Karl der Große und die Sachsenkriege


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

25 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis / Gliederung

1. Einleitende Fragestellung

2. Karl der Große

3. Die Sachsen

4. Der Verlauf der Sachsenkriege
4.1. Die Ursachen der Sachsenkriege
4.2. Der Feldzug des Jahres 772
4.3. Die Feldzüge von 774 – 775
4.4. Der Feldzug des Jahres 776
4.5. Die Jahre 777 – 780
4.6. Reichsversammlung zu Lippspringe (782)
4.7. Die Schlacht am Süntel
4.8. Das Blutbad zu Verden
4.9. Die Schlachten bei Detmold und an der Haase (783)
4.10. Die Feldzüge von 784 – 785
4.11. Widukinds Taufe
4.12. Letzter Widerstand – 792 bis 804

5. Der Blick in andere Quellen
5.1. Notkeri Gesta Karoli Buch II
5.2. Einhardi vita Karoli

6. Warum war Karl militärisch erfolgreich?

7. Auswertung

8. Bibliographie

1. Einleitende Fragestellung

Der Vater Europas, Karl der Große, ist einer der bekanntesten Figuren der Geschichte des Mittelalters. Auch wenn nicht alle Menschen wissen, was er getan bzw. geleistet hat, so kennt man doch seinen Namen.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit Karl dem Großen und seinem langen Krieg gegen die Sachsen. Nach einer kurzen Vorstellung Karls werde ich auch die Sachsen kurz vorstellen. Von dieser Ausgangsposition her werde ich dann einen Ausführlichen Überblick über den Verlauf der Sachsenkriege geben. Dafür werde ich unter anderem die Reichsannalen (`Annales Regni Francorum`) als Quelle benutzen. Was waren die Ursachen dieses so lange dauernden Krieges? Warum hat der Krieg so lange angedauert? Auch wird eine Frage sein, wie Karl vorgegangen ist.

Weiter wird wichtig sein, was die Quellen berichten. Gibt es Schuldzuweisungen oder etwas Ähnliches? Was wird wie bewertet?

Auch werde ich versuchen das Vorgehen Karls zu bewerten. Hat Karl alles richtig gemacht? Wer hat ihn unterstützt? Wie ist Karl militärisch zu bewerten?

Zum Schluss werde ich ein zusammenfassendes Fazit geben.

2. Karl der Große

Zunächst will ich kurz einige Informationen zu Karl geben.

Kaiser Karl der Große, der seinen Beinamen ´der Große´ schon zu Lebzeiten erhielt, wurde am 2. April 747 oder 748 geboren. Der Ort ist un- bekannt. Seine Eltern waren König Pippin III. der Jüngere (714-768) und Bertrada (ca. 725-783). Für Karl sind vier Ehefrauen und fünf Konkubinen bezeugt, deren Namen nicht mehr alle bekannt sind. Zu den bekanntesten zählt Hildegard (758-783), die Tochter des fränkischen Gf. Gerold. Er heiratete sie um 771.

Weiter sind 18 Kinder bezeugt, wie zum Beispiel König Pippin der Bucklige, König Karl, König Karlmann und Kaiser Ludwig der Fromme.

Am 9.10.768 wurde Karl fränkischer Teilkönig und im Dezember 771 Alleinherrscher des Frankenreiches. Im Juni 774 wurde er König der Langobarden. Am 25. Dezember 800 wurde er in Rom zum Kaiser gekrönt. Dies geschah durch Papst Leo III. (795-816 war er Papst). Am 28. Januar 814 starb Karl in Aachen und wurde zunächst dort im Dom beigesetzt. 1165 wurde er durch den Gegenpapst Paschalis III. heilig gesprochen. Eine seiner größten Aufgaben war es die Sachsen seinem

Frankenreich anzugliedern und zum Christentum zu bekehren.1 2 3

3. Die Sachsen

„Unter den germanischen Völkern rechts des Rheins hat keines so lange seine politische und kulturelle Eigenart wahren können wie die nur locker untereinander verbundenen Sachsen,…“4

Es gab keine sehr stabile Kontur der Sachsen, bis ins 8. Jahrhundert. Man geht heute von einer dezentralen Führung aus, die in Form von Häuptlingen (satrapae) stattgefunden haben muss. Sie haben sich nur in absoluten Ausnahmesituationen zusammengetan, wie zum Beispiel in militärischen Notfällen. In einem solchen Fall stellten sich alle unter einen einzigen Befehlshaber (dux).

Die Sachsen waren wohl in Gaue geordnet, die unterschiedlich groß waren, was sich durch die Bedingungen der Siedlungsgebiete ergab. Ungewiss ist jedoch das Alter der drei großen Heerschaften der Westfalen, der Engern und der Ostfalen. Diese drei großen Heere haben auch während der Sachsenkriege häufig getrennt operiert.

