danach wird anhand von einer Literaturrecherche der Forschungsstand zu Ausgrenzungsprozessen erläutert. Es werden die Ursachen für eine soziale Ausgrenzung erläutert, und diese werden mit der Ausgrenzung von Menschen mit dem Status „nicht gegen Corona geimpft“ in einen Zusammenhang gebracht. Der zweite Teil der Arbeit ist der Methodologie der qualitativen Forschung gewidmet. Der dritte Teil beschäftigt sich mit der Vorbereitung, Durchführung und Auswertung eines narrativen Interviews mit einer Person mit dem Status „nicht gegen Corona geimpft“.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 STAND DER FORSCHUNG
2.1 CORONA UND GESELLSCHAFT
2.1.1 CORONA- VIRUS, ÜBERTRAGUNG, ERKRANKUNG UND BEHANDLUNG
2.1.2 MASSNAHMEN UND GESETZLICHE REGELUNGEN
2.1.3 IMPFUNG GEGEN DAS CORONA-VIRUS
2.1.4 FORSCHUNGSSTAND „GESELLSCHAFTLICHE VERÄNDERUNGEN DURCH DAS CORONA-VIRUS“- CORONA ALS GESELLSCHAFTLICHE UND INDIVIDUELLE KRISE
2.2 SOZIALE AUSGRENZUNG UND DISKRIMINIERUNG
2.2.1 DEFINITION
2.2.2 SOZIALE AUSGRENZUNG IN DER CORONA-ZEIT ALS HERAUSFORDERUNG DER LEBENSGESTALTUNG UNTER ERSCHWERTEN BEDINGUNGEN
2.2.3 URSACHEN FÜR SOZIALE AUSGRENZUNG
2.2.4 SOZIALE AUSGRENZUNG VON CORONA-UNGEIMPFTEN
2.3 RELEVANZ FÜR DIE SOZIALE ARBEIT AUFGRUND DES FORSCHUNGSSTANDS
2.4 NEUE AUFGABEN FÜR DIE SOZIALE ARBEIT DURCH DAS CORONA-VIRUS AUFGRUND DES FORSCHUNGSSTANDES
3 ERKENNTNISSINTERESSE UND FORSCHUNGSFRAGE
4 METHODISCHE VORGEHENSWEISE
4.1 ERHEBUNGSMETHODE: DAS NARRATIVE INTERVIEW NACH FRITZ SCHÜTZE
4.2 DIE PHASEN DES NARRATIVEN INTERVIEWS:
4.3 ERZÄHLTHEORETISCHE GRUNDLAGEN
4.4 DOKUMENTATION DES FORSCHUNGSPROZESSES
4.5 NARRATIONSANALYSE ALS AUSWERTEMETHODE
5 FORSCHUNGSPROZESS
5.1 DURCHFÜHRUNG DES NARRATIVEN INTERVIEWS
5.2 FORMALE TEXTANALYSE
5.3 STRUKTURELLE UND INHALTLICHE ANALYSE
5.4 ANALYTISCHE ABSTRAKTION
5.5 WISSENSANALYSE
5.6 RELEVANZ FÜR DIE SOZIALE ARBEIT UND NEUE HERAUSFORDERUNG UNTER BETRACHTUNG DES WISSENSCHAFTLICHEN FORSCHUNGSSTANDES UND DER DURCHGEFÜHRTEN QUALITATIVEN FORSCHUNG
6 ERGEBNISSE UND DISKUSSION
6.1 DIE THEORIE DES LABELING APPROACH ALS DEUTUNGSMUSTER FÜR NEUE HERAUSFORDERUNGEN DURCH DIE CORONA-PANDEMIE
6.2 DIE ANOMIETHEORIE ALS DEUTUNGSMUSTER FÜR NEUE HERAUSFORDERUNGEN DURCH DIE CORONA-PANDEMIE
6.3 DIE UNTERSCHIEDLICHEN PROZESSSTRUKTUREN NACH SCHÜTZE IN DER ANALYSE DES BIOGRAFISCHEN INTERVIEWS ALS DEUTUNGSMUSTER FÜR NEUE HERAUSFORDERUNGEN DURCH DIE CORONA-PANDEMIE
6.4 DER VERSUCH DER ERSTELLUNG EINES SOZIALEN DEUTUNGSMUSTERS AUFGRUND DER ZUSAMMENFASSUNG DER ERWORBENEN ERKENNTNISSE
7 FAZIT
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel der Arbeit ist es, die spezifischen Erfahrungen und Herausforderungen einer Person zu untersuchen, die während der Corona-Pandemie den Status "nicht gegen Corona geimpft" innehatte, um daraus Implikationen für das Handlungsfeld der Sozialen Arbeit abzuleiten. Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Welche Erfahrungen hat eine Person, die sich gegen eine Corona-Impfung entschieden hat, in der Zeit der Corona-Pandemie gemacht?“
- Analyse gesellschaftlicher Ausgrenzungsprozesse während der Pandemie.
- Untersuchung der psychischen und sozialen Auswirkungen auf ungeimpfte Personen.
- Anwendung des narrativen Interviews nach Fritz Schütze zur explorativen Einzelfallstudie.
- Ableitung neuer Aufgaben und Handlungsansätze für die Soziale Arbeit in Krisenzeiten.
- Diskussion theoretischer Deutungsmuster (Labeling Approach, Anomietheorie) zur Einordnung der Erlebnisse.
