Die chronische Krankheit Epilepsie

Und die Probleme der betroffenen Kinder


Seminararbeit, 2009

17 Seiten, Note: 1.5


Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Vorwort:

2. Die Krankheit Epilepsie
2.1. Medizinische Fakten über Epilepsien
2.2. Ursachen der Krankheit
2.3. Anfallsauslösende Faktoren
2.4. Erscheinungsformen epileptischer Anfälle
2.4.1. Generalisierte Anfälle
2.4.2. Fokale Anfälle
2.4.3. Status epilepticus
2.5. Medikamentöse Behandlung bzw. Heilungschancen für Epilepsien

3. Die Epilepsie als chronische Krankheit und die daraus resultierenden Probleme betroffener Kinder und Jugendlicher
3.1. Probleme chronischkranker Kinder und Jugendlicher
3.2. Spezielle Probleme epilepsiekranker Kinder und Jugendlicher
3.3. Psychosoziale Probleme bei Epilepsien
3.4. Familiäre Probleme bedingt durch Epilepsien
3.5. Leistungsschwächen und Schulprobleme bedingt durch Epilepsien

4. Epilepsien in der Schule
4.1. Epilepsien im Schulalltag
4.2. Epilepsien im Unterricht
4.3. Epilepsien im Klassenverband
4.4. Diagnostische Aufgaben von Lehrerinnen und Lehrern

5. Fazit:

6. Literaturangaben:

1. Vorwort:

Gewählt habe ich das Thema die chronische Krankheit Epilepsie und die Probleme der betroffenen Kinder, da meine Schwester, aufgrund von Sauerstoffmangel bei der Geburt, unter Epilepsie leidet. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass ich gerade deshalb einen Vorteil habe, da ich eine Betroffene kenne und als Geschwisterkind auch gewissermaßen mit in den „Betroffenenkreis“ gehöre. Bei meinen Recherchen zum Thema musste ich allerdings feststellen, dass dem nicht so ist. Meine Schwester ist seit zwanzig Jahren anfallsfrei und hatte wenig mit Problemen, wie Akzeptanz und Toleranz zu kämpfen. Sie hatte auch keine Probleme in der Schule mit Integration. Als ich mich nun in das Thema einlas, musste ich feststellen, dass sie großes Glück hatte. Die Aufklärungsrate bei Epilepsien ist sehr gering und es gibt viele Vorurteile, vor allem was den Intellekt der Betroffenen angeht. Sie musste sich deshalb nie fragen, wem erzähle ich von der Krankheit und wem nicht. Sie wurde nie von einer Schule wegen der Krankheit abgelehnt, oder konnte nicht die Ausbildung machen, die sie wollte. Auch ich als Schwester hatte so nie mit Aufmerksamkeitsdefiziten zu kämpfen, wie Geschwister von Epilepsiekranken mit häufigen Anfällen, bei welchen die Krankheit so den Familienalltag mitbestimmt.

In meiner Arbeit habe ich versucht das komplexe Bild der Krankheit wiederzugeben. Komplex, da die Krankheit einerseits in den anfallsfreien Zeiten das Leben der Betroffenen meist nur wenig beeinflusst, andererseits, müssen die Betroffenen in ständiger „Angst“ leben, da die Anfälle so unvorhersehbar sind. Ich fange die Arbeit im ersten Kapitel also mit den medizinischen Fakten an, wobei ich versuche die verschiedenen Anfallsformen, Anfallsauslöser und Ursachen der Krankheit darzustellen. Im zweiten Kapitel beschäftige ich mich mit den Auswirkungen der Epilepsien auf Familienleben, Sozialleben und auf die Betroffenen selber. Im dritten und letzten Kapitel berichte ich dann von Auswirkungen der Krankheit auf die Schule und den Unterricht und welche Rolle das Lehrpersonal dabei spielt.