Eines der wichtigsten Zeugnisse der Sachsen ist der `Vita Lebuini` (zwischen 840 und 864) über eine jährliche Stammesversammlung am zentralen Ort Marklo an der Weser, zu der sich die Häuptlinge von je zwölf ausgesuchten, nicht gewählten, Adligen (nobiles), Freien (liberi) und Halbfreien (lati) aus jedem Gau begleiten ließen.

Wichtig zu erwähnen sind ferner die sozialen Spannungen zwischen den Freien und dem Adel. Die Spannungen werden häufig als Hemmnis des Widerstands gegen die Franken angesehen.

Weiter gab man sich in Sachsen vielerlei Baum- und Naturkulten hin. Der bekannteste ist die Verehrung der Irmensul. Die Sachsen glaubten, dass dieser dicke

Stammbaum das All tragen würde. Auch Orakel und Zauberei waren hier ein Thema.

Man pflegte ein rituelles Totengedächtnis. Es gab Menschenopfer und

Hexenglauben. Auch an einen Götterhimmel mit Göttern wie Donar, Wodan und Saxnot glaubten sie. Als Ausdruck eines magischen Verständnisses der Odin- Religion erweisen sich die als Schmuckamulette aus Skandinavien importierten Goldbrakteaten.

Die Sachsen haben sich bis zu Karl dem Großen immer gegen Missionsversuche wehren können. Pippin und andere waren gescheitert.5 6

4. Der Verlauf der Sachsenkriege

Im Folgenden werde ich den Verlauf der Sachsenkriege mit den Franken schildern.

Die Ursachen der Sachsenkriege

Der dreißigjährige Sachsenkrieg begann ein Jahr nach dem Beginn der Allein-herrschaft Karls des Großen über das fränkische Reich. Vorher gab es zwar auch Bemühungen die Sachsen zu bekehren und dem Christentum hinzu zu fügen, aber dies geschah nur durch kleinere Teilkriege.

Karl eröffnete die Feindseligkeiten gegen die Sachsen ein Jahr nach dem Alleinherrschaftsbeginn im Jahr 771. Im Jahre 772 zog er dann los um sie dauerhaft zu unterwerfen. Dem ständigen Grenzkrieg sollte ein Ende gemacht werden. Zudem verfolgte er auch das Ziel von seinem Großreich.

„Sein Großreich, das sich von den Pyrenäen bis nach Thüringen, vom Ozean bis zu den Alpen und bald auch tief nach Italien und Ungarn erstreckte, wurde überwiegend von Romanen bewohnt.“7

Karl, Moselfranke der Abstammung nach, fühlte sich als Deutscher und wünschte sich, durch die Angliederung der Sachsen und anderer angrenzender Stämme, das

„germanische Element“8 in seinem Reich zu vermehren. Es sollte ein christliches Gesamtreich entstehen. Das katholische Christentum war die Staatsreligion des Frankenreiches. So wurde die Bekehrung ein politisches und religiöses Ziel zugleich. Ohne die Religion war nicht daran zu denken, das zäh am alten hängende Volk der Sachsen dauerhaft an sich zu binden. So erhielt die politisch– militärische Aufgabe den Charakter eines Religionskrieges.9

Der Feldzug des Jahres 772

Im Sommer 772 hielt Karl der Große in Worms eine Reichsversammlung ab, der seinen Entschluss zum Krieg gegen die Sachsen bestätigte. Also ist Karl nicht ohne eine Legitimation einfach losgezogen.

Unmittelbar von dort aus trat er mit einem Heer durch Hessen marschierend den Feldzug an. Sein erstes Großes ziel war die Eresburg auf dem Obermarsberg, eine starke sächsische Grenzfeste. Nachdem er sie eingenommen hatte, zog er weiter zur Irmensul, einem Stammbaum von gewaltiger Größe. Die Sachsen verehrten diesen Stammbaum. Sie glaubten dieser Stamm wäre die Säule, die das All trägt. Die Irmensul stand in einem heiligen Hain. Der ganze Komplex wurde durch Feuer zerstört und der vorgefundene Schatz, bestehend aus Gold und Silber, wurde als Beute mitgenommen. Das war die offene Erklärung des Religionskriegs. Eine englische Quelle berichtet, dass bei diesem Feldzug große Verluste auf Karls Seite hingenommen werden mussten.

Der Standort der Irmensul ist nicht genau auszumachen. Die Annalen berichten jedoch, dass das fränkische Heer an Wassermangel litt, bis durch ein Wunder plötzlich Wasser aus dem Boden strömte. Nach der Überlieferung ist davon auszugehen, dass es sich um Bullerborn bei Altenbeck handelt. Dort gab es einen zeitweise aussetzenden Sprudel im Kalksteingebirge. Ab dem 17. Jahrhundert fließt die Quelle wohl regelmäßig.

Von der Irmensäule aus rückte Karl weiter zur Weser vor, wo die völlig überraschten Sachsen (Engern) sich nicht auf einen Kampf einließen und sich unterwarfen und Geiseln stellten.

