Der Minnegesang setzte im deutschsprachigen Raum ungefähr 1150 ein.
Minnegesang war ein künstlerischer Ausdruck der Liebe zwischen einem Mann und einer edlen unerreichbaren Dame. Die Blütezeit des Minnegesangs in Deutschland waren ungefähr die Jahre von 1200 bis 1230.
Minne wird immer ausgedrückt durch Gesang, die dazugehörigen Noten und Melodien sind jedoch nicht überliefert. Die großen Lyriker dieser Zeit waren unter anderem Reinmar von Hagenau, Heinrich von Morungen und Walther von der Vogelweide.
Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden zu welcher Gattung das Lied Under linden an der heide (L. 39, 11) von Walther von der Vogelweide, gezählt werden kann. Es soll dabei die Frage geklärt werden, inwieweit Under der linden ( L. 39,11) Merkmale der sogenannten Mädchenlieder aufweist und ob es überhaupt dazu gezählt werden kann. Gleichzeitig wird untersucht, ob das Lied eventuell eine Pastourelle oder nicht, oder ob es nur pastourellenhafte Züge besitzt. Daher ist es notwendig, vor der eigentlichen Analyse des Liedes, die Begriffe Mädchenlieder und Pastourelle zu erklären.
In dieser Arbeit wird unter anderem ein Überblick über die Entstehung und Entwicklung der Minne gegeben. Ebenso werden die Bezeichnungen
“Wechselseitige Minne”, “Hohe Minne” und “Niedere Minne” erklärt.
Dies geschieht um verständlich zu machen, warum diese Bezeichnungen verwendet werden und wie zu einer Abkehr des Dichters, Walther von der Vogelweide von der traditionellen Minne kommt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Minne - ein kurzer Überblick
2.1. Wechselseitige Minne- Hohe Minne - Niedere Minne
3. Die Pastourelle
4. Zum Begriff der Mädchenlieder
5. Under der linden an der heide ( L. 39, 11)
5.1. Interpretation und Überlegungen zum Inhalt
5.2. Under der linden an der heide (L. 39,11) – ein Mädchenlied mit pastourellenhaften Zügen?
6. Fazit
Zielsetzung und Forschungsgegenstand
Die vorliegende Arbeit untersucht die gattungstheoretische Einordnung des Liedes "Under der linden an der heide" (L. 39, 11) von Walther von der Vogelweide. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und inwiefern das Gedicht Merkmale der sogenannten Mädchenlieder aufweist oder pastourellenhafte Züge trägt, um den Dichter in seiner Abkehr von der traditionellen Minne-Konzeption besser zu verstehen.
- Historische Entstehung und Entwicklung des Minnegesangs
- Differenzierung der Minne-Begriffe (Hohe, Niedere, Wechselseitige Minne)
- Analyse der Gattungsmerkmale von Pastourelle und Mädchenlied
- Literarische Untersuchung des Werkes von Walther von der Vogelweide
- Diskussion über die Einzigartigkeit des Frauenmonologs im Kontext der mittelalterlichen Lyrik
Auszug aus dem Buch
5.1. Interpretation und Überlegungen zu dem Inhalt
Schon der Titel des Liedes weist darauf hin, dass es sich hier um ein Lied “mit erotischer Grundstimmung”39 handelt. Die Begriffe Heide, Linde und auch Nachtigall finden sich oft in Liedern mit erotischem Inhalt wieder.40 Besonders die “heide” wird als “klassische Ort der Liebesbegegnung”41 in der mittelhochdeutschen Lyrik angesehen. Aber auch die Nachtigall ist ein typisches Symbol für zwei Liebende.42 Charakteristisch sind die zahlreichen Metaphern: Die Wiedergabe erotischer Geschehnisse in der mittelalterlichen Lyrik wird meistens durch Metaphern ausgedrückt.43
Deutlich wird in der zweiten Strophe, dass es sich um einen Frauenmonolog handelt. Das Mädchen wird am Treffpunkt von ihrem “ friedel” erwartet.44 Hiermit wird das typische Rollenmuster der Minnelyrik durchbrochen, in der sonst der Mann das lyrische Ich darstellte.