2. Die Krankheit Epilepsie

2.1. Medizinische Fakten über Epilepsien

Epilepsie wird oft als Gewitter im Gehirn bezeichnet, da es auf eine abnorme Aktivität der Gehirnzellen zurückzuführen ist. Es ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems.[1] Sie beruht auf einer Funktionsstörung des Gehirns. Das Gehirn besteht aus ca. 100 Milliarden Nervenzellen und alle Meldungen an das Gehirn und vom Gehirn an den Körper basieren auf Erregungen dieser Nervenzellen. Die Erregungen sind mit elektrischen Impulsen vergleichbar, welche mit Hilfe des EEG ( Elektroenzephalogramm) sichtbar gemacht werden. Für alle körperlichen und geistigen Leistungen ist es wichtig, dass diese auf den Erregungen beruhenden elektrischen Entladungen wohl geordnet ablaufen. Bei einem epileptischen Anfall kommt es zu diffusen und ungeordneten elektrischen Entladungen, die sich als Anfall darstellen.[2] Da ein einzelner epileptischer Anfall nicht zwangsweise eine Epilepsie ist, sondern lediglich ein Krankheitssymptom sein kann, spricht man erst bei vermehrten Anfällen von einer Epilepsie.[3] Zum Beispiel haben vier bis fünf Prozent aller Kinder in den ersten Lebensjahren einen oder mehrere epileptische Anfälle, ohne das daraus zwangsweise eine Epilepsie entsteht. Diese Gelegenheitsanfälle entstehen auf Grund der Unreife der Stoffwechselstabilität des Gehirns. Sie treten beispielsweise bei hohem Fieber oder Vergiftungen auf. In Deutschland leiden ca. 200.000 Kinder unter Epilepsie.[4]

2.2. Ursachen der Krankheit

Es gibt viele verschiedene Ursachen für eine Epilepsie. Häufig wirken oder wirkten dabei schädigende Einflüsse auf das Gehirn ein. Diese können schon in der Schwangerschaft auftreten, zum Beispiel bei einer schweren Erkrankung der Mutter, bei Alkoholmissbrauch oder Infektionen, wie Röteln. Bei der Geburt können Sauerstoffmangel, Hirnquetschungen oder Hirnblutungen zu einer Epilepsie führen. Auch angeborene Stoffwechselerkrankungen oder eine Hirnhautentzündung können eine Ursache für Epilepsien sein. Eine weitere Ursache kann unter anderem eine durch einen Unfall bedingte Schädelhirnverletzung sein. Bei ungefähr der Hälfte der Epilepsiekranken kann keine Ursache festgestellt werden. In diesem Fall spricht man von einer idiopathischen Epilepsie. Ist die Ursache bekannt, von einer symptomatischen Epilepsie. Ganz wichtig zu erwähnen ist noch, dass Epilepsie keine Erbkrankheit ist. Allenfalls kann eine angeborene Veranlagung die Krankheit begünstigen. Es ist also eine Erbanlage keine Erbkrankheit.

2.3. Anfallsauslösende Faktoren

In den meisten Fällen tritt ein epileptischer Anfall ohne besonderen Auslöser auf, es gibt aber Faktoren, welche die Anfallswahrscheinlichkeit erhöhen. Dies sind unter anderem: unregelmäßige Einnahme der Medikamente, Schlafentzug, Alkoholkonsum, Menstruationsblutungen, Sinnesreize, wie starke akustische Reize oder Lichtreize und körperliche und geistige Anstrengung. In einigen Fällen können sogar psychische Belastungen anfallsauslösend sein.[5] Es gibt verschiedene Empfindungen, die Anfällen vorausgehen können bzw. den Beginn eines Anfalls darstellen. Diese Empfindungen werden Aura genannt und können eigenartige Gefühle im Kopf oder Magen oder Angstgefühle sein. Seltener sind angenehme Empfindungen wie Zufriedenheit, Erleichterung oder ein Glücksgefühl. Auch Schwindel, Störungen der Sprache, Tränenfluss oder eine veränderte Wahrnehmung des Hörens und Sehens, des Riechens und des Schmeckens können eine Aura sein. Nur einzelne Epileptiker haben eine Aura vor einem Anfall, diese tritt dann aber mit einer gewissen Konstanz auf.[6]

2.4. Erscheinungsformen epileptischer Anfälle

Epilepsien können nach Anfallsformen klassifiziert werden, dabei unterscheidet man zwischen generalisierten und fokalen Anfällen. Bei generalisierten Anfällen ist von Anfang an das ganze Gehirn betroffen, d.h. die elektrisch abnormen Entladungen breiten sich gleichmäßig über das ganze Gehirn aus. Zu den generalisierten Anfällen gehören unter anderem der Grand mal, die myoklonisch- astatischen Anfälle und die Absencen.

2.4.1. Generalisierte Anfälle

Der Grand mal ist der wohl bekannteste Anfall, obwohl er nicht die häufigste Anfallsform ist. Und doch ist es gerade dieser Anfall, der das Bild der Epilepsie in der Gesellschaft prägt.[7] Er verursachte auch die Bezeichnung Krampfanfall. Der Grand mal verläuft in mehreren Phasen, welche aber teilweise übersprungen werden können.