Bereits im Oktober war Karl wieder zu Hause. Man geht davon aus, dass Karl eine

Besatzung auf der Eresburg zurück lies.10 11 12 13

Die Feldzüge von 774 – 775

Im folgenden Jahr bewegte sich der König über die Alpen und unterwarf das Reich der Langobarden und kehrte erst im Sommer 774 aus Italien zurück.

Über die Schändung ihres Heiligtums, die Irmensul, waren die Sachsen zutiefst empört. Also nutzten sie die Abwesenheit Karls und fielen in Hessen ein. Sie zerstörten die Eresburg und nahmen Fritzlar ein und plünderten es. Die feste Buriaburg (Bürburg) auf der rechten Uferseite der Eder konnten sie nicht einnehmen, da sie erfolgreich Widerstand leistete. Zudem wurde eine Missionsanstalt zerstört.

Da die Jahreszeit schon weit vorgerückt war konnte Karl nicht sofort gegen sie vorgehen, also schickte er zunächst fränkische Streifscharen ins Land.

Umso größer waren seine Rüstungen im Jahre 775, die die gesamte Unterwerfung der Sachsen zum Ziel hatte. Zuerst ging er gegen die Westfalen vor. Von Düren kommend, wandte er sich gegen die feste Sigiburg, eine sächsische Volksburg. Sie stand auf steiler höhe über dem Zusammenfluss von Ruhr und Lenne.

Die Hohensyburg konnte beim ersten Ansturm erobert werden. Danach zog man weiter zur Eresburg, die wieder befestigt wurde und genau wie die Syburg mit einer Besatzung versehen wurde.

Das nächste Ziel war die Weser. Am Brunisberg, die auch eine Höhenburg war, bei Höxter, stellten sich die Sachsen zum Kampf. Sie wurden geschlagen und die Franken erzwangen den Flussübergang.

Nun teilte Karl sein Heer und ein Teil blieb zurück an der Weser um den Rückzug zu

sichern. Mit dem anderen Teil zog er weiter nach Ostfalen bis zur Oker. Die ostfälische Heeresmacht, unter dem Führer Hessi, war durch Karls Erscheinen

überrascht. Die Heeresmacht musste sich zusammenfinden und den Eid der Treue leisten und die gewünschten Geiseln stellen.

[...]


1 Vgl. Buchner, Rudolf (Hg.): Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein – Gedächtnisausgabe. Band 5 . Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte. erster Teil. Darmstadt 1980. S. 189.

2 Vgl. Hartmann, Gerhard: Die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Wiesbaden 2008. S. 12-13.

3 Vgl. Fleckenstein, Josef: Karl der Große. Göttingen u. a. 1962. S. 7-11.

4 Schieffer, Rudolf: Gebhardt, Handbuch der deutschen Geschichte. Band 2. Die Zeit des karolingischen Großreichs (714-887) 10. Auflage. Stuttgart 2005. S. 55.

5 Vgl. Schieffer, Rudolf: Gebhardt, Handbuch der deutschen Geschichte. Band 2. Die Zeit des karolingischen Großreichs (714-887) 10. Auflage. Stuttgart 2005. S. 55-57.

6 Vgl. Freise, Eckhard: „Das Mittelalter bis zum Vertrag von Verdun (843)“.In: Wilhelm Kohl (Hg.): Westfälische Geschichte. Band 1. von den Anfängen bis zum Ende des alten Reiches. Düsseldorf 1983. S.288-289.

7 Rothert, Hermann: Westfälische Geschichte. Band 1. das Mittelalter. Osnabrück 1986. S.39.

8 Rothert, Hermann: Westfälische Geschichte. Band 1. das Mittelalter. Osnabrück 1986. S.39.

9 Vgl. eben dort S. 38-39

10 Vgl. Rothert, Hermann: Westfälische Geschichte. Band 1. das Mittelalter. Osnabrück 1986. S.40-41.

11 Vgl. Schieffer, Rudolf: Gebhardt, Handbuch der deutschen Geschichte. Band 2. Die Zeit des karolingischen Großreichs (714-887) 10. Auflage. Stuttgart 2005. S. 58.

12 Vgl. Pleticha, Heinrich (Hg.): Deutsche Geschichte. Band 1. Vom Frankenreich zum Deutschen Reich 500-1024. Gütersloh 1981. S.45.

13 Vgl. Buchner, Rudolf (Hg.): Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein – Gedächtnisausgabe. Band 5 . Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte. erster Teil. Darmstadt 1980. S. 27.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Karl der Große und die Sachsenkriege
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Das Wissen vom Mittelalter und die heutige Allgemeinbildung
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
25
Katalognummer
V155830
ISBN (eBook)
9783640840748
ISBN (Buch)
9783640840564
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Karl der Große, Die Sachsen, Geschichte Westfalens, Widukind, Schlacht am Süntel, Reichsversammlung zu Lippspringe, Schlacht bei Detmold, Schlacht an der Haase
Arbeit zitieren
Markus Stettner (Autor), 2010, Karl der Große und die Sachsenkriege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155830

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