Auszug aus dem Buch
4.1 Erhebungsmethode: Das narrative Interview nach Fritz Schütze
Als konkrete Forschungsmethode wurde die Technik des narrativen Interviews nach Schütze ausgewählt, die sich gerade in den letzten Jahren zunehmend etabliert hat (vgl. Schütze, 2016, S.21).
Das narrative Interview gibt dem/der Erzählendem*n mehr Raum als ein Leitfrageninterview. Dies ist dadurch gegeben, dass keine Standardfragen gestellt werden, sondern das Ziel eine freie Erzählung ist (vgl. Mayring, 2002, S.72). Es wird also ganz bewusst auf eine hypothesengeleitete Datenerhebung verzichtet, um so der erzählenden Person die Möglichkeit zu geben, Perspektiven und Schwerpunkte selber zu wählen (vgl. Loch/ Rosenthal, 2002, S.1). Nach Schütze enthält ein narratives Interview letztendlich mehr Informationen als andere Interviewformen, da der/die Befragte sich, wenn er/sie in den Erzählfluss gekommen ist, zumeist in drei Zwänge verstrickt, den Gestaltschließungszwang, den Kondensierungszwang und den Detailierungszwang (vgl. Flick, 2010, S.231). Gestaltschließungszwang bedeutet, dass eine Geschichte so im Gesamtzusammenhang mit allen notwendigen Details erzählt wird, dass der Zuhörer sie verstehen kann. Der Kondensierungszwang führt aus der zeitlichen Begrenzung eines Interviews heraus dazu, dass der/die Erzähler*in sich nur auf ihn/sie relevante Ereignisse beschränkt. Dies zeigt für die spätere Analyse an, was für ihn/sie wirklich bedeutend ist. Durch den Detaillierungszwang werden zum besseren Verständnis auch Hintergrundinformationen zu Personen, Orten, Zeiträumen oder Kausalzusammenhängen preisgegeben, die in einem Leitfrageninterview eventuell gar nicht zur Sprache kommen würden (vgl. Loch/ Rosenthal, 2002, S.4). Das Auswerteverfahren nach Schütze eignet sich sich für eine Einzelfallanalyse, da zunächst nur ein individueller Fall untersucht wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Problematik der Corona-Pandemie und Skizzierung des Forschungsinteresses an individuell Betroffenen mit dem Status "nicht gegen Corona geimpft".
2 STAND DER FORSCHUNG: Theoretische Einbettung in gesundheitspolitische Maßnahmen, Konzepte sozialer Ausgrenzung und deren Relevanz für die Soziale Arbeit.
3 ERKENNTNISSINTERESSE UND FORSCHUNGSFRAGE: Formulierung der zentralen Forschungsfragen bezüglich der persönlichen Erfahrungen von nicht geimpften Personen.
4 METHODISCHE VORGEHENSWEISE: Darlegung der narrativen Interviewmethode nach Fritz Schütze und der geplanten Auswertungsschritte.
5 FORSCHUNGSPROZESS: Detaillierte Beschreibung der Durchführung des Interviews, der Transkription sowie der Anwendung formaler und inhaltlicher Analyseinstrumente.
6 ERGEBNISSE UND DISKUSSION: Synthese der Forschungsergebnisse unter Anwendung des Labeling Approach und der Anomietheorie zur Reflexion des Gelernten.
7 FAZIT: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Ausblick auf zukünftige Anforderungen an die Soziale Arbeit.
Schlüsselwörter
Corona-Pandemie, Ungeimpft, Soziale Ausgrenzung, Narratives Interview, Fritz Schütze, Stigmatisierung, Soziale Arbeit, Labeling Approach, Anomietheorie, Lebensgestaltung, Krisenbewältigung, Diskriminierung, Individuelle Wahrnehmung, Soziale Identität, Resilienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht qualitativ und narrativ die individuellen Erfahrungen einer Person, die sich während der Corona-Pandemie gegen eine Impfung entschieden hat, und analysiert die daraus resultierenden Ausgrenzungserfahrungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft gesundheitspolitische Rahmenbedingungen der Pandemie mit soziologischen Theorien über soziale Ausgrenzung, Stigmatisierung und die Rolle der Sozialen Arbeit.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet: „Welche Erfahrungen hat eine Person, die sich gegen eine Corona-Impfung entschieden hat, in der Zeit der Corona-Pandemie gemacht?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt das narrative Interview nach Fritz Schütze, um durch eine tiefgehende biographische Erzählung subjektive Erfahrungen objektiv interpretierbar zu machen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Stand-der-Forschung-Analyse, die methodische Fundierung sowie die detaillierte Auswertung und Diskussion eines narrativen Interviews anhand von Prozessstrukturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Corona-Pandemie, Soziale Ausgrenzung, Narratives Interview, Labeling Approach, Stigmatisierung und Soziale Arbeit.
Welche Rolle spielt die Anomietheorie in dieser Untersuchung?
Die Anomietheorie wird dazu genutzt, das Verhalten der interviewten Person als mögliche Akzeptanz- oder Ablehnungsreaktion auf den gesellschaftlichen Normenwandel in Krisenzeiten zu interpretieren.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Sozialen Arbeit?
Die Autorin hebt hervor, dass Soziale Arbeit eine politische Dimension besitzt und sich gegen Diskriminierung einsetzen sowie Ressourcen für vulnerable Gruppen bereitstellen muss, um soziale Spaltung zu verhindern.
- Quote paper
- Andrea Windeck (Author), 2023, Der Umgang mit Menschen mit dem Status "nicht gegen Corona geimpft" und Folgerungen für die Soziale Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1557818