Bei der ersten Phase, tonische Phase genannt, versteifen sich sämtliche Muskeln plötzlich und der Patient wird bewusstlos. Durch die Versteifung der Muskeln kommt es bei stehenden Patienten zum Sturz. Dieser kann zu schweren Verletzungen führen, da Abwehrreflexe in diesem Moment fehlen. Die tonische Phase ist oft sehr kurz, wodurch sie schwer erkennbar ist. In der klonischen Phase kommt es zu rhythmischen Zuckungen der Muskulatur. Die Atemmuskulatur setzt zum Teil nicht ausreichend ein, wodurch es zu Blaufärbung der Lippen kommen kann. Die klonische Phase dauert von Sekunden bis meist unter drei Minuten.

Danach setzt die Erholungsphase ein. Das Gehirn hat viel Energie verbraucht, die Nervenzellen sind entladen, wodurch der Patient in einen Tiefschlaf fällt, der Sekunden bis Stunden dauern kann. Der einzelne Anfall ist selbstlimitierend, d.h. er hört in der Regel von selbst, also ohne äußeres Zutun wieder auf.

Der myoklonisch-astatische Anfall ist eine Anfallsform des Kleinkindes- und Kindergartenalters.[8] Das Kind verliert abrupt die Muskelspannung und stürzt zu Boden. Deshalb werden diese Anfälle auch als Sturzanfälle bezeichnet. Nach dem Sturz kann es beim Kind zu einem kurzen Bewusstseinsverlust oder zu Muskelzuckungen kommen.

Absencen sind kurze Bewusstseinsstörungen von fünf bis zehn Sekunden. Das Kind hält plötzlich inne, der Blick wird starr und übergangslos nimmt das Kind, als wäre nichts gewesen seine Tätigkeit wieder auf. Meist treten die Absencen mit sogenannten Automatismen auf. Das sind Bewegungen, die unwillkürlich ablaufen. Dies können unter anderem Schmatzlaute oder Nestelbewegungen mit den Händen sein. Absencen können über hundertmal am Tag auftreten und werden häufig durch negative Gefühle, wie Angst oder Nervosität ausgelöst.[9]

[...]


[1] Schaudwet, Anne/ Schöler, Jutta ( Hrsg.): Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen in der Schule. Ein Handbuch für Pädagoginnen, Pädagogen und Eltern, Berlin, 1999, s. 20.

[2] BzgA: Chronische Erkrankungen im Kindesalter. Ein gemeinsames Thema von Elternhaus, Kindertagesstätte und Schule, s. 40.

[3] Schaudwet, Anne/ Schöler, Jutta ( Hrsg.): Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen in der Schule. Ein Handbuch für Pädagoginnen, Pädagogen und Eltern, Berlin, 1999, s. 20.

[4] BzgA: Chronische Erkrankungen im Kindesalter. Ein gemeinsames Thema von Elternhaus, Kindertagesstätte und Schule, s. 40.

[5] Schaudwet, Anne/ Schöler, Jutta ( Hrsg.): Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen in der Schule. Ein Handbuch für Pädagoginnen, Pädagogen und Eltern, Berlin, 1999, s. 21.

[6] Schweizerische Vereinigung der Eltern epilepsiekranker Kinder SVEEK (Hrsg.): Epilepsien im Schulalltag. Fragen Antworten und Informationen. Basel; Eberswalde, 1995 s. 25.

[7] Schaudwet, Anne/ Schöler, Jutta ( Hrsg.): Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen in der Schule. Ein Handbuch für Pädagoginnen, Pädagogen und Eltern, Berlin, 1999, s. 22-23

[8] www.epilepsie-elternverband.de/Grand-mal.38.0.html ( 24. August; 14:09 Uhr)

[9] Schaudwet, Anne/ Schöler, Jutta ( Hrsg.): Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen in der Schule. Ein Handbuch für Pädagoginnen, Pädagogen und Eltern, Berlin, 1999, s. 24- 25

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die chronische Krankheit Epilepsie
Untertitel
Und die Probleme der betroffenen Kinder
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Bildungswissenschaften)
Veranstaltung
Integration behinderter Kinder in Regelschulen
Note
1.5
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V155861
ISBN (eBook)
9783640696314
ISBN (Buch)
9783640696185
Dateigröße
383 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Epilepsie bei Kindern, Epilepsie im Schulalltag
Arbeit zitieren
Nina Schmeichler (Autor), 2009, Die chronische Krankheit Epilepsie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155861

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