Jugendgewalt - ausschließlich männlich? Forschung und Erklärungsansätze zum delinquenten Handeln von weiblichen Jugendlichen


Hausarbeit, 2010

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Forschung zum weiblichen Gewalthandeln
1.1 Begriffsdefinition Jugendgewalt
1.2 Jugendgewalt – Jungengewalt?

2. Sozialisationsinstanzen und ihre Bedingungsfaktoren für jugendliches Gewalthandeln6-
2.1 Familie
2.2 Schule
2.3 Mediale Gewalt und reale Gewalt
2.4 Peer-Groups und soziale Netzwerke der Jugendlichen

3. Erklärungsansätze für gewalttätiges Verhalten weiblicher Jugendlicher
3.1 Erscheinungsformen von Gewalt bei Mädchen
3.2 Erklärungsansätze für weibliche Gewaltausübung

4. Möglichkeiten der Gewaltprävention
4.1 Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Von Jugendlichen verübte Gewalt ist in unserem Alltag sehr präsent, beinahe täglich erreichen uns durch die Medien neue Meldungen über Amokläufer an Schulen, brutale Schlägereien oder Attacken in der U-Bahn. Die Jugendkriminalität scheint auf den ersten Blick männlich dominiert zu sein, die bekannten gewalttätigen Jugendszenen, wie etwa Skinheads oder Hooligans, bestehen hauptsächlich aus Männern. Aggressives Verhalten in Form von Gewalt gegen andere durch Mädchen scheint selten, was meist mit dem vermeintlich friedvolleren Wesen des weiblichen Geschlechts begründet wird. Die Reaktion der Gesellschaft auf von der Norm abweichende Mädchen ist meist einheitlich: Ihr Verhalten wird als unangemessen und unweiblich eingestuft. Gewalt passt anscheinend nicht zum weiblichen Geschlecht. Man fragt sich wie es dazu kommen konnte, beispielsweise was in ihrer Sozialisation hätte anders verlaufen müssen. Gewalt durch Jungen wird dagegen nicht derart hinterfragt und scheint nicht in dem Maße außergewöhnlich zu sein. In soziologischen, pädagogischen oder kriminologischen Studien zum Thema jugendliche Gewalt und abweichendem Verhalten wird der Fokus vorwiegend auf die jungen Männer gerichtet, da von ihnen der quantitativ größere Anteil der Gewalttaten ausgeht.

Ich möchte mich in der vorliegenden Hausarbeit mit dem Thema der weiblichen Jugendgewalt auseinandersetzen, ihre Formen beschreiben und ergründen welche Faktoren in Familie, Schule und Medien, auch im Hinblick der zunehmenden Emanzipation, dieses Handeln begünstigen. Auch wenn die Delikte durch Frauen im Vergleich zu denen durch Männern immer noch sehr gering erscheinen, haben sie in den letzten Jahren, wie wir noch sehen werden, zugenommen und verdienen eine genauere Betrachtung. Ich werde im ersten Kapitel nach einer Begriffsdefinition zunächst einen knappen Überblick der bisherigen Forschung zum Gewaltverhalten bei Mädchen liefern. Danach möchte ich verschiedene Sozialisationsinstanzen und ihre Bedingungen für gewalttätiges Handeln charakterisieren, um mich im Anschluss mit den typischen Formen weiblicher Aggression zu beschäftigen und Erklärungsansätze für dieses Verhalten liefern. Im letzten Kapitel sollen zum Abschluss Möglichkeiten der Prävention aufgeführt werden.

1. Forschung zum weiblichen Gewalthandeln

1.1 Begriffsdefinition Jugendgewalt

Es ist nicht einfach eine allgemein gültige Definition des Begriffs Jugend zu finden, zumeist wird damit eine bestimmte Altersspanne im Lebens eines Menschen bezeichnet, die den Übergang vom Kind zum Erwachsenen markiert. Die UNO etwa bezeichnet Personen zwischen 15 und 24 Jahren als Jugendliche. Nach Peter Imbusch ist Jugend ein soziales Konstrukt, das mit Verhalten und Status eines Menschen in der Gesellschaft zu tun hat und und nicht etwa ein festgelegter Altersabschnitt (vgl. Imbusch 2008, S. 6-7).

Ähnlich ist es mit dem Gewaltbegriff, auch hier kann man sich nur schwer auf eine universelle Definition festlegen. Zunächst ist es sinnvoll nach direkter, struktureller und kultureller Gewalt zu unterscheiden. Direkte Gewalt liegt dann vor, wenn eine Person physische (körperliche Verletzungen), oder psychische (seelische Verletzungen durch verbale Äußerungen, wie Demütigung oder Bedrohung) Schädigungen durch eine andere Person erleidet (vgl. Kunzcik 1987, S. 18). Bei der strukturellen Gewalt, also gesellschaftlicher und institutioneller Benachteiligung und Beeinträchtigung, gibt es hingegen keine konkreten Täter (vgl. Gollwitzer 2007, S.7). Sie äußert sich beispielsweise in Chancenungleichheit durch ungerecht verteilte Ressourcen oder Diskriminierung einer bestimmten Gruppe. Die kulturelle Gewalt bezeichnet „all jene legitimatorischen, beschönigenden, beschwichtigenden und verdeckenden Argumentationen, die darauf abzielen, Gewalt nicht mehr als solche erscheinen zu lassen, ihren an sich problematischen Charakter zu verkleinern oder ihren Einsatz hoffähig zu machen“ (Imbusch 2008, S. 16).