Aus welchem gesellschaftlichen Stand die Frau kommt bleibt unklar. In der zweiten Strophe findet sich die Anrede “here frouwe”. Die mittelhochdeutsche Übersetzung dafür lautet “hohe Frau”. Ob es sich um einen eindringlichen Ausruf “Heilige Jungfrau”, für eine vornehme Dame handelt oder um ein “Zitat der Anrede ( wurde ich begrüßt mit den Worten ‘Gnädigste Frau’ )”45 oder um eine emphatischer Ausruf “Heilige Jungfrau” ist nicht erkennbar.46
Das Mädchen berichtet in diesem Lied über ihre Gefühle und die Geschehnisse der leidenschaftlichen Begegnung mit ihrem Liebsten, sie spricht voller Zärtlichkeit und voller Freude. Sie erinnert sich an die Bilder der Landschaft, um das erlebte Abenteuer zu untermalen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den historischen Kontext des Minnegesangs ein und definiert das Ziel der Arbeit, das Lied "Under der linden" gattungstheoretisch einzuordnen.
2. Minne - ein kurzer Überblick: Dieses Kapitel gibt einen Abriss über die Phasen und Ausprägungen des Minnesangs sowie die theoretischen Grundlagen der Minne.
2.1. Wechselseitige Minne- Hohe Minne - Niedere Minne: Hier werden die spezifischen Bezeichnungen und sozialen Konnotationen innerhalb der mittelalterlichen Liebeslyrik differenziert betrachtet.
3. Die Pastourelle: Der Abschnitt definiert die Pastourelle als literarische Gattung und beleuchtet deren typische Merkmale, wie den Natureingang und die erotische Begegnung.
4. Zum Begriff der Mädchenlieder: Dieses Kapitel widmet sich der Definition der Mädchenlieder als Abgrenzung zur Hohen Minne und diskutiert deren Kennzeichen im Werk Walthers.
5. Under der linden an der heide ( L. 39, 11): Hier erfolgt eine detaillierte inhaltliche Interpretation des Liedtextes unter Berücksichtigung der Metaphorik und der psychologischen Dimension.
5.1. Interpretation und Überlegungen zum Inhalt: Der Abschnitt analysiert spezifisch die Strophen und die Rolle der Natur als Verbündete der Liebenden.
5.2. Under der linden an der heide (L. 39,11) – ein Mädchenlied mit pastourellenhaften Zügen?: Eine kritische Auseinandersetzung mit der gattungstheoretischen Einordnung des Werkes im Kontext der Forschung.
6. Fazit: Die Zusammenfassung unterstreicht die Einzigartigkeit des Liedes als revolutionäre Liebeslyrik, die traditionelle Grenzen des Minnegesangs radikal bricht.
Schlüsselwörter
Minnegesang, Walther von der Vogelweide, Under der linden, Mädchenlied, Pastourelle, Mittelalter, Frauenmonolog, Liebeslyrik, Hohe Minne, Niedere Minne, Erotik, Literaturgattung, Mittelhochdeutsch, Liebeserfüllung, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das berühmte Lied "Under der linden an der heide" von Walther von der Vogelweide hinsichtlich seiner gattungstheoretischen Zuordnung innerhalb der mittelhochdeutschen Liebeslyrik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Gattungsdefinitionen von Pastourelle und Mädchenlied sowie deren Abgrenzung zur traditionellen Hohen Minne, illustriert am Beispiel von Walthers Werk.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, ob "Under der linden" als Mädchenlied klassifiziert werden kann und ob es pastourellenhafte Elemente enthält oder lediglich als einzigartige, revolutionäre Liebesdichtung zu betrachten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text des Liedes in den Kontext zeitgenössischer Forschung und gattungsspezifischer Merkmale stellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung in die Minne-Typologien, die Definition der Gattungen und die anschließende detaillierte Interpretation des Lindenliedes unter Einbeziehung verschiedener Forschungspositionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Minnesang, Walther von der Vogelweide, Mädchenlied, Pastourelle, Liebeslyrik und Gattungsanalyse geprägt.
Warum wird das Lindenlied als revolutionär bezeichnet?
Weil Walther von der Vogelweide hier mit Konventionen bricht: Die Frau spricht als lyrisches Ich, zeigt Selbstbewusstsein und spricht offen über körperliche Liebe, was im Kontext der damaligen Zeit unüblich war.
Gibt es eine eindeutige Gattungszuordnung für "Under der linden"?
Nein, die Arbeit zeigt auf, dass die Forschung gespalten ist. Das Lied vereint Elemente verschiedener Gattungen, bleibt aber in seiner Ausgestaltung einzigartig und entzieht sich einer starren Einordnung.
- Quote paper
- Franziska Dedow (Author), 2005, "Under der linden an der heide" - ein Mädchenlied mit pastourellenhaften Zügen? , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155944