Welche Erklärungsleistungen bieten Konzepte von Schicht und Habitus in Bezug auf heutige soziale Ungleichheit?
Seit dem Menschen sich im Gebiet des heutigen Deutschlands zu größeren sozialen Gemeinschaften zusammengeschlossen haben, etablierten diese hierarchische Ordnungen. Aus denen heraus entwickelten sich schließlich, unter Einfluss von äußeren Mächten, erste Staaten und letztendlich unsere heutige Nation. Immer gab es Unterschiede in den sozialen Stellungen, den Privilegien und der Einflussmacht auf die Gesamtgesellschaft, die einzelne Individuen und Gruppen innerhalb des jeweiligen Gesellschaftskonstrukts für sich erzielen konnten. Heute freilich leben wir nicht länger in einer feudalen Ständegesellschaft, sondern in einem demokratisch-sozialmarktwirtschaftlich organisierten Land, in dem man auf Grundlage seiner Leistung und nicht in erster Linie seiner sozialen Herkunft entlohnt wird. Reinhard Kreckel bezeichnet dies als „meritokratische Triade“ aus Bildung, Beruf und Einkommen. Pierre Bourdieu geht von ähnlichen Parametern aus, ergänzt aber besonders den Begriff des Habitus, der das Individuum in seiner sozialen Grundhaltung und seinem sozialen Handlungsraum maßgeblich beeinflusse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erklärungsleistung des Schichtbegriffs
3. Die Rolle des Habitus
4. Fazit zur Erklärungsleistung von Schicht und Habitus
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Erklärungsleistungen der Konzepte von Schicht und Habitus im Kontext heutiger sozialer Ungleichheit in Deutschland, wobei insbesondere die Rolle der Bildung und deren Einfluss auf die soziale Mobilität kritisch hinterfragt wird.
- Analyse und Vergleich der Konzepte von Pierre Bourdieu und Hradil
- Die Funktion der Bildung als Determinante für Schichtzugehörigkeit
- Der Einfluss des Habitus auf soziale Handlungsweisen und -grenzen
- Diskussion von Bildungsinflation und deren Auswirkungen auf die soziale Struktur
Auszug aus dem Buch
Die Rolle des Habitus
Nun ist die Rolle der Schichtzugehörigkeit für die soziale Ungleichheit einigermaßen klar geworden. Der Habitus führt nach den vorangegangenen Erwähnungen zu entsprechenden Handlungsweisen und -grenzen der Individuen, welche wiederum den Hang an der Schichtzugehörigkeit erklären. Dies soll im Folgenden noch weiter erläutert werden. Für Bourdieu ist der Habitus ein inkorporiertes Schema zur Beurteilung von Praktiken und sozialen Berührungspunkten, der sich im alltäglichen Handeln unbemerkt verfestigt. Bourdieu führt in diesem Zusammenhang den Begriff des kulturellen Kapitals ein, das auch als Bildungskapital verstanden wird, wobei das inkorporierte Kulturkapital den Zeitaufwand einfasst, sich Bildung anzueignen und zu verinnerlichen. Es wird innerhalb der familieninternen Primärsozialisation weitergereicht und zum Teil des Habitus (vgl. Thürriedl, 2012: 23). Zusätzlich meint Bourdieu, dass der Habitus im Grunde genommen „Leib gewordene und Ding gewordene Geschichte“ (Knoblauch, 2003: 4, zit. nach: Bourdieu, 1985: 69) sei und „eine Art zweite Natur der Akteure [ist], der sich in praxi, nicht nur ‚im Bewusstsein‘ der Akteure befindet.“ (Knoblauch, 2003: 5).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Entwicklung sozialer Ungleichheit ein und stellt die Grundannahme auf, dass Bildung eine zentrale Rolle bei der Bestimmung der Schichtzugehörigkeit spielt.
2. Erklärungsleistung des Schichtbegriffs: Dieses Kapitel arbeitet heraus, wie berufliche Stellung und Einkommen in unserer meritokratischen Gesellschaft als Rechtfertigung für ungleiche Lebenschancen dienen und wie eng Schulerfolg mit der sozialen Herkunft verknüpft ist.
3. Die Rolle des Habitus: Hier wird der Habitus als ein inkorporiertes Schema definiert, das durch die Primärsozialisation geprägt ist und Handlungsspielräume sowie die soziale Mobilität maßgeblich begrenzt.
4. Fazit zur Erklärungsleistung von Schicht und Habitus: Das Fazit resümiert, dass Bildung heute zwar Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe ist, jedoch aufgrund von Bildungsinflation nicht mehr automatisch zu einkommensstarken Positionen führt und dass diese Ansätze durch weitere Analysen ergänzt werden sollten.
Schlüsselwörter
Soziale Ungleichheit, Habitus, Schichtbegriff, Pierre Bourdieu, Bildung, Bildungsaufstieg, Meritokratie, Kulturkapital, soziale Mobilität, Klassenkampf, Bildungsinflation, Sozialstruktur, Milieu, Berufswahl, soziale Herkunft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie soziologische Konzepte wie der "Habitus" nach Bourdieu und der Schichtbegriff nach Hradil helfen können, die heutige soziale Ungleichheit in Deutschland zu erklären.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Bedeutung der Bildung für den sozialen Aufstieg, die meritokratische Wirtschaftsweise sowie die Mechanismen der sozialen Grenzziehung innerhalb von Gesellschaftsschichten.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, ob Bourdieus Habitus-Ansatz und die Schichttheorie nach Hradil ausreichende Aufschlüsse über die heutige soziale Ungleichheit in Deutschland geben können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung und Literaturarbeit, die verschiedene soziologische Quellen und Konzepte miteinander vergleicht und kritisch synthetisiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Schicht- und Bildungslogik sowie die detaillierte Analyse des Habitus-Begriffs und dessen Auswirkungen auf individuelle Lebenswege und soziale Mobilität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie soziale Ungleichheit, Habitus, Bildungsinflation und kulturelles Kapital charakterisiert.
Wie beeinflusst laut der Arbeit die soziale Herkunft den Bildungserfolg?
Die Arbeit argumentiert, dass soziale Herkunft maßgeblich über Bildungserfolge entscheidet, da das gymnasiale Milieu und die damit verbundenen Erwartungen oft mit einem "Habitus" verknüpft sind, der in Akademikerhaushalten anders internalisiert wird als in Arbeiterfamilien.
Was ist unter dem Phänomen der Bildungsinflation zu verstehen?
Bildungsinflation beschreibt das Problem, dass trotz steigender Akademisierungsraten nicht genügend qualifikationsadäquate Stellen vorhanden sind, was dazu führen kann, dass Bildungsabschlüsse ihren Status als exklusive Garantie für gut bezahlte Arbeit verlieren.
- Citar trabajo
- Tom-Leonard Haselhorst (Autor), 2021, Erklärungsleistung von Schicht und Habitus in Bezug auf heutige soziale Ungleichheit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1559271