Jugendgewalt meint folglich verschiedene, von der Norm abweichende, anderen schädigende Verhaltensformen eines Menschen, der sich in der Übergangsphase zwischen Kindheit und Erwachsenen-Dasein befindet. Die Jugenddelinquenz ist keineswegs nur ein Phänomen in bestimmten Kulturkreisen. Sie ist ein soziales Problem, welches sich über den ganzen Globus erstreckt. Überall auf der Welt versuchen die Gesellschaften dem entgegen zu wirken und ihre Kinder in angemessener Weise zu sozialisieren, so dass sie zu produktiven Mitgliedern der Gesellschaft werden (vgl. Steinhausen 2008, S. 13).

1.2 Jugendgewalt – Jungengewalt?

Forschungsberichte aus früheren Jahren beschäftigen sich beim Thema Jugendgewalt zumeist ausschließlich mit den Tätern männlichen Geschlechts, Mädchen wurden dagegen häufig ausgeblendet. Die Minderheit der weiblichen Gewalttaten wurde entweder damit begründet, dass Mädchen von Natur aus friedfertiger seien (biologische Bedingungen) oder sie aufgrund ihrer geschlechtsspezifischen Sozialisation ein anderes Konflikt- und Aggressionsverhalten erlernten (gesellschaftliche Bedingungen). Zu letzterem schreibt Inga Diop:

„Da die durch die Sozialisationsinstanzen an Mädchen herangetragenen geschlechtsspezifischen Erwartungen meist einen Verzicht auf offene körperliche Gewaltausübung beinhalteten, lernten sie eher das Aushalten von Konflikten und Supprimieren von eigenen Gewaltempfindungen“ (Diop 2007, S. 5).

Weibliche Gewalt wurde in der Öffentlichkeit also lange tabuisiert, erst gegen Ende der Neunziger Jahre begann sich die Forschung mit diesem Thema ernsthaft auseinander zu setzen. Ulrike Popp realisierte beispielsweise 1998 ein Projekt auf Basis einer repräsentativen Querschnittsuntersuchung und qualitativen Interviews mit Schülerinnen und Schülern zum Thema Geschlechtersozialisation und Gewalt an Schulen. Sie konnte dabei feststellen, dass Mädchen in größerem Maße als bisher angenommen Gewalt ausübten. Popp betont außerdem, dass die Rate der offiziell registrierten Delikte laut der polizeilichen Kriminalitätsstatistik zwischen 1987 und 1996 bei Jungen zwar weitaus größer ausfällt, die Steigungsrate jedoch bei Mädchen ausgeprägter ist. Sie beträgt 64% bei den unter 21 jährigen weiblichen, hingegen nur 50% bei männlichen Jugendlichen (vgl. Popp 2002, S. 19). Da sich heute die traditionellen Geschlechterverhältnisse gelockert haben und sich dies auch in der Erziehung bemerkbar macht, ist anzunehmen, dass sich die Sozialisationsprozesse von Jungen und Mädchen nun vermehrt angleichen und sich somit auch das weibliche Gewalthandeln dem des anderen Geschlechts annährt. Gewalt könnte demnach zunehmend zu einer möglichen Ausdrucksform für beide Geschlechter werden und kann nicht mehr nur als Domäne des männlichen Geschlechts gesehen werden. Im folgenden Kapitel möchte ich die Bedeutung von Sozialisationsinstanzen im Hinblick auf die Entwicklung des Gewaltpotentials von Jugendlichen überprüfen und dabei einen Schwerpunkt auf die speziellen Probleme von Mädchen legen.

2. Sozialisationsinstanzen und ihre Bedingungsfaktoren für jugendliches Gewalthandeln

2.1 Famile

Gewalttätige Verhaltensformen bei Jugendlichen werden häufig in Zusammenhang mit der vorliegenden Familiensituation gebracht. Dies ist naheliegend, da die Familie als primäre und wichtigste Sozialisationsinstanz gilt und bei der Entwicklung von Delinquenz eine zentrale Rolle spielt. Eine Vielzahl von Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Kinder die selber im frühen Alter Gewalt, Missbrauch oder harte erzieherische Disziplinierungen erfahren haben, auch später vermehrt dazu neigen selbst gewalttätig zu werden. Es wird also übereinkommend davon ausgegangen, dass das direkte Erleben von Gewalt im Kindesalter ein begünstigender Faktor für eigene Gewaltausübung und -bereitschaft ist (vgl. Silkenbeumer 2000, S. 49-50). Jedoch kann nicht nur ein autoritärer Erziehungsstil Aggressionen begünstigen, ein die Kinder vernachlässigendes Verhalten seitens der Eltern, welches von Lieblosigkeit und Desinteresse geprägt ist, führt ebenso häufig zu Problemen (vgl. ebd., S. 53). Die Jugendlichen wählen hier die Gewalt um auf sich aufmerksam zu machen. Doch nicht nur die Täter-, auch die Opferrolle wird schon früh vom Kind gelernt. Gerade Frauen, die als Kind beobachten, wie ihre Mutter Opfer von Gewalt wurde und ihr nicht helfen konnten, entwickeln oft die sogenannte „erlernte Hilflosigkeit“ (vgl. ebd., S. 52). Eine Verhaltensform, die dazu führt, dass sie in einer späteren, möglicherweise ebenfalls gewaltbelasteten Ehe oder Partnerschaft die Opferrolle einnehmen und sich nicht gegen die Gewalt wehren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Jugendgewalt - ausschließlich männlich? Forschung und Erklärungsansätze zum delinquenten Handeln von weiblichen Jugendlichen
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V155839
ISBN (eBook)
9783640694600
ISBN (Buch)
9783640695690
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Gender, Jugendgewalt, Jugenddelinquenz, Jugendkriminalität, Delinquenz
Arbeit zitieren
Katharina Bär (Autor), 2010, Jugendgewalt - ausschließlich männlich? Forschung und Erklärungsansätze zum delinquenten Handeln von weiblichen Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155839

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